Kreuzfahrtschiff im Sonnenuntergang

Verkäufe und Verschrottungen: Welche Kreuzfahrtschiffe die Reedereien in der Coronakrise ausmustern

Die Kreuzfahrt wird nicht so schnell zu alter Stärke zurückfinden. Die Reedereien reduzieren Kosten, wo es nur geht. Deshalb stehen auch immer mehr Kreuzfahrtschiffe zur Disposition, werden verkauft oder gar verschrottet. In diesem Beitrag fassen wir Flottenveränderungen in der Corona-Krise zusammen und aktualisieren diese Liste regelmäßig.

Weil in absehbarer Zeit nicht mehr alle Schiffe der aktuellen Flotten gebraucht werden, mustern Reedereien vor allem die Schiffe aus, die ohnehin schon etwas in die Jahre gekommen sind. Bislang war das Wachstum der Branche so groß, dass jedes Schiff gebraucht wurde und Verkauf oder gar Verschrottung kaum eine Option war.

Lediglich bei der Verjüngung der Flotte durch zumeist deutlich größere Neubauten haben Reedereien kleinere, ältere Schiffe verkauft. Sie gingen zumeist an Reedereien, in deren Konzept genau diese Klassiker passen. Oder sie gingen in aufstrebende Kreuzfahrt-Märkte mit weniger verwöhnten Kunden.

Corona-Krise hat das schnelle Wachstum der Kreuzfahrt gestoppt

Die Corona-Krise hat die Situation grundlegen geändert. Stillgelegte Schiffe verursachen hohe Unterhaltskosten. Meist stehen in den kommenden Jahren auch noch Neubauten an, die zusätzliche Bettenkapazitäten in eine Flotte bringt.

Noch ein Aspekt ist wichtig: Nach der Krise werden die Klima- und Umweltschutz-Erwartungen an die Kreuzfahrt noch höher sein als schon zuvor. Alte Schiffe haben typischerweise einen hohen Treibstoffverbrauch und schon deshalb eine schlechtere Umweltbilanz. Die Kreuzfahrt-Reedereien nutzen die Krise also wohl auch mit diesem Hintergedanken für eine Verjüngung ihrer Flotten.

Carnival Corp. hat bereits die kurzfristige Ausmusterung von insgesamt 13 Schiffen angekündigt. Der CEO der Royal Caribbean Group, Richard Fain, sagte Mitte Juli dagegen, es gebe keine konkreten Pläne, abgesehen von den Schiffen der insolventen Pullmantur Cruises, an der Royal Caribbean beteiligt ist.

Erst Gerüchte, dann vielleicht die Bestätigung

Dass ein Schiff verkauft oder verschrottet wird, hängen die Reedereien ungern an die große Glocke. Wir sparen uns daher typischerweise auf cruisetricks.de spekulative News-Meldungen, wenn Gerüchte zu einem weiteren Schiffsverkauf auftauchen. Aber wir ergänzen die folgende Tabelle mit entsprechenden Hinweisen.

In unserer Übersicht nennen wir Quellen. Wir erklären, wie gesichert eine Information ist und ob sie von der Reederei offiziell bestätigt wurde.

Anmerkung: Nicht in der Tabelle enthalten ist die Bremen, weil sie die Flotte von Hapag-Lloyd Cruises schon längerfristig geplant und unabhängig von der Corona-Krise verlässt.

SchiffMarkeUnternehmenStatus 
AmsterdamHolland America LineCarnival Corp.wird zusammen mit der Rotterdam im Herbst 2020 verkauft, Käufer: Fred. Olsen Cruise Linesbestätigt
Carnival FantasyCarnival Cruise Line Carnival Corp.in Curacao soll Ausrüstung und Wertgegenstände von Bord gebracht worden sein; Schiff wurde am 30. Juli in Aliaga zur Verschrottung auf Grund gesetztbestätigt, Verschrottung hat begonnen
Carnival InspirationCarnival Cruise LineCarnival Corp.ähnlich wie zuvor die Carnival Fantasy lagt das Schiff in Curacao; angeblich sollen dort Ausrüstung und Wertgegenstände von Bord gebracht worden sein; am 5. August wurde das Schiff in Aliaga, Türkei, zur Verschrottung auf Grund gesetztbestätigt, Verschrottung hat begonnen
Costa NeoromanticaCostaCarnival Corp.nach Verschrottungsgerüchten nun die gute Nachricht: Das Schiff wird an Celestyal Cruises verkauft bestätigt
Costa VictoriaCosta Carnival Corp.Verschrottung in Piombino, Italienvon Costa bestätigt, 29. Juni 2020
HorizonPullmantur Cruises Royal Caribbean Groupliegt derzeit in Piräus; nach angemeldeter Insolvenz von Pullmantur Cruises soll das Schiff verschrottet werden; zwischenzeitlich hatte es Gerüchte über einen Kaufinteressenten gegebenbestätigt
MaasdamHolland America LineCarnival Corp.wird zusammen mit der Veendam im August 2020 verkauft, Käufer noch unbekanntbestätigt
Marella CelebrationMarella CruisesTUI GroupSchiff wird früher als geplant ausgemustert und geht nach dem Corona-Lockdown nicht mehr für Marella in Dienst; ob es verschrottet oder verkauft wird, ist unklarMarella Cruises bestätigt, dass das Schiff die Flotte verlassen wird
MonarchPullmantur Cruises Royal Caribbean Groupin Malta soll Ausrüstung und Wertgegenstände von Bord gebracht worden sein; am 22. Juli 2020 hat die Verschrottung im türkischen Aliaga begonnendurch Fankten bestätigt
OceanaP&O CruisesCarnival Corp.Oceana wird verkauft; Käufer ist das griechische Fährunternehmen Seajets griechische Fährunternehmen SeajetsVerkauf bestätigt
RotterdamHolland America LineCarnival Corp.wird zusammen mit der Amsterdam im Herbst 2020 verkauft, Käufer: Fred. Olsen Cruise Linesbestätigt
SovereignPullmantur Cruises Royal Caribbean Grouplag bis 18. Juli vor Malta; am 23. Juli hat die Verschrottung im türkischen Aliaga begonnenduch Fakten bestätigt
VeendamHolland America LineCarnival Corp.wird zusammen mit der Maasdam im August 2020 verkauft, Käufer noch unbekanntbestätigt
(noch unbekannt)Fred. Olsen Cruise LinesFred. Olsen Cruise Lineswird durch Kauf der Amsterdam und Rotterdam ersetzt; welche zwei Schiffe bei Fred. Olsen ausgemustert werden, ist noch nicht bekanntbestätigt
(noch unbekannt)Fred. Olsen Cruise LinesFred. Olsen Cruise Lineswird durch Kauf der Amsterdam und Rotterdam ersetzt; welche zwei Schiffe bei Fred. Olsen ausgemustert werden, ist noch nicht bekanntbestätigt
bereits länger feststehende Flottenveränderungen:
Costa MediterraneaCostaCarnival Corp.Schiff soll der Planung zufolge im Mai 2021 an das Joint Venture CSSC Carnival Cruise Shipping in China gehen, so wie im Dezember 2019 bereits die Costa Atlanticabestätigt
Pacific Aria, Pacific DawnP&O AustaliaCarnival Corp.die beiden Schiffe gehen der Planung zufolge Anfang 2021 an CMV, neue Namen: Ida Pfeiffer und Amy Johnson; nach der Insolvenz von Transocean/CMV ist die Situation allerdings zunächst unklar.bestätigt

Schiffsverkäufe: Gerüchte, Indizien und falsche Fährten

Zuverlässige Informationen sind oft Mangelware, vor allem wenn es um die Verschrottung von Kreuzfahrtschiffen geht. Denn Pressemitteilungen verschicken Reedereien natürlich zu traurigen Ereignissen wie dem Lebensende eines Schiffs nicht.

Aber es gibt oft schon frühzeitig Gerüchte vor allem starke Indizien, die auf eine bevorstehende Verschrottung hindeuten: Wenn ein Schiff den Eigentümer wechselt und der Käufer keine Kreuzfahrtreederei ist. Oder wenn beobachtet wird, wie Einrichtung, Ausrüstung und Wertgegenstände in großem Stil von einem Schiff geschafft werden. Oder wenn ein Schiff sich auf Kurs zu einem der bekannten Verschrottungsorte befindet – beispielsweise Aliaga nahe Izmir in der Türkei, oder zu berüchtigten Stränden wie Alang in Indien oder Chittagong in Bangladesh.

Kein sicheres Indiz für einen bevorstehenden Verkauf ist übrigens, wenn ein Kreuzfahrtschiff in den Angebotslisten von Schiffsbrokern auftaucht. Meist geht das nämlich nicht einmal von den Reedereien selbst aus. Vielmehr bietet der Broker ein Schiff proaktiv am Markt an und kontaktiert die Reederei erst mit einem konkreten Kaufangebot, wenn ein Kunde interessiert ist. Manche Reedereien listen Kreuzfahrtschiffe dort auch gerne mal ohne konkrete Verkaufsabsicht quasi als Versuchsballon, um zu sehen, ob es einen Markt für das Schiff gäbe.

Mehr zur Verschrottung von Kreuzfahrtschiffen

Über die Verschrottung von Kreuzfahrtschiffen haben wir schon vor einiger Zeit einen Beitrag verfassst: „Verschrottung: Wenn Schiffe sterben“. Und wir haben 2013 auch ein Interview mit dem amerikanischen Schiffshistoriker Peter Knego geführt, der ein seltenes Geschäft betreibt: Er sammelt und handelt mit Kunst und Möbeln von alten Kreuzfahrtschiffen und Oceanlinern. Die wichtigste Quelle sind für ihn die Abwracker. Seine Geschichte lesen Sie im Interview „Fast verlorene Schätze: Oceanliner-Kunstwerke aus Alang“.

11 Kommentare

11 Kommentare zu “Verkäufe und Verschrottungen: Welche Kreuzfahrtschiffe die Reedereien in der Coronakrise ausmustern

  1. @Bernd: Nicht vergessen, sondern bewusst nicht aufgenommen, weil der Abgang der Bremen nichts mit Corona zu tun hat, sondern schon länger genau zu diesem Zeitpunkt geplant war. Ich nehme aber gerne einen Hinweis im Text dazu auf, damit da kein Missverständnis entsteht.

  2. Natürlich gibt es dazu noch keine offizielle Aussage, aber dass die Abgänge bei Fred. Olsen Boudicca und Black Watch heißen werden, liegt auf der Hand: Die beiden liefen 1971/72 vom Stapel, während ihre Reedereischwestern Balmoral und Braemar von 1987 bzw. 1992 sind. Allein der Altersunterschied macht die Wahl offensichtlich.
    Ein weiteres Argument sind die häufigen Maschinenprobleme der Boudicca in den letzten Jahren, die schon zur Absage diverser Kreuzfahrten geführt haben.

  3. @Carsten Fister: Stimme ich zu, Allerdings würde ich in einem solchen Beitrag dann doch nicht so weit gehen, Schiffe aus einer puren Vermutung heraus in die Liste aufzunehmen. Insofern werde ich bei diesen beiden Schiffen (wie auch bei einigen anderen “Kandidaten”) zumindest auf konkrete Indizien warten.

  4. Ja so schnell kann es gehen…Gerade hat die Kreuzfahrtbrache noch immer neue Rekordumsätze und nun die Vollbremsung.
    So ähnlich auch bei der Luftfahrt:Die A-380 war bei Ihrer Entstehung angeblich das Flugzeug der Zukunft und heute? Nur relativ wenig Flugzeuge wurden gebaut und auch diese sind oft nicht im Betrieb.Selbst die Konkurrent mit Ihrer B-747 wird nur noch 2 Jahre lang gebaut. Kleinere Flugzeuge mit nur 2 Triebwerken gehört plötzlich wieder die Zukunft.Ob wohl auch bei den Schiffen eher wieder kleinere und auch Corona bzw für andere Pandemien geeignete Schiffe wieder eher eine Zukunft haben werden? Buffet- Restaurants werden wohl auch in Zukunft weniger gefragt sein?

  5. @Thomas Gebert: Ich glaube, das ist noch nicht so richtig klar, ob kleinere Schiff in Zukunft mehr Chancen haben werden. Aktuell während der Coronakrise sind kleinere Schiffe sicherlich im Vorteil, weil sie vor allem bessere Möglichkeiten haben, überhaupt Häfen anzulaufen, die bereit sind, Kreuzfahrtschiffe aufzunehmen. Längerfristig könnten aber auch große Schiffe Vorteile haben, weil sie mehr Platz an Bord haben und dadurch Hygienekonzepte besser umsetzen können, insbesondere wenn es um Abstandhalten geht. Die Zeit wird es zeigen, um Augenblick ist es wohl noch zu früh.

  6. @Thomas & Franz:
    Ich denke, diese Diskussion ist eher akademisch, denn aktuell sind praktisch nur Riesenschiffe im Bau und die müssen von den Reedereien auch abgenommen werden, während Neuaufträge (für eventuelle kleine Schiffe) für die nächsten 4-6 Jahre aus finanziellen und Auslastungsgründen eigentlich auszuschließen sind. Wie obige Tabelle deutlich zeigt, sind viele ja bereits dabei, ihren “Bettenüberhang” abzustoßen.
    Die großen Reedereien werden sich also aus kaufmännischer Notwendigkeit eher noch mehr auf die 140.000+ BRZ-Kategorie konzentrieren, selbst wenn das heißt, dass ihnen künftig der eine oder andere Hafen aus Angst vor potentiell infizierten Passagieren das Anlaufen verweigert. Sie haben schlichtweg keine andere Wahl!

    (PS: Die Einschätzung eines Neuauftragsstops für 4-6 Jahre stammt aus einem Interview mit Bernhard Meyer)

  7. Dann war meine Aussage zu pauschal: Ich meinte natürlich die üblichen Verdächtigen aus dem Massen- und Premiumgeschäft. Auf die eingeschränkt stimmt meine Aussage weiterhin, denke ich.
    Die meisten kleinen Neubauten sind ja für Luxus- und Expeditionsveranstalter und die hatte ich stillschweigend ausgeklammert, weil sie meist ohnehin nur mit dreistelligen Passagierzahlen pro Schiff arbeiten, auch ohne Coronakrise.

    Gibt es eigentlich irgendwo eine Info, welche Kreuzfahrthäfen aktuell überhaupt das Anlaufen erlauben? Zumindest Griechenland hat offenbar seine Häfen seit 1.8. wieder geöffnet, aber sonst habe da komplett die Orientierung verloren. Vielleicht wäre das auch ein Thema für Dich?

  8. @Carsten: Ich widerspreche Dir ungern nochmal, aber selbst bei den Großen sind kleine Schiffe nicht völlig vom Schirm. Royal Caribbean hat sich Silversea geangelt, MSC plant eine Luxusschiff-Baureihe, die Leonardo-Klasse bei Norwegian Cruise Line ist – zumindest in deren Dimensionen – kleiner als die vorausgegangenen Schiffsklassen. Zumindest vor Corona hat sich der Markt da deutlich diversifiziert, auch wenn die ganz großen Schiffe natürlich die größte Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Klar: Kleine Schiffe im preisgünstigen Marktsegment gibt’s verschwindend wenige; Letztlich ist der Kostenvorteil pro Passagier der ganz großen Schiffe natürlich ein wesentlicher Grund für diese Schiffe. Am Massenmarkt müssen Reisen günstig sein, sonst entsteht kein Massenmarkt. Und kleine Schiffe werden tendenziell immer teurer bis teuer sein, weil halt auch die Kosten pro Passagier höher sind.

    Bzgl. Häfen, die wieder offen sind: Ehrlicherweise versuche ich erst gar nicht, das im Detail zu erfassen und zu verfolgen. Da bräuchte ich, glaube ich, ein oder zwei Vollzeitmitarbeiter, nur um dieses eine Thema vollständig zu tracken. Da ändert sich ständig sehr viel (Norwegen hat gerade mal wieder ad hoc für vorerst zwei Wochen geschlossen), oft findest Du die Infos nur in Landessprache und auch mit Google Translate kommt man 20 verschiedenen Sprachen nur schwer bei, wenn’s im Details geht. Und nur die Tatsache, dass Hafen X grundsätzlich offen ist, bedeutet ja noch lange nicht, dass alle Schiffe dort auch wieder hinfahren können. Oft gibt’s dann doch Schiffsgrößenbeschränkungen, oder Schiffe bekommen (siehe AIDA) von ihrem Flaggenstaat die nötigen Genehmigungen nicht. Da hängen so viele Faktoren dran, dass es schier unmöglich ist, das sinnvoll und zuverlässig zu erfassen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.