Der Seadream Yacht Club bekommt zum ersten Mal in seiner Firmengeschichte ein originär für die Reederei gebautes Kreuzfahrtschiff. Die Seadream III soll im Juli 2029 in Dienst gehen, Platz für rund 200 Passagiere bieten und mit etwa 151 Metern Länge deutlich größer ausfallen als die beiden bisherigen Kreuzfahrt-Yachten der Reederei. Die Buchung der ersten Reisen ist bereits möglich.
Die 2001 von Atle Brynestad gegründete Reederei betreibt seither die beiden Schwesterschiffe Seadream I und Seadream II. Beide stammen aus den Jahren 1984 und 1985, wurden bei Wärtsilä in Helsinki als Sea Goddess I und Sea Goddess II gebaut und liefen später unter Cunard und Seabourn, bevor Brynestad sie im Juli 2001 von Cunard kaufte. Mit gut 4.250 BRZ, rund 105 Metern Länge und 112 Passagieren auf drei Passagierdecks gehören sie zu den kleinsten Schiffen der Hochsee-Luxuskreuzfahrt.
Die Seadream III wird nun das erste Schiff, das die Reederei nicht aus zweiter Hand übernimmt, sondern selbst bauen lässt. Sie soll Kabinen auf fünf Decks bekommen, auf vier davon mit Balkon. Angekündigt sind außerdem ein Pooldeck, Innen- und Außenbereiche für die Gastronomie sowie erweiterte Spa- und Fitnessflächen. Drei Wassersport-Marinas sollen direkten Zugang zum Meer bieten – auf den bisherigen Schiffen gibt es je eine.
Die Besatzungsstärke soll nach Angaben der Reederei etwa der Passagierzahl entsprechen. Auf Seadream I und II kommen derzeit 95 Crew-Mitglieder auf 112 Passagiere.
Wo die Seadream III gebaut wird, teilt die Reederei nicht mit. Cruise Industry News berichtet unter Berufung auf eigene Informationen, das Schiff entstehe in China. Eine Bestätigung durch Reederei oder Werft liegt bislang nicht vor. Auch zur Tonnage des Neubaus, zum Antriebskonzept und zum Auftragsvolumen macht Seadream keine Angaben.
Der abgesagte Vorgänger: Seadream Innovation
Einen ersten Anlauf für einen Neubau hatte Seadream vor einigen Jahren zunächst wieder aufgegeben. Im März 2019 hatte Seadream bei Damen Shipyards in den Niederlanden die „Seadream Innovation“ bestellt und ein weiteres geplant: 15.600 BRZ, 220 Passagiere, 110 Suiten, neun Decks, drei Marinas und eine PC6 für Fahrten in Polargebieten. Die Auslieferung war für September 2021 vorgesehen. Am 2. Dezember 2019 – also noch vor der Pandemie – kündigten Reederei und Werft an, das Projekt nicht weiterzuverfolgen. Seadream erklärte damals, man verfolge weiter andere Neubau-Optionen und hoffe, noch 2020 ein Schiff ankündigen zu können. Daraus wurden, wohl auch pandemiebedingt, erst jetzt etwas.
Anders als die damals geplante Seadream Innovation ist die Seadream III nicht als Expeditionsschiff angelegt. Svalbard und Grönland stehen zwar im Fahrplan, eine Eisklasse hat die Reederei bislang aber nicht erwähnt.
Einsatzgebiete: Asien, Große Seen, Weltreise
In den ersten 24 Monaten soll die Seadream III nach Reedereiangaben sechs Kontinente, 73 Länder und 364 Häfen anlaufen. Die Jungfernfahrt beginnt am 10. Juli 2029 in Hongkong und führt über die Ryukyu-Inseln nach Tokio, wo das Schiff am 21. Juli 2029 getauft werden soll. Nach einer ersten Saison in Japan und Südkorea folgen Südostasien, Indonesien, Australien und Neuseeland.
2030 geht es westwärts über Indien, die Arabische Halbinsel und das Mittelmeer nach London, anschließend nach Nordeuropa, Svalbard, Grönland und Island. Danach quert die Yacht den Nordatlantik nach Kanada und fährt über den Sankt-Lorenz-Strom in die Großen Seen, mit Anläufen unter anderem in Montreal, Toronto, Detroit und Chicago – ein Fahrtgebiet, das nur wenigen Kreuzfahrtschiffen offensteht. Über die US-Ostküste erreicht sie West Palm Beach und anschließend die Karibik und Mittelamerika.
Am 5. Januar 2031 startet in West Palm Beach eine 180-tägige Weltreise nach London mit Ankunft am 5. Juli 2031. Die Route führt durch den Panamakanal, entlang der südamerikanischen Pazifikküste, durch die Südsee nach Australien und Südostasien und über Indien, Ägypten und den Suezkanal ins Mittelmeer.




