Theta V mit Unterwasser-Gehäuse im Einsatz auf St. Thomas

Kameratest: Ricohs neue Theta V für 360-Grad-Bilder und -Videos

360-Grad-Panoramabilder sind eines der Markenzeichen von cruisetricks.de. Deshalb hatte ich auf der MSC Seaside in der Karibik eine neue Kamera zum Testen dabei: die Ricoh Theta V für 360-Grad-Panorama-Bilder und -Videos.

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Früher habe ich 360-Grad-Bilder aufwändig mit der Spiegelreflex-Kamera in vielen Einzelbildern fotografiert und am PC zusammengesetzt. Seit einiger Zeit nutze ich dafür die viel kleinere und leichtere Theta S von Ricoh, die vom Smartphone aus gesteuert komplette 360-Grad-Bilder erzeugt.

Was mich an der Theta S aber stört: Die Wlan-Verbindung zum Smartphone ist störanfällig, die Reichweite zu gering und die Software erzeugte manchmal falsch zusammengesetzte HDR-Bilder. Und die Video-Qualität ist bestenfalls mittelmäßig. Deshalb war ich auf das Nachfolger-Modell Theta V neugierig und habe es mir von Ricoh zum Testen ausgeliehen.

Die technischen Spezifikationen ließen für meinen Hauptanwendungsbereich für 360-Grad-Fotos keinen riesigen Unterschied erwarten. Doch da sollte ich mich gründlich irren …

Brillante Bilder, stabiles Wlan, schnelle HDR-Fotos

Ricoh Theta V und Theta-App am Smartphone
Ricoh Theta V und Theta-App am Smartphone

Auf den Kreuzfahrtschiffen ist die Lichtsituation meist schwierig, die Kontraste enorm. Deshalb arbeite ich fast ausschließlich im HDR-Modus der Kamera. Und hier gab es schon die erste positive Überraschung: Brauchte die Theta S noch rund 20 Sekunden für die drei Bilder des HDR-Fotos, macht die Theta V das in zwei, drei Sekunden. Und auch das Übertragen aufs Smartphone läuft mehr als doppelt so schnell.

Fast noch wichtiger ist die höhere Reichweite der Wlan-Verbindung zwischen Kamera und Smartphone-App. Denn ich will selbst nicht im Bild sein, muss mich also immer hinter einer Säule oder einer Ecke im Raum verstecken. Bei der Theta S riss dabei oft die Wlan-Verbindung ab. Die Theta V jedoch macht das Versteckspiel problemlos mit und überträgt anschließend auch die Bilder deutlich schneller aufs Smartphone.

Quasi nebenbei, ist auch die Bildqualität der Theta V sichtbar besser geworden. Die beiden Testbilder zeigen das deutlich – erstellt mit der Theta S und Theta V an exakt der gleichen Position, direkt hintereinander, als HDR:

Vergleichsbild mit der neuen Theta V ...
Vergleichsbild mit der neuen Theta V …
... und mit dem Vorgängermodell Theta S
… und mit dem Vorgängermodell Theta S

Besonders auffällig ist der Bereich mit dem bewegten Wasser, der bei der Theta V deutlich schärfer wirkt – bedingt durch den schon angesprochenen, viel längeren HDR-Aufnahmezeitraum der Theta S. Auffällig sind bei der Theta V auch die brillanteren, ausgewogenen Farben und ein besseres Belichtungsergebnis im Bereich der Sonne. In Innenräumen, also bei wenig Licht, fällt das Bildrauschen geringer aus als beim Vorgängermodell. Die Auflösung ist dagegen bei 5.376 x 2.688 Pixel geblieben.

Und hier das Bild aus der Theta V noch einmal als interaktives Panorama:
(Vollbild-Modus lässt sich mit dem Button rechts unten aktivieren/deaktivieren.)

Einsatzfähig nach zehn Sekunden

Für mich persönlich nicht sonderlich relevant, aber für manche Anwendungsfälle erwähnenswert: Bis man die Theta V nach dem Einschalten benutzen kann, dauert es manchmal bis zu zehn Sekunden – die Theta S ist dagegen immer sofort einsatzfähig. Um die lange Startzeit zu umgehen, kann man in zeitkritischen Situationen die Theta V eingeschaltet lassen und den automatischen Ruhemodus deaktivieren. Unter welchen Bedingungen die Theta V manchmal sofort bereit ist und manchmal länger braucht, konnte ich in meinen Tests nicht genauer verifizieren.

Scharfe 4K-Videoaufnahmen in 360-Grad

Wie erwähnt arbeite ich vor allem mit 360-Grad-Fotos und weniger mit Videos. Das könnte sich mit der Theta V ändern, denn ihre Video-Fähigkeiten sind beeindruckend, selbst unter Wasser mit Schutzgehäuse.

Schon vor dem Test war klar: Im Vergleich zu meiner bisherigen Theta S kann die neue Theta V auch 360-Grad-Videos in hoher Qualität aufnehmen. Denn sie macht 4K-Videos bei 30 Frames pro Sekunde mit einer Auflösung von 3840 x 1920 Pixeln. Audio wird mit einem 4-Kanal-Mikro aufgezeichnet, also ebenfalls quasi in 360 Grad – wichtig für VR-Anwendungen.

Video war die auffälligste Schwäche des Vorgängers: Fest am Stativ montiert war die Video-Qualität der Theta S halbwegs okay, in Bewegung aber schon recht schwach (vgl. Theta-S-Video von einer Wassertaxi-Fahrt in Venedig).

Auf der MSC Seaside habe ich die Theta V gleich mal unter Extrem-Bedingungen getestet. Das Schiff hat eine 105 Meter lange Zip-Line, die längs über den hinteren Teil des Schiffs führt. Also habe ich die Theta V auf mein Brustgeschirr geschraubt, das ich sonst für die Action-Cam nutze und bin damit Zip-Line gefahren. Hier das Ergebnis:

Achtung, Vimeo wählt die Video-Auflösung automatisch – für die volle Qualität bitte rechts in den Einstellungen auf 4K umstellen.

Und dann gleich noch ein Extrem-Test: Ich habe die Kamera ins (separat erhältliche, mit 200 Euro nicht ganz günstige) Unterwasser-Gehäuse gepackt, auf einen Selfie-Stick geschraubt und sie auf St. Thomas zum Schnorcheln in einer Bucht mit Meeresschildkröten mitgenommen.

In diesem Fall habe ich das Video in ein statisches 1080p-Video umgewandelt, um die Datenmenge zu reduzieren und weil es ohnehin nur auf einen Blickwinkel ankommt – den auf die Schildkröte. Apropos Datenmenge: Das Aufnahme-Limit ist der fest in der Kamera verbaute Speicher von knapp 20 GByte (die Theta S hat lediglich knapp 8 GByte). Für 4K-Video reicht der Speicher etwas über 45 Minuten.

Auch hier spricht das Ergebnis für sich:

Wirklich genial funktioniert der Gyrosensor der Theta V. Egal, wie man die Kamera während der Video-Aufnahme dreht: oben bleibt immer oben. Das war vor allem beim Schnorcheln sehr hilfreich, weil ein Geradehalten der Kamera unter Wasser faktisch unmöglich ist. Dank Gyrosensor konnte ich die Kamera immer auf die Schildkröte ausrichten, ohne mich um die genaue Stellung der Kamera kümmern zu müssen.

Unterwasser-Gehäuse TW-1

Das Unterwasser-Gehäuse TW-1 habe ich mir für das Schnorchel-Abenteuer in St. Thomas vor der Reise noch schnell gekauft – wohl in der Vorahnung, dass ich mir die zunächst geliehene Theta V letztlich wohl eh‘ kaufen würde. Bei 360-Grad-Aufnahmen ist ein Gehäuse logischerweise problematisch, weil es nicht komplett unsichtbar sein kann. Kaum sichtbar ist der kleiner „Wirbel“ im Zenit. Deutlich störender sind die sichtbaren Gehäuse-Teile im Nadir (also „unten“). Bei der Video-Aufnahme sollte man deshalb darauf achten, dass wichtige Motiv-Elemente nicht in diesem Bereich liegen.

Screenshot aus einem Video: Links ist das Unterwasser-Gehäuse deutlich sichtbar.
Screenshot aus einem Video: Links ist das Unterwasser-Gehäuse deutlich sichtbar.

Ansonsten macht das Gehäuse einen guten Eindruck und verursacht unter Wasser – sehr wichtig – keine nennenswerten Verzerrungen im Bild. Nur ein Stativ-Gewinde aus Metall statt Kunststoff hätte Ricoh dem Gehäuse ruhig gönnen können.

Theta V im Unterwassergehäuse TW-1
Theta V im Unterwassergehäuse TW-1

Übrigens: Auch wenn das Gehäuse TW-1 von Ricoh als kompatibel mit der Theta S bezeichnet wird, ist hier Vorsicht geboten. Denn mit der Theta S funktioniert lediglich der Auslöseknopf. Die seitlich liegenden Knöpfe zum Ein- und Ausschalten der Kamera und zum Modus-Wechsel bleiben bei der Theta S im Unterwassergehäuse dagegen funktionslos. Denn Theta V ist geringfügig breiter, sodass die Gehäuse-Knöpfe die seitlichen Kamera-Knöpfe der Theta S nicht ganz erreichen.

Neue Funktionen per Update

An dieser Stelle sei schnell noch erwähnt: Die Ricoh Theta V ist so konzipiert, dass sie sich durch Plugins und Updates fortentwickeln lässt, also später noch weitere Features und Verbesserungen hinzu kommen können. Als ein solches Funktionsupdate soll die Theta V laut Ricoh-Roadmap beispielsweise im Herbst 2018 echte Zeitraffer-Videos ermöglichen. Über die Serienbild-Funktion geht das allerdings auch jetzt schon recht gut, wenn man die Einzelbilder hinterher selbst am PC zu einem Video zusammenfügt.

Aber auch schon ohne Updates sind die Möglichkeiten der Theta V so umfangreich, dass ich im Rahmen meiner Tests nicht alle Details durcharbeiten konnte, beispielsweise: parallele Verbindung via Bluetooth und Wlan gleichzeitig, Verbindung der Kamera über einen Wlan-Router satt direkt mit dem Smartpone, 4K-Video-Livestreaming und vor allem die vielen manuellen Einstellmöglichkeiten, wenn die automatische Belichtung einmal nicht ausreichen sollte.

Fazit: Die Theta V kommt dauerhaft in meinen Foto-Rucksack

Das Fazit mache ich kurz: Für 360-Grad-Videos ist das Upgrade auf die Theta V ohnehin sinnvoll, weil das Vorgängermodell einfach eine zu geringe Auflösung und schlechte Qualität bei Videos bietet. Aber auch für 360-Grad-Fotos leistet die Theta V im Detail wesentlich mehr, als die technischen Spezifikationen vermuten lassen.

Wünschenswert wäre, dass Ricoh mehr Wert auf verständliche Anleitungen legt, sodass man die vielen Funktionen der Kamera ausschöpfen kann, ohne zunächst in umfangreiche Internet-Recherchen anstellen muss. Grundsätzlich gibt es zwar Anleitungen online, die sind aber oft schwer verständlich und spezifizieren nicht, auf welche Firmware-Versionen sie sich beziehen, sodass oft Funktionen beschrieben werden, die inzwischen anders aussehen oder in einer älteren Version gar nicht vorhanden sind. Ebenfalls mehr Qualität würde ich von der Software erwarten. So kann ich Firmware-Updates beispielsweise nur auf meinem Laptop nicht aber am PC durchführen, weil die Software sich standhaft weigert, die Kamera zu erkennen und auch keine sinnvollen Hinweise zur Fehlerbehebung gibt.

Ich werde mir die Theta V dennoch kaufen. Die Software-Probleme und -Schwächen kann man umgehen und die Hardware überzeugt der Theta V überzeugt mich rundweg. Der Fortschritt gegenüber meiner bisherigen Theta S ist sehr deutlich. Und die hervorragende Video-Qualität wird mich wohl dazu verleiten, künftig immer wieder auch 360-Grad-Videos zu machen.

Anmerkung*: Ricoh hat mir die Theta V für einen Zeitraum von rund drei Wochen als Testgerät zur Verfügung gestellt.

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