Als erste der großen Reedereien hat die Kreuzfahrtsparte der MSC Group ihren „Sustainability Report“ für das Jahr 2025 vorgelegt. Zu diesem Thema wird die Kreuzfahrt häufig kritisiert, über Fortschritte und positive Entwicklung dagegen selten berichtet. MSCs aktueller Report verdient daher auch einmal Lob. Denn er ist viel detaillierte, konkreter und leichter verständlicher als in früheren Jahren.
Der Umweltbericht von MSC Cruises und Explora Journeys sticht vor allem deshalb auch im Vergleich zu einigen anderen Kreuzfahrt-Reedereien heraus, weil er Zahlen, Zusammenhänge, Methoden und Strategien mit konkreten Zahlenbeispielen gut verständlich präsentiert. Fachbegriffe werden erklärt, auffällige Zahlenwerte eingeordnet. In früheren Reports recht pauschal aufgelistete Emissionswerte werden quantitativ viel genauer nach ihrem Ursprung aufgeschlüsselt.
Damit keine Missverständnisse aufkommen: Auch bei einigen anderen Reedereien gibt es gute und aufschlussreiche Umweltberichte. Bei MSC ist aktuell nur gerade der größte Fortschritt zu erkennen.

Denn bei MSC glänzte der Nachhaltigkeitsreport längst nicht immer mit Transparenz und Detailreichtum. Früher hatte man oft den Eindruck, dass MSC über Umwelt- und Klimaschutz mehr große Reden geschwungen hat, als wirklich zu handeln. Das hat sich in den vergangenen Jahren deutlich geändert und spiegelt sich nun auch im Sustainability Report wider, der vieles ehrlich offenlegt, was früher hinter blumigen Formulierungen versteckt oder gar nicht erwähnt wurde.
Erstmals hat MSC Cruises beispielsweise auch die Emissionsdaten für den sogenannten „Scope 3“ ausgewiesen, also Emissionen, die nicht direkt bei MSC entstehen, sondern bei Zulieferern. Das ist vor allem aus zwei Gründen relevant:
- Die Scope-3-Emissionen sind in der Kreuzfahrt fast genauso hoch wie die direkten Scope-1-Emissionen, wurden bislang aber (nicht nur bei MSC) vernachlässigt, weil die Erfassung nach objektiven Kriterien recht komplex ist. Andere Reedereien waren bei diesem Thema allerdings ein, zwei Jahre früher dran.
- Scope 3 erfasst alle Emissionen in der Wertschöpfungskette, wodurch die CO2e-Emissionen für regenerative Treibstoffe erst sinnvoll bewertet werden kann – denn bei ihrer Verbrennung (Scope 1) entstehen genauso viele CO2e-Emissionen wie bei fossilen Kraftstoffen. Erst unter Einbeziehung von Scope 3 zeigt sich, wie klimaneutral ein Unternehmen tatsächlich agiert.
Dass ich MSCs Umweltbericht hier lobend aufgreife, bedeutet freilich nicht, dass damit alles perfekt wäre. Es gibt durchaus weitere Verbesserungsmöglichkeiten in dem Report. Aber, so finde ich jedenfalls, ist der deutliche Fortschritt in der Qualität des Reports explizit erwähnenswert.
Interessant wäre beispielsweise, nicht nur zu lesen, wie viel Tonnen Bio-Treibstoffe die im Report genannten Beispiele MSC World Europa, MSC Opera und MSC Seaview bei ihren Testläufen im Jahr 2025 genutzt haben. Auch eine Relation zum Gesamtverbrauch dieser Schiffe wäre sehr informativ.
Gleiches gilt für die Landstromnutzung, wo die Zahl der Stunden, in denen MSC-Schiffe an Landstrom angeschlossen sind, nur begrenzt aussagekräftig ist, wenn man die Gegenzahl nicht kennt – wie viele Stunden die Schiffe im Hafen keinen Landstrom genutzt haben oder nicht nutzen konnten. Vor allem mangels vorhandener Landstrom-Angebote liegt die Landstrom-Nutzung nämlich nach wie vor in einstelligen Prozentbereich gemessen an allen Hafenstopps.
Wenn man etwas Rechenarbeit nicht scheut, kann man mit dem Material im Anhang einiges anfangen, denn er enthält zahlreiche, präzise Zahlen und Daten, aus denen man weitere Kennzahlen ableiten kann.
Mit 124 Seiten ist der Sustainability Report 2025 der Kreuzfahrt-Abteilung der MSC Group naturgemäß recht umfangreich, aber die Lektüre lohnt sich dennoch, weil er anders als eher auf Marketing-Effekte zielende, frühere Reports jetzt viel detailliertere Information vermittelt und auch für Laien verständlich erklärt.
Von mir gibt’s für MSC Sustainability Report 2025 eine klare Leseempfehlung – auch weil er zeigt, wie viel mehr am Thema Nachhaltigkeit hängt als nur Treibstoff und Emissionen, von Foodwaste-Vermeidung bis zu Gleichstellungs- und Forbildungsprogrammen für Mitarbeiter.
Wer auch mal einen Blick in die Nachhaltigkeitsberichte anderer großer Kreuzfahrt-Reedereien (und der beiden Reedereien auf der norwegischen Küstenroute) werfen will, hier die Links dazu – auch wenn für die meisten der Bericht für 2025 noch nicht vorliegt (Stand: 29. Mai 2026):
- Carnival Corp. (inklusive AIDA) „Sustainability from Ship to Shore”
- Havila Voyages „Integrated Annual Report” (2025)
- Hurtigruten „ESG Report” (2025)
- NCLH „Environmental, Social and Governance (ESG) Report“
- MSC Cruises „Sustainability Report“ (2025)
- Royal Caribbean Group „Sustainability Reports“
- TUI Cruises „Nachhaltigkeitsbericht“



