Wolfgang Wendl / privat

MSCs virtuelle Assistentin Zoe im Praxis-Test auf der MSC Bellissima

Auf der MSC Bellissima setzt MSC erstmals die virtuelle Assistentin „Zoe“ ein. Eine kleine Box in jeder Kabine, mit Spracherkennung und Koppelung mit dem Kabinen-TV, soll Passagieren beispielsweise die Orientierung an Bord erleichtern, Fragen beantworten und bei der Buchung von Restaurants und Ausflügen helfen. Unser Leser und Podcast-Hörer Wolfgang Wendl war an Bord der MSC Bellissima und hat Zoe einem intensiven Test unterzogen.

In der Podcast-Episode „MSCs virtuelle Assistentin namens Zoe“ haben wir bereits ausführlich über unsere Erfahrungen mit Zoe auf der MSC Bellissima berichtet. Ein richtiger Test war da aber nicht sinnvoll, weil Zoe zur Taufe der MSC Bellissima in Southampton im Februar 2019 noch nicht vollständig programmiert war.

Cruisetricks.de-Leser und Podcast-Hörer Wolfgang Wendl war Ende April 2019 an Bord der MSC Bellissima, hat für uns den Korrespondenten gespielt und Zoe ausführlich getestet. Seine Tests hat er im Video festgehalten.

Die an Zoe gestellten Fragen mit Time-Code im Video finden Sie weiter unten im Beitrag.

Herzlichen Dank an Wolfgang Wendl für den detaillieren Test!

Sein Fazit entspricht auch unserem ersten Eindruck: Zoe braucht zwar noch ein wenig Zeit und Training, um eine echte Assistentin zu werden. Aber manche Dinge funktionieren schon ganz gut. Und Zoe zeigt das Potenzial auf, das künftig in solchen Assistenz-Systemen stecken wird. Ob man Zoe aktuell nützlich findet und benutzt, wird eher eine persönliche Entscheidung sein.

Vor allem kann Zoe den Passagieren unnötiges Herumklicken in den Menüs von „MSC for Me“ am Kabinen-Fernsehers und damit Zeit und Nerven ersparen. Denn bei Fragen beispielsweise zu Restaurant-Reservierungen oder auch nach dem Wetterbericht schaltet sie selbständig den Kabinen-Fernseher ein und steuert dort automatisch die passende Seite im Menü an.

Hat Zoe keine Antwort auf eine Frage, verweist sie auf ein Crew-Mitglied und die Rezeption. Manchmal versteht sie Fragen aber auch falsch und gibt kuriose, weil unpassende Antworten. Mutmaßlich passiert das dann, wenn sie die Antwort auf die eigentliche Frage nicht parat hat, aus der Frage aber Stichwörter heraushört, die zu einer anderen Frage passen.

Details aus dem Zoe-Test von Wolfgang Wendl

Nach dem Einschalten dauert es im Test gut eine Minute, bis sich Zoe mit der Nachricht „Zoe ist jetzt betriebs- und einsatzbereit.“ meldet. Im Zweifel lässt man die virtuelle Assistentin also eher eingeschaltet, wenn man sie regelmäßig nutzen will. Anders als beispielsweise bei Amazons Alexa stellt der Aktivierungsbefehl „Okay Zoe“ ziemlich sicher, dass Zoe nicht versehentlich aktiv wird.

Die von MSC vorgeschlagenen Test-Fragen „Erzähle mir mehr über meine Kabine“ (im Video bei 0:48 min.), „Wo kann ich heute zu Abend essen?“ (1:38 min.), „Wo finde ich eine Übersicht über meine Ausgaben?“ (2:18 min.) und „Wie melde ich meine Kinder im Kids Club an?“ (3:00 min.) beantwortet Zoe auf Anhieb und im Wesentlichen korrekt. Bei zwei der Fragen verbindet sie direkt zur entsprechenden Seite im Kabinen-TV-Menü.

Bei individuellen Fragen von Wolfgang Wendl hat Zoe dagegen teils Schwierigkeiten. Hier eine Übersicht seiner Testfragen mit den Angaben zur jeweiligen Startzeit im Video:

  • 3:30 min. – „Welches Restaurant hat geöffnet“
  • 4:08 min. – „wie groß ist die MSC Bellissima?“
  • 4:27 min. – „Wie viele Passagiere sind auf der Reise unterwegs?“ (führt auch nach umformulierter Nachfrage zu keiner sinnvollen Antwort)
  • 5:16 min. – „Wie heißt der Kapitän?“
  • 5:43 min. – „Wann sind wir morgen im Hafen?“
  • 5:56 min. – „Ich möchte einen Landausflug buchen.“
  • 6:47 min. – „Ich möchte eine Theater-Show reservieren.“
  • 7:00 min. – „Bitte den Room Service anrufen“ (Zoe vermutet ein Problem mit dem gastronomischen Service und verweist auf das Beschwerdemanagement.)
  • 7:16 min. – „Wie spät ist es?“
  • 7:24 min. – „Bitte den Wecker stellen.“ (Zoe liefert eine Anleitung zur Bedienung des Kabinen-Telefons zum Einstellen eines Alarms)
  • 7:36 min. – „Die Wettervorhersage bitte.“

Und zum Abschluss eine etwas perfide Frage von der Art, die Computer typischer nicht beantworten können: „Okay, Zoe – Wie alt bist Du?“ (8:07 min.). Zoe zieht sich elegant aus der Affäre und verweist auf ein Crew-Mitglied oder die Rezeption.

7 Kommentare zu “MSCs virtuelle Assistentin Zoe im Praxis-Test auf der MSC Bellissima

  1. Danke für diesen interessanten Einblick in Zoe.
    Nach dem Ausschnitt im Video zu urteilen ist Zoe noch Meilenweit davon entfernt ein intelligenter Sprachassistent zu sein.
    Es werden nur ganz wenige Informationen bereitgestellt. Offensichtlich kommuniziert Zoe nur mit einem lokalen Server ohne aktive Internetverbindung. Aus wissenschaftlicher Sicht handelt es sich hierbei nicht um einen „echten“ Sprachassistenten mehr um eine Sprachsteuerung des Tv’s.
    In diesem Sinne „Ich bin für Sie da, in ein paar Jahren“

  2. @Roman: Der lokale Server ist auf einem Kreuzfahrtschiff ein enormer Vorteil. über eine Satelliten-Verbindung mit nicht immer optimaler Qualität lässt sich sowas kaum realisieren, v.a. wenn die Antworten möglichst ohne Verzögerung kommen sollen. Insofern ist es schon sehr sinnvoll, das über einen lokalen Server quasi zu cachen. Cloud ist nicht immer und überall automatisch besser. Denn lokaler Server heißt ja nicht, dass das System sich nicht im Hintergrund ständig aktualisiert und weiter entwickelt.

  3. @Franz
    Ich wollte den lokalen Server in der Hinsicht nicht verteufeln und es ist mit durchaus bewusst das MSC nicht zu den Vorreitern des schnellen Internets auf hoher See zählt. Aber der aktuelle Stand von ZOE ist genauso Rudimentär wie Teile des öffentlichen Nahverkehrs in Großstädten der USA.

    „Denn lokaler Server heißt ja nicht, dass das System sich nicht im Hintergrund ständig aktualisiert und weiter entwickelt.“ Da muss ich leider als Wissenschaftler dazwischen grätschen.
    Beispiel die Frage nach dem Kapitän. Ohne aktive Internetverbindung müsste diese Information wöchentlich auf jeden Server übertragen werden.
    Um die Daten aus 2240 Kabinen adäquat verarbeiten zu können benötigt man erhebliche Infrastruktur und Fachwissen und das auf jedem Schiff. Außer man schickt die gesammelten Daten an eine Zentrale verarbeitetet diese dort und verteilt Sie wieder an die Schiffe. Auch hier ist der Aufwand enorm.

  4. @Roman: ich hab’s ja auch ein wenig IT-b
    Background ;-) Das System ist gezielt so designt, dass die Daten komplett lokal verarbeitet werden, dafür gibt es in der Tat ein eigenes Rechenzentrum am Bord. Und Daten werden tatsächlich für jede Cruise individuell aktualisiert und geladen. Und der größte Teil der Daten muss ohnehin ans Schiff übertragen werden, ganz unabhängig von Zoe.
    Mit Internet-Geschwindigkeit hat das aus meiner Sicht wenig zu tun, sondern mit Latenzbund v.a. mit Verfügbarkeit. Vor Spitzbergen oder bei Seegang ist die Verbindung halt auch Mal eine Weile weg und es macht keinen Sinn, wenn Zoe sagt „wegen Seegang habe ich leider gerade keine Antwort“ ;-)

  5. Nicht bur Zoe, sondern die ganze MSC, braucht noch ein wenig Zeit und Training, um eine echte Kreuzfahrtsrederei zu werden

  6. Das hier gezeigte können wir nur bestätigen. Bei unserer Bellissima-Fahrt verwies das Teil defacto nur an Crewmitglieder.

  7. Unabhängig davon, wie gut oder wie schlecht das System hier funktioniert, sehe ich diese ganzen „Sprachdinger“, egal ob Siri, Google-Uschi oder Alexa kritisch. Diese ganzen Permanentlauscher sind mir suspekt, woher soll ich wissen (bei Alexa hat es sich ja schon gezeigt), daß die Dinger mich nicht permanent abhören? Und das alles für etwas Komfort? Da verzichte ich dankend und greife zur guten alten Fernbedienung. Fr mich fllt das unter technische Spielerei mit potentiell sicherheitskritischem Hintergrund. So etwas möchte ich weder zu Hause in meiner Wohnung, noch in meinem Urlaubsdomizil auf See um mich haben. (Okay, da ich nicht mit MSC fahre, wird zumindest Zoe wohl nicht so bald meinen Weg kreuzen.)

    Davon abgesehen rede ich ohnehin nicht gerne mit Computern (außer meinen anzuschnauzen, wenn er mal wieder nicht richtig funktioniert), ich spreche ja auch aus Prinzip beispielsweise nie auf die Mailbox – wer mich anruft, bekommt dazu nicht einmal eine Chance, da ich meine komplett deaktiviert habe.

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