MV Werften, Stralsund (Bild: MV Werften)

MV Werften und Lloyd Werft Bremerhaven melden Insolvenz an

MV Werften hat am Nachmittag des 10. Januar 2022 Insolvenzantrag gestellt. Betroffen ist auch die Lloyd Werft Bremerhaven, die ebenfalls Insolvenzantrag gestellt hat. Vorausgegangen war ein hartes Ringen um neue Staatshilfen für das Werftenunternehmen. Laut NDR hat MV Werften eine Liquidationslücke von 148 Millionen Euro.

Update 18. Januar 2022: Laut Wirtschaftswoche hat nun auch das Mutterunternehmen, die auf den Bermudas registrierte Genting Hong Kong Ltd., Insolvenzantrag gestellt. Kredite über 2,8 Milliarden Dollar könnten nicht mehr bedient werden, heißt es. Im Raum steht nun eine Restrukturierung oder Abwicklung des Unternehmens.

Update: 20. Januar 2022: Crystal Cruises, Tochtergesellschaft von Genting Hong Kong, stellt den Kreuzfahrtbetrieb vorerst ein.

Update 28. Januar 2022: Auch Dream Cruises, Tochtergesellschaft von Genting Hong Kong, hat nun Antrag auf ein Liquidierungsverfahren gestellt.

Bereits vor dem Insolvenzantrag von MV Werften waren die Löhne für die rund 2.000 Mitarbeiter im Dezember nicht mehr ausgezahlt worden. Der Handel für die Aktien des Eigentümers Genting Hong Kong wurde Ende vergangener Woche auf Anforderung des Unternehmens an der Hong Kong Stock Exchange ausgesetzt. Update: Nach Wiedereröffnung des Handels stürzte die Aktie um zeitweise bis zu 50 Prozent ab. Inzwischen ist der Handel wieder ausgesetzt.

Laut NDR gibt es bei MV Werften erneut eine riesige Liquiditätslücke, angeblich in Höhe von 148 Millionen Euro. Demnach ist auch unklar, ob die im Raum stehenden Staatshilfen überhaupt ausreichen würden, um diese Lücke zu schließen. Die IG Metall präferiert inzwischen den Verkauf des Standortes Stralsund, wo es Interesse und ein Nutzungskonzept seitens der Stadt gebe. Dies allein würde die Liquiditätslücke allerdings ebenfalls nicht annähernd schließen.

MV-Werften-Geschäftsführer Carsten Haake sagte vergangene Woche in Statements gegenüber der Presse, das Geld für die Dezembergehälter sei vorhanden, man habe eine Liquidität von 30 Millionen Euro. Aufgrund der „rechtliche Rahmenbedingungen“ könne man die Gehälter aktuell aber nicht auszahlen.

Am 2. Januar 2022 hatte das Unternehmen mitgeteilt, dass die Corona-Varianten Delta und Omikron die Erholung des Kreuzfahrtgeschäfts der Gruppe beeinträchtigt hätten und die Liquidität eine vereinbarte Grenze unterschritten habe, sodass man auf eine Kreditlinie des Landes Mecklenburg-Vorpommern in Höhe von 78 Millionen Euro zurückgreifen wolle. Allerdings gibt es offenbar Uneinigkeit darüber, ob die Bedingungen dafür tatsächlich erfüllt sind, die unter anderem auch eine Beteiligung von Genting Hong Kong in Form eines Kredits über – laut Wirtschaftswoche – rund 60 Millionen Euro umfassen.

Entsprechend wurde der Landeskredit bislang nicht ausgezahlt, was MV Werften wiederum als Begründung anführt, warum die Dezember-Gehälter bislang nicht ausgezahlt wurden. MV Werften reichte daraufhin am 27. Dezember Klage beim Landgericht Schwerin ein, das zunächst die Auszahlung des Kredits anordnete, dann jedoch erst einmal eine Anhörung für den 11. Januar 2022 ansetzte. Update: Das Gericht entschied gegen Genting Hong Kong, der Kredit muss nicht ausgezahlt werden.

Die Landesregierung in Mecklenburg-Vorpommern sei bereit, das Unternehmen zu unterstützen und die damit zusammenhängenden Arbeitsplätze in der Region zu sichern, erwarte aber ein Bekenntnis von Genting Hong Kong zu dem Werftenstandort und stellt für die Auszahlung des Kredits Vorbedingungen, die das sicherstellen sollen. Auch die Bundesregierung verlangt ein deutliches Bekenntnis von Genting Hong Kong zu den Werftstandorten in Deutschland und ertwartet eine höhere Eigenbeteiligung bei der Finanzierung.

Genting Hong Kong und MV Weften

Die Unternehmensgruppe MV Werften gehört seit 2015/16 dem asiatischen Tourismusunternehmen Genting Hong Kong, zu dem auch Star Cruises, Crystal Cruises und Dream Cruises gehören. MV Werften hat Standorte in Wismar, Rostock-Warnemünde und Stralsund. Seit 2016 baut MV Werften dort Kreuzfahrtschiffe, wobei bislang lediglich die Crystal Endeavor fertiggestellt und ausgeliefert wurde. Ein Mega-Kreuzfahrtschiff mit dem Namen „Global Dream“ ist im Bau sehr weit fortgeschritten, für ein zweites Schiff aus dieser Baureihe war mit dem Bau begonnen worden. Auch die Lloyd Werft Bremerhaven gehört Genting Hong Kong.

Im März 2020 stellte MV Werften die Fertigstellung der aktuellen Schiffbauprojekte vorübergehend ein. In den Medien war die Rede von Zahlungsschwierigkeiten des Unternehmens. Im Oktober flossen dann offenbar Fördergelder der KfW in Form eines Kredits in Höhe von 193 Millionen Euro. Diese Mittel aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) sollten zur Aufrechterhaltung beziehungsweise Neustart des Werftbetriebs und insbesondere zur Fertigstellung des Luxus-Expeditionskreuzfahrtschiffs Crystal Endeavor dienen.

Anfang 2021 rettete eine Bürgschaft des Landes Mecklenburg-Vorpommern und der Bundesrepublik Deutschland in Höhe von 53 Millionen Euro die MV Werften vor der Insolvenz. Aus dem Schutzschirm des Wirtschaftsstabilisierungsfonds des Bundes folgte ein weiterer Kredit in Höhe von 193 Millionen Euro. Etwa einem Drittel der Belegschaft der drei Standorte Wismar, Rostock-Warnemünde und Stralsund wurde im Februar 2021 gekündigt.

Dennoch ergab sich offenbar eine neue Finanzierungslücke in Höhe von 78 Millionen Euro für die Fertigstellung des Mega-Kreuzfahrtschiffs Global Dream, das aktuell zu etwa drei Vierteln fertiggestellt sein soll. Ziel von MV Werften ist es, zumindest dieses Schiff fertig zu bauen, notfalls auch unter der Führung eines Insolvenzverwalters.

 Immerhin die Crystal Endeavor wurde 2021 fertiggestellt und ausgeliefert. Am 26. Juni wurde sie in Stralsund getauft, im Juli 2021 hatte sie ihre Jungfernfahrt. Taufpatin der Crystal Endeavor ist Manuela Schwesig, Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern.

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