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Golden Horizon (Bild: Tradewind Voyages)

Streit um Golden Horizon alias Flying Clipper: Schiedsgericht trifft abschließende Entscheidung

Der Rechtsstreit um Schadensersatz in Zusammenhang mit dem Segelschiff-Neubau Flying Clipper alias Golden Horizon zwischen der Reederei Star Clippers und der kroatischen Brodosplit-Werft ist endgültig entschieden: Ein Schiedsgericht in den Niederlanden weist alle Ansprüche der Werft zurück und gibt Star Clippers recht – sagt zumindest Star Clippers. Die Werft sieht das anders und betrachtet sich als den eigentlichen Sieger, weil das Schiff nicht an Star Clippers ausgeliefert werden muss. Das Tauziehen um die Golden Horizon alias Flying Clipper ist damit also möglicherweise noch immer nicht zu Ende.

(Hinweis: Wir haben diesen Beitrag deutlich aktualisiert, nachdem uns Tage nach der Veröffentlichung letztlich auch ein Statement der Brodosplit-Werft erreichte.)

Das niederländische Schiedsgericht habe alle Ansprüche der Werft gegenüber der monegassischen Reederei Star Clippers zurückgewiesen, berichtete „an Bord“ und zitiert dabei ein Statement von Star Clippers. Brodosplit sagt dagegen, die Werft habe in einem ganz wesentlichen Punkt gewonnen: Star Clippers habe nicht den eingeforderten Anspruch auf Auslieferung des Schiffs.

Auslöser des Streits war die deutlich verspätete Fertigstellung des Segel-Kreuzfahrtschiffs und die daraus resultierenden Diskrepanzen zwischen Reederei und Werft. Star Clippers verweigerte die Abnahme des Schiffs, Brodosplit bestand darauf und hatte laut Reederei sogar versucht, Konten von Star Clippers einfrieren zu lassen und mit der Royal Clipper ein anderes Schiff der Reederei festsetzen zu lassen, um ihre erhobenen Ansprüche durchzusetzen.

Ursprünglich schon Ende 2017 sollte die Flying Clipper in Dienst gehen. Die Auslieferung verzögerte sich aber immer weiter. Seit August 2019 ist das Schiff laut Brodosplit fertig gebaut und bereit zur Ablieferung. Während der Rechtsstreit zwischen Star Clippers du der Werft anhielt, lag das Schiff auf und ist bislang nur ein einziges Mal mit Passagieren gefahren – zu einer Kreuzfahrt in Kroatien, die die Werft selbst initiiert hatte. Parallel begab sich Brodosplit auf die Suche nach einem neuen Käufer für das Schiff.

Im Juni 2020 begann Brodosplit mit dem neuen, britischen Unternehmen Tradewind Voyages UK  innerhalb der eigenen Unternehmensgruppe, Kreuzfahrten mit dem Schiff unter dem Namen „Golden Horizon“ zu planen und zu vermarkten. Corona-bedingt verzögerte sich dieser Neustart auf unbestimmte Zeit. Zuletzt plante Tradewinds die erste reguläre Kreuzfahrt der Golden Horizon für den 1. Juli 2021 ab Portsmouth in England. Seit März 2021 ist mit dem Kreuzfahrt-Spezialisten M´Ocean auch ein Repräsentant für die Golden Horizon am deutschsprachigen Markt mit im Boot.

Folgen der Entscheidung des Schiedsgerichts

Tradewind Voyages kommentiert in einem Statement gegenüber cruisetricks.de, „dass das Eigentum an der Golden Horizon eindeutig bei der DIV Group Croatia liegt und immer gelegen hat und dass ein formeller Chartervertrag zwischen Tradewind Voyages und dem Schiffseigner besteht.“ Der Ausgang des Tribunals sei daher für Tradewind Voyages nicht relevant und beeinflusse in keiner Weise die Pläne mit der Golden Horizon.

Auch die Brodosplit-Werft sieht keine Veranlassung, an dem Chartervertrag mit Tradewind Voyages zu rütteln, zumal das Schiedsgericht ausdrücklich eine Pflicht zur Auslieferung des Schiffs an Star Clippers verneint habe. Star Clippers habe nach dem Schiedsspruch keine Handhabe mehr in dieser Richtung, sagt Brodosplit.

Nach der Entscheidung des Schiedsgerichts in den Niederlanden Ende März 2021 könnte das Tauziehen um die Flying Clipper alias Golden Horizon aber dennoch weitergehen. Aus der Gerichtsentscheidung entstehen finanzielle Ansprüche der Reederei gegenüber der Werft. Und während Star-Clippers-Inhaber Mikael Krafft in einem Statement bekräftigt, das Kreuzfahrtschiff nicht abnehmen zu wollen, mutmaßen Insider, dass es sich dabei nur um ein taktisches Manöver handeln könnte, um das Schiff letztlich doch noch zu einem günstigeren Preis übernehmen zu können. Krafft spekuliert möglicherweise darauf, dass die Werft unter finanziellem Druck steht und nach dem Schiedsgerichtsspruch unter Zugzwang geraten könnte.

Umgekehrt reklamiert Brodosplit, das Schiedsgericht habe dem formellen Eigentümer des Schiffs, der XB AHT Hero Shipping Inc., die Erlaubnis zur Pfändung der Bankkonten von Star Clippers über 23 Millionen Euro erteilt, womit Schadensersatzansprüche gegen Star Clippers abgesichert werden sollen, die aufgrund unrechtmäßiger einstweiliger Verfügungen im Zuge des Rechtsstreits um das Schiff entstanden seien.

In jedem Fall ist es eher unwahrscheinlich, dass Mikael Krafft das Schiff, das als sein Lebenstraum gilt, jetzt tatsächlich aufgegeben hat.

Architektur und Design der Flying Clipper alias Golden Horizon orientiert sich sehr stark an der historischen „France II“, die Anfang des 20. Jahrhundert als größtes Segelschiff der Welt unterwegs war. Sie bietet Platz für bis zu 272 Gäste in 140 Kabinen und verfügt sogar über eine niedrige Eisklasse für maximale Flexibilität bei den möglichen Fahrtgebieten. Das Segel-Kreuzfahrtschiff ist der größte Rahsegler aller Zeiten. Die Fünf-Mast-Bark hat eine Tonnage von BRZ 8.770 und bringt es mit 35 Segeln auf eine  Gesamtsegelfläche von 6.350 Quadratmeter.

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