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"sponsored by Oceania Cruises" - was bedeutet das für cruisetricks.de?

Streng, teuer, unberechenbar: Wie Australien die Kreuzfahrt vergrault

Es ist ein schleichender, aber deutlicher Trend: Der Kreuzfahrtmarkt in Australien schrumpf deutlich. Und zwar nicht mangels Nachfrage, sondern weil „Down Under“ die internationalen Reedereien mit strengen und schwer vorhersehbaren Regularien vergrault.

Zuletzt hat Carnival Cruise Line angekündigt, die Carnival Adventure ab 2028 nur noch saisonal und nicht wie davor ganzjährig in Australien einzusetzen.

Die Website Cruise Passenger berichtet, in der Saison 2023/24 hätten Disney Cruise Line, Virgin Voyages und Cunard Line ihre Australien-Einsätze komplett eingestellt, Royal Caribbean, Princess Cruises und Carnival Cruise Line hätten ihre Flotten reduziert. Die Zahl der im Sommer in Australien stationierten Schiffe sei von 18 auf 11 gesunken, die Passagierkapazität um rund 30 Prozent gefallen.

Carnival Cruise begründet den Teilrückzug für 2028 mit „uncertain regulatory environment“, unsicheren regulatorischen Bedingungen. Was genau meint Carnival damit eigentlich? Es geht um gleich mehrere, teils miteinander verwobene Probleme, welche die Kreuzfahrtbranche in Australien seit Jahren beklagt.

Letztlich dreht sich alles um ein Zusammenspiel aus fehlender langfristiger Planungssicherheit beim sogenannten Coastal Trading Act, verschärften Umweltauflagen, hohen Betriebskosten und fragmentierter Zuständigkeit zwischen Bundes- und Landesregierungen. All das macht Australien aus Sicht der Reedereien weniger attraktiv als andere Märkte, in denen die Rahmenbedingungen stabiler und günstiger sind.

Coastal Trading Act

Ein wichtiger Streitpunkt ist der „Coastal Trading (Revitalising Australian Shipping) Act“ von 2012. Kreuzfahrtschiffe unter ausländischer Flagge benötigen eine Ausnahmegenehmigung von diesem Gesetz, um Passagiere zwischen australischen Häfen befördern zu dürfen. Das ist vergleichbar mit dem US-amerikanischen Passenger Vessel Service Act (PSA).

Die Ausnahmegenehmigung wird seit Jahren immer nur relativ kurzfristig verlängert. 2023 etwa wurde die Entscheidung erst in letzter Minute getroffen – am 14. Dezember 2023 für die Genehmigung, die sonst zwei Wochen später ausgelaufen wäre. Und die Verlängerung galt nur für zwölf Monate statt der zuvor üblichen fünf Jahre.

Die aktuelle Ausnahme läuft bis zum 31. Dezember 2026. Eine angekündigte, umfassende Überarbeitung des Gesetzes, die langfristige Klarheit schaffen sollte, steht weiterhin aus.

Für Kreuzfahrt-Reedereien, die ihre Einsätze Jahre im Voraus planen, ist das ein erhebliches Risiko. Theoretisch könnten sie nach Ablauf der Ausnahmeregelung gar nicht mehr zwischen australischen Häfen operieren oder müssten deutlich höhere Kosten in Kauf nehmen.

In den USA lässt sich das dortige Kabotagegesetz, der Passenger Vessel Service Act, leicht umgehen: Beispielsweise Ensenada in Mexiko an der Westküste, die Bahamas an der Ostküste oder Kanada im Norden sind nahe Ziele, die meist in wenigen Fahrtstunden erreichbar sind, um durch einen solchen Hafenstopp im Ausland den PSA zu umgehen.

In Australien wäre das wesentlich schwieriger. Die nächsten erreichbaren Häfen liegen beispielsweise in Neuseeland, Neukaledonien, Vanuatu oder Papua-Neuguinea – alles mindestens zwei Tagesreisen von großen, australischen Häfen wie Brisbane oder Sydney entfernt. Kurzkreuzfahrten würde das faktisch unmöglich machen, bei einwöchigen Kreuzfahrten die Optionen bei der Routenplanung erheblich einschränken. Auch der neue Beach-Club auf Lelepa in Vanuatu würde Royal Caribbean da keinen Vorteil verschaffen, denn Lelepa ist noch weiter von Australien entfernt als beispielsweise Noumea in Neukaledonien.

Biofouling-Vorschriften

Bereits sehr unangenehme und teure Erfahrungen haben einige Reedereien mit neuen, sehr strengen Biofouling-Vorschriften gemacht, die Australien 2022 eingeführt hat und seit Ende 2023 konsequent durchsetzt. Faktisch müssen die Schiffsrümpfe vor der Einfahrt in australische Gewässer intensiv gereinigt werden, um keine fremden Spezies in australische Gewässer einzutragen.

Australien (und Neuseeland mit ähnlichen Regelungen) setzt das rigoros durch und verlangt die Entfernung aller mikrobiellen Verunreinigungen auch in schwer zugänglichen Bereichen, die bei regulären Reinigungsarbeiten häufig übersehen werden.

Entsprechend wurden in der Vergangenheit immer wieder Schiffe mit nach dem Befund der Behörden unzureichend sauberem Rumpf die Einfahrt in australische Häfen verweigert. Erneute Reinigung und die Absage der nächsten Kreuzfahrt kostete die Reedereien jeweils Millionen Dollar.

Steigende Kosten, uneinheitliche Regularien, Ärger mit Gewerkschaften

Über weitere Probleme beklagte sich zuletzt Carnival Cruise Lines Australien-Chef Peter Little bei einer Konferenz im Oktober 2025. Steigende Hafenkosten, regulatorische Unsicherheit und unterschiedliche Regelungen von Bundesstaat zu Bundesstaat erschwerten die Investitionen in den australischen Kreuzfahrtmarkt. Neuseeland mache das deutlich besser, sagte er.

Erst kürzlich hatte auch die australische Seefahrergewerkschaft Maritime Union of Australia (NMU) Carnival Cruise Line ins Visier genommen, der Reederei schlechte Arbeitsbedingungen und niedrige Löhne vorgeworfen und damit eine Inspektion durch die australische Schifffahrtsbehörde AMSA erwirkte – die allerdings keine Verstöße feststellte.

Der Australasien-Chef der Branchenvereinigung Clia, Joel Katz, fasste das Grundproblem so zusammen: Australien verliere wegen des schwierigen regulatorischen Umfelds und hoher Betriebskosten Tourismus an andere Länder, in denen die Kreuzfahrt willkommener sei.

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Über den Autor: FRANZ NEUMEIER

Franz Neumeier
Über Kreuzfahrt-Themen schreibt Franz Neumeier als freier Reisejournalist schon seit 2009 für cruisetricks.de und einige namhafte Zeitungen und Zeitschriften. Sein Motto: Seriös recherchierte Fakten und Hintergründe statt schneller Schlagzeilen und Vorurteile, damit sich jeder seine eigene Meinung bilden kann. TV-Reportagen zitieren ihn als Kreuzfahrt-Experten und für seine journalistische Arbeit wurde er mehrfach ausgezeichnet. Er wird regelmäßig in die Top 10 der „Reisejournalisten des Jahres“ gewählt und gewann mit cruisetricks.de mehrfach den „Reiseblog des Jahres“-Award.

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