Das Ultraluxus-Kreuzfahrtschiff Scenic Eclipse II hat sich in der Ross Sea in der Antarktis im Eis festgefahren und musste von einem Eisbrecher befreit werden. Die USCGC Polar Star der US Coast Guard war in der Nähe und eskortierte das Kreuzfahrtschiff rund vier Meilen zurück in offenes Wasser. Die Rettungsaktion fand ausgerechnet am 50. Geburtstag des Eisbrechers statt, der am 17. Januar 1976 in Dienst gestellt worden war.
Die unangenehme Situation für die Scenic Eclipse II entstand schon am 17. Januar 2026 und wurde aber erst jetzt durch eine Pressemitteilung der US Coast Guard bekannt. Ein Video der Coast Guard zeigt die Rettungsaktion im Zeitraffer.
Gefahr bestand für die Passagiere der Scenic Eclipse II wohl nicht. Denn das Schiff erfüllt die Bedingungen für Polar Code 6, kommt mit einer solchen Eissituation also gut zurecht. Wird das Eis jedoch zu dicht, nützt auch eine hohe Eisklasse nichts, denn Eis brechen können Kreuzfahrtschiffe auch mit PC5 oder PC6 nicht. Einzige Ausnahmen sind die als Eisbrechers konstruierte Le Commandant Charcot von Ponant mit PC2 sowie der als Kreuzfahrtschiff eingesetzte russische Eisbrecher 50 Years of Victory.

Die Ross Sea südöstlich des antarktischen Kontinents ist selbst für Antarktis-Verhältnisse recht abgelegen, nur wenige Kreuzfahrtschiffe fahren dort überhaupt hin. In einer Stellungnahme von Scenic, die bei Cruise Industry News zitiert wird, schreibt Captain James Griffiths, Scenic Groups General Manager Ocean Operations: „Obwohl die Scenic Eclipse II zu keiner Zeit Rettungsdienste benötigte, stellte die Koordination zwischen beiden Schiffen sicher, dass wir sicher und effizient durch das sich verändernde Packeis navigieren konnten.“
Weiterhin schreibt Scenic in der Stellungnahme: „Aufgrund von Veränderungen im Packeis verlief die Fahrt langsamer als geplant, und der Kapitän bat das in der Nähe befindliche Schiff USCG Polar Star um Unterstützung, um gemeinsam das Gebiet zu räumen und eine längere Fahrt mit reduzierter Geschwindigkeit zu vermeiden. Am nächsten Tag hatte sich das Eis durch seine natürliche Bewegung wieder geöffnet, und die Bedingungen hatten sich normalisiert. Für unsere Gäste wurde diese Aktion zu einem unvergesslichen Höhepunkt; auf dem Aussichtsdeck wurde Champagner serviert, um dieses einzigartige gemeinsame Erlebnis in der Ostantarktis zu genießen.“

Die USCGC Polar Star ist in der Antarktis zur Unterstützung der „Operation Deep Freeze“ unterwegs. Laut Coast Guard leistet Operation Deep Freeze logistische Unterstützung für das US-Antarktisprogramm, das von der National Science Foundation verwaltet wird. Die Mission umfasst demnach strategische und taktische Lufttransporte, medizinische Evakuierungen aus der Luft, Such- und Rettungsaktionen, Seetransporte, Zugang zu Seehäfen, Großlieferungen von Treibstoff, Frachtumschlag und andere Transportaufgaben. Diese Maßnahmen ermöglichen laut Coast Guard „wichtige wissenschaftliche Forschungen in einer der abgelegensten Regionen der Erde“.
Die Aufgabe der Polar Star im Rahmen der Operation Deep Freeze bestehe unter anderem darin, einen befahrbaren Kanal durch dichtes Eis in der Antarktis zu bahnen, um die für den Betrieb der Forschungsstationen und -aktivitäten nötigen Treibstoff- und Frachtlieferungen zu ermöglichen.




