Viking Hild bei Koblenz

Viking Aegir rammt Brückenpfeiler: elf Verletzte

Das Flusskreuzfahrtschiff Viking Aegir hat am Freitagmorgen, 6. Mai 2022, auf der slowakischen Donau den Pfeiler einer Eisenbahnbrücke gerammt. Bei dem Unfall wurden elf Menschen verletzt.

Der Unfall ereignete sich am frühen Freitagmorgen um etwa 3:40 Uhr am 6. Mai 2022. Die Viking Aegir von Viking River Cruises rammt einen Pfeiler einer Eisenbahnbrücke nahe der Ortschaft Komárno etwa 100 Kilometer flussabwärts von Bratislava am slowakischen Teil der Donau.

Bei dem Unfall wurden laut lokalen Medien elf Menschen verletzt, von denen offenbar acht ins Krankenhaus gebracht wurden. Ob es sich bei den Verletzten um Passagiere oder Crew-Mitglieder handelt, ist nicht bekannt. Es soll sich durchweg um leichtere Verletzungen wie Schnittwunden, Rücken- und Nackenschmerzen handeln. Über die Gesamtzahl der Passagiere an Bord der Viking Aegir ist bislang nichts bekannt.

Ursache des Unfalls soll nach vorläufigen Erkenntnissen ein plötzliches Gesundheitsproblem des Schiffsführers gewesen sein. Eine Untersuchung wurde eingeleitet, um die Unfallursache genau aufzuklären.

Fotos des verunglückten Schiffs Viking Aegir zeigen schwere Schäden am Bug. Auch soll die Radaranlage beschädigt worden sein. In den Innenräumen ist offenbar viel Glas zu Bruch gegangen.

Weil zunächst nicht klar war, ob auch an dem Brückenpfeiler ein größerer Schaden entstanden ist, sperrte die Eisenbahngesellschaft die Brücke vorerst. Mittags gab es von dort aber Entwarnung, die Bahnstrecke wurde wieder freigegeben.

Laut einem Sprecher des slowakischen Verkehrsministerium sollen bei dem Unfall keine gefährlichen Substanzen und kein Öl ausgetreten sein. Das Flusskreuzfahrtschiff schaffte es aus eigener Kraft bis zu einem Anleger in Komárno. Dort verhängte die Reederei den beschädigten Bereich des Schiffs mit einer Sichtschutz-Plane.

9 Kommentare

9 Gedanken zu „Viking Aegir rammt Brückenpfeiler: elf Verletzte“

  1. Die Unfälle mit Passagier-Flußschiffen häufen sich. Mich wundert das nicht, denn das Auf-dem-Fluss-fahren erfordert permanente Aufmerksamkeit, genau so wie das Bus- oder LKW-Fahren auf der Autobahn. Um viel Strecke zu machen und Ruhezeiten einzuhalten, sind die Passagier-Flußschiffe normlerweise mit 2 befugten Schiffsführen besetzt, wobei aber, zumindest nachts, nur ein Schiffsführer im Steuerstand anwesend ist und aktiv fährt. Gibt es eine Bestimmung, dass auch nachts ein weiter erfahrener Seemann, ggf. auch ohne Schiffsfüherpatent dabei sein muß? Und wenn ja, wird diese auch eingehalten? Er hätte ja bei der behaupteten plötzlichen Unpässlichkeit des Schiffsführers eingreifen und den Crash verhindern können. Oder war vielleicht Alkohohl im Spiel? Ob es hier seitens Viking eine Aufklärung geben wird?
    Erfahrung:
    meine Frau und ich haben im September 2017 beobachtet und erleben müssen, dass abends am Liegeplatz in Uerdingen der Schiffsführer zusammen mit seinem Vater (der zugleich sein Vertreter als Schiffsfüher war) mindestens zwei Flaschen Wein getrunken hat. In aller Frühe musste dann losgefahren werden, um rechtzeitig Düsseldorf zu erreichen. Nun – es ist gut gegangen, keine Havarie. Aber hätten wir als Passagiere, die sich gefährdet sahen, nicht die Wasserschutzpolizei informieren müssen, nachdem die Kreuzfahrtleitung nicht eingriff?

  2. Ein schwieriges Thema, wobei ich auf Ihre Fragen auch keine wirklichen Antworten habe. Am Fluss spielt zumeist das jeweilige nationale Recht eine wichtige Rolle, anders als in der Hochsee, wo internationale und damit halbwegs einheitliche Bestimmungen wichtiger sind. Am Fluss ist eines der großen Probleme, dass es zu wenig erfahrene Schiffsführer gibt beziehungsweise – zumindest vor der Pandemie – die Branche zu schnell gewachsen ist und die Ausbildung kaum hinterhergekommen ist.
    Ich denke allerdings nicht, dass die Unfälle in der Flusskreuzfahrt generell zugenommen haben. Natürlich fallen immer wiedermal etwas spektakulärere Havarien auf, aber wenn ich so auf die letzten zehn, fünfzehn Jahre zurückschaue, sehe ich (ganz subjektiv, denn eine Statistik dazu kenne ich nicht) keine Zunahme. Dennoch ist natürlich jeder einzelne Unfall einer zuviel …

  3. Ich schreibe aus meiner Erfahrung, selbst 6 Jahre im Innendienst einer renommierten Reederei aktiv gewesen. Auf der Donau sind bei bestimmten Reisen 3 Schiffsführer mit Patent PFLICHT, da viel Strecke, grade nachts gefahren wird. In einer Wache ( 6h Schicht) sind immer ein Schiffsführer und ein Matrose auf der Brücke anwesend gewesen. Die Anforderungen werden immer mehr, Reiseprogramme immer bekloppter.

  4. @Weingärtner: mich würde interessieren worin sich die pauschale Aussage begründet, dass sich Unfälle mit Flussschiffen häufen. Halte eine solche subjektive Meinungsäußerung für wenig zielführend, ebenso wie Schiffsführer unter Generalverdacht zu stellen alkoholisiert zu steuern. Ich selbst war in der Branche tätig und kann nur bestätigen, dass die Kontrollmechanismen sehr gut greifen. Etwas mehr Sachlichkeit statt die heute leider vielfach herrschende „only-bad-news-are-good-news-Mentalität“ zu bemühen wäre angemessener und den 99% unfallfrei auf Fahrt befindlichen Schiffen und ihrem Personal gegenüber nur fair. Zugegeben sind die genannten 99% auch nicht wissenschaftlich belegt ;-)

  5. @Jeschke: danke für ihren Kommentar. Wie schon Herr Neumeier schrieb, gibt es keine verifizierte und allgemein zugängliche Unfallstatistik und insofern ist mein Eindruck, dass die Unfälle zugenommen haben, ein subjektiver. Vielleicht entsteht dieser Eindruck ja auch deshalb, weil heutzutage sehr offensiv über solche Havarien berichtet wird.
    Wenn ich die Frage stellte, ob seitens Viking vollständige Aufklärung erfolgt und das Ergebnis auch kommuniziert wird, wobei selbstverständlich auch die Frage nach der Fahrtüchtigkeit des Schiffsführers in der aktuellen Situation zu stellen wäre, so ist das kein Generalverdacht, sondern das berechtigte Interesse der Öffentlichkeit und der Fahrgäste an sicheren Reisen. Die geschilderte Havarie war eine heftigte mit 11 Verletzten und – wie berichtet- acht Krankenhauseinweisungen. Und wenn, so wie es Alex mitteilt, die Anwesenheit von Schiffsführer und Matrose im Steuerhaus Pflicht ist, wie konnte es dann zu diesem dramatischen Crash kommen? Hier ist Aufklärung dringend nötig!

    Das in meinem ersten Kommentar geschilderte ‚Alkoholerlebnis‘, authentisch und durch Zeugenaussagen belastbar, spricht für sich. Ich selbst bin früher als Navigationsoffizier zur See gefahren und sehe mich in der Lage, Fragen der Schiffsführung kompetent zu beurteilen. Auf zahlreichen Kreuzfahrten mit Phoenix Reisen habe mich bzgl. Nautik und Schiffssicherheit stets sehr gut gefühlt und Kapitäten wie Jens Thorn, Jarle Flatebo oder Morten Hansen incl. deren seemänischer crew vollkommen vertraut. Auf den ebenso zahlreichen Flussreisen war das Sicherheitsgefühl ambivalenter. Wiederholt und bei verschiedenen Reisen konnten meine Frau und ich beim (spät-)abendlichen Bummel über Deck wahrnehmen, dass der Schiffsführer alleine im Steuerhaus saß und parallel zu seiner eigentlichen Aufgabe einen Film oder das Fernsehprogramm auf einem seitlich stehenden screen anschaute.

    Übrigens, Herr Neumeier bemerkt:
    „Am Fluss ist eines der großen Probleme, dass es zu wenig erfahrene Schiffsführer gibt beziehungsweise – zumindest vor der Pandemie – die Branche zu schnell gewachsen ist und die Ausbildung kaum hinterhergekommen ist.“
    Soll man daraus ableiten, dass der Mangel an erfahrenen Schiffsführen und daraus resultierend der Mangel an Sicherheitsbewußtseinsqualität hinzunehmen ist, nur weil die Branche wachsen und wachsen soll? Die Diskussion hierüber wäre sicher unangenehm – aber ist sie nicht deswegen umso mehr erforderlich?

  6. @H. Weingärtner: Nur schnell angemerkt: Ich halte den Rückschluss „Mangel an erfahrenen Schiffsführen = Mangel an Sicherheitsbewußtseinsqualität“ für unzulässig. Erfahrung hilft dabei, in kritischen Situationen die richtige Entscheidung zu treffen. Aber auch (vielleicht sogar: besonders) als unerfahrener Schiffsführer kann (und hat sicherlich in den allermeisten Fällen) man ein sehr hohes Sicherheitsbewußtsein haben. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Bitte auch nicht übersehen: Mangel an Schiffsführern bedeutet nicht, dass mangelhaft ausgebildete Leute Schiffe führen – die Leute haben alle ihre nötigen Patente, Genehmigungen, Ausbildungen und damit die Befähigung, ein Schiff zu führen. Das sollte man dabei auf keinen Fall übersehen.

  7. Naja…ein mehr an Unfällen wäre ja gar nicht unlogisch, schließlich gibt es auch ein mehr an Kreuzfahrten auf den Flüssen und Hochsee weltweit.
    Ich habe mit Kreuzfahrten 1981 angefangen, mit der Ivan Franco, damals war die Flotte weltweit noch überschaubar und die Ivan Franco mit ihren 20.000 Tonnen schon ein großes Schiff.
    Auf den Flüssen ja ähnlich, mein erstes Schiff war da auf der Donau die Rousse.
    Daß man am Anleger in Reihen von mehreren Schiffen liegt, das kam nicht vor.
    Die Angebote waren viel weniger als heute.
    Die Frage ist daher: ist die Unfallzahl relativ gestiegen oder eher gesunken?
    Ich vermute eher letzteres…

  8. deckt die versicherung der VIKING auch beeinträchtigungen bei nachfolgenden kreuzfahrten ab, deren ablauf deshalb geändert wurde?

  9. @möller: Ob das die Versicherung deckt oder nicht, ist die Angelegenheit von Viking, nicht der Kunden. Falls es Ansprüche gegen Viking aus dem Vorfall geben sollte, muss Viking dafür geradestehen, egal ob irgend eine von deren Versicherungen das abdeckt oder nicht.

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