Delta Queen: historischer Raddampfer und Kreuzfahrtschiff

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Delta Queen
Delta Queen

Einst war der historische Raddampfer Delta Queen als stolzes Flusskreuzfahrtschiff auf dem Mississippi River und seinen Nebenflüssen unterwegs. Wirtschaftliche Schwierigkeiten und politisch Querelen haben das 1927 gebaute Flussschiff vor fünf Jahren außer Dienst gezwungen. Seit Februar 2009 liegt die Delta Queen als Hotelschiff in Chattanooga am Tennessee River – noch immer mit der Hoffnung, dass sie bald wieder als Flusskreuzfahrtschiff fahren kann. Wir haben die Delta Queen im August besucht und dokumentieren hier mit detaillierten Panorama-Fotos und einer Bildergalerie das historische Schiff.

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In den nächsten Wochen könnte sich das Schicksal des legendären Raddampfers endgültig entscheiden: Der US-Kongress stimmt über eine neue Genehmigung für die Delta Queen ab und von ihrem Eigner wird eine Entscheidung erwartet, ob das Schiff an eine Investorengruppe verkauft wird, welche die Delta Queen renovieren und möglicherweise schon 2014 wieder als Flusskreuzfahrtschiff in Dienst stellen will.

Update 26.9.: Die erste Hürde hat die Delta Queen genommen, das US-Repräsentantenhaus hat am 25. September 2013 das Gesetz mit der Ausnahmegenehmigung für die Delta Queen angenommen. Nun steht noch die Zustimmung des Senats und die Unterschrift von Präsident Barack Obama aus.

Jahrelang hatten Historiker und Fans der Delta Queen vergeblich für eine Rettung des im Register der amerikanischen Nationaldenkmäler („National Historic Landmark“) verzeichneten Schiffs gekämpft, unter anderem mit Unterstützung zweier Schwester-Websites von cruisetricks.de – steamboats.org und save-the-delta-queen.org. Jetzt scheint eine Wiederbelebung des einzigen verbliebenen historischen Raddampfer-Kreuzfahrtschiffs in greifbarer Nähe.

In insgesamt 13 Panorama-Fotos haben wir nahezu alle Bereiche der auf der Delta Queen so dokumentiert, dass unsere Leser sie interaktiv und hautnah entdecken können. Wir empfehlen, die Panoramen im Vollbild-Modus anzusehen (Button ganz rechts im Panorama-Bild).

Die Geschichte der Delta Queen

Delta Queen in Chattanooga
Delta Queen in Chattanooga

Die Delta Queen hat eine lange und bewegte Geschichte. Gebaut wurde sie nämlich eigentlich von 1924 bis 1927 in Schottland, Teile des Schaufelrads stammen sogar von Krupp in Deutschland. Zerlegt nach Kalifornien verschifft und dort 1927 fertig gebaut, fuhr sie jahrelang am Sacramento River im Linienverkehr, zusammen mit ihrer Schwester Delta King, selbige heute als Hotelschiff in Sacramento liegt. 1940 bis 1945 musste sie – komplett Grau gestrichen – Militärdienst als Truppentransporter und Hospital leisten. Historiker erzählen heute noch, dass die Soldaten so großen Respekt vor dem prachtvollen Schiff hatten, dass die Delta Queen die Kriegszeiten vollständig unversehrt überstanden habe und nicht ein einziger Soldat auch nur seine Initialen in die kunstvollen Holzvertäfelungen geritzt habe.

Ahnengalerie der Familie Greene
Ahnengalerie der Familie Greene

1946 kaufte Capt. Tom R. Greene von der Dampfschiff-Gesellschaft Greene Line Steamers aus Cincinnati am Ohio River die Delta Queen und brachte sie in einer gewagten Überfahrt, rückwärts von einem Schlepper gezogen entlang der kalifornischen und mexikanischen Pazifik-Küste, anschließend durch den Panama-Kanal und durch den Golf von Mexiko auf den Mississippi und Ohio River bis nach Cincinnati. Die Überfahrt dauerte 29 Tage. Organisiert hatte sie der seitdem unter Raddampfer-Fans als Legende geltende Capt. Frederick Way Jr.

Bildergalerie: Delta Queen

Am 21. Juni 1948 ging die Delta Queen wieder als Passagierschiff in Dienst und fuhr für Green Line Steamers zunächst bis 1966, als ein neues Gesetz in den USA, der Safety at Sea Act  (die nationale Adaption von SOLAS), ihre Karriere als Flussschiff und späteres Kreuzfahrtschiff beinahe beendet hätte. Der US-Kongress hatte einfach übersehen, dass die Delta Queen noch als damals einziges Passagierschiff auf den amerikanischen Flüssen existierte; das Gesetz zielte klar auf Hochseeschiffe, doch fehlte eben die explizite Ausnahme für Flussschiffe.

Historisches Schiff vs. neue Gesetze

Schaufelrad
Schaufelrad

Die Delta Queen ist ein Schiff zwar mit solidem Stahl-Rumpf, aber hölzernen Aufbauten – und genau das verbot das neue Gesetz für Passagierschiffe mit einer Kapazität von mehr als 49 Betten. Das Gesetz gilt übrigens bis heute, was der Delta Queen dann 2008 erneut große Probleme bereiten sollte. Zunächst konnte Greene Line Steamers kurzfristige Ausnahmegenehmigungen für einen weiteren Betrieb des Schiffs bekommen, doch 1970 schien das Ende für die Delta Queen nahe.

Betty Blake
Betty Blake

Trotz der Bemühungen vor allem der brillianten Marketing-Managerin Betty Blake und dem Engagement des Bandleaders Vic Tooker und Bill Muster, Greene Lines Executive Vice President, schien die Ära Delta Queen vorbei. Die Abschiedskreuzfahrt der Delta Queen im Dezember 1970 bekam dann allerdings, erneut vor allem dank Betty Blake, enorme Medien-Aufmerksamkeit, die Nation trauerte um ein Stück amerikanische Geschichte. Selbst der große Country-Star Johnny Cash warb für ein Fortbestehen der Delta Queen in seiner damals sehr populären TV-Show bei ABC und schrieb ein eigenes Lied über den Raddampfer („Salute to the Delta Queen“). Die Bemühungen zeigten Wirkung: Zwei Monate, nachdem die Delta Queen nach ihrer – vermeintlich – letzten Reise in New Orleans angelegt hatte, unterzeichnete Präsident Richard Nixon eine neue Ausnahmegenehmigung, die letztlich bis 2008 immer wieder verlängert wurde.

Neue Eigentümer und prominente Passagiere

Grand Staircase
Grand Staircase

Über die Jahre wechselte dann der Name des Unternehmens zu Delta Queen Steamboat Company, Eigentümer des Schiffs wurden der Reihe nach unter anderem die Coca Cola Bottling Company, die Fluggesellschaft ONA und der berühmt-berüchtigte Chicagoer Investor Sam Zell. Die Delta Queen fuhr indes unbeirrt auf Mississippi, Ohio, Cumberland, Tennessee, Illinois und Arkansas River und beförderte selbst so illustre Passagiere wie Präsident Jimmy Carter, Präsident Johnsons Ehefrau Lady Bird Johnson oder die englische Prinzessin Margaret (die übrigens in Kabine 119 wohnte, die auch in unserer Bildergalerie und als Panorama-Foto zu sehen ist).

Bildergalerie: Delta Queen

Kabine 119 - hier wohnte 1986 schon Prinzessin Margaret
Kabine 119 – hier wohnte 1986 schon Prinzessin Margaret

Den Anfang einer sehr schwierigen Zeit für die Delta Queen markierten die Terroranschläge vom 11. September 2001. Die Verluste aus dem schlagartig einbrechenden Tourismus-Markt in den USA verkraftete Sam Zells Reederei American Classical Voyages  – der Muttergesellschaft der Delta Queen Steamboat Company – nicht und musste 2002 Insolvenz anmelden. Delaware North Companies Inc. – Betreiber unter anderem von Hotels und Freizeiteinrichtungen in zahlreichen Nationalparks in den USA – übernahm die Delta Queen Steamboat Company, verkaufte sie aber 2006 weiter an Ambassadors International, die zusammen mit anderen Schiffen (Empress of the North, Columbia Queen, Queen of the West, Mississippi Queen, American Queen) die Majestic America Line begründete. Ambassadors Intrernational gehörte damals auch Windstar Cruises.

Pleiten und anderes Ungemach

Calliope (Dampforgel) der Delta Queen
Calliope (Dampforgel) der Delta Queen

Doch schon zwei Jahre später kam das möglicherweise endgültige Aus: Ambassadors International überwarf sich mit den – in den USA sehr starken und politisch einflussreichen – Seefahrer-Gewerkschaften. Das kostete das Unternehmen die politische Unterstützung in Washington und damit die Ausnahmegenehmigung für die Delta Queen. Diesen Schlag überlebte auch Ambassadors nicht und ging nur wenige Monate später in Konkurs. Raddampfer-Fans vermuten bis heute, das Ambassadors International die Delta Queen in Wirklichkeit loswerden wollte und es deshalb regelrecht auf den Verlust der Ausnahmegenehmigung angelegt hatte. Beweisen konnte das freilich bis heute niemand.

Betty Blake Lounge
Betty Blake Lounge

Der Tourismuskonzern Xanterra Parks & Resorts übernahm die Vermögensgegenstände von Ambassadors und damit auch die Delta Queen. Die Delta Queen wurde nach Chattanooga verchartert, wo sie seitdem als Hotelschiff betrieben wird. Auch dort sind ihre Tage allerdings nun gezählt: Der Stadt Chattanooga fehlt offenbar jegliches Gefühl für die historische Bedeutung des einzigartigen Schiffs und will sie loswerden – je schneller, desto besser.

Seit einigen Monaten versucht nun eine Investorengruppe aus Cincinnati die Delta Queen zu kaufen und so bald wie möglich wieder als Flusskreuzfahrtschiff in Betrieb zu nehmen. Mit im Boot sind sowohl frühere leitende Mitarbeiter der Delta Queen Steamboat Company, die das Schiff zu ihren Glanzzeiten betrieb, als auch die derzeitigen Pächter der Delta Queen in Chattanooga. Um lediglich rund sieben Millionen Dollar Kaufpreis soll es dabei gehen, eine ähnliche Summe wird man aber noch einmal in die Renovierung und vor allem den Austausch des inzwischen marode gewordenen Dampfkessels der Delta Queen investieren müssen, um auch von der US-Küstenwache ein „Okay“ für den Betrieb als Kreuzfahrtschiff zu bekommen. Denn die Delta Queen fährt nach wie vor ausschließlich angetrieben von dem großen, roten Schaufelrad am Heck, das seinen Schwung von einer historischen Dampfmaschine bekommt – und so historische Technik unterzieht die Coast Guard besonders kritischen und genauen Überprüfungen.

Hoffnung auf eine neue Zukunft als Kreuzfahrtschiff

Unser Lieblingsplatz: Schaukelstühle und Schaukelbank am Forward Cabin Deck
Unser Lieblingsplatz: Schaukelstühle und Schaukelbank am Forward Cabin Deck

Doch der Eigentümer der Delta Queen, Xanterra Parks & Resorts, hat sich schon in den vergangenen Jahren immer wieder verweigert und potenzielle Käufer abgewiesen – obwohl Xanterra bekanntermaßen das historische Schiff loswerden möchte und kein langfristige Interesse an ihm hat. Warum die Verkäufe in den vergangenen Jahren immer wieder scheiterten, weiß niemand so genau. Die Tatsache, dass die Delta Queen wahrscheinlich schon Ende September 2013 ihren Liegeplatz in Chattanooga verlassen und damit den Hotelbetrieb einstellen muss, gibt den Investoren aus Cincinnati allerdings zusätzliche Hoffnung – denn das könnte den Druck auf Xanterra erhöhen, das Kaufangebot anzunehmen und die Sorge um den Verbleib der Delta Queen und ihren teuren Unterhalt los zu werden.

Mehr Infos zur Delta Queen, vor allem aber auch Videos aus der aktiven Zeit der Delta Queen als Raddampfer-Kreuzfahrtschiff gibt’s auch auf unserer Website www.steamboats.org

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