„Eigentlich besetzen wir eine Nische, was derzeit ein riesiger Vorteil ist“

(aktualisiert) Gastbeitrag von Christoph Assies
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Die Ambitionen der US-Reederei Norwegian Cruise Line in Deutschland stehen im Mittelpunkt eines Exklusiv-Interviews von cruisetricks.de mit Christian Böll. Er ist seit 1. Juli 2015 der Managing Director Europe, Middle East and Africa bei Norwegian Cruise Line – kurz: Europa-Geschäftsführer der US-Reederei. Das Gespräch führte Christoph Assies.

Europa-Geschäftsführer Christian Böll (rechts) mit Andrew Stuart, President & Chief Operating Officer, Norwegian Cruise Line (Bild: Christoph Assies)
Europa-Geschäftsführer Christian Böll (rechts) mit Andrew Stuart, President & Chief Operating Officer, Norwegian Cruise Line (Bild: Christoph Assies)

Wie ist Norwegian Cruise Line auf dem deutschsprachigen Markt aufgestellt?

Wir spielen mit. Eigentlich besetzen wir eine Nische, was derzeit ein riesiger Vorteil ist, aber wir decken das ganze Segment der internationalen Kreuzfahrt sehr gut ab. Wir verbinden viele weltweite Einflüsse an Bord unserer Schiffe und diese Vielfalt an Bord unterscheidet uns sicherlich von den Mitbewerbern. Wir haben viele Innovationen auf See gebracht, wie das Studio-Konzept für Alleinreisende oder den Villenkomplex The Haven by Norwegian für das obere Preissegment und das Promenadendeck The Waterfront mit vielen Außenplätzen unserer Restaurants und Bars.

„Wir sind sicherlich noch nicht die Marke, die in allen Köpfen ist.”

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Künftig wollen wir unsere Marke noch stärker aufbauen. Wir sind sicherlich noch nicht die Marke, die in allen Köpfen ist, wenn es um internationale Kreuzfahrten geht, aber wir wollen uns neben den deutschen Produkten einreihen und unsere Vielfalt und unsere Angebote deutlich machen.

Da sind wir schon bei Ihren Aufgaben bei Norwegian Cruise Line. Was macht ein Managing Director EMEA?

Ich führe die Geschäfte von Norwegian Cruise Line in Europa, dem nahen Osten und Afrika, die wir von unseren Standorten in Wiesbaden, Southampton und Malta aus betreuen. Das umfasst das operative Geschäft und die gesamte Logistik, die nötig ist, um die Gäste zum Schiff zu bekommen und die Reise logistisch zu ermöglichen. Ganz wesentlicher Punkt ist die Leitung und der Ausbau der Vertriebs- und Verkaufsstrukturen. Speziell für Europa analysieren wir die einzelnen Märkte und Bedürfnisse, hinzu kommt das Marketing und die Kommunikation. Wie sprechen wir die einzelnen Kunden an, was interessiert wo? In Spanien ist es beispielsweise so, dass viele Familien Kreuzfahrten unternehmen. Da liegen wieder ganz andere Schwerpunkte als bei deutschen oder britischen Gästen. Das ist so der Mix, mit dem man sich als Managing Director auseinandersetzen muss.

Wollen Sie den deutschen Markt noch mehr pushen?

Das neueste Schiff der Flotte: Norwegian Escape (Bild. NCL)
Das neueste Schiff der Flotte: Norwegian Escape (Bild. NCL)

Was heißt „pushen“? Wir sind eine wachsende Firma und wir werden auch mit unseren Kapazitäten weiter wachsen und natürlich werden wir unsere Stärken auch ausspielen. Wir bieten jetzt zur Premiere unseres neuen Schiffs Norwegian Escape erstmals eine Kreuzfahrt ab Hamburg an. Da werden wir sehr viele Reisebürovertriebspartner aus Europa mitnehmen und ihnen drei Tage das Schiff zeigen. Das ist für Reisebüromitarbeiter und natürlich auch für die Medien eine gute Chance, ein Gefühl für das Produkt zu bekommen. Als nächstes kommt die Norwegian Bliss und wird uns noch mehr Chancen eröffnen. Ich denke, je mehr wir wachsen, desto mehr Chancen haben wir auch mittelfristig einen weiteren Heimathafen hier oder dort in Europa zu etablieren.

Die Norwegian Star läuft bisher mit Warnemünde den einzigen deutschen Hafen an. Ist vielleicht ab Hamburg oder generell ab deutschen Häfen mehr geplant?

Das ist immer eine Frage von Strategie und Kapazität. Wir haben jetzt 14 Schiffe und da müssen wir bei der Flottenplanung genau schauen, wie sich die einzelnen Märkte verteilen. Ich werde aber schon versuchen, dass wir da auch Möglichkeiten für deutsche und englische Häfen bekommen.

Welche Mitbewerber auf dem Kreuzfahrtmarkt sehen Sie als Ihre Konkurrenten?

Die Kreuzfahrt wächst in Europa immer noch sehr stark, vor allem kommen immer noch sehr viele Gäste vom Landurlaub auf das Schiff. Ich sehe da keinen direkten Mitbewerber, den wir genau fokussieren müssen. Unser Potenzial ist hoch genug und die Produkte unterscheiden sich auch.

Wie erklären Sie einem deutschen Gast, der sonst vielleicht nur Mein Schiff und AIDA fährt, Norwegian Cruise Line?

Was uns ausmacht ist eine wahnsinnige Auswahl und das internationale Flair, das ein rein deutschsprachiges Produkt so gar nicht haben kann. Mit Freestyle Cruising bieten wir ein junges und modernes Produkt, mit einer großen Restaurantvielfalt mit unterschiedlichen kulinarischen Stilrichtungen und flexiblen Dinnerzeiten ohne feste Sitzordnung und ein abwechslungsreiches Entertainmentangebot.

„Unser Thema ist, einfach international mit extrem vielfältiger Auswahl zu sein.”

Die Auswahl eines Schiffes ist natürlich auch immer eine Einstellungssache. Wie möchte ich reisen? Möchte ich mit anderen Menschen kommunizieren und möchte ich feste Strukturen? Unser Thema ist, einfach international mit extrem vielfältiger Auswahl zu sein.

Zur Person: Christian Böll

Christian Böll (Bild: NCL)
Christian Böll (Bild: NCL)

Christian Böll (48) ist seit 1. Juli 2015 der Managing Director Europe, Middle East and Africa bei Norwegian Cruise Line. Zuvor war er in der Schörghuber Unternehmensgruppe (Arabella Starwood) tätig, war als Senior Vice President für den Bereich Marketing der Steigenberger Hotels AG zuständig.

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Bei Seetours hat Böll als Vice President Marketing maßgeblich zur Etablierung und Expansion der Kreuzfahrt-Marken AIDA und A-Rosa beigetragen. Zuletzt war Christian Böll als Geschäftsführer des Stuttgarter Flusskreuzfahrtspezialisten nicko cruises für die Bereiche Marketing und Vertrieb.

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2 Kommentare zu „Eigentlich besetzen wir eine Nische, was derzeit ein riesiger Vorteil ist“

  1. Homer on Oktober 11, 2015 at 12:44 am

    Wie kann für eine Maßenmarkt Reederei eine Nische ein Vorteil sein ? Für eine Luxusreederei ist Nisch sicher ein Vorteil, aber nicht für den Maßenmarkt.

  2. Franz on Oktober 11, 2015 at 7:55 am

    Das bezieht sich nur auf den deutschen Markt und da ist Norwegian an der Kundenzahl gemessen eine Nische, weil der deutsche Markt von AIDA und TUI Cruises domininiert wird und auch Konkurrenten wie Costa und MSC mehr Kunden in Deutschland haben. Dadurch kann man beispielsweise die Besonderheiten und eigenen Stärken deutlicher herausstellen, weil man es nicht allen (oder sehr vielen) Recht machen muss.

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