Verschrottung: Wenn Schiffe sterben

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Alang Beach, Indien

Ort des Schreckens: Alang, Indien (Bild: Gabuchan)

Wenn Schiffe Gefühle hätten, würde ihnen ein kalter Schauer von der Schornsteinspitze bis zum Kiel hinunter laufen, wenn jemand “Alang” sagt. Sie würden zittern bei der Erwähnung von “Chittagong“. Heftig rollen allein beim Gedanken an “Pan Yo“. Alang in Indien, Pan Yo in China, Chittagong in Bangladesh sind Küstenstädte, die für ein trauriges Business bekannt sind: Schiffsverschrottungen.

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Hauptsächlich sind es Frachtschiffe, die an diesen asiatischen Stränden zerlegt werden, doch auch Kreuzfahrtschiffe finden immer wieder ihren Weg dorthin, wenn niemand mehr eine Verwendung für sie hat und die strengen Ausfuhr- und Einfuhrbestimmungen der oft mit allerlei Schadstoffen belasteten Schiffe umgangen werden können. Prominente Opfer der letzten Jahre sind beispielsweise die

Wie tote Wale werden die Schiffe an den Strand gezogen: Lange Trossen werden am Schiff fest gemacht und mit gewaltigen Winden an Land bei jedem Hochwasser etwas weiter auf den Strand gezogen und dort nach und nach zerlegt. Solange, bis das gesamte Schiff abgetragen ist.

Kaum eine Chance auf Entrinnen

SS Norway in 1983

SS Norway im Jahr 1983. Sie wurde 2007 in Alang verschrottet (Bild: Joost J. Bakker)

Steht erst einmal fest, dass ein Kreuzfahrtschiff endgültig ausgemustert wird, dann stehen die Chancen schlecht, dem Untergang zu entkommen. Nur wenige Schiffe wie die SS Rotterdam oder Queen Mary haben das Glück, noch eine neue Verwendung als Hotelschiff zu finden. Manche überleben zwar noch – in irgendeinem Hafen vor sich hin rostend – Jahre bis Jahrzehnte, wie die SS United States, aber der Unterhalt der Schiffe ist auch dann teuer, wenn sie einfach nur in einem Hafen festgemacht sind.

Letztlich ist der Tod der Schiffe nicht aufzuhalten. Dann treten sie ihre letzte Reise Richtung Süd-Ost-Asien an, traurig im Schlepptau von Schleppern, ohne eigenen Antrieb ein Schatten ihrer selbst.

Letzte Funktion: künstliches Riff

Das heißt, einen Ausweg gibt es theoretisch doch. Der ist allerdings nur unwesentlich angenehmer als die Verschrottung: Manchmal werden Schiffe vor der Küste absichtlich versenkt, um daraus ein künstliches Riff entstehen zu lassen. Beispiel gefällig?

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Allerdings ist uns kein Kreuzfahrtschiff bekannt, dass jemals absichtlich versenkt wurde, um ein künstliches Riff zu bilden. Das Verfahren ist eher bei Kriegsschiffen gebräuchlich, wie dem US-Airforce-Transportschiff Vandenberg (siehe Video) oder dem Flugzeugträger USS Oriskany.

Zäh und beliebt sein allein reicht nicht

Es sind nur selten technische Probleme, wegen derer ein Kreuzfahrtschiff ausgemustert wird. Schiffe sind zäh und halten viele Jahrzehnte. Eine der größten Bedrohungen für ältere Kreuzfahrtschiffe sind die immer strengeren Sicherheits- und Brandschutz-Vorschriften, deren Umsetzung und Einhaltung auf den alten Kreuzfahrtschiffen schlicht zu teuer käme. Das internationale Abkommen SOLAS 2010 und entsprechende nationale Gesetze haben so prominente Opfer gefordert wie Cunards Queen Elisabeth 2, in gewisser Hinsicht auch Holland Americas SS Rotterdam und das historische Flusskreuzfahrtschiff Delta Queen.

Wie langlebig Kreuzfahrtschiffe andererseits sein können, zeigt die 1948 gebaute MS Stockholm. Sie fährt heute noch – als MS Athena. Freilich zwischendurch komplett entkernt und innen völlig neu aufgebaut. Auch die SS United States, seit 1952 Träger des Blauen Bandes für die schnellste Atlantik-Überquerung, und seit 1969 nicht mehr unter Dampf, wäre aus technischer Sicht wohl immer noch verwendbar und NCL hatte dafür auch ganz konkrete Pläne im Hawaii-Geschäft.

Oceanic, ex SS Independence at San Francisco

Oceanic, ex SS Independence: Abschied von San Francisco (Bild: Jonathan Haeber)

Selbst drastisch veränderte Märkte können Kreuzfahrtschiffen nicht immer etwas anhaben. Freilich, Ender 60er- und in den 70er-Jahren traten ehemals prachtvolle Ocean Liner reihenweise den Weg in die Verschrottung an. Doch häufig findet sich jemand, der ältere Schiffe umbaut und ihnen ein neues Leben gibt. Meist als weniger luxuriöse, dafür preisgünstige Alternativen zu den gefeierten Neubauten anderer Kreuzfahrtgesellschaften. Die ursprüngliche Celebrity-Cruises-Mutter, die griechische Chandris Group, hatte sich mit diesem Konzept in den 70er-Jahren sogar vorübergehend zur größten Kreuzfahrtfahrt-Gesellschaft der Welt hochgearbeitet.

Zwar haben ältere Schiffe für heutige Verhältnisse beispielsweise viel zu wenige oder gar keine Balkone. Doch auch diese Schiffe durchaus finden durchaus ihre Fans in Nische-Märkten.

Alang-Experte Peter Knego

Der unbestrittene Top-Experte beim Thema Alang ist übrigens Peter Knego, dessen Blog ebenso wie seine Videoproduktion “On the Road to Alang” lesens- beziehungsweise sehenswert sind.

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