Costa Concordia: Kapitän und Erster Offizier verhaftet

Nach dem tragischen Unfall der Costa Concordia wurde am Samstagabend, 14. Januar 2012, der Kapitän der Costa Concordia, Francesco Scettino (52), sowie sein Erster Offizier, Ciro Ambrosio, verhaftet. Ihnen wird fahrlässige Tötung vorgeworfen. Auch sollen sie das Schiff bereits vor den letzten Passagieren verlassen haben, was der Kapitän aber bestreitet.

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Update (16.1., 8 Uhr): Costa hat in einem Statement erstmals zur Unfallursache Stellung genommen und räumt nach dem bisherigen Erkenntnisstand schwere Fehler des Kaptäns ein. Weitere Details und Updates dazu unter „Costa: Wahrscheinlich schwere Fehler des Kapitäns“.

Nach unterschiedlichen Behördenangaben soll sich das Schiff zum Zeitpunkt des Aufpralls auf den Felsen zwischen 2,5 und 4 Meilen abseits des gewöhnlichen Kurses befunden haben. Ein örtlicher Ermittlungsbeamter sagte, die Costa Concordia habe die Insel Giglio nicht auf der üblichen Route angefahren und nach der Kollision mit den Felsen enorme Mengen Wasser innerhalb weniger Minuten aufgenommen.

In einer ersten Befragung gab der Kapitän an, er habe sich laut seiner Seekarten in tiefem Gewässer befunden, die Felsen seien nicht eingezeichnet gewesen. Dem widerspricht die italienische Küstenwache. Man wisse noch nicht, so ein Küstenwachensprecher, warum das Schiff so nahe an der Stelle mit bekanntermaßen felsigem Grund entlang gefahren sei. Auch örtliche Fischer sagen, die Küste vor Giglio sei für ihren felsigen Untergrund bekannt.

Verspäteter „Mayday“-Ruf?

Als er das Ausmaß des Schadens am Schiff erkannt habe, habe er sofort den Kurs der Costa Concordia geändert, um den Hafen auf Giglio zu erreichen, sagten Kapitän und ein Sprecher von Costa übereinstimmend. Einen „Mayday„-Ruf soll der Kapitän erst während der schon laufenden Rettungsaktion abgesetzt haben. Costa Cruises erklärte dazu, der Kapitän habe zunächst das Schiff in sichere Nähe zur Küste bringen wollen, bevor er mit der Evakuierung begonnen habe. Das schnelle Neigen des Schiffs habe diese Pläne aber durchkreuzt und die Situation sei eskaliert, sodass der Kapitän die Rettungsaktion in die Hände der italienischen Küstenwache übergeben habe.

Francesco Scettino, der Kapitän der Costa Concordia, stammt aus dem Ort Meta die Sorrento nahe Neapel. Er gilt als erfahrener Kapitän, der bereits seit elf Jahren das Kommando auf Costa-Kreuzfahrtschiffen geführt hat. Er stammt aus einer Familie mit langer Seefahrer-Tradition.

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Costa Crociere sowie die Muttergesellschaft Carnival haben das Unglück in Statements als Tragödie bezeichnet, Bestürzung und Trauer geäußert und den Angehörigen der Toten ihr Beileid ausgesprochen.

Mindestens drei Überlebende im Schiff

Unterdessen wurde aus dem gekenterten Kreuzfahrtschiff ein koreanisches Urlauberpaar nahezu unverletzt gerettet. Die beiden 29jährigen hatten sich auf ihrer Hochzeitsreise befunden und waren in ihrer Kabine eingeschlossen. Retter befreiten sie aus ihrer misslichen Lage, mehr als 24 Stunden nach dem Unglück.

Einen weiteren Überlebenden haben die Retter an Bord der Costa Concordia am frühen Sonntagnachmittag befreien. Taucher und Rettungskräfte suchen im Schiffsinneren weiter nach Überlebenden.

Nach wie vor werden weitere Passagiere vermisst, (Update 17.1.:) derzeit ist die Rede von 18 Vermißten, sechs Tote wurden am Dienstagnachmittag gefunden. Die Zahl der bei dem Unglück ums Leben gekommen Menschen erhöt sich damit auf 11. Die Behörden hoffen, dass weitere vermisste Passagiere sich lediglich noch nicht gemeldet haben.

(Update 17.1.): Entgegen früheren Meldungen werden von den rund 560 deutschen Passagiere der Costa Concordia noch 11 vermißt, ein Deutscher wurde inzwischen tot geborgen.

2 Kommentare zu “Costa Concordia: Kapitän und Erster Offizier verhaftet

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