Generic selectors
Exact matches only
Search in title
Search in content
Post Type Selectors
"sponsored by Oceania Cruises" - was bedeutet das für cruisetricks.de?

Geplante Kreuzfahrt-Begrenzung und Klimaschutz-Regeln auf Hawaii gekippt

Der neue „Hawai’i Energy Security and Waste Reduction Plan“, vorgesehen für 2026, sollte eine drastische Reduzierung der Kreuzfahrt auf Hawaii und eine strenge Begrenzung von Treibhausgas-Emissionen beinhalten. Doch offenbar hat die Tourismus- und Kreuzfahrt-Branche intensive Lobbyarbeit betrieben. Denn von der finalen Fassung des Plans ist die Kreuzfahrt kaum noch betroffen.

Kreuzfahrt-Reedereien hatten nach dem Entwurf des neuen „Hawai’i Energy Security and Waste Reduction Plan“ schlimmstes befürchtet: Schiffsanläufe hätten halbiert werden müssen und die Grenzwerte für Treibhausgas-Emissionen waren so scharf formuliert, dass Hawaii-Kreuzfahrten auch aus diesem Grund mindestens drastisch zurückgegangen wären. Doch in der jetzt finalen, überarbeiteten Version des Plans sind die Regeln deutlich abgeschwächt. Und Norwegian Cruise Line ist mit der Pride of America als einzigem großen Schiff mit Heimathafen in Hawaii sogar komplett von den Regularien ausgenommen – zumindest vorerst.

Der Plan setzt die bereits 2018 beschlossene Klimaschutzziele bis 2030 um, die eine Reduzierung der Treibhausgas-Emissionen um 50 Prozent im Vergleich zu 2005 vorsehen. Im Jahr 2045 will Hawaii sogar „netto-negativ“ werden, also mehr CO2 einfangen als emittieren.

Der Veröffentlichung des jetzigen Plans waren öffentliche Anhörungen durchgeführt worden, die zu einigen Änderungen der ursprünglichen Pläne geführt haben – insbesondere auch für die Kreuzfahrt.

Ursprünglich geplant: Halbierung der Kreuzfahrtschiff-Anläufe

Der ursprüngliche Plan sah schon bis 2030 eine generelle Halbierung der Kreuzfahrtschiff-Anläufe in Hawaii im Vergleich zu 2023 vor. Von der bedingungslosen Halbierung der Anläufe wären vor allem große Schiffe über 3.000 Passagiere und speziell solche auf Trans-Pazifik-Reisen betroffen gewesen, die lediglich einen Zwischenstopp auf Hawaii einlegen. Das ist nun vom Tisch, sofern die Schiffe stufenweise zunehmend klimafreundliche Treibstoffe nutzen.

Die Abschwächung der ursprünglichen Pläne für die Kreuzfahrt und insbesondere die Ausnahme für Schiffe mit Heimathafen auf Hawaii – im Wesentlichen: NCLs Pride of America – begründet die Regierung mit der Bedeutung des Kreuzfahrttourismus für die lokale Wirtschaft und damit zusammenhängenden Arbeitsplätze auf den Hawaii-Inseln. Von der Ausnahme profitieren aber auch die übrigen Reedereien. Denn die strikten Kontingente der ursprünglichen Regelungen hätte ihnen kaum noch Anlaufmöglichkeiten in Hawaii ermöglicht.

Der finale Plan sieht jetzt vor, die Treibhausgas-Intensität (CI) der Treibstoff von Kreuzfahrtschiffen schon ab 2030 auf den sehr niedrigen Wert von 25 gCO2e/MJ oder niedriger zu senken, was einer Reduktion von 75 Prozent im Vergleich zu 2023 bedeutet. Um das Ziel zu erreichen, darf kein fossiler Treibstoff – mit Ausnahme von LNG – verwendet werden. Stufenweite muss der CI dann weiter sinken:

  • ab 2030 Reduktion der CI auf 25 gCO2e/MJ (75 Prozent Reduktion)
  • ab 2035 auf 15 gCO2e/MJ, dann komplett ohne fossile Treibstoffe (85 Prozent Reduktion)
  • ab 2040 auf 10 gCO2e/MJ (90 Prozent Reduktion)
  • ab 2045 auf 5 gCO2e/MJ (95 Prozent Reduktion)

Ob ein Schiff diese Werte einhält, ist für Außenstehende allerdings kaum zu berechnen. Denn die Grenzwerte beziehen sich auf den flottenweiten Durchschnitt der Reedereien, gewichtet nach Hafenanläufen. Die Werte müssen also nur in Relation zum Anteil der Hawaii-Anläufe an allen Anläufen der gesamten Flotte der jeweiligen Reederei erreicht werden.

Die Reedereien bei den nachträglichen Anpassungen des Plans offenbar ein Meisterstück an Lobbyarbeit geleistet. Denn Hawaii wird nur relativ selten angelaufen, sodass die Grenzwerte wegen der flottenweiten Durchschnittswette und Gewichtung nach Anläufen für die meisten Reedereien weitgehend irrelevant sein dürften. Ihr Wirkung werden die Grenzwerte wohl vor allem in der Frachtschifffahrt entfalten.

Komplett-Ausnahme für NCLs Price of America

Wichtig aber jedenfalls für die Pride of America von NCL ist: Diese strengen Regeln sollen nur für Kreuzfahrtschiffe gelten, die nicht ihren Heimathafen in Hawaii haben. Die Pride of America fährt unter amerikanischer Flagge mit Heimathafen Honolulu und ist damit vorerst komplett von den neuen Regeln ausgenommen.

Auf diese Ausnahme für die Pride of America geht der Plan explizit ein: „Dieses Schiff bietet eine kontinuierliche Verbindung zwischen den Inseln und spielt eine unverzichtbare Rolle für die maritime Wirtschaft Hawaiis. Sein Betrieb sorgt für Stabilität und Vorhersehbarkeit auf dem Kreuzfahrtmarkt, generiert stetige Einnahmen für die Häfen und trägt dazu bei, die langfristige finanzielle Gesundheit des Hafensystems des Bundesstaates zu erhalten. Aufgrund dieser zentralen Rolle ist die Pride of America von den unmittelbaren Anforderungen der vorgeschlagenen Strategie ausgenommen.

Diese Ausnahme schränkt jedoch die Fähigkeit des Bundesstaates, sein Emissionsreduktionsziel für 2030 zu erreichen, erheblich ein, da der ganzjährige Betrieb des Schiffes erheblich zu den gesamten maritimen Emissionen Hawaiis beiträgt. Obwohl diese Ausnahme pragmatisch ist, bleibt das hawaiianische Verkehrsministerium (Hawaii Department of Transportation, HDOT) weiterhin bestrebt, Möglichkeiten zur Dekarbonisierung von Schiffen mit Heimathafen zu verfolgen, sobald sich geeignete Wege dafür ergeben. Wenn kohlenstoffarme Kraftstoffe, Nachrüstungsoptionen oder neue Schiffstechnologien auf den Markt kommen, wird das HDOT eng mit Norwegian Cruise Line zusammenarbeiten, um deren Einführung zu unterstützen und die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um die Emissionsreduktionen dieser wichtigen Schiffe zu beschleunigen.“

Noch ist es nur ein Plan …

Gültig sind die neuen Regeln noch nicht. Der fertige „Hawai’i Energy Security and Waste Reduction Plan“ mit einem Umfang von über 250 Seiten ist nun aber Teil eines größeren Gesetzgebungspakets, das im Jahr 2026 verabschiedet werden soll.

Vorausgegangen war der vor allem auch in Blick auf die Kreuzfahrt deutlich schärfer formulierte Entwurf (PDF-Link) mit einer öffentlichen Kommentierungsfrist bis 31. August 2025. Anschließend wurden die Vorschläge und Einwände evaluiert und Mitte Oktober 2025 in der jetzt finalen Version zusammengefasst und veröffentlicht.

Kommentar schreiben

Über den Autor: FRANZ NEUMEIER

Franz Neumeier
Über Kreuzfahrt-Themen schreibt Franz Neumeier als freier Reisejournalist schon seit 2009 für cruisetricks.de und einige namhafte Zeitungen und Zeitschriften. Sein Motto: Seriös recherchierte Fakten und Hintergründe statt schneller Schlagzeilen und Vorurteile, damit sich jeder seine eigene Meinung bilden kann. TV-Reportagen zitieren ihn als Kreuzfahrt-Experten und für seine journalistische Arbeit wurde er mehrfach ausgezeichnet. Er wird regelmäßig in die Top 10 der „Reisejournalisten des Jahres“ gewählt und gewann mit cruisetricks.de mehrfach den „Reiseblog des Jahres“-Award.

Schreibe einen Kommentar

E-Mail-Benachrichtigung bei weiteren Kommentaren.

Hinweis: Neue Kommentare werden aus technischen Gründen oft erst einige Minuten verzögert angezeigt.
WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner