(Meinung) Es ist eine skurrile News: Royal Caribbean führt in den USA testweise eine Gebühr von 30 Dollar ein, mit der man bei einer Glückskabinen-Buchung die Kabine früher zugeteilt bekommt. Für den deutschen Markt ist das zumindest bislang nicht geplant und damit nicht relevant. Aaber je mehr man darüber nachdenkt, desto mehr kommt man zu dem Schluss: Das ist entweder absurd oder genial.
Das Prinzip „Glückskabine“ ist bekannt: Man bucht eine bestimmte Kabinenkategorie – Innen, Außen, Balkon, Suite – und bekommt die konkrete Kabine ohne Auswahlmöglichkeit meist erst kurz vor der Abreise von der Reederei zugewiesen. Dafür ist die Kabine günstiger als in einem Tarif, in dem man sich die Lage der Kabine nach persönlichen Vorlieben aussuchen kann.
Royal Caribbean führt dieses Prinzip – vorerst nur in den USA, wohl als Testballon – fast schon ad absurdum, indem sie die Option anbietet, mit der man gegen einen Aufpreis von 30 Dollar pro Kabine quasi früher in den Lostopf greifen darf: 30 oder 60 Tage vor Reisebeginn bei kürzeren Reisen, 50 oder 90 Tage bei Reisen ab sechs Nächten. Das Programm soll „Early Assign“ heißen, wie Cruise Industry News berichtet. Immerhin, so schreibt Royal Caribbean Blog, könne man, sobald die Kabinennummer zugewiesen wurde, auch auf eine andere dann noch freie Kabine wechseln.
Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich das skurril, absurd oder (zumindest aus Reederei-Sicht) genial finden soll: Kunden buchen eine Glückskabine, weil sie damit ein wenig Geld sparen können. Auch wenn dabei das ungute Gefühl mitschwingt, es könnte vielleicht keine ganz so optimale Kabine werden, vielleicht nahe an der Ankerkette, direkt neben dem Aufzug oder nahe der Disko.
Genau mit dieser Furcht spielt die Reederei nun und knöpft diesen Kunden doch wieder mehr Geld ab. Nämlich dafür, dass für sie zumindest nicht die allerschlechtesten Kabinen im Lostopf übrigbleiben. Sondern stattdessen zumindest eine der besseren der Restkabinen. Wie die Kabinen genau zugewiesen werden und ob „Early Assign“ wirklich zu einer vergleichsweise besseren Kabine verhilft, ist freilich nicht feststellbar.
Wobei man auch sagen muss: So richtig schlechte Kainen gibt es auf den großen, modernen Kreuzfahrtschiffen kaum noch. Man könnte es also schon darauf ankommen lassen, wenn man mit einer Glückskabine Geld sparen will. Aber dann beginnt es angesichts solcher Angebote eben doch, an einem zu nagen. Soll man sich für lumpige 30 Dollar vielleicht doch wieder einen Vorteil verschaffen?
Und schon hat die Reederei gewonnen. Jedenfalls, wenn ihre Kunden bei diesem absonderlichen Spiel mitmachen. Oder sie glauben, viele andere würden mitmachen, sodass man auf jeden Fall die schlechteste aller Kabinen abbekommen würde, wenn man nicht zahlt.
Ich frage mich: Was kommt als nächstes? Eine Gebühr, damit ich bei Überbuchung des Schiffs einen höheren Platz in der Warteliste bekomme? Express-Lanes wie bei den Top-Attraktionen in Disney World, damit man am Buffet nicht anstehen muss (andere dafür umso länger)? 2025 ging die Meldung viral, Ryanair wolle auf Kurzstreckenflügen besonders günstige Stehplätze einführen. Es war wohl eine Falschmeldung, jedenfalls dementierte die Airline entsprechende Pläne. Auch Toilettengebühren im Flugzeug waren schon in der Diskussion. An solche Ideen könnte man ja durchaus auch in der Kreuzfahrt anknüpfen, oder?




