Die kroatische Brodosplit-Werft hat offenbar einen Käufer für den Großsegler Golden Horizon gefunden. Kroatische Medien berufen sich bei der Information auf den CEO von Brodosplits Muttergesellschaft DIV Group, Tomislav Debeljak. Mutmaßlich 110 Millionen Euro soll ein nicht namentlich genanntes, schweizerisches Unternehmen für das Schiff bezahlen, das einst die „Flying Clipper“ für Star Clippers werden sollte.
Die kroatische Website Jurarni.hr schreibt, die DIV Group habe mit einer Reederei einen Kaufvertrag für die Golden Horizon unterschrieben. Wer genau der Käufer ist, sagt Brodosplit bislang nicht. Es handle sich aber um ein Schweizer Unternehmen, das bereits etwa 100 Schiffe betreibe. Gleiches berichtet auch der britische Kreuzfahrtjournalist Dave Monk.
Noch im Juni 2026 hatte die kroatische Website Morski.hr einen bevorstehenden Verkauf der Golden Horizon an eine amerikanische Seefahrtsschule gemeldet. Nun gibt es offenbar einen anderen Käufer für das Schiff, das seit vielen Jahren in Split aufliegt.
Den einst von Star Clippers als „Flying Clipper“ geplanten und bei Brodosplit in Auftrag gegebenen Großsegler hatte die monegassische Reederei 2019 nicht von Brodosplit übernommen. Es folgte eine jahrelange Auseinandersetzung vor diversen Gerichten. Auslöser des Streits war insbesondere die deutlich verspätete Fertigstellung des Segel-Kreuzfahrtschiffs im August 2019 statt Ende 2017, und daraus resultierende Diskrepanzen zwischen Reederei und Werft.
Während der Rechtsstreit zwischen Star Clippers und der Werft lag das Schiff auf und ist bislang nur ein einziges Mal mit Passagieren gefahren – zu einer Kreuzfahrt in Kroatien, die die Werft selbst initiiert hatte. Das neu gründete, britische Tochter-Unternehmen Tradewind Voyages im Umfeld von Brodosplits Mutterunternehmen DIV Group versuchte während der Pandemie, das Schiff unter dem Namen „Golden Horizon“ zu vermarkten. Die Beteiligung der russischen VTB-Bank an der Finanzierung brachte diese Unternehmen zu Beginn des Ukraine-Kriegs zum Scheitern.

Zuletzt lag die Golden Horizon weiterhin in Split auf und spätestens seit 2022 war die Werft, angeblich zum Preis von 118 Millionen Dollar, auf der Suche nach einem Käufer. Nun hat Brodosplit offenbar einen Käufer gefunden, der mutmaßlich auch annähernd diese Summe bezahlt.
Architektur und Design der Flying Clipper alias Golden Horizon orientiert sich an der historischen „France II“. Sie bietet Platz für bis zu 272 Gäste in 140 Kabinen und verfügt über eine niedrige Eisklasse. Das Segel-Kreuzfahrtschiff ist der größte Rahsegler aller Zeiten. Die Fünf-Mast-Bark hat eine Tonnage von BRZ 8.770 und bringt es mit 35 Segeln auf eine Gesamtsegelfläche von 6.350 Quadratmeter.
Der Meldung bei Jurarni.hr zufolge will Brodosplit den Verkaufserlös aus der Golden Horizon dafür einsetzen, die Werft wieder zum Leben zu erwecken, die in Teilen des komplizierten Unternehmensgeflechts insolvent ist. Das Kreuzfahrtschiff Picasso sowie das Expeditionskreuzfahrtschiff Janssonius sollen fertiggebaut werden. Bei der Janssonius hatte es ebenfalls ein Zerwürfnis mit dem einstigen Auftraggeber, Oceanwide Expeditions, gegeben. Brodosplit konnte das Schiff nicht fertigstellen und ausliefern. Der eingefrorene Baufortschritt der Janssonius soll bei etwa 70 Prozent liegen.


