Auf dem Expeditions-Kreuzfahrtschiff Hondius des niederländischen Veranstalters Oceanwide Expeditions sind drei Passagiere mutmaßlichen an einer Hantavirus-Infektion gestorben. Ein vierter Passagier liegt auf der Intensivstation eines Krankenhauses in Johannesburg. Zudem werden zwei Crew-Mitglieder an Bord des Schiffs medizinisch betreut. Bekannt geworden ist der Vorfall durch eine Meldung der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die in der Situation koordiniert.
Laut WHO ist bislang ein Fall von Hantavirus-Infektion laborbestätigt, die fünf weiteren gelten als Verdachtsfälle. WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus erklärte, die Organisation unterstütze die medizinische Evakuierung zweier symptomatischer Crew-Mitglieder, die sich am Abend des 3. Mai noch an Bord der Hondius befanden, und führe eine umfassende Risikobewertung durch.
Die Hondius befindet sich derzeit, aus der Antarktis kommend, auf den Kapverdischen Inseln. Völlig offen ist bislang, bei welcher Gelegenheit sich die Passagiere und Crew-Mitglieder der Hondius mit dem Hantavirus angesteckt haben. Die Inkubationszeit des Hantavirus ist mit typischerweise zwei bis vier Wochen relativ lang. In Argentinien, wo die aktuelle Kreuzfahrt begonnen hat, gab es in den ersten drei Monaten dieses Jahres 28 nachgewiesene Hantavirus-Fälle, keiner davon jedoch in der Region Tierra del Fuego, in der Ushuaia liegt.
Kreuzfahrt in die Antarktis und zu abgelegenen Inseln im Südatlantik
Die Kreuzfahrt der Hondius hatte nach der diesjährigen Antarktis-Saison Anfang April im argentinischen Ushuaia begonnen. Das Schiff steuerte zunächst Südgeorgien an, bevor es nordwärts im Atlantik Kurs auf die abgelegenen Inseln Gough Island und Tristan da Cunha nahm und anschließend St. Helena und Ascension anlief. Diese Inseln gehören alle zum britischen Überseegebiet St. Helena, Ascension und Tristan da Cunha. Die Reise sollte planmäßig am 4. Mai auf den Kapverdischen Inseln enden.
Laut einem Sprecher des südafrikanischen Gesundheitsministeriums waren rund 150 Passagiere aus verschiedenen Ländern an Bord. Das erste Todesopfer war demnach ein 70 Jahre alter niederländischer Passagier, der mit Fieber, Kopfschmerzen, Bauchschmerzen und Durchfall erkrankte und bei Ankunft auf St. Helena starb. Seine 69-jährige Ehefrau erkrankte ebenfalls an Bord und kollabierte am Flughafen O.R. Tambo in Johannesburg auf der Rückreise in die Niederlande. Sie starb in einem Krankenhaus in Johannesburg. Das dritte Todesopfer starb laut Nachrichtenagentur AFP noch an Bord des Schiffs.
Ein auf der Intensivstation in Johannesburg behandelter Patient ist laut BBC ein 69 Jahre alter britischer Staatsbürger. Er war zwischen St. Helena und Ascension erkrankt und über ein Krankenhaus auf Ascension nach Südafrika verlegt worden. Sein Labortest auf Hantavirus fiel positiv aus.
Kapverdische Behörden blockieren das Schiff zunächst
Das Schiff liegt seit dem 3. Mai vor dem Hafen von Praia auf den Kapverdischen Inseln, hat aber vorerst keine Genehmigung zum Anlegen erhalten. In einem Statement erklärte Oceanwide Expeditions: „As of 23:00 hrs CET on 3 May 2026, no authorization from Cape Verdean authorities has been given to disembark guests requiring medical care or to support with medical screening.“ Lokale Gesundheitsbehörden hätten das Schiff besucht, um den Zustand der zwei symptomatischen Personen zu beurteilen.
Die niederländische Regierung hat laut dem Statement der Reederei zugesagt, die Federführung bei der Rückholung der beiden erkrankten Crew-Mitglieder in die Niederlande zu übernehmen. Auch der Leichnam des dritten Verstorbenen sowie eine nicht-symptomatische Begleitperson sollen in diese Rückführung einbezogen werden.
Oceanwide Expeditions schreibt in einem Statement am 3. Mai, man arbeite eng mit lokalen und internationalen Behörden zusammen, darunter die WHO, die niederländische Gesundheitsbehörde RIVM, die zuständigen Botschaften und das niederländische Außenministerium. Die Ausschiffung und die medizinische Untersuchung aller Gäste erfordere die Abstimmung mit den lokalen Gesundheitsbehörden, mit denen die Reederei in engem Kontakt stehe.
Hantavirus-Übertragung durch Ausscheidungen von Nagetiere
Hantaviren werden in der Regel durch Kontakt mit Ausscheidungen infizierter Nagetiere auf den Menschen übertragen, insbesondere durch Einatmen kontaminierter Partikel. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist sehr selten, kommt aber vor. Die Infektion verursacht zunächst grippeähnliche Symptome und kann im Verlauf zu schwerer Atemnot sowie Lungen- oder Herzversagen führen.
Die Hondius wurde 2019 in der kroatischen Werft Brodosplit gebaut. Sie hat eine Tonnage von BRZ 6.603 und einer Kapazität von 170 Passagieren in 80 Kabinen. Das 107,6 Meter lange Schiff hat außerdem Platz für 57 Crew-Mitglieder, 13 Guides und einen Arzt.




