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Hantavirus auf Expeditions-Kreuzfahrtschiff Hondius: WHO meldet drei Tote, darunter eine Deutsche

Auf dem Expeditions-Kreuzfahrtschiff Hondius des niederländischen Veranstalters Oceanwide Expeditions sind drei Passagiere mutmaßlichen an einer Hantavirus-Infektion gestorben, darunter ein Deutscher. Ein vierter Passagier liegt auf der Intensivstation eines Krankenhauses in Johannesburg. Zudem werden zwei Crew-Mitglieder an Bord des Schiffs medizinisch betreut. Die WHO spricht zudem von einem weiteren Verdachtsfall an Bord. Bekannt geworden ist der Vorfall durch eine Meldung der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die in der Situation koordiniert.

Laut WHO sind bislang zwei Fälle von Hantavirus-Infektion laborbestätigt, die sechs weiteren gelten als Verdachtsfälle. WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus erklärte, die Organisation unterstütze die medizinische Evakuierung zweier symptomatischer Crew-Mitglieder, die sich am Abend des 3. Mai noch an Bord der Hondius befanden, und führe eine umfassende Risikobewertung durch. Update: Laut Irish Times sollen die erkrankten Crew-Mitglieder der britische Schiffsarzt und sowie ein niederländisches MItglied des Expeditionsteams sein. Sie können möglicherweise von den Kapverden ausgeflogen werden, während die übrigen Passagiere wahrscheinlich bis zu den Kanarischen Inseln an Bord bleiben müssen.

Die Hondius befindet sich derzeit, aus der Antarktis kommend, auf den Kapverdischen Inseln. Völlig offen ist bislang, bei welcher Gelegenheit sich die Passagiere und Crew-Mitglieder der Hondius mit dem Hantavirus angesteckt haben. Die Inkubationszeit des Hantavirus ist mit typischerweise zwei bis vier Wochen relativ lang. In Argentinien, wo die aktuelle Kreuzfahrt begonnen hat, gab es in den ersten drei Monaten dieses Jahres 28 nachgewiesene Hantavirus-Fälle, keiner davon jedoch in der Region Tierra del Fuego, in der Ushuaia liegt.

Update 4. Mai 2026: Am Montagnachmittag, 4. Mai, gab Oceanwide Expeditions Details zur den Vorkommnissen an Bord und der aktuellen Situation bekannt. Demnach ist auch ein Deutscher unter den Toten. Er sei am 2. Mai an Bord gestorben, die Todesursache sei bislang nicht geklärt. Insgesamt waren sieben Deutsche an Bord des Expeditionskreuzfahrtschiffs. Die meisten Passagiere stammen aus Großbritannien (19), den USA (17) und Spanien (13). Bei den Crew-Mitgliedern stellen philippinische Staatsbürger den größten Anteil (38).

Oceanwide Expeditions schreibt weiter, das Hantavirus sei bislang lediglich bei dem Briten verifiziert worden, der am 27. April nach Südafrika evakuiert wurde und in einem Krankenhaus in Johannesburg in einen kritischen, aber stabilen Zustand behandelt wird.

Bereits am 11. April war ein Niederländer gestorben, ohne dass man die Todesursache an Bord feststellen konnte. Seine Frau wurde am 24. April in St. Helena, noch symptomfrei, ausgeschifft und starb später auf dem Heimweg in Südafrika.

Zwei Crew-Mitglieder mit Hantavirus-typischen Symptomen würden weiterhin an Bord der Hondius medizinisch versorgt, schreibt die Reederei. Weitere Passagiere oder Crew-Mitgliedern würden derzeit keine Symptome zeigen.

Die Hondius liegt auch am Montagnachmittag, 4. Mai, vor der Küste der Kapverdischen Inseln mit 149 Menschen an Bord, 88 Passagiere und 61 Crew-Mitglieder. Bislang erlauben die lokalen Behörden auf den Kapverden keine Ausschiffung und auch keine Evakuierung der beiden erkrankten Crew-Mitglieder.

Update 7. Mai 2026: Laut der Reederei sind die beiden Crew-Mitglieder sowie eine symptomfreie, enge Kontaktperson eines Infizierten inzwischen mit zwei Snitätsflugzeugen von den Kapverden ausgeflogen worden und in die Nieserlande gebracht worden. Das Schiff hat indes am 6. Mai abends die Kapverden verlassen und Kurs auf die Kanarischen Inseln genommen. Vor dort aus sollen alle Passagiere nach Hause geflogen werden. Allerdings ist das bislang umstritten: Die zuständige, spanische Zentralregierung hat zugesagt, dass das Schiff auf den Kanaren anlegen darf, die Lokalregierung spricht sich dagegen aus.

Hantaviren und ihre Verbreitung

Samed Kizgin, Chief Content Officer bei A3M Global Monitoring, einem Spezialisten für Frühwarnsysteme bei weltweiten Reise-Risiken, ordnet das Risiko von Hantaviren-Infektionen für Reisende so ein: „Hantaviren sind weltweit verbreitete Erreger, die in erster Linie über Nagetiere beziehungsweise deren Ausscheidungen übertragen werden. Für Reisende relevant wird das vor allem dann, wenn sie in Kontakt mit verunreinigtem Staub, geschlossenen Räumen, Vorratsbereichen oder naturnahen Umgebungen kommen.

Je nach Virustyp kann eine Infektion sehr unterschiedlich verlaufen: In Europa stehen häufiger Erkrankungen mit Nierenbeteiligung im Vordergrund, in Amerika können auch schwere Lungenverläufe auftreten. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch gilt als extrem selten. Ausbrüche von Hantaviren auf Schiffen sind nach aktueller Einschätzung kein typisches oder regelmäßig beobachtetes Szenario. 

Reisende sollten nicht nur das Schiff selbst im Blick haben, sondern immer die gesamte Route: Landgänge, Naturausflüge, ländliche Regionen, tropische Gebiete oder Expeditionen bringen jeweils eigene Gesundheitsrisiken mit sich. Neben konsequenter Händehygiene und Lebensmittel- sowie Trinkwasservorsicht spielen je nach Zielgebiet auch Mückenschutz, Impfempfehlungen und der Abstand zu Nagetieren oder deren Spuren eine wichtige Rolle.

Kreuzfahrt in die Antarktis und zu abgelegenen Inseln im Südatlantik

Die Kreuzfahrt der Hondius hatte nach der diesjährigen Antarktis-Saison Anfang April im argentinischen Ushuaia begonnen. Das Schiff steuerte zunächst Südgeorgien an, bevor es nordwärts im Atlantik Kurs auf die abgelegenen Inseln Gough Island und Tristan da Cunha nahm und anschließend St. Helena und Ascension anlief. Diese Inseln gehören alle zum britischen Überseegebiet St. Helena, Ascension und Tristan da Cunha. Die Reise sollte planmäßig am 4. Mai auf den Kapverdischen Inseln enden.

Laut einem Sprecher des südafrikanischen Gesundheitsministeriums waren rund 150 Passagiere aus verschiedenen Ländern an Bord. Das erste Todesopfer war demnach ein 70 Jahre alter niederländischer Passagier, der mit Fieber, Kopfschmerzen, Bauchschmerzen und Durchfall erkrankte und bei Ankunft auf St. Helena starb. Seine 69-jährige Ehefrau erkrankte ebenfalls an Bord und kollabierte am Flughafen O.R. Tambo in Johannesburg auf der Rückreise in die Niederlande. Sie starb in einem Krankenhaus in Johannesburg. Das dritte Todesopfer starb laut Nachrichtenagentur AFP noch an Bord des Schiffs.

Ein auf der Intensivstation in Johannesburg behandelter Patient ist laut BBC ein 69 Jahre alter britischer Staatsbürger. Er war zwischen St. Helena und Ascension erkrankt und über ein Krankenhaus auf Ascension nach Südafrika verlegt worden. Sein Labortest auf Hantavirus fiel positiv aus.

Kapverdische Behörden blockieren das Schiff zunächst

Das Schiff liegt seit dem 3. Mai vor dem Hafen von Praia auf den Kapverdischen Inseln, hat aber vorerst keine Genehmigung zum Anlegen erhalten. In einem Statement erklärte Oceanwide Expeditions: „As of 23:00 hrs CET on 3 May 2026, no authorization from Cape Verdean authorities has been given to disembark guests requiring medical care or to support with medical screening.“ Lokale Gesundheitsbehörden hätten das Schiff besucht, um den Zustand der zwei symptomatischen Personen zu beurteilen.

Die niederländische Regierung hat laut dem Statement der Reederei zugesagt, die Federführung bei der Rückholung der beiden erkrankten Crew-Mitglieder in die Niederlande zu übernehmen. Auch der Leichnam des dritten Verstorbenen sowie eine nicht-symptomatische Begleitperson sollen in diese Rückführung einbezogen werden.

Oceanwide Expeditions schreibt in einem Statement am 3. Mai, man arbeite eng mit lokalen und internationalen Behörden zusammen, darunter die WHO, die niederländische Gesundheitsbehörde RIVM, die zuständigen Botschaften und das niederländische Außenministerium. Die Ausschiffung und die medizinische Untersuchung aller Gäste erfordere die Abstimmung mit den lokalen Gesundheitsbehörden, mit denen die Reederei in engem Kontakt stehe.

Hantavirus-Übertragung durch Ausscheidungen von Nagetiere

Hantaviren werden in der Regel durch Kontakt mit Ausscheidungen infizierter Nagetiere auf den Menschen übertragen, insbesondere durch Einatmen kontaminierter Partikel. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist sehr selten, kommt aber vor. Die Infektion verursacht zunächst grippeähnliche Symptome und kann im Verlauf zu schwerer Atemnot sowie Lungen- oder Herzversagen führen.

Die Hondius wurde 2019 in der kroatischen Werft Brodosplit gebaut. Sie hat eine Tonnage von BRZ 6.603 und einer Kapazität von 170 Passagieren in 80 Kabinen. Das 107,6 Meter lange Schiff hat außerdem Platz für 57 Crew-Mitglieder, 13 Guides und einen Arzt.

1 Kommentar

Über den Autor: FRANZ NEUMEIER

Franz Neumeier
Über Kreuzfahrt-Themen schreibt Franz Neumeier als freier Reisejournalist schon seit 2009 für cruisetricks.de und einige namhafte Zeitungen und Zeitschriften. Sein Motto: Seriös recherchierte Fakten und Hintergründe statt schneller Schlagzeilen und Vorurteile, damit sich jeder seine eigene Meinung bilden kann. TV-Reportagen zitieren ihn als Kreuzfahrt-Experten und für seine journalistische Arbeit wurde er mehrfach ausgezeichnet. Er wird regelmäßig in die Top 10 der „Reisejournalisten des Jahres“ gewählt und gewann mit cruisetricks.de mehrfach den „Reiseblog des Jahres“-Award.

1 Kommentar zu „Hantavirus auf Expeditions-Kreuzfahrtschiff Hondius: WHO meldet drei Tote, darunter eine Deutsche“

  1. Lieber Franz Neumeier,

    Ihr Newsletter bzw. Ihre Website sind für mich mittlerweile die einzige seriöse Quelle, wenn es um fundierte, objektive und ausgewogene Berichterstattung zum Thema „Kreuzfahrt“ geht. Ganz extrem zeigt sich das bei „Sensations“-Themen wie dem aktuellen Hantavirus-Ausbruch auf der Hondius.

    Insofern nutze ich diesen Post für ein herzliches Dankeschön und Anerkennung journalistischer Qualität. Bitte weiter so.

    Die SZ war meiner Erinnerung nach bereits vor einiger Zeit negativ aufgefallen mit einem tendenziösen Bericht über TUI Cruises nach dem Motto: „Sauerei! TUI versucht mit Kreuzfahrt-Angeboten Gewinn zu machen!“ Auf derartigen „Journalismus“ kann man verzichten, sprich, das Abo kündigen. Als Beobachter der Szene entgeht einem dann allerdings der Unsinn, der dort in Teilen verzapft wird…

    Viele Grüße
    Stefan K.

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