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IMO vertagt überraschend Klimaschutzabkommen für die Schifffahrt, das Net-Zero Framework

Das Net-Zero Framework der IMO ist vorerst geplatzt. Das erste weltweite Klimaschutzabkommen für die Schifffahrt hätte eigentlich bei einer Sitzung des zuständigen IMO-Komitees bei dessen Sitzung Ende Mitte Oktober 2025 beschlossen werden sollen. Doch einige Länder wie Saudi-Arabien, Russland und indirekt offenbar vor allem die USA hatten vehement dagegen gearbeitet und haben nun die Verschiebung des Abkommens um ein Jahr erreicht. Für die Schifffahrtsbranche bedeutet das mindestens ein weiteres Jahr Unsicherheit in Bezug auf künftige Regularien und das Vorankommen bei alternativen Treibstoffen.

Bei der MEPC-Sitzung in London sollte die Absegnung des Abkommens eigentlich nur noch Formsache sein – so dachte man jedenfalls noch im April, als das Abkommen grundsätzlich bereits ausverhandelt und beschlossen war. Das Klimaschutzabkommen für die Schifffahrt hätte 2027 in Kraft treten und 2028 seine Wirkung entfalten können. FuelEU Maritime der Europäischen Union bleibt damit vorerst das einzige wesentliche Klimaschutz-Regelwerk für die Schifffahrt.

Das Marine Environment Protection Committee der IMO hat in seiner zweiten außerordentlichen Sitzung am vom 14. bis 17. Oktober 2025 in London (MEPC/ES.2) nun aber das erste umfassende Klimaschutzabkommen für die Schifffahrt zur Bepreisung von CO2e-Emissionen um ein Jahr vertagt. Singapur hatte die Verschiebung formell eingebracht, Saudi-Arabien den Antrag zur Abstimmung dazu gestellt – beides Länder, die bereits davor zu den heftigsten Gegnern des Abkommens zählten.

Einen wesentlichen Ausschlag für die jetzige Nicht-Entscheidung könnte aber auch gegeben haben, dass die USA – zuletzt bei den Verhandlungen bis in den April 2025 gar nicht mehr vertreten – allen Ländern mit neuen Zöllen gedroht hat, die dem Abkommen zustimmen würden.

57 Länder stimmten letztlich für die Verschiebung, 49 Länder waren gegen diesen Beschluss und 21 beteiligten sich nicht an der Abstimmung. Im April hatte noch eine deutliche Mehrheit für das Abkommen gestimmt. Selbst Länder wie Vanuatu, denen die geplanten Vorschriften deutlich zu schwach waren, sodass viele Südsee-Kleinstaaten das Abkommen eigentlich ablehnen, hatten sich dazu durchgerungen, wenigstens den Minimalkonsens mitzutragen. Selbst dieser ist nun aber erst einmal geplatzt.

Unabhängig davon, wie sich die Angelegenheit in den kommenden zwölf Monaten weiter entwickelt, ob das Abkommen zeitverzögert doch noch geschlossen wird, abgeändert oder gar nicht mehr kommt: Für die eigentlich dem Thema gegenüber aufgeschlossene Kreuzfahrt- und Schifffahrtsbranche bedeutet es ein weiteres Jahr keine Investitionssicherheit, ebenso für die Produzenten von alternativen Treibstoffen, die bei hohen Investitionssummen in neue Produktionsanlagen eine gewisse Absatzsicherheit benötigen.

Ralf Diemer, Hauptgeschäftsführer des eFuel Alliance e.V., hatte sich im Vorfeld der Entscheidung dazu bereits geäußert, noch in der Hoffnung auf die Verabschiedung des Abkommens: „Wird das Rahmenwerk verabschiedet, könnten Investitionen in Milliardenhöhe in erneuerbare Kraftstoffe ausgelöst werden – Investitionen, die die Produktion skalieren und innerhalb des nächsten Jahrzehnts Millionen Tonnen nachhaltiger Treibstoffe für die Schifffahrt bereitstellen.“

Nabu-Präsident Jörg-Andreas Krüger zeigt sich in einer ersten Reaktion auf die Verschiebung des Abkommens in einer Pressemitteilung enttäuscht: „Dass die Mitgliedstaaten sich heute nicht auf ein konkretes Maßnahmenpaket zum Schutz des Klimas in der Schifffahrt verständigen konnten, ist bitter. In Zeiten geopolitischer Unsicherheiten hätte der heutige Beschluss ein starkes Signal für den globalen Klimaschutz und den Multilateralismus sein können. Stattdessen stehen wir nach jahrelangen Verhandlungen ohne Ergebnis da.“

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Über den Autor: FRANZ NEUMEIER

Franz Neumeier
Über Kreuzfahrt-Themen schreibt Franz Neumeier als freier Reisejournalist schon seit 2009 für cruisetricks.de und einige namhafte Zeitungen und Zeitschriften. Sein Motto: Seriös recherchierte Fakten und Hintergründe statt schneller Schlagzeilen und Vorurteile, damit sich jeder seine eigene Meinung bilden kann. TV-Reportagen zitieren ihn als Kreuzfahrt-Experten und für seine journalistische Arbeit wurde er mehrfach ausgezeichnet. Er wird regelmäßig in die Top 10 der „Reisejournalisten des Jahres“ gewählt und gewann mit cruisetricks.de mehrfach den „Reiseblog des Jahres“-Award.

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