Die Abbruchkante eines Gletschers von unten zu sehen, ist schon faszinierend genug. Aber wie sieht so ein Gletscher eigentlich von oben aus? Wir haben uns in Juneau mit einem Helikopter auf den nahegelegenen, mächtigen Mendenhall Glacier fliegen lassen und eine halbe Stunde dort oben verbracht.
Ich war schon zweimal in Juneau, jedes Mal bei Regenwetter und auch diesmal sollte es nicht anders sein. Oben auf dem Gletscher zu stehen und zu laufen, ist allerdings so faszinierend, dass man den Regen mit einer warmen, wasserdichten Jacke gut aushalten kann. Gerade einmal zwei Grad hat es bei unserem Besuch dort oben.

Die Fotos vom Hubschrauber-Flug sind bei Regen allerdings nur begrenzt hübsch, zumal die Regentropfen auf den Glasscheiben ein wenig stören. Es ist ein kurzer, aber spannender Flug über den Gletscher, der einem noch viel mehr die enormen Dimensionen eines solchen Eis-Flusses vor Augen führt.

Auf dem Gletscher selbst erwarten uns Guides, die den ganzen Tag hier oben verbringen und den Touristen, die im Halbstundenrhythmus ein- und wieder ausfliegen, einen Einblick in das geben, was man hier sehen kann und vor allem auch darauf achten, dass man im sicheren Bereich bleibt. Denn grundsätzlich ist es nicht ganz ungefährlich, auf einem Gletscher herumzulaufen. Deshalb haben wir vor dem Flug auch Überschuhe mit Spikes erhalten, damit am Gletscher niemand ausrutscht.

Was mich persönlich am meisten beeindruckt und nachdenklich stimmt, ist ein kleines Detail, das ich bemerke: Von irgendwoher hat der Wind ein paar Blätter auf den Gletscher geweht. Und die sind dem noch weichen, luftigen Eis an der Oberfläche gleich mehrere Zentimeter eingesunken. Allein die Wärme der Sonneneinstrahlung auf den dunklen Blättern bewirkt nämlich, ganz im Kleinen, das Schmelzen des Eises unter dem Blatt. Was muss da erst der Ruß von Schiffsabgasen und aus anderer Luftverschmutzung auf den Gletschern dieser Welt und in den Eisfeldern der Arktis und Antarktis anrichten?
















Ein wenig durchnässt steigen wir wieder in den Helikopter, der uns zum Flughafen von Juneau zurück bringt. Auf der Busfahrt zum Flughafen sehen wie, so ganz nebenbei, einen Schwarzbären auf einer Wiese neben der Straße. Ein Weißkopfseeadler fliegt direkt über unseren Bus.




Zurück in Juneau hat die MSC Poesia, die nachmittags zunächst auf Reede lag, gerade eben an einer jetzt freien Pier festgemacht. Entsprechend lang ist die Schlange der Passagiere, die zurück an Bord möchten. Statt anzustehen, entscheiden wir spontan, uns in einer der größten Touristenfallen Alaskas aufzuwärmen: dem Red Dog Saloon, direkt an der Pier.

Die MSC Poesia legt erst um 21:30 Uhr ab, also haben wir Zeit für ein lokales Bier, einen überraschend guten Burger und – unvermeidlich – den Specialty-Shot des Red Dog Saloons, einen „Duck Fart“ aus Kaluha, Baileys und Whiskey. Der Red Dog Saloon gilt als älteste Touristenattraktion Alaskas (abseits der Natur natürlich) und geht schon auf die Gründerzeit von Juneau als Bergbaustadt zurück.



Faszinierend: Der Red Dog Saloon scheint fast ausschließlich von Kreuzfahrt-Touristen zu leben. Um 20 Uhr gehören wir zu den letzten Gästen, die Live-Country-Musik hat schon vor einer halben Stunde aufgehört zu spielen. Die Gäste gehen zurück auf ihre Kreuzfahrtschiffe. Eben faszinierend: Der Red Dog Saloon mag eine Touristenfalle sein, aber er hat viel Charme und Flair, das Essen ist gut, es gibt Live-Musik, die Kellnerinnen und Kellner sind freundlich und fröhlich und die Preise auch nicht höher als sonst in Alaska. Man kann hier also durchaus Spaß haben und sich ein wenig wie in der Zeit der Goldgräber fühlen, nur dass die Stadt heute von Tourismus und nicht mehr von Bergbau lebt.

