Es ist der Tag der Gletscher, mit einer Fahrt durch den Endicott Arm und zum Dawes Glacier, später am Tag noch einen Hubschrauberflug auf den Mendenhall Glacier bei Juneau, aber auch einigen unerwarteten Tiersichtungen: Seelöwen, Wale, Weißkopf-Seeadler und vor allem: Schwarzbären.
Das riesige Stikine-Eisfeld erstreckt sich über fast 22.000 Quadratkilometer und reicht von Südost-Alaska bis ins kanadische British Columbia. Der Dawes Glacier im Endicott-Arm-Fjord ist einer der vielen Gletscher, der aus diesem Eisfeld kommt.




An diesem Tag ist besonders viel Eis im Fjord, sodass die MSC Poesia morgens nur etwa vier Meilen an den Gletscher heran, von wo aus er aber ebenfalls schon gut zu sehen ist. Aber ein nicht ganz günstiger Ausflug mit einem lokalen Katamaran-Boot bringt uns noch viel näher an den Gletscher heran. Wir steigen von der MSC Poesia in das kleine Boot um und während das Kreuzfahrtschiff seinen Passagieren noch eine Weile den Blick auf den Gletscher gewährt, fahren wir durch die vielen Grawler, wie die kleinen Eisberge genannt werden, ganz nahe an den Gletscher heran.

Hier zeigt sich, dass mittelmäßiges Wetter in Alaska durchaus Vorteile hat. Denn das Blau des Gletschereises leuchtet besonders intensiv, wenn die Sonne eben nicht scheint. Wir bleiben lange vor dem Gletscher liegen und beobachten, wie gewaltige Stücke des Gletschers abbrechen und in den Fjord stürzen. Der Dawes Glacier kalbt besonders häufig, was man dann auch an dem vielen Eis im Fjord sieht.




























Noch großartiger wird diese Bootstour auf dem Weg durch den Endicott-Arm-Fjord bis nach Juneau, denn wir sehen: Seehunde, Seelöwen, Weißkopf-Seeadler, Buckelwale und einige Schwarzbären ganz nahe. Es ist ein langer und intensiver Ausflug, aber der beste der gesamten Reise und daher sehr zu empfehlen.













Erst in Juneau gehen wir wieder an Bord der MSC Poesia, die dort inzwischen vor Anker gegangen ist – die vier Liegeplätze in dort sind vorerst alle belegt. Erst um 18 Uhr kann die MSC Poesia dann an einer der Piers festmachen, wo sie bis 21:30 Uhr bleibt, was ein Vorteil ist, den wir später noch zu schätzen lernen (mehr dazu im nächsten Beitrag).

Die Fahrt im Endicott Arm ruft in Erinnerung, in welch wilder und geologisch instabiler Region man hier eigentlich unterwegs ist. Denn eigentlich hatte MSC Cruises geplant, mit der relativ kleinen MSC Poesia in den spektakulären Tracy-Arm-Fjord einzufahren. Doch die Pläne änderten sich für die gesamte Kreuzfahrt-Branchen, als dort im August 2025 ein großer Felssturz einen 30 Meter hohen Tsunami auslöste. Geologisch ist das für Alaska gar nichts außergewöhnliches, wenn auch selten. Im Taan-Fjord, dessen Icy-Bay-Fjordsystem durchaus auch von kleinen Expeditions-Kreuzfahrtschiffen angelaufen wird, gab es zuletzt im Jahr 2015 einen Tsunami mit einer Höhe von sogar bis zu 190 Metern.

Am 10. August 2025 also ereignete sich ein massiver Erdrutsch oberhalb des South Sawyer Glacier am Ende des Tracy-Arm-Fjords, bei dem große Mengen Gestein und Geröll auf den Gletscher und von diesem wiederum große EIsmengen in den Fjord stürzten. Das löste einen lokalen Tsunami aus. Das war früh morgens, sodass sich keine Ausflugsboote oder Kreuzfahrtshiffe im Fjord befanden. Laut dem U.S. Geological Survey bleibt das Gebiet instabil, weitere Felsstürze sind zu erwarten.
Alle großen Kreuzfahrt-Reedereien haben daher ihre Routen geändert und fahren in den benachbarten Endicott-Arm-Fjord, unter anderem Carnival Cruise Line, Holland America Line, Princess Cruises, NCL, Royal (Serenade of the Seas) und MSC (Poesia). Der Endicott Arm ist aber eine gute Alternative. Er ist landschaftlich kaum weniger attraktiv als Tracy Arm und bietet einen großartigen Blick auf den Dawes Glacier und mit etwas Glück zahlreiche Tiere im Wasser und am Ufer.




