Bärenspuren, Totempfähle, Bourbon aus Alaska und das, was es in Ketchikan am meisten gibt: Regen. Wir sind auf unserer Alaska-Kreuzfahrt mit der MSC Poesia in der selbsternannten Regenhauptstadt Alaskas angekommen. Der wichtigste Alaska-Tipp: Immer eine gute Regenjacke mitnehmen, dann kann man’s trotzdem genießen.
Manchmal erfüllen sich Hoffnungen, manchmal ergibt sich stattdessen Unerwartetes, oder auch ganz Vorhersehbares. Das Vorhersehbare ist in Ketchikan: Regen. Die Stadt gilt als Regenhauptstadt Alaskas. Sonne sehe ich nur früh morgens im 5 Uhr kurz nach Sonnenaufgang in der Anfahrt mit der MSC Poesia auf Ketchikan.

Dabei haben wir sogar Glück: Es fängt erst um etwa 10 Uhr zu regnen an, als ein Teil unseres Ausflugs bereits vorbei ist. Nur war ich eben schon einmal paar Mal in Ketchikan und hatte immer Wetterglück – diesmal eben nicht.

Aber wir haben ja auch einen Ausflug in den kühlen Regenwald Alaskas gebucht, also dürfen wir uns über Regen wohl nicht beschweren. Bei dem geführten Spaziergang durch den Regenwald des Tongas National Forest hatte ich auf Weißkopfseeadler in den Baumwipfeln und Schwarzbären an einem kleinen Creek gehofft und stattdessen ein Reh und eine Bananenschnecke bekommen.


Diese Schnecken heißen übrigens wegen ihrer ungewöhnlichen Färbung so. Gelegenheiten, Adler und Bären zu sehen, werden wir auf dieser Reise noch mehr haben, am ersten Tag in Alaska also nicht weiter schlimm.










Von Bären sehen wir nur Spuren: beeindruckende Krallen-Kratzer in der Rinde von Bäumen, ein paar Häufen Kot und Tatzenspuren im Schlamm am Ufer eines Bachs.
Totempfähle, die man eigentlich nicht so nennen sollte
Zur Tour gehört auch der Besuch in einer größten Sammlungen von Totempfählen in Alaska und wir treffen einen Schnitzer, der solche Totems herstellt, traditionell aus Rot-Zeder. Er arbeitet gerade an einem Gedenkpfahl für seinen verstorbenen Vorgänger.

Kaum ein Artefakt aus dem Nordwestpazifik wurde so konsequent missverstanden wie der Totempfahl. Europäische Missionare des 19. Jahrhunderts deuteten sie als Götzenbilder und ließen viele zerstören oder abtransportieren. Noch heute stehen einige der bedeutendsten Stücke in Museen in Europa und an der US-Ostküste.
Tatsächlich sind Totempfähle der Tlingit, Haida und Tsimshian genealogische und historische Dokumente aus Holz: Sie halten Clangeschichten fest, dokumentieren Rangverhältnisse, erinnern an Verstorbene oder markieren besondere Ereignisse.







Jede Figur, jedes Tier, jede Position auf dem Pfahl hat eine Bedeutung, die nur im kulturellen Kontext lesbar ist. Bemerkenswert ist auch, was die Tradition über Dauerhaftigkeit sagt: Totempfähle sind nicht zur Konservierung gedacht. Wenn das Holz verwittert und der Pfahl umfällt, ist das kein Verlust, sondern der vorgesehene Abschluss. Alte Totems chemisch zu behandeln und dauerhaft zu erhalten, widerspricht dem Gedanken, Vergänglichkeit als Teil ihrer Bedeutung zu begreifen.
Souvenirs, Pizza und Bier in Ketchikan
Zurück in Ketchikan treibt uns der Regen in einige Souvenirläden abseits der Hauptstraße, die von Alaskan Natives betrieben werden und sehr hübsche Souvenirs abseits der Made-in-China-Massenware anbieten. In Liquor Shop finde ich einen Bourbon, den ich von einer früheren Alaska-Reise aus Haines nahe Skagway kenne und schätze.
Natürlich spazieren wir trotz Regen für ein Foto zum historischen, ehemaligen Rotlicht-Viertel Ketchikan, der Creek Street.

Und wir probieren aus, was wir sonst nie getan hätten: Wir setzen uns mittags in eine der Touristen-Kneipen nahe den Kreuzfahrtschiffanlegern, essen für viel zu viel Geld eine immerhin ehr gute Pizza mit Rentier-Salami (warum auch immer Rentier, das es hier ja gar nicht gibt) und trinken ein Red Ale einer lokalen Micro-Brewery. Einmal anfühlen, wie jährlich hunderttausende Alaska-Kreuzfahrer den Hafenstopp in Ketchikan mutmaßlich erleben.
Rund 1,6 Millionen Kreuzfahrt-Passagiere haben 2025 übrigens Ketchikan besucht. An Spitzentagen machen hier schonmal fünf Schiffen mit mehr 18.000 Passagieren fest. Weil Juneau im Jahr 2026 Beschränkungen für die Kreuzfahrt einführt, könnt Ketchikan in diesem Jahr sogar Platz 1 der gefragtesten Häfen in Alaska übernehmen. Heute sind nur drei eher kleine Schiffe in Ketchikan: Norwegian Jade, Celebrity Summit und die MSC Poesia, mit der ich unterwegs bin.




