Der Angriff der USA und Israels auf den Iran löst in der Kreuzfahrt große Nervosität aus. Schiffe in der Region bleiben vorerst im Hafen, Passagiere werden aufgefordert, sich nur in den Innenräumen der Schiffe aufzuhalten, Landausflüge sind abgesagt. MSC Cruises hat einige Abfahrt der MSC Euribia ab Doha und Dubai bereits offiziell abgesagt, ebenso wie TUI Cruises und Celestyal Cruises. Mehrere Airlines haben Flüge nach Dubai, Abu Dhabi und Katar vorerst ausgesetzt. Das Auswärtige Amt hat eine Reisewarnung unter anderem für die Vereinigten Arabischen Emirate und Katar ausgesprochen. Flüge aus Deutschland mussten umkehren, darunter auch solche mit Passagieren für Kreuzfahrtschiffe.
Update: Zum aktuellen Stand der Kreuzfahrt-Absagen bedingt durch die Unpassierbarkeit der Straße von Hormus lesen Sie unseren Beitrag „Kreuzfahrt-Absagen wegen Iran-Krieg: Überblick und Updates“.
Noch ist unklar, wie lange die Angriffe von den USA und Israel auf den Iran andauern werden und welche Ziele der Iran bei Gegenschlägen ins Visier nimmt. Die USA hat inzwischen aber bereits von einer Kriegsdauer von bis zu fünf Wochen gesprochen. Unklar ist auch, wie lange der Luftraum geschlossen bleibt und Airlines ihre Flüge in die Region aussetzen.
Die Passagiere der festsitzenden Kreuzfahrtschiffe wurden inzwischen ausgeschifft und nach Hause geflogen. Eine erste Maschine von Emirates brachte 218 Passagiere von TUI Cruises am 3. März nach München. Am 6. März teilt TUI Cruises mit, dass die Rückholung der Passagiere und vieler Crewmitglieder der Mein Schiff 4 bis Samstag, 7. März, abgeschlossen sei. Für die Passagiere der Mein Schiff 5 wurden unter anderem Sonderflüge via Saudi Arabien organisiert.
Am 6. März meldet MSC Cruises, dass bis dahin bereits sieben Flüge für MSC-Euribia-Passagiere in Richtung Heimat abgeflogen seien und für insgesamt mehr als 1.500 Passagiere Flüge mit eigenen Chartermaschinen, aber auch Linienflügen von Emirates und Fly Dubai organisiert seien, unter anderem nach Deutschland, Großbritannien, Italien, Spanien, die Vereinigten Staaten und Brasilien.
Celestyal Cruises hat am Wochenende zum 8. März alle Passagiere der Celestyal Discovery in Dubai ausgeschifft und fokussiert sich nun, auf die Celestyal Journey in Doha.
Aroya Cruises hat ebenfalls zum 7. März alle Passagiere ausgeschifft und den Rest der Reisen in dieser Saison im Persischen Golf abgesagt.
Bislang abgesagte Kreuzfahrten von MSC, TUI Cruises und Celestyal Cruises: (Wir aktualisieren an dieser Stelle nicht weiter. Die aktualisierte Liste der abgesagten Reisen, inzwischen auch schon in der Nachfolgesaison im Mittelmeer und für den Orient im Winter 2026/27 finden Sie im Beitrag „Kreuzfahrt-Absagen wegen Iran-Krieg: Überblick und Updates“.
Die folgenden Absätze spiegeln die Situation Anfang März wieder:
Bei TUI Cruises wird das Zeitfenster indes immer knapper, um die Reisen der Mein Schiff 5 am 29. März beziehungsweise der Mein Schiff 4 am 11. April jeweils ab Kapstadt durchführen zu können. Das ist abhängig davon, ob die Reederei es schafft, die beiden Schiffe aus der Region abzuziehen, was durch die derzeit vom Iran kontrollierte und gesperrte Straße von Hormus führt. Die reine Fahrzeit ohne Zwischenstopps aus dem Persischen Golf nach Kapstadt dürfte mindestens neun Tage betragen.
MSC Cruises hatte eigentlich geplant, die MSC Euribia noch eine Weile in der Region zu belassen. Auf der Website sind alle Orient-Abfahrten der MSC Euribia in der laufenden Orient-Saison nicht mehr buchbar und inzwischen auch offiziell abgesagt. Zuletzt waren dort noch zehn Abfahrttermine bis Ende März genannt: 11., 18. und 25. März und 1. April ab Abu Dhabi, 15., 22. und 29. März ab Doha, 14., 21. und 28. März ab Dubai. Zum Abschluss der Orient-Saison sollte das Schiff dann – anders als bei TUI Cruises ohne Passagiere – ab dem 4. April nach Europa fahren, wo ab dem 2. Mai die erste Reise ab Kiel starten soll.
Celestyal Cruises hat am 4. März 2026 nunmehr ebenfalls alle verbleibenden Reisen der diesjährigen Orient-Saison abgesagt. Die Schiffe sollen erst wieder zur Mittelmeer-Saison wieder eingesetzt werden.
Ebenfalls in Dubai befindet sich die Aroya von Aroya Cruises, die ihre Saison im Arabischen Golf erst am 21. Februar 2026 mit einer 7-Nächte Reise ab Dubai begann. Aroya Cruises ist für den deutschen Markt eher weniger wichtig, aber es handelt sich um ein im Jahr 2017 von der Meyer Werft in Papenburg für Genting Hong Kong als World Dream gebautes Schiff, das ursprünglich für Dream Cruises in Dienst gestellt wurde. 2023 wurde das Schiff von Cruise Saudi gekauft und zunächst in Manara umbenannt. Ab Juni 2023 wurde das Schiff umfangreich in Bremerhaven und Rotterdam umgebaut und verließ Bremerhaven Ende 2024 unter dem heutigen Namen Aroya.
Die rechtliche Lage für Betroffene: Reiserücktritt, Erstattung?
Für Passagiere, die derzeit auf den Kreuzfahrtschiffen in Dubai, Abu Dhabi oder Doha festsitzen, ist die Situation – abgesehen von der Gefahr vor Ort – relativ komfortabel: Eine Kreuzfahrt gilt als Pauschalreise, der Reiseveranstalter, also zumeist die Reederei, muss sich um seine Kunden kümmern. Das bedeutet: Unterbringung und Verpflegung, typischerweise also wohl einfach der Verbleib auf dem Schiff, sowie die Rückreise, sofern sie im Pauschalpaket mit der Kreuzfahrt gebucht wurde. Dann muss sich der Reiseveranstalter auch um einen entsprechenden Ersatzflug nach Hause kümmern. Die Pflicht zur kostenlosen Unterbringung gilt zwar formell nur für drei Tage, es ist aber in der aktuellen Situation schwer vorstellbar, dass die Reedereien ab Tag vier ihre Kunden zur Kasse bitten wird.
Bei individuell gebuchten Flügen kommt es bei der Rückreise aus dem Orient auf die Airline an: Alle Airlines sind verpflichtet, einen Ersatzflug bereitzustellen. Handelt es sich um eine EU-Airline wie etwa Lufthansa oder Eurowings, dann gelten zusätzlich EU-Fluggastrechte, die auch eine Hotelunterbringung und Verpflegung bis zum Ersatzflug verlangen. Für Kreuzfahrtpassagiere ist aber in der Regel ohnehin der Reiseveranstalter verantwortlich, nämlich wenn der Flug Teil des Pauschalreisepakets ist.
Wessen Kreuzfahrt ab Abu Dhabi, Doha oder Dubai erst noch bevorsteht, für den ist die Situation relativ eindeutig: Das Auswärtige Amt hat eine explizite Reisewarnung für die Region ausgesprochen, die Kriegshandlungen betreffen teils auch direkt die angelaufenen Häfen beziehungsweise Passagierhäfen und die Durchführung einer regulären Kreuzfahrt ist nahezu undenkbar. Da die USA für den Krieg eine Perspektive von bis zu fünf Wochen genannt haben, ist auch davon auszugehen, dass sich diese Situation in den kommenden Wochen nicht ändert. Es liegen also wohl „unvermeidbare, außergewöhnliche Umstände“ vor, welche „die Durchführung der Pauschalreise oder die Beförderung von Personen an den Bestimmungsort erheblich beeinträchtigen“ (früher „höhere Gewalt“ genannt).
In einem solchen Fall steht dem Reisenden ein Rücktrittsrecht von der Reise zu, die eine volle Erstattung der bereits gezahlten Leistungen nach sich zieht. Schadensersatz wegen entgangener Urlaubsfreuden oder Ähnliches kann man dagegen in diesem Fall nicht geltend machen, da den Reiseveranstalter keine Schuld trifft. Ein vages „das hätte man ahnen können“ reicht dafür nicht aus.
Wer lieber auf die Absage durch die Reederei warten will, hat eine gewisse Chance, besser wegzukommen. Für die kurzfristig abgesagten Kreuzfahrten Anfang März hat TUI Cruises bereits zehn Prozent Rabatt versprochen, wenn man auf eine andere Reise umbucht.
Reiserechtler Kai Rodegra stellt die rechtliche Lage in einem Tagesschau-Video recht umfassend dar, nicht nur für Kreuzfahrten, sondern auch für Flüge und Landurlaub in der Region: https://www.tagesschau.de/video/video-1560438.html
Wichtiger Hinweis: Wir können an dieser Stelle nur den allgemeinen, rechtlichen Rahmen darstellen. Im konkreten, individuellen Fall kann die Situation eine andere sein. Unsere Aussagen dienen nur der allgemeinen Orientierung, nicht als rechtliche Beratung, schon gar nicht im konkreten, persönlichen Einzelfall.
Erste Statements von MSC, TUI Cruises und Celestyal Cruises vom 28. Februar 2026
Von MSC Cruises heißt es offiziell in einem aktuellen Statement: „Aufgrund der aktuellen Lage, der Sperrung des Luftraums im Nahen Osten und zur Gewährleistung der Sicherheit unserer Gäste und Besatzungsmitglieder bleibt die MSC Euribia im Hafen von Dubai. Die für den 1. März geplante Kreuzfahrt ab Doha (Katar) wurde abgesagt, und alle betroffenen Gäste wurden darüber informiert.“
Man beobachte die Situation, heißt es weiter seitens MSC Cruises, und überprüfe derzeit alle unsere Aktivitäten in der Region. Man stehe in ständigem Kontakt mit den lokalen und nationalen Behörden sowie den relevanten Partnern.
TUI Cruises schrieb auf der Website: „Die Sicherheit und das Wohlbefinden unserer Gäste und der Crew haben für TUI Cruises jederzeit oberste Priorität. Vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen im Nahen Osten beobachten wir die Situation sehr aufmerksam und stehen in engem Austausch mit den zuständigen Behörden sowie den Sicherheitsabteilungen unserer Mutterkonzerne TUI AG und Royal Caribbean Group.“
Gemeinsam mit den Airline-Partnern würden fortlaufend mögliche Auswirkungen auf An- und Abreisen geprüft. Passagiere, die ihre Flüge über TUI Cruises gebucht haben, informiere man proaktiv, sobald konkrete Informationen vorlägen. Gästen mit individuell gebuchten Flügen empfiehlt TUI Cruises, sich direkt mit ihrer Airline in Verbindung zu setzen und TUI Cruises über relevante Änderungen zu informieren.
Celestyal Cruises veröffentlichte folgende Statement: „Die Sicherheit und das Wohlergehen unserer Gäste und Besatzungsmitglieder haben für uns stets höchste Priorität. Wir beobachten die Entwicklung der Lage im Nahen Osten in enger Abstimmung mit den zuständigen Behörden aufmerksam. Die Celestyal Journey liegt derzeit in Doha vor Anker. Die Celestyal Discovery liegt derzeit in Dubai vor Anker. Beide Schiffe werden 24 Stunden lang im Hafen bleiben, während die Lage beurteilt wird.“
Für Passagiere, die für bevorstehende Kreuzfahrten gebucht haben, beobachte man die Entwicklungen weiterhin genau und werde rechtzeitig informieren, falls Änderungen an den Kreuzfahrten erforderlich sein sollten.
Man stehe direktem Kontakt mit den betroffenen Gästen und Reisepartnern und werden sie gegebenenfalls weiter auf dem Laufenden halten.
Handy-Alarm in Katar
In Katar gab es am Samstag, 28. Februar, offenbar eine Alarm-Meldung auf alle Mobilfunkgeräte mit dem Wortlaut „Im Interesse der öffentlichen Sicherheit appellieren wir an alle, sich von der Umgebung militärischer Anlagen fernzuhalten und in geschlossenen Räumen zu bleiben, sei es zu Hause oder anderswo, und nur dann das Haus zu verlassen oder sich im Freien aufzuhalten, wenn dies unbedingt notwendig ist, um jegliche Risiken zu vermeiden.“





Lieber Franz,
Seit zwei Tagen sind die Schiffe bei Apps wie Marine Traffic oder Cruise Mapper nicht mehr auffindbar. Wahrscheinlich haben sie ihre Ortung ausgeschaltet, weißt du etwas dazu?
Liebe Grüße Matthias
Ich weiss dazu nichts aus erster Hand, lieber Matthias, aber meine Annahme deckt sich mit Deiner, dass die Schiffe das AIS-Signal abgeschaltet haben, um sich nicht zu einem leicht ansteuerbaren Ziel zu machen. Während der ersten Angriffe war aber auch GPS in der Region erheblich gestört.
Ist das wirklich so zu verstehen ? Auf Marine Traffic liegt die Mein Schiff 4 noch immer in Abu Dhabi – allerdings mit Zeitstempel „5d 13h ago“ Also seit der Anlandung im Hafen vor der Sperrung der Weiterfahrt.
@Wolfhart Kaestner: Wie sollte man es sonst verstehen? Die Straße von Hormus ist unpassierbar, insofern können die Schiffe nicht still und heimlich davongefahren sein, zumal man das spätestens via Social Media erfahren würde, weil Passagiere und Crew an Bord sind, die das irgendwie kommunizieren würden. Und die Reedereien sind ja gerade mit Ausschiffung und Heimreise der Passagiere beschäftigt, da ist es hilfreich, wenn das Schiff im Hafen ist ;-)
Wobei man bei Marinetraffic auch beachten muss, dass der Service zweistufig ist: Beim kostenlosen Dienst sieht man nur Positionsmeldungen, die von land- oder seebasierten AIS-Empfangsstationen erfasst wurden, im bezahlten Dienst auch solche, die per Satellit erfasst werden. Das dürfte in diesem Zusammenhang hier zwar nicht relevant sein, weil man im Persischen Golf davon ausgehen kann, dass immer eine landbasierte Station in Reichweite ist. Aber Marinetraffic ist auch nicht unfehlbar und kann auch mal keine Daten haben, obwohl es grundsätzlich welche gibt.