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Miray Cruises „Gemini“: ohne Klasse, ohne Flagge und offenbar katastrophale Bedingungen für die Crew

Die Gemini der türkischen Kreuzfahrt-Reederei von Miray Cruises, ex Crown Jewel und Celestyal Nefeli, steht wahrscheinlich vor dem Aus. Die Informationlage ist wie oft in solchen Fällen schwierig und teils widersprüchlich, doch vieles deutet darauf hin, dass das 34 Jahre alte Kreuzfahrtschiff keine Zukunft mehr hat, auch wenn der Eigner etwas anders sagt.

Zuletzt war die Gemini für Miray Cruises auf Kurzkreuzfahrten in der Türkei und zwischen den griechischen Inseln im Einsatz. Die ernsten Probleme begannen im September 2025, als griechischen Inspektoren das Schiff für nicht seetauglich befunden hatten und es zunächst wegen ausstehender Crewlöhnen an die Kette legten. Ausführlich berichtet dazu Maritime Executive und Tradewinds News.

Zuletzt spitzte sich die Lage Mitte Juni zu, als die Klassifikationsgesellschaft Bureau Veritas die Klasse der Gemini suspendierte, weil die Reederei die notwendige Inspektion nicht hatte durchführen lassen. Zugleich verlor das Schiff auch die bahamische Flagge und führt jetzt die Flagge von Kamerun – die aber als falsch eingestuft wird, weil Kamerun Anfang des Jahres sein internationales Schiffsregister eingestellt hat.

Die Gemini liegt aktuell an einer Pier im griechischen Elefsina. Zuvor war das Schiff auf Anweisung der griechischen Behörden als Notfallmaßnahme von ihrem Ankerplatz bei Karystos dorthin geschleppt worden.

Miray Crusies reklamiert gegenüber Tradewind News, man habe das Schiff zuletzt mangels Kooperation der griechischen Behörden nicht mehr mit Treibstoff und Lebensmitteln für die Crew versorgen können, was die Reederei zuvor angeblich regelmäßig gemacht habe.

Laut International Labour Organization (ILO) soll nur noch eine minimale Menge an Treibstoff an Bord sein, die nur für Notfalloperationen ausreicht. Die Lebensbedingungen für die verbleibende Besatzung von 26 Seeleuten aus Griechenland, der Türkei, Kroatien, Indien, der Ukraine und Saint Lucia soll katastrophal sein. Selbst Trinkwasser sei zwischenzeitlich knapp geworden. Ukrainische Crewmitglieder, die mit Unterstützung ihrer Botschaft in Griechenland versucht haben sollen, das Schiff zu verlassen, seien vom Kapitän daran gehindert worden.

Die Gemini hat eine lange und komplizierte Geschichte mit häufig wechselnden Betreibern. Sie wurde 1992 in einer Werft in Valencia als Crown Jewel für die Crown Cruise Line gebaut, ging kurz darauf aber bereits als Cunard Crown Jewel an Cunard Line und später zu Star Cruises als Superstar Gemini. Für die Quail Travel Group (Insolvenz 2011) fuhr sie als Gemini, bevor sie als Celestyal Nefeli fuhr. Miray Cruises chartere das Schiff zunächst und hatte unter anderem Pläne, das Schiff zu einem Residenzschiff unter der Marke Life at Sea Cruises umzubauen. 2023 kaufte Miray das Schiff dann von Sunstone. Nun ist ihre Zukunft reichlich unsicher. Eine Versteigerung und Verschrottung erscheint als die wahrscheinlichste Option.

In einem Statement gegenüber Tradewind News bestreitet Miray Cruises das und schreibt unter anderem: „Wir bemühen uns aktiv um eine nachhaltige und langfristige Lösung. (…) Sobald wir eine Einigung mit der Bank erzielt haben, wird die Beschlagnahme aufgehoben. (…) Derzeit kursieren zahlreiche Fehlinformationen, die viele dazu veranlassen, eigene Schlussfolgerungen zu ziehen. Letztendlich wird jedoch der Reeder das letzte Wort in dieser Angelegenheit haben.“

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Über den Autor: FRANZ NEUMEIER

Franz Neumeier
Über Kreuzfahrt-Themen schreibt Franz Neumeier als freier Reisejournalist schon seit 2009 für cruisetricks.de und einige namhafte Zeitungen und Zeitschriften. Sein Motto: Seriös recherchierte Fakten und Hintergründe statt schneller Schlagzeilen und Vorurteile, damit sich jeder seine eigene Meinung bilden kann. TV-Reportagen zitieren ihn als Kreuzfahrt-Experten und für seine journalistische Arbeit wurde er mehrfach ausgezeichnet. Er wird regelmäßig in die Top 10 der „Reisejournalisten des Jahres“ gewählt und gewann mit cruisetricks.de mehrfach den „Reiseblog des Jahres“-Award.

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