Crystal Symphony

Crystal Cruises ist offenbar am Ende

Gläubigerbanken der insolventen Kreuzfahrt-Reederei Crystal Cruises sind offenbar nicht mehr bereit, eine Reorganisation des Unternehmens als Ganzes zu finanzieren. Stattdessen wollen sie die von ihnen abgesicherten Schiffe übernehmen und verkaufen. Das würde wahrscheinlich das Ende für Crystal Cruises bedeuten.

Hinweis: Den aktuellen Stand zur Insolvenz und den Verkäufen der Schiffe finden Sie im Beitrag „Insolvenz von MV Werften und Genting Hong Kong – der aktuelle Status Anfang Mai 2022„.

Update: Mitte Februar 2022 sind nun jeweils im Auftrag der Gläubigerbanken die drei Hochseeschiffe unter Management von V-Ships, die Flusskreuzfahrtschiffe bei River Advice. Ein Insolvenzverwalter kümmert sich um die Liquidation der übrigen Vermögenswerte von Crystal Cruises und die Rückerstattung von Kundengeldern. Letztere sind offenbar gesichert, sofern per Kreditkarte gezahlt wurde, da das Management von Crystal Cruises in Vereinbarungen mit den Kreditkartengesellschaften bereits vor längerer Zeit sichergestellt hatte, dass Kundengelder auch im Falle einer Insolvenz sicher sind.

Wie Seatrade Cruise News unter Berufung auf mehrere Quellen meldet, würden nahezu alle Mitarbeiter von Crystal Cruises entlassen. Die Banken übernehmen die Vermögenswerte des Unternehmens, insbesondere die drei Kreuzfahrtschiffe Crystal Serenity, Crystal Symphony und Crystal Endeavor.

Offenbar übergeben die Banken das Schiffsmanagement an V-Ships, der Hauptsitz der Reederei in Miami soll Ende dieser Woche geschlossen und alle Mitarbeiter entlassen werden. Laut Crew Center habe der Kapitän der Crystal Serenity seiner Crew das Ende von Crystal Cruises verkündet. Ein Teil der Crew soll noch in dieser Woche von den Bahamas aus nach Hause geflogen werden. Eine offizielle Stelle der Geschäftsführung von Crystal Cruises gibt es bislang nicht.

Die Crystal Symphony und Crystal Serenity sind auf den Bahamas bereits an die Kette gelegt worden, allerdings nicht von dern Banken, sondern von einem Treibstoffliefernten, dessen schon ältere Rechnungen nicht bezahlt wurden. Die Crystal Endeavor war kurzzeitig in Argentinien festgesetzt worden, ist nun aber auf dem Weg Richtung Norden mit aktuellem Ziel Montevideo. Passagiere sind keine mehr an Bord der Crystal-Schiffe. Sie waren bereits zuvor auf den Bahamas beziehungsweise in Ushuaia ausgeschifft. Die fünf Flusskreuzfahrtschiffe von Crystal Cruises in Europa sind ohnehin im Winter-Layup. Dabei handelt es sich um die vier relative neuen, bei MV Werften gebauten Flusskreuzfahrtschiffe Crystal Bach (2017), Crystal Mahler (2017), Crystal Debussy (2018) und Crystal Ravel (2018) sowie um die ältere, aber von den MV Werften aufwendig renovierte Crystal Mozart (1987).

Crystal Cruises musste den Betrieb Ende Januar 2022 einstellen, nachdem die Muttergesellschaft Genting Hong Kong zahlungsunfähig wurde. Auslöser dafür war wiederum die Insolvenz der deutschen MV Werften, die ebenfalls zu Genting Hong Kong gehört.

Für die prestigeträchtige Ultraluxus-Kreuzfahrtreederei Crystal Cruises bedeutet der Schritt der Banken sehr wahrscheinlich das Ende, wenn sich kein Käufer für die Schiffe findet, der auch die Marke „Crystal Cruises“ übernimmt und weiterführt. 1988 in Japan von Nippon Yusen Kaisha (NYK) gegründet, hat das auf den Bermudas registrierte Unternehmen Genting Hong Kong die Reederei 2015 übernommen.

12 Kommentare

12 Gedanken zu „Crystal Cruises ist offenbar am Ende“

  1. Das ist sehr schade habe dort 5 Jahre als koch gearbeitet war die beste Zeit meines Lebens was mich wundert das carnival oder royal Caribbean oder ncl crystal nicht kaufen die lassen sich eine Goldgrube entgehen aber man sieht das einebänker mehr macht hat

  2. Ich glaube aber auch, dass noch einige Reedereien Probleme bekommen, die nunmehr in den nächsten Jahren die Schiffe auf neue Energieträger umbauen müssen und jetzt wegen der Pandemie doch 2 Jahre nicht geschäften konnten. Das sieht man doch auch an den z.T massiven Preissteigerungen (v.a. obere Segmente / Luxus) und – böse gedacht – ist vielleicht ein Konkurs per Saldo „billiger“ als ein „Durchfüttern“ bis Ende Pandemie und dann auf alter Technologie zu sitzen…

  3. @Andreas: So drastisch sehe ich das nicht. Es gibt ja keine absolute Notwendigkeit, ältere Schiffe umzubauen. Und bei vielen geht das auch gar nicht, weshalb einige Reedereien ja auch Marinediesel umgestiegen sind, was sie zwar als Umweltschutzmaßnahme verkaufen (was es in gewisser Weise natürlich auch ist), aber schlicht die einzige, wirtschaftliche Möglichkeit ist, diese Schiffe weiterzubetreiben. Man darf aber auch nicht übersehen, dass diese alten Schifft oft sehr profitabel sind, weil komplett abgeschrieben. Wie lange ein älteres Schiff noch fahren kann, hängt dann letztlich auch von der Pflege ab und wird in den meisten Fällen trotzdem billiger sein als Neubauten. Die Frage ist dann noch, auf welche verbleibende Lebenszeit man für ein Schiff kalkuliert – mit Varianten zwischen „so lange mit möglichst wenig Investitionen fahren, wie es eben noch geht“, also eher kurzfristig, wie das zuletzt beispielsweise CMV gemacht hat (ja, die sind pleite gegangen, aber aus anderen Gründen), bis hin zu dem, was beispielsweise Phoenix macht, oder auch Nicko Cruises mit der Vasco da Gama: noch einmal ordentlich investieren, dann aber auch noch viele Jahre von den Schiffen profitieren.
    Die Preissteigerungen würde ich damit ohnehin nicht in Verbindung bringen, denn Preise entsteht immer aus Angebot und Nachfrage. Eine Reederei, der es wirtschaftlich schlecht geht, könnte sich nicht über hohe Preise retten, denn dann würden die Kunden halt bei der günstigeren Konkurrenz buchen. Hohe Preise kann man ja nur erzielen, wenn der Markt das auch hergibt. Der Vorteil für die Reedereien aktuell ist in dieser Hinsicht sicherlich, dass das Angebot noch begrenzt ist, die Nachfrage aber schon wieder sehr hoch – und sich alle bis zu einem gewissen Grad stillschweigend einig sind, dass sie jetzt erstmal nicht in den Billigschnäppchen-Preiskampf gehen wollen.

  4. Na, wenn das mal keine Gelegenheit für Phoenix Reisen ist, sich günstig eine neue Albatros zu gönnen. ;)

  5. ich halte die Feststellung, “ Crystal Cruises musste den Betrieb Ende Januar 2022 einstellen, nachdem die Muttergesellschaft Genting Hong Kong zahlungsunfähig wurde. Auslöser dafür war wiederum die Insolvenz der deutschen MV Werften, die ebenfalls zu Genting Hong Kong gehört“ für sehr kühn. Die Werften waren zuletzt nur noch ein Spielball des Inhabers, zugleich reichster Malaysier, der sich u.a. weigerte eine Zusage zu geben, das evtl. staatliche deutsche Hilfen und Bürgschaften zur Rettung der Werften genutzt werden. Vielmehr sollte diese Geld an Genting HKG gehen, wo es ins große schwarze Loch gefallen wäre. Als Sahnehaube verklagte Genting das Land MV auf sofortige Auszahlung grundsätzlich zugesagter Gelder, für die aber die Voraussetzungen seitens Genting nicht erfüllt waren. Dies bestätigte deutsche Justiz dann auch und letztlich wurden die 78 Millionen nicht ausgezahlt. An diesen Peanuts soll ein Milliardenkonzern kaputt gegangen sein? Zu den etlichen Millionen unserer Steuergelder, die durch dubiose Eigner und Investoren der MV-Werften in der Vergangenheit schon verloren gingen, kommen noch ein paar hinzu wenn die Schlussrechnung des Genting-Egagements gemacht wird. Und das I-Tüpfelchen ist, dass der besagte Herr Lim Kok Thay Interesse bekundet hat die zu 75% fertig gebaute Global Dream persönlich zu kaufen. Wohlwissend, dass es für eine solche Bauart nur in Asien Kunden gibt und statt der veranschlagten Bausumme von geschätzt 1,5 Mrd. Euro sicherlich nur ein Buchteil bezahlt werden müsste. Der Rest oben drauf auf die Rechnung für uns Steuerzahler. Laut Knigge gehört es zum guten Umgang insbesondere Asiaten gegenüber dafür zu sorgen, dass man sie nie bloßstellt und ihnen immer eine Chance läßt ihr Gesicht zu wahren – das Verhalten der Genting-Verantwortlichen sollte da zum Umdenken anregen……

  6. @Peter: Die zitierte Feststellung ist der vordergründige und direkte Auslöser, insofern nicht falsch. Das widerspricht ja aber auch nicht all dem anderen, das da mutmaßlich dahintersteckt. Aber ich bitte um Verständnis, dass ich Kreuzfahrt-Journalist bin und kein Wirtschaftsredakteur mit einer Heerschar von spezialisierten Rechercheuren an der Hand, um solche Hintergründe und Zusammenhänge gerichtsfest zu recherchieren ;-) Das überlasse ich dann doch gerne lieber den Kollegen in darauf spezialisierten Wirtschaftsmedien.

  7. Dass die MV-Werften zu 100% von Genting abhängig waren (Eigner, Geld- und gleichzeitig Auftraggeber!) war für jedermann offensichtlich. Genting zu sehr an den Pranger zu stellen, läge mir fern, denn ich bin weniger „vergesslich“ als ein Gutteil der Bevölkerung – ich erinnere mich daher noch, dass Genting es war, der die MV-Werften wieder in Gang gebracht hat, wofür die Deutschen – pardon – offensichtlich zu doof waren. Dass die Pandemie dazwischenkommt, kann Genting nicht zum Vorwurf gereichen.
    Leider geht damit ein tolles Unternehmen (Crystal) kaputt, das mit der Sache gar nichts zu tun hatte. Aber ich beobachte das nicht zum ersten Mal in meinem Berufsleben: Der große, kranke Riese hat den kleinen, gesunden Riesen geschluckt – und zieht ihn in den Untergang. Deswegen halte ich von Übernahmen und Fusionen grundsätzlich wenig – oder, sagen wir, ich begegne ihnen mit sehr großer Vorsicht.
    Ich glaube, es sind wohl inzwischen über zehn Jahre (seit ich das erste Mal bei Crystal mitgereist bin), dass ich sage: Ich sehe am Horizont die neuen Phoenix-Schiffe. Auf Nachfrage habe ich immer die beiden Crystal-Hochseeschiffe genannt. Sie passen dorthin so gut wie kein anderes Schiff (für Ultra-Luxus sind sie nicht mehr zeitgemäß, weswegen es auch für die Marke Crystal keinen Käufer geben wird – eine Marke ohne passende Hardware).
    Bei Phoenix wird kein Crystal-Schiff die Albatros ersetzen. Vielmehr muss in diesem Fall die Amadea weg – man bietet dem zahlungskräftigsten Teil des Phoenix-Publikums ein deutlich großzügigeres, luxuriöseres Schiff (mit Sonderrestaurants, größeren Kabinen etc.), das noch dazu 400 Betten mehr hat. Die neue Albatros wäre in diesem Fall die Amera. In dieser Konstellation wird ein Schuh draus.

  8. @Jörg: Ich sehe das nicht so pessimistisch. Zumindest die Großen, bei denen man einen gewissen Einblick in die Finanzen hat, stehen eigentlich nach wie vor recht solide da und das Geschäft läuft wieder so weit, dass es zumindest keine Cash-Flow-Probleme mehr geben dürfte. Und der freie Finanzmarkt gibt den Reedereien nach wie vor Spielraum, siehe die aktuelle Finanzierungsrunde von NCLH mit rund 2 Milliarden Dollar. Crystal Cruises ist halt eine sehr spezielle Situation, da war es auch schon vor der Pandemie nicht rosig und Genting Hong Kong war auch davor schon immer wiedermal auf der Kippe …

  9. @Oliver Schmidt

    Das sehe ich genauso. Nicht schön, was in MV passiert ist, aber schauen wir ins das mal genau an. In der Vergangenheit standen die Werften immer wieder vor dem Aus. Genting hat groß in den Standort investiert und das sollte man auch entsprechend würdigen.

  10. @Peter: Den Ausführungen kann ich zu 100% zustimmen. Ergänzend sei noch erwähnt, dass Genting HK bereits in 2020/21 Milliardenkredite nicht mehr bedienen konnte und sich mit den Gläubigern vergeblich um eine Lösung bemüht hat. Diese kam nicht zustande, was die jetzige Insolvenz ausgelöst hat. MV Werften war lediglich der „schwarze Peter“ (nicht falsch verstehen), den der Eigner gesucht und gefunden hat, um sich vor dem in Asien gefürchteten Gesichtsverlust zu bewahren. Nun benennt er in der asiatischen Presse Deutschland als den Schuldigen. Verfolge das Thema Genting & MV seit 2016 und habe diese Entwicklung seit 2020 kommen sehen. Leider versäumt auf fallende Kurse bei Genting zu setzen, war und ist aber sowieso nur eine Cent Aktie.

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