Die Kreuzfahrt-Terminals von Venedig sind künftig komplett in privater Hand. Die Region Venetien hat sich von ihren Anteilen getrennt. Weil der Käufer der Anteile, Venezia Investimenti, zu gleichen Teilen Costa, MSC, Royal Caribbean sowie dem globalen Hafenbetreiber GPH gehören, erhöht sich damit der Anteil der Reedereien an den venezianischen Terminals.
Eigentlich haben die Kreuzfahrt-Terminals in Venedig seit dem Verbot größerer Schiffe kaum noch Anläufe. Sie wickeln aber weiterhin einen Teil der Passagier- und Gepäckabfertigung bei Ein- und Ausschiffungen für Kreuzfahrtschiffe ab, die am Festland in Marghera oder Fusina anlegen.
Erst kürzlich wurde die staatliche Konzession für Vtp um zehn Jahre bis zum 31. Mai 2036 verlängert, bei geplanten Infrastruktur-Investitionen in Höhe von 19,4 Millionen Euro.
Restrukturierung der sehr komplexen Eigentumsverhältnisse bei Venezia Terminal Passeggeri
Die Eigentumsverhältnisse an den Kreuzfahrt-Terminals in Venedig sind kompliziert, werden durch den Ausstieg von Venetien (Veneto Sviluppo) jedoch etwas einfacher. Und vor allem zieht sich die öffentliche Hand damit komplett zurück. Die regionalen Finanzgesellschaft Veneto Sviluppo verkauft ihre Anteile an Venezia Investimenti.
Venezia Investimenti hält jetzt durch den Kauf der Venetien-Anteile 99 Prozent an dem Unternehmen Apsv (das restliche Prozent gehört APV Investimenti) sowie unverändert 85,5 Prozent an dem Unternehmen Finpax.
Venezia Investimenti gehört zu gleichen Teilen den Reedereien Costa Crociere (Tochter der Carnival Corp.), MSC Cruises und Royal Caribbean sowie dem global agierenden Hafenbetreiber Global Ports Holding (GPH). Bislang hielten die vier Unternehmen indirekt jeweils 11,25 Prozent an Venice Passenger Terminal (Vtp). Ihr Anteil erhöht sich durch den Verkauf der Venetien-Anteile nun auf 17,88 Prozent.
Und um es noch etwas komplizierter zumachen: Costa Crociere verhandelt laut Shipping Italy unter Berufung auf Costas jüngsten Geschäftsbericht derzeit mit MSC, Royal Caribbean und GPH über einen Ausstieg. Würde Costa seine Anteile verkaufen, hätten die verbleibenden drei Gesellschafter von Venezia Investimenti dann jeweils einen indirekten Anteil an Ptv von 23,8 Prozent.
Apvs hält 53 Prozent des Venezia Terminal Passeggeri (Vtp) und Finpax 22,18 Prozent, was Venezia Investimenti mit zusammen 71,5 Prozent der Anteile faktisch die Kontrolle über Vtp gibt. Weiterhin mit 22,18 Prozent ist die Save-Gruppe (Flughafen Venedig) sowie mit 2,64 Prozent die Handelskammer Venedig-Rovigo an Vtp beteiligt.
Kein regionaler Einfluss mehr auf die venezianischen Kreuzfahrt-Terminals
An den direkten Eigentumsverhältnissen von Vtp ändert sich eigentlich nichts. Die Region Veneto verliert jedoch durch den Verkauf ihrer Apvs-Anteile ihren Einfluss, der mit den indirekten 26,5 Prozent nicht unerheblich war.
Die Beteiligung Venetien sollte unter anderem Einfluss auf die Nachhaltigkeit und Rücksichtnahe auf regionale Bedürfnisse sichern. Das entfällt nun, Venezia Investimenti versicherte laut Mondo Navi jedoch, man werde „mit den Institutionen und der Hafenbehörde zusammenzuarbeiten, um einen Weg für eine nachhaltige Entwicklung der venezianischen Kreuzfahrtindustrie zu definieren“.
Bereits bei einer Neuordnung der Eigentümerstruktur im Jahr 2016 hatte Venezia Investimenti übrigens für die jetzt erworbenen Anteile geboten, war jedoch durch ein Vorkaufsrecht von Veneto Sviluppo nicht zum Zuge gekommen. Damals hatte die Region Venetien die vollständige Privatisierung der Terminals verhindert, die nun, zehn Jahre später unter allerdings anderen Verhältnissen in Venedig, doch noch Wirklichkeit geworden ist.
Die aktuelle Eigentümerstruktur gilt übrigens als Interimslösung. Eine endgültige Neuordnung der Gesellschafterstruktur soll bis Ende des Sommers zwischen den aktuellen Gesellschaftern geklärt werden. An der Privatisierung der Terminals ändert das allerdings nichts mehr.




