Viking Sky

Viking Sky vor der norwegischen Küste in Seenot, Evakuierung per Hubschrauber

Die Viking Sky ist am Samstagnachmittag, 23. März 2019, gegen 14:00 Uhr vor der norwegischen Küste in Seenot geraten. Zeitweise näherte sich das zu diesem Zeitpunkt manövrierunfähige Luxus-Kreuzfahrtschiff bis auf etwa 100 Meter einer Stelle bei Hustadvika, wo es hätte auf Grund laufen können.

Am Sonntagmorgen um 8:06 Uhr kommt die offizielle Nachricht, dass die beiden Schlepper Ocean Response und Vivax nun mit dem Kreuzfahrtschiff verbunden sind und die Viking Sky ins etwa 60 Kilometer entfernte Molde begleiten. Die Evakuierung der Passagiere per Hubschrauber ist seit etwa 9:30 Uhr eingestellt. Um 16:27 Uhr hat die Viking Sky im Hafen von Molde festgemacht. Offenbar war sie die Strecke größtenteils aus eigener Kraft zurückgelegt, lediglich von Schleppern begleitet.

Auf der Passagierliste der Viking Sky stehen insgesamt 915 Passagiere und 458 Crew-Mitglieder. Unter den Passagier sind 390 Amerikaner, 280 Briten, außerdem wohl auch zwei Deutsche. Bei der Evakuierung und durch die starken Schiffsbewegungen wurden insgesamt 28 Personen wurden ins Krankenhaus gebracht, fünf von ihnen sind auch am Montagvormittag noch dort. Drei Personen sollen lebensgefährlich verletzt worden sein, zwei von ihnen sind am Montagmorgen außer Lebensgefahr und stabil.

Ursache der Notlage ist der Ausfall der Schiffsmaschinen, wie auch Viking Ocean Cruises inzwischen bestätigte. Zum Zeitpunkt des Maschinenausfalls herrschten vor der norwegischen Küste starke Winde, die Wellen sind sechs bis acht Meter hoch. Update: Die Wellen waren laut eines Berichts der norwegischen Behörden sogar bis zu 18 Meter hoch.

Update: Als Ursache für den Maschinenausfall wurde bei ersten Untersuchungen ein zu niedriger Öldruck identifiziert.

Die 1.373 Passagiere und Crew-Mitglieder werden seit Samstagnachmittag kontinuierlich per Hubschrauber evakuiert. Bis Sonntagvormittag konnten auf diese Weise 480 Passagiere evakuiert werden. Eine Evakuierung mithilfe anderer Schiffe war wegen des starken Seegangs nicht möglich.

Drei der vier Schiffsmaschinen liefen seit dem späten Samstagabend wieder, sodass das Schiff zumindest wieder manövrierfähig ist. Die Hochseeschlepper Ocean Response, Normand Ranger sowie der kleine Schlepper Vivax assistieren der Viking Sky. Bei der dramatischen Situation nahe der Küste hat die Viking Sky offenbar einen Anker komplett eingebüßt und den zweiten Anker erheblich beschädigt.

Evakuierung der Viking Sky per Hubschrauber

Gegen 17:30 Uhr war am Samstag ein erster, kleiner Schlepper vor Ort, ebenso ein Patrouillenboot der norwegischen Marine. Drei große Offshore-Versorgungsschiffe waren seit etwa 18 Uhr nahe der Viking Sky in Warteposition, wurden im Laufe der Nacht aber wieder abgezogen.

Das zuständige Rettungszentrum in Süd-Norwegen hat mit einer Evakuierungsaktion mit drei bis fünf Hubschraubern begonnen, um die Passagiere und Crew-Mitglieder von der Viking Sky zu holen. Die Angabe zur Zahl der Hubschrauber variiert je nach Quelle, jedoch kann ohnehin immer nur ein Hubschrauber über dem Schiff schweben und Passagiere aufnehmen. Laut Fernsehberichten kann ein Hubschrauber rund 15 Personen transportieren. Unterstützung kommt am Sonntagmorgen aus Dänemark, das Militärhubschrauber nach Süd-Norwegen verlegt, damit sich die norwegischen Rettungskräfte auf die Evakuierung der Norwegian Sky konzentrieren können.

Ein Youtube-Video zeigt, wie die Evakuierung per Hubschrauber abläuft:

Video ThumbnailDie Viking Sky ist am Samstagnachmittag, 23. März 2019, gegen 14:00 Uhr vor der norwegischen Küste in Seenot geraten. Zeitweise näherte sich das zu diesem Zeitpunkt manövrierunfähige Luxus-Kreuzfahrtschiff bis auf etwa 100 Meter einer Stelle bei Hustadvika, wo es hätte auf Grund laufen können. Am So

Um 7:45 Uhr morgens, 17 Stunden nach Beginn der Rettungsaktion sollen erst rund 371 Menschen evakuiert worden sein. Die evakuierten Passagiere werden zunächst in der Sporthalle des kleinen Ortes Fraena versorgt und anschließend mit Bussen nach Molde, Kristiansund und Alesund gebracht und dort vorerst in Hotels untergebracht. In Molde öffnet ein Shopping-Center m Sonntagnachmittag für die Passagiere, damit sie sich mit Kleidung und Hygiene-Artikeln versorgen können, die Reederei soll dafür an jeden Passagier 2.500 NOK (ca. 260 Euro) zuschießen.

Auf Crewcenter.com wird unter Berufung auf ein Crew-Mitglied der Viking Sky berichtet, dass alle wenig Angst hätten, die Evakuierung aber ruhig und organisiert ablaufe.

Zwei Videos zeigen die Rettungsaktion direkt von einem der Rettungshubschrauber aus:

Video ThumbnailDie Viking Sky ist am Samstagnachmittag, 23. März 2019, gegen 14:00 Uhr vor der norwegischen Küste in Seenot geraten. Zeitweise näherte sich das zu diesem Zeitpunkt manövrierunfähige Luxus-Kreuzfahrtschiff bis auf etwa 100 Meter einer Stelle bei Hustadvika, wo es hätte auf Grund laufen können. Am So
Video ThumbnailDie Viking Sky ist am Samstagnachmittag, 23. März 2019, gegen 14:00 Uhr vor der norwegischen Küste in Seenot geraten. Zeitweise näherte sich das zu diesem Zeitpunkt manövrierunfähige Luxus-Kreuzfahrtschiff bis auf etwa 100 Meter einer Stelle bei Hustadvika, wo es hätte auf Grund laufen können. Am So

Auf der Website des Dagbladet ist ein Video der laufenden Rettungsaktion am Abend zu sehen: https://www.dagbladet.no/nyheter/cruiseskip-har-sendt-ut-mayday—1300-passasjerer-evakueres/70905728.

Für die norwwgischen Rettungskräfte war es nach eigenen Angaben die größte Rettungsaktion seit den frühen 1980er-Jahren.

See- und Wetterbedingungen, Position der Viking Sky

Position der Viking Sky zum Zeitpunkt des Ausfalls der Maschinen (Kartenmaterial: Open Street Maps)
Position der Viking Sky zum Zeitpunkt des Ausfalls der Maschinen (Kartenmaterial: Open Street Maps)

Laut Wetterkarten herrschen vor der norwegischen Küste an dieser Stelle Windgeschwindigkeiten von rund 70 Kilometern pro Stunde, die Wellen sind fünf bis acht Meter hoch. In einer Pressekonferenz heißt es später, die Wellen seien zeitweise sogar bis zu 15 Meter hoch gewesen.

Zum Zeitpunkt des Maschinenausfalls befand sich die Viking Sky etwa ein bis zwei Seemeilen vor der norwegischen Küste in einem Bereich, der Hustadvika genannt wird. Das liegt nahe den beiden kleinen Orten Hustad und Farstad. Die nächste größere Stadt ist Molde. Im Laufe des Nachmittags trieb sie immer weiter auf die Küste und vorgelagerte Inseln oder Riffe zu. Die Küstenlinie in diesem Gebiet gilt als sehr gefährlich. Das Wasser sei seicht, es gebe viele kleine Inseln und Riffe.

Die Viking Sky war auf ihrer Kreuzfahrt auf dem Weg von Tromsö nach Stavanger. Das Schiff fährt unter norwegischer Flagge und wurde im Januar 2017 in Dienst gestellt. Es hat eine Tonnage von 47.842 BRZ und ist 228,28 Meter lang. Die Viking Sky bietet Platz für 928 Passagiere in 464 Kabinen. Sie ist eines von derzeit sechs baugleichen Kreuzfahrtschiffen von Viking Ocean Cruises.

Wie geht’s weiter?

Die nachfolgende Kreuzfahrt der Viking Sky ab 27. März hat die Reederei bereits abgesagt. Damit wird das Schiff auch nicht die Kreuzfahrt-Saison in Kiel eröffnen, wie bisher geplant. Viking Ocean Cruises hat auch angekündigt, den Passagieren den Reisepreis vollständig zu erstatten und ihnen eine neue, kostenfreie Kreuzfahrt anzubieten.

Offen bleibt zunächst die Frage, warum die Viking Sky in diesen Sturm hinein gefahren ist. Der Kapitän soll dem Rat der zwei Lotsen gefolgt sein. Hurtigruten-Schiffe sowohl südwärts als auch nordwärts gehend hatten Hustadvika wegen des Sturms am Samstag offenbar gemieden und in anderen Häfen gewartet, berichtet der norwegische TV-Sender NRK.

Vertreter der norwegischen Behörden und der Klassifizierungsgesellschaft Lloyd’s untersuchen die Ursache für den Ausfall der Maschinen. Auch britische und amerikanische Behörden haben sich in die Ermittlungen eingeschaltet.

Am Mittwochmorgen, 27. März 2019, fährt die Viking Sun von Molde nach Kristiansund, wo Reparaturarbeiten am Schiff durchgeführt werden. Sie wird dabei von einem Hochseeschlepper begleitet, weil sie aktuell über keinen funktionierenden Anker verfügt.

Frachtschiff „Hagland Captain“ ebenfalls in Seenot

In Sichtweite zur Viking Sky hat gegen 19 Uhr auch das Frachtschiff „Hagland Captain“ einen Notruf abgesetzt, nachdem dort ebenfalls die Schiffsmaschine ausfiel und ein Teil der aus Holz bestehenden Ladung über Bord gegangen war. Neun Crew-Mitglieder sind an Bord des knapp 90 Meter langen Schiffs mit einer Tonnage von 2.984 BRZ.

Um etwa 21:30 Uhr melden die Behörden, dass die Crew des Frachtschiffs evakuiert werden, was sich dann bis etwa Mitternacht hinzog. Offenbar mussten vier der neun Crew-Mitglieder dazu zunächst ins Wasser springen, um dort vom Hubschrauber hochgezogen werden zu können, weil dies direkt vom Schiff wegen des starken Seegangs nicht mehr möglich war.

Das havarierte Frachtschiff wurde am Montag, 25. März 2019, mithilfe von Schleppern nach Kristiansund gebracht. Nach Reparaturen fuhr es am Nachmittag des 3. April weiter nach Kopenhagen, wo es seinen regulären Dienst wieder aufnehmen soll.

4 Kommentare

4 Kommentare zu “Viking Sky vor der norwegischen Küste in Seenot, Evakuierung per Hubschrauber

  1. Hoffentlich geht das gut. Die Beleuchtung scheint ja noch zu gehen. Aber weit bis zum Ufer ist es nicht mehr und der Schlepper scheint nicht viel zu halten, oh weh …

  2. Die Entfernung zum Ufer kann man glaube ich sehr schwer einschätzen, weil das Teleobjektiv der Kamera da doch sehr täuscht. So wie ich es verstehe, gibt es dort aber eben auch viele kleine Inseln und Riffe, sodass vermutlich nicht nur die sichtbare Küste eine Gefahr ist, sondern vielleicht auch in dem Live-Stream nicht sichtbare Riffe oder Untiefen im Meer. Da kann man im Moment einfach nur hoffen, dass alles gut ausgeht.

  3. Schon richtig was Du schreibst. Aber ich habe auch auf MarineTraffic die Aktion verfolgt. Und da war das Schiff nur ca eine halbe Seemeile von der Küste weg. Schon heftig. Der Schlepper vor Ort hätte die viking nicht halten können bei dem Sturm.
    Wie Du geschrieben hast, haben die gerade so rechtzeitig so eine Maschine wieder klar bekommen.
    Und die Viking ist dann so mit 2 bis 3 Kn auf Position so ca 3 sm vor der Küste geblieben, vermutlich damit die Hubschrauber es nicht so weit haben. Die Piloten müssen ganz ausgezeichnete Flieger sein..
    Den Wellengang kennen wir ja beide aus eigener Erfahrung

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