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"sponsored by Oceania Cruises" - was bedeutet das für cruisetricks.de?

Warum Ungewohntes oft besonders reizvoll ist: vegane Flusskreuzfahrt im Winter auf der Donau

Mut zum Ungewöhnlichen führt oft zu den interessantesten Reisen – so wie die Donau-Flusskreuzfahrt mit Vegan Travel zum Jahreswechsel 2025/26 mit spannenden und unerwarteten Erlebnissen ganz außerhalb der touristischen Hochsaison. Eines würde ich so allerdings nicht mehr tun – aber das betrifft nicht den Aspekt „vegan“.

Es war eine Reise abseits des gewöhnlichen und genau deshalb so spannend: Wir sind mit einem Schiff gefahren, das normalerweise nicht am deutschen Markt verfügbar ist, die Joy von Scylla, sonst für den US-Veranstalter Tauck unterwegs, mit ziemlich luxuriösen Kabinen. Und wir waren mitten im kalten Winter auf der Donau unterwegs.

Franz Neumeier, MS Joy, in Linz
Franz Neumeier, MS Joy, in Linz

Vor allem aber war es eine komplett vegane Reise, mit positiven, kulinarischen Entdeckungen und ein paar Denkanstößen auch für unseren eigenen Lebensstil, obwohl wir selbst nicht vegan leben und auch die Reise uns nicht „bekehrt“ hat. Durchaus aber ein wenig verändert.

vegane Variante des Dessert-Klassikers Baked Alaska
vegane Variante des Dessert-Klassikers Baked Alaska

Im Beitrag „Vegane Kreuzfahrt – ein kulinarischer Selbstversuch mit Vegan Travel“ habe ich bereits alles über den deutschen Vegan-Kreuzfahrtveranstalter Vegan Travel geschrieben und auch über die grundsätzlichen Vorzüge einer komplett veganen Reise. Nachlesen lohnt sich.

Vor genau einem Jahr hatten wir uns auf die erste rein vegane Kreuzfahrt getraut. Anstoß dazu war vor allem der Reiz der Destination: Mekong, Vietnam, Kambodscha, Angkor Wat – und das Wissen, dass vegetarische-vegane Küche in der Region ohnehin verbreitet und sehr schmackhaft ist. Ein sehr kalkulierbares Risiko also, das sich gelohnt hat.

Wie schmeckt vegane Gourmet-Küche in Europa?

Nach dieser Erfahrung war diesmal der Aspekt „vegan“ ein wesentlicher Anstoß für diese Flusskreuzfahrt. Wie sieht vegane Gourmet-Küche in Europa aus?

Objektiv wäre es ein wenig unfair zu sagen: Mir hat es in Vietnam und Kambodscha besser geschmeckt. Die Küche dort war fantastisch und subjektiv liegt eine meiner persönlichen Vorlieben beim Essen bei der asiatischen Küche. Deshalb ziehe ich auch nicht-vegan die asiatische Küche der europäischen vor.

Panorama-Restaurant
Panorama-Restaurant der Joy

Aber wie schon am Mekong habe ich während der Woche auf der Donau mit der Joy tierische Produkte oder Fleisch keine Minute vermisst. Überraschenderweise ausgerechnet die Desserts waren großartig, die man sich vegan oft nicht richtig vorstellen kann. Hier hat die europäische der asiatischen Küche einiges voraus. Und es ist eben ein Missverständnis, dass veganes Gebäck (also vor allem ohne Ei, ohne Butter) bestenfalls ein Kompromiss sei. Weit gefehlt, wenn der Koch oder Bäcker weiß, was er tut.

veganer Afternoon Tea
veganer Afternoon Tea

Wo vegane Kulinarik glänzen kann, und das war auch auf dieser Reise so, ist eine pflanzliche Küche, die Obst und vor allem Gemüse in den Vordergrund stellt und nicht versucht, Fleischgerichte zu imitieren. Mein persönliches Highlight auf der Reise war ein sous-vide-gegarter Chicorée mit Safranbutter und Kirschtomaten, eine Vorspeise, um ein Beispiel zu nennen. Oder reife, süße Jackfruit als Dessert, in Europa kein ganz billiger Spaß, aber eben auch ein Hochgenuss.

sous-vide-gegarter Chicorée mit Safranbutter und Kirschtomaten
sous-vide-gegarter Chicorée mit Safranbutter und Kirschtomaten

Eine Lasagne mit Walnuss-Sauce, Spaghetti Carbonara mit würzigen Pilzen, ein geschmacklich großartiger Kaiserschmarrn, der nur etwas fluffiger hätte sein können.

Baked Alaska
Das gehört zu einer traditionellen Kreuzfahrt dazu: die „Baked Alaska“-Parade nach dem Galadinner.

Das „Baked Alaska“-Dessert zum Galadinner? Das beste Baked Alaska, das ich seit langer Zeit hatte. Ein wenig irre: Sogar ein veganes Käsefondue gab es, von New Roots, einem Schweizer Produzenten veganer Milchprodukte, deren Vertriebschef Assi Grunder auf der Reise mit an Bord war.

Wer jetzt das Wort „Tofu“ vermisst hat: Tofu spielt in einer guten, veganen Küche eine eher kleine Rolle. Während der gesamten Woche standen nur sehr vereinzelt Tofu-Gerichte zur Auswahl. Kann man vermeiden, und habe ich vermieden.

Veganes Burger-Bistro im „Arthur’s“

Neben dem Hauptrestaurant hat die Joy auch ein kleineres Bistro am Heck des Schiffs namens Arthur’s, benannt Arthur Tauck jr., Sohn des Tauck-Gründer. Auf normalen Tauck-Kreuzfahrten ist das eine legere Alternative zum Hauptrestaurant mit Burgern, Hot-Dogs und Ähnlichem. Und so auch auf der Vegan-Travel-Reise, nur eben vegan.

(vegane) Speisekarte des Arthur’s

Ich bin kein großer Freund von Fleischersatz-Produkten – wenn vegan, dann richtig, denn Ersatz ist eben immer nur ein Kompromiss und den will ich beim Essen nicht eingehen. Trotzdem haben wir zweimal im Arthur’s gegessen und auch das war durchaus positiv, auch wenn es nicht an das nicht-vegane Original herankommt.

Arthurs Restaurant
Arthur’s Restaurant

Beim Burger habe ich vielleicht den falschen Tag erwischt. Das hausgemachte Patty wechselt täglich, Mitreisende fanden es sehr gut, bei mir was es geschmacklich einwandfrei, die Konsistenz aber zu weich. Dafür war das Tandoori-„Chicken“ mit Blumenkohl-Couscous vor allem auch wegen der Sauce sehr fein.

Die größte Überraschung aber war die „Bratwurst“ mit Sauerkraut und Knoblauch-Kartoffelpüree. Die Beilagen sind ohnehin vegan und gut zubereitet. die vegane Wurst, bei aller Skepsis, war richtig gut. Besser als so manche „echte“ Wurst aus dem Supermarktregal.

Bratwurst mit Sauerkraut und Kartoffelpüree
Bratwurst mit Sauerkraut und Kartoffelpüree

Und das ist vielleicht der wichtigste Aspekt, wenn man über Ersatzprodukte bei veganem Essen sprich: Was ist der Maßstab? Gute Ersatzprodukte ziehen gleich oder übertreffen günstige Originale aus dem Supermarkt-Regal. Mit nicht-veganer Spitzengastronomie können sie nicht mithalten.

Deshalb bleibe ich dabei: originär vegane Gerichte, also eigenständige, pflanzliche, die nichts nachahmen, sind großartig. Imitate können gut sein, abhängig vom Maßstab, den man anlegt.

Vegan: immer wieder, Donau: im Winter eher nicht mehr

Ein Freund fragte mich: Warum jetzt genau gehst Du auf eine vegane Kreuzfahrt? Meine Gegenfrage: Warum geht man zum Italiener, Griechen, Vietnamesen oder Thailänder? Weil es gut ist. Aus demselben Grund bin ich – nun schon zum zweiten Mal – auf eine vegane Kreuzfahrt gegangen. Weil es gut ist.

veganer Afternoon Tea
Kuchenbuffet zum veganen Afternoon Tea

Natürlich gibt es stärkere Motivationen, vegan zu leben, als gutes Essen, vor allem: Tierwohl. Dem Thema begegnet man auf einer solchen veganen Kreuzfahrt hin und wieder. Darüber zu reden, gibt Denkanstöße. Vieles gäbe es dazu zu sagen, aber das überlasse ich Menschen, die sich mit diesem Thema besser auskennen als ein Reise- und Kreuzfahrtjournalist.

MS Joy
MS Joy in Linz

Für vegan oder auch vegetarisch lebende Menschen freilich ist noch ein anderer Grund sehr wichtig: Sie müssen sich eine ganze Woche lang keine Gedanken um dieses Thema machen. Alles, was sie an Bord bekommen, alles auf der Speisekarte ist automatisch vegan. Selbst vegane Kosmetik-Produkte sind vorhanden.

Was für eine Erholung, wenn man eben nicht ständig und bei jeder Mahlzeit nachfragen und kulinarische Kompromisse eingehen muss. Diesen für Veganer entscheidenden Aspekt habe ich im Beitrag „Vegane Kreuzfahrt – ein kulinarischer Selbstversuch mit Vegan Travel“ bereits ausführlich besprochen.

Panorama-Restaurant der Joy
Panorama-Restaurant der Joy

Vegan Travel nimmt auf seinen Vollcharter-Kreuzfahrten immer einen eigens engagierten, veganen Küchenchef mit an Bord, der sich vorab um die Lebensmittelbestellung, die Vegan-Schulung des Küchenpersonals und die Menüs kümmert. Auf dieser Reise war das der in der Schweiz lebende Thomas Glässing. Auch das war für mich ein spannendes Erlebnis auf dieser Reise: Zeit und Gelegenheit zu haben, sich mit dem Küchenchef zu unterhalten und sich Tipps für vegane Küche zu holen.

Rückblickend auf diese vegane Silvester-Reise würde ich persönlich eines aber nicht mehr tun: Im Winter auf eine Donau-Kreuzfahrt gehen. Wir hatten weitgehend Glück mit dem Wetter. Es war sonnig und hat nur vereinzelt etwas geschneit. Aber ich bin windempfindlich, zumindest wenn mir der Wind eiskalt um die Ohren fegt.

Budapest; meine warme Mütze habe ich ehrlicherweise nur kurz für das Foto abgenommen …

Bei aller Faszination, die besuchten Orte außerhalb der Hochsaison zu erleben (siehe Beitragsserie „Impressionen: Winterliche Neujahrs-Kreuzfahrt auf der Donau“): Ungemütliches Wetter bremst meine Entdeckerlust erheblich. Der innere Widerstand, nah draußen zu gehen, ist groß. Die Verlockung, bei einem warmen Tee oder Glühwein einfach in der Lounge des Kreuzfahrtschiffs sitzenzubleiben, ist enorm. Wäre ich private auf Urlaubsreise gewesen, hätte ich dieser Versuchung vermutlich oft nachgegeben.

Panorama-Lounge
Weihnachtliche Deko in der Panorama-Lounge der Joy

Deshalb: Auf eine vegane Kreuzfahrt gehe ich gerne wieder, probiere auch auf „normalen“ Kreuzfahrten immer häufiger die veganen Optionen aus (dazu demnächst noch ein eigener Beitrag), dann aber wieder in wärmeren Gefilden.

Portrait der Joy

Ein ausführliches Portrait der Joy, mit der wie eine Woche lang auf der Donau unterwegs waren, lesen Sie auf Carmens Cruisediary „Mit der MS Joy vegan ins Neue Jahr“. Bei cruisetricks.de finden Sie außerdem eine Bildergalerie der Joy.

MS Joy
MS Joy in Dürnstein

Anmerkung*: Cruisetricks.de reist auf der Joy auf Einladung von Vegan Travel.
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Cruisetricks.de reist auf der Joy auf Einladung von Vegan Travel.

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Über den Autor: FRANZ NEUMEIER

Franz Neumeier
Über Kreuzfahrt-Themen schreibt Franz Neumeier als freier Reisejournalist schon seit 2009 für cruisetricks.de und einige namhafte Zeitungen und Zeitschriften. Sein Motto: Seriös recherchierte Fakten und Hintergründe statt schneller Schlagzeilen und Vorurteile, damit sich jeder seine eigene Meinung bilden kann. TV-Reportagen zitieren ihn als Kreuzfahrt-Experten und für seine journalistische Arbeit wurde er mehrfach ausgezeichnet. Er wird regelmäßig in die Top 10 der „Reisejournalisten des Jahres“ gewählt und gewann mit cruisetricks.de mehrfach den „Reiseblog des Jahres“-Award.

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