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"sponsored by Oceania Cruises" - was bedeutet das fÞr cruisetricks.de?

Wenn der CO2-Emissionshandel nicht wirklich zur Dekarbonisierung beitrÃĪgt

Den besten klimafreundlichen Treibstoff fÞr die Zukunft in der Kreuzfahrt vorherzusehen, ist eine große Herausforderung fÞr alle Reedereien. NCL geht dabei einen anderen Weg als die meisten und setzt auf grÞnes Methanol statt LNG. Cruisetricks.de hat darÞber mit NCLHs Nachhaltigskeitsmanagerin Angela Stark gesprochen und dabei spannende Einblicke in die Strategie der Reederei erhalten. Und erfahren, warum aktuelle IMO- und EU-Regularien zum Klimaschutz sogar klimaschÃĪdliche Entwicklungen fÃķrdern kÃķnnten.

Angela Stark, Senior Vice President, Assistant General Counsel Securities, Sustainability & Compliance NCLH
Angela Stark, Senior Vice President, Assistant General Counsel Securities, Sustainability & Compliance NCLH (Bild: NCLH)

Es ist ein sehr ausfÞhrliches Interview mit Angela Stark geworden, das ich Ende MÃĪrz 2025 mit ihr auf der Norwegian Aqua gefÞhrt habe:offen, hinterfragend, mit tiefen Einblicken und deshalb sehr lesenswertes.

Denn Angela Stark erklÃĪrt nicht nur, warum NCL der LNG-Versuchung standhÃĪlt und stattdessen die lÃĪngerfristige Strategie mit Methanol einschlÃĪgt. Sehr offen beschreibt sie auch ihre Sorge um Fehlentwicklungen bei den europÃĪischen und internationalen Klimaschutz-Regularien. Und warum sie fÞrchtet, dass die hohen Kosten fÞr die Reedereien zum Kauf von CO2-Zertifikaten hÃķheren Klimaschutz-Investitionen im Weg stehen kÃķnnten.

Angela Stark verantwortet bei NCLs Muttergesellschaft Norwegian Cruise Line Holdings unter anderem den Bereich Nachhaltigkeit. Ihr voller Titel lautet „Senior Vice President, Assistant General Counsel Securities, Sustainability & Compliance“.

Warum betrachtet NCLH Methanol als einen wichtigen Kraftstoff fÞr die Zukunft?

Angela Stark: Es ist gut, dass Unternehmen verschiedene Wege gehen, so dass wir sehen kÃķnnen, was am besten funktioniert. Wir sind fÞr uns zu dem Schluss, dass Methanol der Weg in die Zukunft ist und dass grÞnes Methanol langfristig der beste Weg zu einem nahezu emissionsfreien Kraftstoff ist. Wir arbeiten bereits daran, die Beziehungen zu den Kraftstoffanbietern aufzubauen, um diese langfristig aktivieren zu kÃķnnen, sobald grÞnes Methanol in ausreichenden Mengen verfÞgbar ist und Schiffe in unserer Flotte es nutzen kÃķnnen.

„Ich verurteile keine anderen Reedereien, die einen anderen Ansatz gewÃĪhlt haben.“

Ich verurteile keine anderen Reedereien, die einen anderen Ansatz als Norwegian Cruise Line Holdings gewÃĪhlt haben. Ich denke, dass jeder, der nach langfristigen LÃķsungen auf dem Weg zur Dekarbonisierung sucht, etwas Bewundernswertes tut. Wir mÞssen uns alle darauf einstellen und abwarten, welche LÃķsungswege tatsÃĪchlich zielfÞhrend sind. Wir werden nie etwas vÃķllig abblocken und werden immer fÞr Alternativen offenbleiben. Und wenn sich herausstellt, dass ein anderer Weg der bessere ist, werden wir unsere Strategie anpassen.

Noch einmal konkreter: Warum haben Sie sich fÞr den schwierigeren Weg entschieden, wÃĪhrend alle anderen den augenscheinlich einfachen mit LNG gehen?

Angela Stark: Es geht nicht nur um die Kreuzfahrt. Wir mÞssen die gesamte Schifffahrtsbranche betrachten, um die Dekarbonisierung voranzutreiben. Das soll nicht heißen, dass nicht auch LNG von anderen Stakeholdern verwendet werdet wird. Aber wenn die gesamte Schifffahrtsindustrie sich fÞr grÞnes Methanol als alternativen Kraftstoff interessiert, dann wird diese Zugkraft mehrerer Akteure dazu beitragen, den Weg zu dafÞr zu ebnen. Und auf kurze Sicht sehen wir auch Biodiesel als BrÞckenkraftstoff, bis wir grÞnes Methanol verwenden kÃķnnen.

„Kreuzfahrtschiffe sind eine große Investition, wir halten uns also mehrere MÃķglichkeiten offen.“

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass wir Schiffe immer so bauen, dass wir zwei verschiedene Kraftstoffquellen zu nutzen kÃķnnen, wenn sie jeweils in einer Region verfÞgbar sind.  Das fÞnfte und sechste Schiff der Prima-Klasse, die voraussichtlich 2027 und 2028 in Dienst gestellt werden, werden Methanol-ready gebaut, sodass man sie, sobald grÞnes Methanol in ausreichenden Mengen verfÞgbar ist, nachrÞsten kann. Somit kÃķnnen diese Schiffe durch ihre Dual-Fuel-Motoren sowohl mit Marinediesel als auch Methanol betrieben werden.

Kreuzfahrtschiffe sind natÞrlich eine große Investition und wir halten uns also mehrere MÃķglichkeiten offen.

Wann wird grÞnes Methanol zu erschwinglichen Preisen, in den benÃķtigten Mengen und in den relevanten HÃĪfen verfÞgbar sein?

Angela Stark: Wir gehen ehrlicherweise davon aus, dass Methanol erst in den 2030er Jahren richtig durchstarten wird. Aber wir haben bereits jetzt GesprÃĪche mit Kraftstoffanbietern aufgenommen. Denn die mÞssen frÞhzeitig wissen, ob es sich lohnt, ein solche Projekt zu starten. Und wir wissen, dass es ein paar Jahre dauern kann, bis so ein Projekt in Gang kommt. Wir signalisieren also bereits jetzt die Nachfrage in Fahrtgebieten unserer Schiffe. Und wie ich bereits sagte, sind wir in der Zwischenzeit in der Lage, Biodiesel zur ÜberbrÞckung zu nutzen.

Ist Biodiesel jetzt schon verfÞgbar?

„Es ist ein Henne-Ei-Problem, das wir durch eine proaktive Vertragsstrategie in den Griff bekommen.“

Angela Stark: Wir haben ein wirklich großartiges Team fÞr die Kraftstoffbeschaffung. Und ich denke, der SchlÞssel ist, was die Hersteller uns sagen: ‚Wir kÃķnnen Biodiesel fÞr euch herstellen, aber wir brauchen die Nachfrage. Wir mÞssen wissen, dass ihr es kaufen werdet, wenn wir es produzieren.‘ Es ist also ein Henne-Ei-Problem, das wir aber durch eine proaktive Vertragsstrategie in den Griff bekommen.

Wir sind zuversichtlich, dass wir das auf lange Sicht schaffen kÃķnnen. Und nein, es ist vielleicht nicht an jedem Ort verfÞgbar. Vielleicht wird es einige Gebiete geben, in denen wir es mehr nutzen, und andere, in denen es nicht so leicht zugÃĪnglich ist. Aber wir sind sicher, dass wir, wenn wir diese Beziehungen weiter ausbauen, gut aufgestellt sein werden.

Sind denn die Mengen, die ein in Relation zum gesamten Energiemarkt sehr kleines Unternehmen wie NCL nachfragt, Þberhaupt groß genug fÞr die Produzenten, um ihre KapazitÃĪten auszubauen?

Angela Stark: Wir stoßen definitiv auf Interesse seitens Hersteller. Und ein positiver Aspekt dabei ist auch, dass in vielen Projekte, die wir fÞr uns als alternative Treibstoffe in ErwÃĪgung ziehen, Rohstoffe genutzt werden, die sonst als MÞll enden wÞrde.

Und ich denke, dass die Kreuzfahrt- und die Schifffahrtsbranche insgesamt die VerfÞgbarkeit sicherstellen werden. Außerdem gibt auch große Nachfrage aus der Luftfahrt.

FÞhrt so mÃĪchtige Konkurrenz nicht zu hohen Preisen, weil mehr Nachfrage als Angebot vorhanden ist?

Angela Stark: Deshalb beginnen wir schon jetzt proaktiv mit der Auftragsvergabe, damit wir frÞhzeitig einsteigen und den Vertragsprozess durchlaufen kÃķnnen, um sicherzustellen, dass wir abgesichert sind.

Wo genau gibt es Biodiesel derzeit und wo wird es in Zukunft verfÞgbar sein?

„Europa steht an der Spitze bei alternativen Kraftstoffen. Davon bin wirklich beeindruckt.“

Angela Stark: Ich wÞrde sagen, dass Europa eine unglaubliche Arbeit leistet. Europa steht an der Spitze bei alternativen Kraftstoffen. Davon bin wirklich beeindruckt. Einige der Anbieter aus Spanien legen eine unglaubliche Leidenschaft an den Tag und versuchen, einige unglaubliche Projekte auf den Weg zu bringen. Ich wÞrde also sagen, dass Europa der Ort ist, an dem wir das meiste Potential fÞr alternative Kraftstoffe sehen. Aber wir haben auch schon mit einigen Anbietern von alternativen Kraftstoffen in SÞdamerika gesprochen.

Europa ist recht fortschrittlich bei den Regularien. Ist das eine der Triebfedern fÞr alternative Kraftstoffe?

Angela Stark: Ja, das ist es sicherlich. Ich denke auch, dass die EuropÃĪer eine Leidenschaft fÞr Nachhaltigkeit haben und daran glauben.

Bereitet Ihnen das EU-Emissionshandelssystem ETS Sorgen wegen der hohen Kosten? Denn Sie werden ja noch eine Weile herkÃķmmliche Kraftstoffe nutzen und deshalb CO2-Zertifikate kaufen mÞssen â€Ķ

Angela Stark im Interview mit Franz Neumeier auf der Norwegian Aqua.
Angela Stark im Interview mit Franz Neumeier auf der Norwegian Aqua.

Angela Stark: Wir haben einen sehr vorausschauenden Planungsprozess eingeleitet. Wir versuchen, uns diese Zertifikate schon Jahre im Voraus zu sichern, um einen gÞnstigen Preis zu erzielen, und versuchen gleichzeitig, unsere Emissionen kontinuierlich zu reduzieren, was im Laufe der Zeit auch dazu beitrÃĪgt, die Kosten zu senken.

Was mich wirklich beunruhigt, ist, dass die RegulierungsbehÃķrden das Geld, welches sie durch Zertifikathandel unter anderem von der Kreuzfahrtindustrie erhalten, nicht vollstÃĪndig in die Dekarbonisierung reinvestieren.

Die Kreuzfahrtbranche hat in der Vergangenheit diesbezÞgliche weniger Lobbyarbeit in der EU betrieben, als sie es vielleicht hÃĪtten tun sollen. Wir versuchen, dies zu verbessern und sicherzustellen, dass wir einen guten Dialog mit der EU fÞhren, damit sie das versteht. Wenn das Geld also in einer Weise verwendet wird, die nicht wirklich zur Dekarbonisierung beitrÃĪgt, dann geschieht da etwas, das fÞr die Welt ein wenig kontraproduktiv ist.

Man kann also tatsÃĪchlich CO2-TermingeschÃĪfte fÞr mehrere Jahre im Voraus machen und sich gegen steigende Preise absichern?

Angela Stark: Ja, das kann man. Man kann Terminkontrakte abschließen. Man kann sie auch in einer Art Bank lagern, sie also schon frÞh kaufen und dann spÃĪter verwenden. Das ist sehr interessant. Man hat hier einen komplizierten Finanzmarkt geschaffen, damit das funktioniert. Aber wie ich schon sagte, hoffe ich, dass die RegulierungsbehÃķrden bei der Gestaltung dieser MÃĪrkte immer an das richtige Ziel denken, nÃĪmlich die Dekarbonisierung voranzutreiben.

„Manchmal sind solche Konzepte wirklich gut gemeint, aber (…) sie fÃķrdern nicht die richtigen Verhaltensweisen. “

Manchmal sind solche Konzepte wirklich gut gemeint, aber manchmal tun die Vorschriften dennoch nicht das, was wir denken, dass sie tun werden. Sie fÃķrdern nicht die richtigen Verhaltensweisen. Der CII (Anmerkung der Redaktion: IMOs „Carbon Intensity Indicator“) ist ein gutes Beispiel dafÞr.

Eines unserer effizientesten Schiffe – ich verrate nicht, welches – fÃĪhrt sehr langsam und legt keine großen Entfernungen zurÞck. Der CII fÞr dieses Schiff suggeriert aber, es sei ein sehr umweltschÃĪdliches Schiff, was es aber nicht ist. Es ist eines unserer Schiffe mit der besten Leistung. Aufgrund der Art und Weise, wie die derzeitige Formel fÞr den CII funktioniert, mÞssten wir das Schiff eigentlich mehr fahren und mehr Emissionen verursachen, um die Leistung des Schiffes gemessen am CII zu verbessern.

Sind die Vorschriften der IMO und der EU hilfreicher? Oder verlangsamen sie eher den Prozess der Dekarbonisierung, speziell in der Kreuzfahrt?

„ Mir fallen nicht viele andere Branchen ein, die so stark reguliert sind.“

Angela Stark: Ich glaube, dass die Kreuzfahrt und die Schifffahrt im Allgemeinen bei der Nachhaltigkeit eine der am stÃĪrksten regulierten Branchen ist. Mir fallen nicht viele andere Branchen ein, die so stark reguliert sind. Die Tatsache, dass so viele Vorschriften so schnell in Kraft getreten sind, hat dafÞr gesorgt, dass die Branche wirklich aufmerksam war und sich sehr bemÞht hat, die neuen Regularien zu erfÞllen. Aber ich glaube, dass die Art und Weise, wie einige der Vorschriften konzipiert wurden, vielleicht nicht das gewÞnschte Ergebnis bringt.

Ein Beispiel, dass ich bereits genannt habe, ist die Tatsache, dass wir viel Geld in das EU-Emissionshandelssystem einzahlen, ohne dass vollkommen klar ist, ob es wirklich dazu verwendet wird, um DekarbonisierungsbemÞhungen voranzutreiben.

Erwarten Sie, dass die Vorschriften wie CII oder ETS irgendwann geÃĪndert werden, um die besondere Situation der Kreuzfahrtindustrie besser zu berÞcksichtigen?

Angela Stark: Was den CII angeht, so glaube ich, erkennt die IMO jetzt, dass die Vorschrift gut gemeint war, dass es aber Probleme fÞr Kreuzfahrtschiffe gibt. Ich denke, dass sie die Regularien irgendwann an die umfassenderen IMO-Vorschriften anpassen werden.

„… doppelte Besteuerung in bestimmten Bereichen (…). Das ist besorgniserregend.“

UnabhÃĪngig von der Art des Abgabensystems oder der Kraftstoffnorm, die sie sich ausdenken, habe ich aber die BefÞrchtung, dass wir in eine Situation geraten werden, in der es eine Weile dauert, bis anderen Regularien ebenfalls korrigiert werden und wir am Ende im Grunde eine doppelte Strafe oder eine doppelte Besteuerung in bestimmten Bereichen haben werden. Das ist besorgniserregend.

Die Unternehmen sollen sich darauf konzentrieren kÃķnnen, das Geld fÞr die Projekte auszugeben, die sie benÃķtigen. Ich hoffe also, dass es eine gute Koordination zwischen der IMO und den Regierungen geben wird. Aber ich habe die BefÞrchtung, dass das passieren kÃķnnte.

Derzeitige Regularien orientieren sich am tank-to-wake-Prinzip, womit grÞnes Methanol oder Biodiesel im Nachteil sind. Sehen Sie, dass sich das ÃĪndern wird?

Angela Stark: Ja, das verstehe ich nicht. FÞr uns als Unternehmen war es immer nur logisch, dass wir uns mit well-to-wake befassen. Man kÃķnnte in eine Situation geraten, in der man die Dinge viel schlimmer macht und nicht besser.

… so wie es gerade, zumindest nach Sichtweise von UmweltverbÃĪnden, mit LNG geschieht …

Angela Stark: Wie ich schon sagte, urteile ich nicht Þber die anderen Kreuzfahrtunternehmen, und sie haben ja auch weiterfÞhrende PlÃĪne. Aber bei NCLH denken wir bei allem, was wir tun, an den gesamten Lebenszyklus. Ich denke, die Welt wird irgendwann dahin kommen. Es gibt also keinen Grund fÞr mich, dies nicht schon jetzt zu berÞcksichtigen, um mich dann spÃĪter korrigieren zu mÞssen.

Wenn ich mir die neue US-Regierung ansehe – keine Sorge, ich will nicht politisch werden. Gehen Sie von einer Lockerung der Vorschriften aus? Wird es leichter sein, mit Greenwashing durchzukommen?

Angela Stark: Ich denke, in den USA wird das Thema Nachhaltigkeit wahrscheinlich fÞr eine unbestimmte Zeit nicht mehr so stark im Vordergrund stehen. Zumindest fÞr eine Weile.

„Ich kann kein Schiff nur fÞr die USA betreiben, denn das ist nicht der einzige Ort, an den wir fahren.“

Wir sind ein globales Unternehmen. Ich kann kein Schiff nur fÞr die USA betreiben, denn das ist nicht der einzige Ort, an den wir fahren. Ich muss auf globaler Basis denken. Ich weiß also nicht, ob die aktuelle Situation wirklich etwas daran ÃĪndert, was wir als Unternehmen tun. Das Einzige, was ich sagen wÞrde, ist, dass sich dadurch einige der Projekte, die wir in den USA ins Auge gefasst haben, verzÃķgern kÃķnnten.

Der EU-Emissionshandel kÃķnnten dazu verleiten, ineffizientere Schiffe einfach nicht in der EU einzusetzen. Gelockerte Vorschriften in den USA kÃķnnten ein solches Verhalten fÃķrdern, oder?

Angela Stark: Das stimmt. Es gab Projekte, von denen wir in den USA begeistert waren und ich denke, dass sie in nÃĪchster Zeit an Bedeutung verlieren werden. Aber im Großen und Ganzen werden wir durch die IMO reguliert, die uns Þberall hin begleitet. Und wir wollen natÞrlich auch weiterhin nach Europa fahren kÃķnnen und werden uns letztendlich an alle Regularien halten, um dies weiterhin zu tun.

Wie wichtig sind Investitionen in Nachhaltigkeit fÞr eine bÃķrsennotiertes Unternehmen wie NCLH? AktionÃĪre wollen doch vor allem Gewinne sehen â€Ķ

Angela Stark: Wir sind sehr stark darauf fokussiert. Denn wie ich schon sagte, sind wir ein globales Unternehmen. Ich will nicht morbide klingen, aber Klimawandel hat Auswirkungen auf das wirkliche Leben, auch Auswirkungen auf das Wetter. Wir mÞssen uns also damit befassen. Langfristig kÃķnnen wir die Natur nicht ignorieren.

Die Kreuzfahrtindustrie hat ja versucht, das Thema zu ignorieren…

Angela Stark: Das stimmt. Aber ich glaube, in den letzten Jahren wurde es nicht mehr ignoriert.

Anders formuliert: Die Kreuzfahrtindustrie dachte, zumindest eine Zeit lang, dass sie damit durchkommen wÞrde, so wenig wie mÃķglich zu tun.

„ Es hat eine Weile gedauert, bis alle akzeptiert haben, dass das real ist, dass es nicht verschwinden wird.“

Angela Stark: Ich sehe das so: Das ist, relativ gesehen, ein neues Problem fÞr die Menschheit. Es hat eine Weile gedauert, bis alle akzeptiert haben, dass das real ist, dass es nicht verschwinden wird. Vielleicht hatten die Menschen anfangs das Wunschdenken, es sei nicht real. Aber ich denke, mit der Zeit, wenn sich das Wetter ÃĪndert und unvorhersehbar wird, erkennen die Menschen, dass wir das nicht einfach ignorieren kÃķnnen.

Und fÞr unser Unternehmen ist das sehr wichtig. Ich habe nicht das GefÞhl, dass wir diesen Schwerpunkt vernachlÃĪssigen.

Wir danken Angela Stark fÞr das offene, ausfÞhrliche und informative Interview.

3 Kommentare

Über den Autor: FRANZ NEUMEIER

Franz Neumeier
Über Kreuzfahrt-Themen schreibt Franz Neumeier als freier Reisejournalist schon seit 2009 fÞr cruisetricks.de und einige namhafte Zeitungen und Zeitschriften. Sein Motto: SeriÃķs recherchierte Fakten und HintergrÞnde statt schneller Schlagzeilen und Vorurteile, damit sich jeder seine eigene Meinung bilden kann. TV-Reportagen zitieren ihn als Kreuzfahrt-Experten und fÞr seine journalistische Arbeit wurde er mehrfach ausgezeichnet. Er wird regelmÃĪßig in die Top 10 der „Reisejournalisten des Jahres“ gewÃĪhlt und gewann mit cruisetricks.de mehrfach den „Reiseblog des Jahres“-Award.

3 Gedanken zu „Wenn der CO2-Emissionshandel nicht wirklich zur Dekarbonisierung beitrÃĪgt“

  1. Auch andere Reeder planen mit Methanol-Schiffsmotoren
    Nicht nur Norwegian Cruise Line setzen auf umweltfreundliches grÞnes Methanol als kÞnftigen Kraftstoff, sondern auch andere Reeder, die teilweise entsprechende Schiffe im fortgeschrittenen Versuchsstadium betreiben. So hat die weltweit grÃķßte Container-Reederei Maersk in DÃĪnemark aktuell 25 Methanol-Containerschiffe in Auftrag gegeben. An den beiden fÞhrenden europÃĪischen Motorenherstellern Energy Solutions (Deutschland/DÃĪnemark) und WÃĪrtsilÃĪ Diesel (Finnland) liegt es jedenfalls nicht, wenn – leider – immer noch zahlreiche Schiffe, auch Kreuzfahrtschiffe, mit fossilen Kraftstoffen laufen – denn diese Unternehmen entwickeln und fertigen sowohl großbohrige Methanol- als auch Ammoniakmotoren. Schade nur, dass bis jetzt weniger PrioritÃĪt auf die Entwicklung von Wasserstoff-Verbrennungsmotoren gelegt wird.
    Wer heute immer noch Schiffsmotoren fÞr die Verbrennung von LNG favorisiert, beschreitet aus KlimaschutzgrÞnden einen Irrweg. Auch der Biodiesel steht in der Kritik, nicht nur, weil er, wenn Þberhaupt, nur einen unbedeutenden Beitrag zum Klimaschutz leistet. Sein Netto-Energieinhalt ist kleiner als der von Diesel, der Umwandlungsprozess ist aufwendig und teuer, die VerfÞgbarkeit ist begrenzt und durch den Anbau der Ausgangspflanzen (z.B. Raps) auf riesigen KulturflÃĪchen gehen wertvolle AckerflÃĪchen verloren, auf denen keine Pflanzen fÞr den Verzehr mehr angebaut werden kÃķnnen.
    Dass Reeder (ab 2027) vom Zwang, bei stark emittierenden Schiffen im Rahmen des neuen IMO-Rahmenwerks zur Emissionsreduktion in der Schifffahrt Kompensationszahlungen leisten bzw. teure und knappe Verschmutzungszertifikate kaufen mÞssen, ist gerechtfertigt. Lange genug war Zeit, auf emissionsarme Schiffsantriebe umzustellen.
    Horst KÃķhler, http://www.klimawandel-report.com

  2. Dem ist wenig hinzuzufÞgen. Nur ein paar kurze Anmerkungen: Klar beschÃĪftigen sich Reedereien auch außerhalb der Kreuzfahrt mit Methanol, aber bei cruisetricks.de fokussiere ich mich eben auf die Kreuzfahrt, die ja in mancher Hinsicht auch eigene Bedingungen hat, die nicht mit denen der Fracht und Containerschifffahrt deckungsgleich sind.
    In der Kreuzfahrt haben sich neben NCL bislang TUI Cruises mit der Mein Schiff 7, Celebrity Cruises mit der Celebrity Xcel, die im Herbst 2026 in Dienst gehen soll, sowie Disney mit der fÞr Dezember 2025 geplanten Disney Adventure (grÞnes) Methanol Ãķffentlich zu Methanol bekannt, zumindest einen Teil der Flotte oder einzelne Schiffe. Da Methanol auch eine Option fÞr die UmrÞstung bestehender Motoren ist, kann man, denke ich, davon ausgehen, dass es da mehr Projekte geben wird, sobald eine gewisse VerfÞgbarkeit von grÞnem Methanol absehbar ist.
    Ein Aspekt geht mir in Ihrer Argumentation denn auch ein wenig unter: die VerfÞgbarkeit (sowohl Menge als auch wirtschaftlich vertretbare Preise) von alternativen Kraftstoffen und die damit einhergehende Planbarkeit und Investitionssicherheit (beziehungsweise eben die Nicht-Planbarkeit und Investitions-Unsicherheit). Da versucht die EU mit FuelEU Maritime und wohl jetzt auch die IMO anzusetzen, aber das dauert leider seine Zeit, bis es Wirkung entfaltet.

  3. GrÞnen Strom gibt es fast im Überfluss ….
    Es stimmt, dass die Produktion von nicht-fossilen (Schiffs-)Kraftstoffen ÃĪußerst kostenintensiv ist. Doch wenn es darum geht, Treibhausgas-Emissionen krÃĪftig zu reduzieren um die ErderwÃĪrmung zu begrenzen und damit die HÃĪufigkeit folgenschwerer Wetterkatastrophen zu mindern, dÞrfen Kosten nur zweitrangig sein.
    Dabei haben wir grÞnen Strom fast im Überfluss, aber er kann bisher wegen unzureichender Netze und fehlender Abnehmer nicht genutzt und nicht gespeichert werden. Erneuerbare werden nÃĪmlich zu bestimmten Zeiten gezielt abgeregelt, gerade dann, wenn Windkraft- und PV-Anlagen am effizientesten arbeiten. Die Betreiber der abgeregelten Anlagen kÃķnnen den Wind- bzw. Solarstrom dann nicht einmal fÞr die eigene Versorgung nutzen und mÞssen Netzstrom beziehen. Die EinspeisegebÞhren sinken von Jahr zu Jahr, um die PV-Betreiber dazu zu bringen, weniger einzuspeisen und deutlich stÃĪrker als bisher auf Eigenverbrauch zu setzen.
    Die abgeregelten Strommengen sind gigantisch; so wurden beispielsweise in Deutschland im Jahr 2023 fast 11.000 GWh grÞner Energie abgeregelt und damit nicht genutzt.
    Dabei wÃĪre es denkbar einfach, ÞberflÞssigen grÞnen Strom zur Herstellung von nicht-fossilen Kraftstoffen aufzubrauchen. Man kÃķnnte neben einer Gruppe von Windkraftanlagen und neben jeder großen PV-Farm jeweils einen Ãķrtlichen Elektrolyseur betreiben, um damit grÞnen Wasserstoff herzustellen, den man mit TankwÃĪgen zur nÃĪchsten Tankstelle fÞr PKWs und LKWs bzw. zu BahnhÃķfen oder auch zu BinnenhÃĪfen befÃķrdern kÃķnnte. Warum wird dies nicht realisiert? ZÃķgernde Investoren und unschlÞssige Politik sind die Antwort.
    Horst KÃķhler, http://www.klimawandel-report.com

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