Karibik-Kreuzfahrt buchen in der Hurrikan-Saison?
Sturm nahe den Bermudas 1995 (Bild: NASA Johnson Space Center)
Kreuzfahrten in der Karibik sind in den Sommer-Monaten besonders günstig – wenn da nicht die ständige Gefahr von tropischen Stürmen und Hurrikans wäre. Wie riskant ist es aber wirklich, eine Karibik-Kreuzfahrt in der Hurrikan-Saison zu buchen?
Ein Kreuzfahrtschiff ist der ideale Urlaubsort für eine Karibik-Reise während der Hurrikan-Saison. Denn die Schiffe weichen schlechtem Wetter einfach aus. Mit etwas Planung und Voraussicht bekommt man vor allem von Juli bis September sehr günstige Karibik-Kreuzfahrten bei – realistisch betrachtet – nur geringem Risiko.
Droht tatsächlich ein Hurrikan im Fahrtgebiet eines Kreuzfahrtschiffs, wechselt die Kreuzfahrtgesellschaften häufig einfach nur von einer Standard-Route auf die andere – von westliche auf östliche Karibik oder umgekehrt. Im schlimmsten Fall entfallen einzelne Hafen-Stopps und man hat zusätzliche See-Tage – diese dafür in einem Fahrtgebiet mit ruhigem Wasser bei schönem Wetter. Bei einem heranziehenden Hurrikan müssen alle Kreuzfahrtschiffe in dem Gebiet umdisponieren, sodass in den Ausweich-Häfen oft nicht immer genug Kapazitäten für zusätzliche Schiffe vorhanden sind.
Reisepreis-Minderung gibt es bei Routen-Änderungen oder Ausfall von Hafen-Stopps nicht, über die Reisebedingungen sichern sich die Kreuzfahrtgesellschaften hier ab. Und schließlich kann die Gesellschaft für einen Hurrikan ebensowenig etwas wie die Passagiere.
Was passiert, wenn ein Kreuzfahrtschiff in einen Hurrikan gerät?
Ausläufer eines Hurrikans, gesehn von einem Kreuzfahrtschiff aus (Bild: Natalie Wilkie)
Diese Situation ist eher theoretischer Natur, denn Kreuzfahrtschiffe haben eine Höchstgeschwindigkeit von 22 bis 25 Knoten (ca. 46 km/h), Hurrikans bewegen sich in der Regel mit etwa 8 bis 10 Knoten (ca. 19 km/h) weiter. Ein Kreuzfahrtschiff kann einem tropischen Sturm oder Hurrikan also bequem davonfahren. Lediglich wenn der Antrieb des Schiffs komplett ausfallen sollte (wie bei der Carnival Tropicale 1999 passiert), kann es eng werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass Hurrikan und Maschinenausfall zusammentreffen, ist sehr gering.
Tipps für Karibik-Kreuzfahrten im Sommer
Das Wichtigste: Planen Sie 2 oder 3 Puffer-Tage bei An- und Abreise ein. Dann sind Sie flexibel genug, wenn beispielsweise ein Flughafen wegen eines Hurrikans vorübergehend geschlossen sind.
Vergleichen Sie, was eine Flugbuchung direkt über die Kreuzfahrtgesellschaft kostet. Gerade im Sommer sind deren Angebote gar nicht so schlecht. Und ein paar Euro mehr sind das reduzierte Risiko vielleicht wert. Denn die Kreuzfahrtgesellschaft wird sich intensiv darum bemühen, dass Sie das Schiff erreichen, wenn bei den Flügen etwas schief geht.
Gerade in Florida bietet sich als Vor- und Nachprogramm ohnehin der Besuch einer der berühmten Vergnügungsparks wie Disney World, Universal Studios, Sea World oder die ganz neue Harry Potter World in Orlando an. Die Parks haben im Hochsommer Nebensaison, sind deshalb relativ günstig und haben oft Special-Angebote. Für Spar-Angebote in Disney World empfiehlt sich die Website Mousesavers.com. Allerdings ist das nichts für hitzeempfindliche Menschen – in den Sommermonaten ist es in Südflorida heiß, feucht und das Regen-Risiko ist deutlich erhöht. Aber ehrlich: Wer stört sich wirklich nachhaltig an einem Platzregen bei 30 Grad im Schatten?
Wenn Sie trotz aller Vorsicht und Vorausplanung merken, dass Sie das Schiff wegen Flug-Verspätungen oder anderen Hurrikan-Auswirkungen vielleicht nicht mehr erreicht werden: Rufen Sie bei der Hotline der Kreuzfahrtgesellschaft an. Oft haben die Kreuzfahrtgesellschaften noch Optionen, Sie rechtzeitig aufs Schiff zu bringen.
Eine Reiserücktrittversicherung (die ohnehin sinnvoll ist) wird dagegen in der Regel nichts nützen. Zwar ist ein Reiserücktritt laut ADAC denkbar, wenn ein Hurrikan ein Urlaubsziel stark verwüstet hat oder ein bevorstehender Hurrikan das Reiseziel unmittelbar bedroht. Ein Kreuzfahrtschiff wird aber fast immer Alternativ-Routen anbieten, die vom Sturm nicht betroffen sind.
Hurrikan-Saison und Risiko-Zeiten
Offiziell dauert die Hurrikan-Saison im Atlantik von 1. Juni bis 30. November. Die Kernzeit mit dem höchsten Risiko sind die Monate August, September und Oktober. In diesen Monaten treten statistisch gesehen 78% der tropischen Stürme, 87% der schwächeren und 96% der stärkeren Hurrikans auf. (Quelle: About.com). Anfang bis Mitte September treten – wiederum statistisch betrachtet – innerhalb der Saison am häufigsten Hurrikans auf.
Besonders betroffen sind die Inseln der Karibik, der Golf von Mexiko sowie die Küsten von Florida. Auch Bermuda und die Bahamas liegen innerhalb der Hurricane Alley.
Von den großen Kreuzfahrthäfen sind besonders Miami und Fort Lauderdale/Port Everglades. Aber auch Orlandos Kreuzfahrthafen Port Canaveral bekommt gelegentlich einen Hurrikan ab.
Als eher Hurrikan-sichere Karibik-Gebiete gelten nur Aruba, Bonaire, Curacao, Trinidad, Tobago. Sie liegen nah zum Festland ohnehin nur am Rand der Hurrikan-Zone und sind nur sehr selten betroffen. In der östlichen Karibik und die Ostküste der USA scheint das Hurrikan-Risiko Mitte August bis Mitte September am höchsten zu sein; in der westlichen Karibik, Mexiko und Belice treten die heftigeren Stürme tendenziell eher erst ab Mitte September auf.
Übrigens: Auch weiter im Norden wirken sich Hurrikans nicht unerheblich aus. Die Stürme ziehen abgeschwächt weiter und sterben erst über dem Nord-Atlantik. Auch eine Transatlantik-Kreuzfahrt im Spätsommer kann also durchaus unruhig werden, wenn ein ehemaliger Hurrikan heranzieht
Hurrikan-Vorhersagen für die 2010-Saison
Kann man die Hurrikan-Wahrscheinlichkeit für eine komplette Saison vorausberechnen? Zwei Forschungseinrichtungen probieren das jedes Jahr – mit relativ geringer Treffergenauigkeit. Nach einer schwachen Hurrikan-Saison 2009 sind sich aber sowohl die Forscher des britischen Tropical Storm Risk als auch das Tropical Meteorology Project der Colorado State University einig: 2010 wird ein überdurchschnittlich aktives Hurrikan-Jahr. Freilich fehlt in beiden Studien nicht der Hinweis eine recht geringe Treffsicherheit der Vorhersagen.
Laut Colorado State University liegt die Wahscheinlichkeit, dass mindestens ein Hurrikan der Kategorie 3, 4, oder 5 über die Karibik hinwegzieht dieses Jahr bei 58% – der Durchschnitt des letzten Jahrzehnts liegt bei 42%. Für einen Landfall eines Hurrikans an der Ostküste der USA sehen die Forscher eine Wahrscheinlichkeit von 69%, also ebenfalls oberhalb des Durchschnittswert, der bei 52% liegt.
Tropical Storm Risk sieht für 2010 ein 60% höheres Risko als im Durchschnitt der Jahre 1950-2009. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Voraussage überdurschnittlicher Sturm-Aktivitäten über dem Atlantik 2010 stimmt, beträgt übrigens 77%. Denn auch die Wahrscheinlichkeit der Wahrscheinlichkeit berechnen Forscher in solchen Fällen gern.
Salopp ausgedrückt: Statistisch betrachtet könnte es sein, dass es 2010 mehr Hurrikans gibt als im Durchschnitt. Oder auch nicht. Da auch in durchschnittlichen Jahren Kreuzfahrtschiffe nur recht selten ernsthaft von Hurrikans beeinträchtigt sind, scheint und das Risiko für eine Karibik-Kreuzfahrt im Sommer insgesamt doch recht gering zu sein. Auch 2010.
Wenn die Kreuzfahrt näher rückt, gibt es übrigens beim National Weather Service präzise und ausführliche Hurrikan-Vorhersagen und Vorausberechnungen für den Weg, den ein Hurrikan jeweils geht: National Hurricane Center.
Ihre Meinung?
Haben Sie schon einmal eine Karibk-Kreuzfahrt im Sommer gebucht? Wie waren ihre Erfahrungen? Wieviele Regentage und Sturm hatten Sie?
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Ahoi,
prima… endlich mal jemand, der mit diesem Vorurteil aufräumt. Sowohl berufsbedingt als auch privat habe ich schon öfter den Sommer als Karibik-Kreuzfahrt-Zeit ausgewählt. Und nie bereut…
Einmal vor vielen Jahren wurde es an Bord der Star Clipper auch etwas unruhig und der Starthafen musste verlegt werden, aber es war eine wunderbare Reise mit traumhaften Wolkenbildern.
Auch letzter Sommer wurde wunderbar, denn wir hatten an keinem Tag Regen, der begann immer dann pünktlich, wenn wir gerade die Insel, den Hafen verlassen hatten. Lediglich bei der Planung waren wir etwas fürsorglich mit extra Tagen vor und nach der Cruise, schwererem Mietwagen und auf Key West fest gemauertem statt hölzern-nostalgischem Hotel.
Also nur keine Scheu… auf dem Schiff ist es bei aufkommenden Hurrikans im Zweifel sicherer als an Land.
Ahoi