Kommentar: Die sauberste Abgasschleuder der Welt

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Schornstein der AIDAprima

Schornstein der AIDAprima

Der Nabu hat wieder zugeschlagen: „Messungen des Nabu entlarven AIDAprima als Abgasschleuder“. Bravo! Selbst die AfD schafft es nicht, die Ängste und Vorurteile ihrer Anhänger effizienter zu missbrauchen, Realitäten zu verdrehen und populistisch an den eigentlichen Problemen vorbei zu reden.

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Ich bin es so leid, beim Thema Umweltschutz immer wieder für die Reedereien Partei ergreifen zu müssen. Aber solche Schlagzeilen schreien regelrecht danach.

Die Kreuzfahrt ist keine saubere Industrie. Trotz aller großer Fortschritte nicht. Aber billige Propaganda und Effekthascherei löst die Probleme nicht. Sie bringt lediglich die Diskussion auf ein Stammtisch-Niveau, das nicht im Geringsten geeignet ist, komplexe Zusammenhänge und schwierige technische und regulatorische Herausforderungen zu überwinden.

Am liebsten würde ich die jüngste Kampagne des Nabu einfach ignorieren. Geht aber leider nicht – denn die Nabu-Veröffentlichungen hetzen auf und verunsichern. Meine Leser würden mir vorwerfen, ein kritisches Thema nicht aufzugreifen, negative Aspekte der Kreuzfahrt zu unterschlagen.

Also bitte, dann schreibe ich eben etwas dazu. Aber ich weigere mich, die Propaganda des Nabu wiederzugeben, nur weil man von mir kritische Worte zum Umweltschutz in der Kreuzfahrt erwartet. Wer die Nabu-Pressemitteilung nachlesen will: hier.

Der Nabu kritisiert, dass die AIDAprima entgegen den Versprechungen der Reederei Rußpartikel nicht filtert. Für sich betrachtet, ist das richtig. Was der Nabu verschweigt: AIDA darf den Filter derzeit aus rechtlichen Gründen nicht einsetzen, weil die Anlage behördlich noch nicht abgenommen und genehmigt ist. Nicht optimal, aber ein ganz normaler Vorgang. Es handelt sich bei dem Mehrfachfilter der AIDAprima um eine neu entwickelte Technik, die erstmals auf einem Schiff eingesetzt wird – da sind Genehmigungen nicht einfach per Stempel beim Amt zu bekommen.

Die angeblich so erschreckend hohe Partikel-Konzentration hat der Nabu nach eigenen Angaben „in der Abgasfahne des Schiffs“ gemessen. Dort sei die Partikel-Konzentration achtmal so hoch wie die „Hintergrundbelastung“ im Hamburger Hafen – also dessen Normalzustand. AIDA kommentiert: „Die Messungen des NABU sind nicht seriös. Sie entbehren jeder wissenschaftlichen Grundlage und sind kein anerkanntes Prüfverfahren.“

Denken wir darüber einfach mal mit gesundem Menschenverstand nach: Weil die Filteranlage der AIDAprima noch nicht genehmigt und damit nicht einsatzfähig ist, fährt das Schiff mit MGO, landläufig als Marinediesel bezeichnet, das gesetzeskonform weniger als 0,1 Prozent Schwefel enthält. (Nebenbei bemerkt: Das ist der Treibstoff, den der Nabu lange als Ersatz für Schweröl gefordert hat.) Mit dem gleichen Treibstoff fahren, weil es Vorschrift ist, auch alle anderen Schiffe im Hamburger Hafen und auf der Elbe (außer sie nutzen Schweröl plus genehmigten Filter). Ist es da nicht logisch, dass auch die Abgaswerte all dieser Schiffe sehr ähnlich sind?

Was sollen uns also die Nabu-Zahlen „150mal über den Werten sauberer Luft“ und „um den Faktor acht über der ohnehin schon hohen Hintergrundbelastung im Hafengebiet“ sagen? Einzig logischer Kontext für mich ist: „Wir haben absichtlich an einer Stelle gemessen, an der bei den anderen Schiffen nicht gemessen wird, um für unsere Effekthascherei und Panikmache eine Schlagzeile aus etwas zu erzeugen, das absolut nichts Außergewöhnliches ist.“

Ist die hohe Feinstpartikel-Belastung in Hamburger Hafen schön? Natürlich nicht, daran muss dringend etwas geändert werden! Aber ist die AIDAprima daran Schuld? Sicher nicht! Denn sie hat einen Filter, der genau dieses Problem zumindest deutlich reduzieren kann. Die anderen Schiffe rundherum haben das nicht. Aber weil die behördliche Genehmigung für die Filter der AIDAprima noch fehlen, drischt der Nabu pünktlich zum Hafengeburtstag und zur bevorstehenden Schiffstaufe auf AIDA ein, weil er weiß, dass er in diesem Umfeld eine große Menge an Menschen erreicht, die solche Propaganda nicht hinterfragt und mangels Detailkenntnis nicht einschätzen kann.

Ergebnis: Die Menschen verdammen ausgerechnet das Kreuzfahrtschiff, das in Sachen Umweltschutz die derzeit weitaus fortschrittlichste Technik aller Kreuzfahrtschiffe aufweisen kann. Ist das nicht absurd?

Mindestens aber ist es verantwortungslos, als Umweltschutzverband, der eine hohe Glaubwürdigkeit in der Bevölkerung genießt, die Realität derart zu verbiegen und damit eine sachliche Auseinandersetzung mit der Umweltproblematik in der Schifffahrt unnötig zu erschweren. Stammtisch-Argumente haben noch nie komplexe Probleme gelöst, sondern festigen Vorurteile. Das ist wie bei der AfD: Man nimmt billigend in Kauf, dass Tatsachenverdrehungen und zwischen den Zeilen angedeutete Zusammenhänge als Fakten rezipiert werden und dann einer echten Problemlösung nachhaltig im Wege stehen. Danke, Nabu, für diesen Bärendienst am wahren Umweltschutz.

Übrigens: Die Genehmigungen für den LNG-Betrieb der AIDAprima in den Häfen liegen laut AIDA inzwischen überall vor, der den LNG-Betrieb wird in den Häfen bereits getestet. Die „Abgasschleuder“ AIDAprima ist damit das weltweit einzige Kreuzfahrtschiff, das im Hafen mit relativ sauberer Energie aus Flüssiggas agiert. Immerhin rund 40 Prozent ihrer gesamten Betriebszeit liegt die AIDAprima im Hafen.

Aber das zählt ja nicht. Hauptsache, der Nabu kann sich pünktlich zum Hamburger Hafengeburtstag mit höchst fragwürdigen Schlagzeilen profilieren.

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16 Kommentare zu Kommentar: Die sauberste Abgasschleuder der Welt

  1. Mathias K. on Mai 6, 2016 at 5:09 pm

    Ebenso wie Dir ist mir dieses, vom NABU immer wieder dramatisierte, Thema leid! Geht es nach dem NABU müsste ich schon seit Jahren unter der Erde liegen (Fahre jetzt über 6 Jahre zur See und bin somit Tag ein Tag aus den Abgasen ausgesetzt)…
    Einmal abgesehen davon das jeder halbwegs intelligente Mensch die Panikmache als verdrehte Lügerei entlarfen kann belustigen mich in NABU Videos zu vielen (Teils wirklich interessanten) Themen die Werbeeinblendung: Mit freundlicher Unterstützung durch VW-Automobilwerke-Wolfsburg ………
    Das bedarf wohl kaum einen weiteren Kommentar

  2. Kreuzfahrtfan on Mai 6, 2016 at 5:16 pm

    Lieber Franz,

    dies ist meiner Meinung nach einer deiner besten Artikel (deine Artikle sind immer gut!). Ich bin auch entsetzt darüber, wie ein Umweltschutzverein so etwas machen kann. Ich selber habe oft das Gefühl, dass der Nabu sich mit Schiffen und deren Technik gar nicht auskennt. AIDA tut nun ja fast alles mögliche, das Schiff so sauber zu betreiben wie nur möglich.

    Liebe Grüße und vielen Dank

  3. Franz Neumeier on Mai 6, 2016 at 7:24 pm

    Ursprünglich dachte ich auch einmal, dass dem Nabu einfach das nötige Wissen fehlt, um die Dinge beurteilen zu können. Aber ich hatte vor einigen Jahren schon einmal einen Kommentar zu einem ähnlichen Thema verfasst und bin darauf in mit Nabu ins Gespräch gekommen, habe mich mit den Verantwortlichen in Berlin getroffen. Dabei wurde schnell klar, das die Leute dort ziemlich genau wissen, wovon sie sprechen und wenn man deren Website genauer durchforstet, findet man auch sehr detailliere, interessante Unterlagen, aus denen gut Sachkenntnis erkennbar ist.

    Nein, da steckt Absicht dahinter. Und wäre es nicht so traurig, müsste man den Nabu für seine PR-Leistung durchaus loben, die machen das sehr geschickt: Durch Überzeichnung und Schwarz-Weiß-Malerei, Verschweigen von relativierenden Aspekten, geschicktes Suggerieren von falschen Zusammenhängen, ohne es explizit auszusprechen, verschaffen sie sich viel Aufmerksamkeit und in der heutigen, hektischen Medienwelt wird dann oft nicht mehr hinterfragt, was ein vermeintlich renommierter Umweltschutzverband behauptet.

    Bis zu einem gewissen Grad kann ich’s ja sogar verstehen. Nur sind die Konsequenzen halt trotzdem fatal und der Sache einfach nicht zuträglich. Die Sache des Nabu ist gut, die Methoden allerdings finde ich haarsträubend.

  4. Wolfgang Schulz on Mai 8, 2016 at 10:19 am

    Ja, es ist nötig, das so deutlich zu sagen. Es ist bekannt, dass die neuen Filter noch nicht benutzt werden dürfen, dann Messungen zu machen und die AIDAprima als Dreckschleuder zu bezeichnen, ist unseriös. Natürlich darf die Situation noch besser werden, selbstverständlich sollten die Unternehmen gar kein Schweröl mehr einsetzen, natürlich müssen alle anderen Unternehmen nun auch ältere Schiffe nachrüsten, der Druck dazu wird aber bei den anderen Unternehmen und den älteren AIDA-Schiffen nicht ankommen, wenn ausgerechnet der Vorreiter als Dreckschleuder bezeichnet wird.

    Nebenbei: AIDAprima kann zwar als erste LNG direkt einsetzen, die Möglichkeit, LNG im Hafen statt Diesel zu benutzen, gibt es aber ja schon länger mit der LNG Hybrid Barge im Hamburger Hafen. Soweit ich weiß ist es aber nur die AIDAsol, die bisher den dort erzeugten Strom nutzen kann.

  5. Michael on Mai 9, 2016 at 11:44 am

    “in der heutigen, hektischen Medienwelt wird dann oft nicht mehr hinterfragt, was ein vermeintlich renommierter Umweltschutzverband behauptet.”

    Niemand hat die AIDA-Angaben in der heutigen, hektischen Medienwelt hinterfragt, die besondere Umweltfreundlichkeit und Filter-Angaben wurden ungefragt und ungeprüft (!) übernommen, gepriesen und besonders herausgestellt. Wäre es nicht so traurig (weil Filter und Umweltfreundlichkeit aktuell eben gar nicht gegeben sind), müsste man AIDA für seine geschickte PR-Leistung bzw. der Umweltfreundlichkeit durchaus loben… Ein Schiff wird als umweltfreundlich propagiert, ist es aber gar nicht (kommt aber beim Kunden und Außenwelt trotzdem so an). Bravoröse PR-Leistung!

    Wir haben einen tollen neuen Filter, schaut und hört alle her! Wird der Filter eingesetzt, nein!

  6. Michael on Mai 9, 2016 at 11:54 am

    Ganz ehrlich:

    “. Es ist bekannt, dass die neuen Filter noch nicht benutzt werden dürfen, dann Messungen zu machen und die AIDAprima als Dreckschleuder zu bezeichnen, ist unseriös. ”

    Ich finde es unseriös, breit und laut mit diesem Filter und der Umweltfreundlichkeit zu werben (!), obwohl (!) bekannt ist, dass dieser gar nicht / noch nicht eingesetzt wird! Wenn der NABU eben dies so wie es ist als Fakt darstellt, ist dies vollkommen legitim. “Bekannt” ist es eben überhaupt nicht – keine einzige AIDA-Meldung darüber, dass der Filter nicht eingesetzt wird. Viele, laute, große und bunte Meldungen aber darüber wie toll der Filter ist. Es ist unseriös mit Abgasreduzierung zu werben, ohne dass diese gegeben ist. Es ist nicht bekannt, dass dieser Filter nicht eingesetzt wird, es ist nur bekannt, das AIDA mit dem Filter besonders Abgasfrei wäre.

    Ob “andere Schiffe” so oder so fahren, oder Dreck im Hafen praktisch Usus ist, spielt doch für die Beurteilung der AIDA / AIDAprima gar keine Rolle, wenn diese eben als besonders umweltfreundlich dargestellt und beworben wird. AIDA stellt sich als besonders umwelt- abgasfreundlich heraus, da ist es nur legitim, dass der Nabu eben AIDA auch herausstellt. 95% der AIDA-Kunden wissen auch überhaupt nicht, dass diese Umweltfreundlichkeit oder der Filter gar nicht gegeben sind. Geworben wird trotzdem damit, auch auf dem Hamburger Hafengeburtstag. Und natürlich stellt der NABU aktuelle Messung und Fakten auch zum Hamburger Hafengeburtstag dar, genauso wie AIDA Hauptsponsor des Hafengeburtstags ist, und sich darstellt.

    Man kann doch nicht erst laut werben und propagieren, dann nicht einhalten, sich dann aber echauffieren, wenn dargestellt wird, was heute, effektiv und praktisch von der Umweltfreundlichkeit gegeben ist.

    Eine Irreführung durch AIDA wird nicht dadurch besser oder legitimer, dass alle anderen Schiffe gleich dreckig (oder wie sauber auch immer sind).

  7. Michael on Mai 9, 2016 at 12:36 pm

    Aida.de, Stand heute, 12:28 Uhr, Interessierte und Gäste die buchen, erfahren bunt und mit schönen Werbefotos:
    Innovationen die Gäste um Umwelt lieben:

    Abgasreduktion
    Wussten Sie schon, dass:
    • unser umfassendes Filtersystem die Emissionen von Ruß, Schwefel- und Stickoxiden um 90 bis 99 Prozent reduziert?

    Und der NABU wird dann vereinzelt kritisiert, weil er darstellt, dass es gar keinen aktiven Filter im Einsatz gibt? Hier müsste sich Aida entschuldigen, und eben die Inhalte korrigieren, wie den, das gar kein Filter zur 90%-Reduktion im Einsatz ist.

    Schön, dass man durch den NABU erfährt, dass gar kein Filter im Einsatz ist. Von Aida erfährt man dies ja nicht.

  8. Charly on Mai 9, 2016 at 2:00 pm

    Die Deutsche Umwelthilfe geht mit der Automobilindustrie weit weniger zimperlich um.
    Wäre der NABU die DUH dann müsste der NABU mal ein paar Anwälte auf diese Verbrauchertäuschung durch AIDA ansetzen. Sie werben nach wie vor mit Innhalten, von denen sie öffentlich eingeräumt haben, dass die noch gar nicht funktionieren.

  9. Michael on Mai 9, 2016 at 9:34 pm

    “Realitäten zu verdrehen und populistisch an den eigentlichen Problemen vorbei zu reden”

    Das eigentlich Problem ist die effektive Luftreinheit, Aida redet daran vorbei, wenn es zwar um bunte Bildchennund Werbeversprechen geht, diese aber noch nicht eingehalten werden. AIDA verdreht Realitäten, wenn sie die “Lüge” des Einsatzes des Filters bzw. die großspurige Werbung damit legitimiert, dass diese noch nicht einsatzfähig ist (aus welchen Gründen auch immer)

    Es ist doch ganz einfach: der NaBU hat gemessen, die Fakten klar dargelegt, Aida aber nicht geliefert. Als Antwort darauf gibts dann nur ein “bei den anderen ist es auch nicht besser, der Filter ist noch nicht abgenommen oder “man misst das aber so oder so”. Wichtig für die Umwelt sind nicht hätte wäre könnte, sondern die realen Fakten – die interessieren. Dort hat der NABU gemessen, benannt und veröffentlicht. Nicht mehr, nicht weniger. Es ist kein Filter im Einsatz, das Schiff ist anders als suggeriert nicht umweltfreundlich (vielleicht relativ gesehen, aber es geht nicht um Relation zu anderen Schiffen sondern um effektive Verbesserungen)y

  10. Franz Neumeier on Mai 10, 2016 at 7:21 am

    Vielleicht nochmal zur Klarstellung: Mir geht es vor allem um die Art und Weise, wie der Nabu agiert – das empfinde ich als schädlich für die gute Sache, weil populistisch mit schwachen Argumenten gearbeitet wird, die an der eigentlichen Umweltproblematik der Kreuzfahrt vorbei geht. Mir ist wichtig, dass dieses Thema sachlich und konzentriert geführt wird, weil es noch viel zu verbessern gibt und vieles verbessert werden muss. Deshalb halte ich es für äußerst kontraproduktiv, Aspekte herauszugreifen, die Nebenkriegsschauplätze sind. Polemik und Populismus steht da im Vordergrund, sachlich wichtige Aspekte bleiben bei diesem Stammtischniveau auf der Strecke. Und damit mach der Nabu genau dasselbe, was er AIDA vorwirft: Umweltschutz vorschützen und stattdessen Populismus und Eigenwerbung auf Kosten der guten Sache betreiben.

    Dass AIDA mit Umweltfreundlichkeit der AIDAprima wirbt, ist in der Tat irreführend, da wäre ein wenig mehr Feingefühl angebracht. Keine Frage.

  11. Franz Neumeier on Mai 10, 2016 at 7:21 am

    Vielleicht nochmal zur Klarstellung: Mir geht es vor allem um die Art und Weise, wie der Nabu agiert – das empfinde ich als schädlich für die gute Sache, weil populistisch mit schwachen Argumenten gearbeitet wird, die an der eigentlichen Umweltproblematik der Kreuzfahrt vorbei geht. Mir ist wichtig, dass dieses Thema sachlich und konzentriert geführt wird, weil es noch viel zu verbessern gibt und vieles verbessert werden muss. Deshalb halte ich es für äußerst kontraproduktiv, Aspekte herauszugreifen, die Nebenkriegsschauplätze sind. Polemik und Populismus steht da im Vordergrund, sachlich wichtige Aspekte bleiben bei diesem Stammtischniveau auf der Strecke. Und damit mach der Nabu genau dasselbe, was er AIDA vorwirft: Umweltschutz vorschützen und stattdessen Populismus und Eigenwerbung auf Kosten der guten Sache betreiben.

    Dass AIDA mit Umweltfreundlichkeit der AIDAprima wirbt, ist in der Tat irreführend, da wäre ein wenig mehr Feingefühl angebracht. Keine Frage. Aber ich denke, wir sollten hier zwei Dinge deutlich voneinander trennen: Umweltschutz und Verbraucherschutz. Wenn AIDA etwas bewirbt, was (derzeit) nicht funktioniert, macht das die Umwelt nicht besser oder schlechter – da geht es ggfs. um Verbrauchertäuschung o.ä., das ist ein andere Thema. Das ist auch eine der Dinge, die mich an der Nabu-Aktion stört: Es werden bewusst Dinge vermischt, um mehr emotionale Betroffenheit auszulösen, indem man “DU wirst über’s Ohr gehauen”-Argumente geschickt mit durchaus gerechtfertigten, echten Umweltschutz-Argumenten vermischt.

    Wie gesagt: Mir geht es nicht darum, die eigentliche Sache (=Umweltschutz) des Nabu zu kritisieren, die ist gut. Mir geht es um das schüren von Ängsten und dreschen von Vorurteilen, die den Blick auf sachliche Argumente und Fortschritte verstellen, weil die Leute resigniert schließen: “Kreuzfahrt ist dreckig, böse, verabscheuungswürdig”. Und auf dieser Basis kommt keine ernsthafte und konstruktive Auseinandersetzung mit den komplexen und anspruchsvollen Herausforderungen im Umweltschutz zustande. Und das finde ich sehr schade.

  12. Michael on Mai 10, 2016 at 11:56 am

    Wo ist das Argument des NABU schwach, wenn er die Fakten misst, und z.B. darstellt, dass gar kein Filter im Einsatz ist? Es geht ja eben grade um die eigentliche Umweltproblematik der Kreuzfahrt, die der NABU voranbringen will – weil diese ja eben nicht vorangebracht wird, wenn geworben wird, aber Filter eingesetzt werden, die nicht aktiv sind (wer auch immer das zu verschulden hat). Für das Voranbringen der Umweltfreundlichkeit ist es nämlich vollkommen unerheblich, aus welchen Gründen Bargen, Flüssiggas oder Filter nicht in dem Umfang oder gar nicht eingesetzt werden. Darum geht es dem NABU. Nicht Worte, Ausblicke auf die Zukunft, die Beschreibung von Innovationen, sondern messbare Taten.

    “Deshalb halte ich es für äußerst kontraproduktiv, Aspekte herauszugreifen, die Nebenkriegsschauplätze sind. Polemik und Populismus steht da im Vordergrund, sachlich wichtige Aspekte bleiben bei diesem Stammtischniveau auf der Strecke. Und damit mach der Nabu genau dasselbe, was er AIDA vorwirft: Umweltschutz vorschützen und stattdessen Populismus und Eigenwerbung auf Kosten der guten Sache betreiben.”

    Sorry, das sehe ich überhaupt nicht. Erstens einmal gehört auch Poltern (wie bei Aida und anderen Unternehmen) zu jeder Aufklärung/Pressemeldung, und ein fehlender oder nicht aktiver Filter ist natürlich absolut kein Nebenkriegsschauplatz! Ich kann da kein Stammtischniveau erkennen. Betreibt nicht eher (oder auch) genau AIDA Eigenwerbung auf Kosten der guten Sache, trägt Umweltschutz vor, aber kehrt die Nichtaktivität des Filters unter den Tisch? Das ist doch traurig! Man schmückt sich mit etwas, war gar nicht in Betrieb ist, aber fühlt sich auf den Schlips getreten, wenn dies jemand aussagt. Es ist Kontraproduktiv für die Sache, wenn ein Teilnehmehmer hier unlauter agiert, statt offen zu kommunizieren. Hier hat AIDA die Chance verpasst, in Sachen Umwelt stärker voranzugehen – man wird in der Zukunft AIDA gegenüber nun leider misstrauischer sein müssen.

    “. Wenn AIDA etwas bewirbt, was (derzeit) nicht funktioniert, macht das die Umwelt nicht besser oder schlechter”
    Wenn AIDA etwas bewirbt, was nicht funktioniert, kann man AIDA zunächst einmal vorwerfen gar nicht an der Umwelt, sondern am Marketingseffekt interessiert zu sein. Wenn die Gäste oder Außenwelt nämlich befriedigt sind (toller Filter), hilft das der Umwelt natürlich garnicht, wenn Filter nicht im Einsatz sind (!), dies aber nicht aufgedeckt wird, interessiert sich niemand mehr dafür, AIDA wirbt weiter, die Umwelt verliert (auf kurze und lange Sicht.)

    “Es werden bewusst Dinge vermischt, um mehr emotionale Betroffenheit auszulösen, indem man „DU wirst über’s Ohr gehauen”

    Wenn mit nicht-existenten Dingen geworben wird, wird der Gast übers Ohr gehauen – das muss man auch so aussprechen -, und das behindert oder verlangsamt dann auch die Umwelt-Effekte, eben weil es nur ums Marketing (toller Filter), nicht aber darum geht, ob dieser auch im Einsatz ist. Wo da etwas vermischt wird, ist mir sehr unklar. AIDA nutzt ebenso sehr clever die emotionale Schiene, um den Kunden ein gutes Gewissen in Sachen Umwelt zu machen. Der NABU möchte im Gegensatz dazu, dass der Umwelt wirklich geholfen wird, und misst schlicht und einfach mal nach.

    Sehr sachliches Argument ist, dass der Filter nicht aktiv ist, AIDA dies nicht nur nicht mitteilt, sondern sogar noch damit wirbt, sachliches Argument ist ebenfalls dass der Fortschritt dadurch weniger gebenen ist. Sehr sinnfreies Argument (für die Umwelt) ist die Antwort von AIDA auf Nicht-Einsatz das Filters, dass dieser noch genehmigt werden muss. Natürlich muss er dies, aber dann muss man dies auch so kommunizieren, statt sich in diesem Punkt sauber zu geben. Hauptsache, der AIDA-Gast hat das Gefühl “DU tust etwas für den Umweltschutz”!

    Ich finde es schade, wenn es hauptsächlich darum geht, wie die reine Werbung für den Umweltschutz aussieht, weniger wie effektiv oder real dieser ist. Vielleicht sollte es AIDA weniger um seine Außenwirkung als mehr um die Umweltfreundlichkeit der Schiffe und eine offene Kommunikation gehen. So könnte man gemeinsam die Herausforderungen im Umweltschutz auch besser angehen. Wenn man die Aktivität bestimmter Innovationen verschweigt, aber gerne, bunt und laut bewirbt, gelingt dies sicher schlechter. Denn es geht um die Sache, nicht um schöne Bildchen oder Aussagen.

  13. Franz Neumeier on Mai 10, 2016 at 2:47 pm

    Ein Argument ist in meinem Augen schwach, wenn es wesentliche Aspekte einfach unterschlägt. Natürlich kann man sich auf den Standpunkt stellen: Der Filter läuft nicht, alles andere interessiert mich nicht. Ich sehe es hingegen so, dass ich keinen Vorwurf daraus machen kann, wenn eine behördliche Genehmigung noch fehlt – was soll eine Reederei den tun? Den Filter illegal betreiben?

    Ja, natürlich sollte sie dann auch nicht damit werben, da sind wir uns einig. Aber ob sie damit wirbt oder nicht, macht die Luft nicht sauberer oder dreckiger. Und zumindest nach allem, was ich weiß, spielt der Umwelt-Aspekt bei Kreuzfahrt-Buchungen bislang nahezu keine Rolle als Argument, ob ein Kunde bucht oder nicht. Leider. Das ist etwas, das sich ändern sollte und daran können wir arbeiten. Nur – und da gehen unsere Meinungen wieder sehr weit auseinander – entsteht ein kritisches, aufgeklärtes Bewusstsein bei potenziellen Kreuzfahrtkunden nicht dadurch, dass man Schwarz-Weiß malt, Ängste schürt und Vorurteile prägt, sondern indem man dem Passagier differenzierte Informationen gibt, anhand derer er die Sachlage vernünftig selbst einschätzen kann.

    Schwach ist ein Argument aber auch, wenn es Zahlen vergleicht, die nicht vergleichbar sind. Ich halte es für unlauter, die Partikelkonzentration im Abgasstrom zu messen und mit Werten aus standardisierten Messverfahren im Hafen zu vergleichen und nicht zumindest zu erwähnen, dass die Messdaten nicht mit dem gleichen Mess-Standard ermittelt wurden (und damit, so meine ich, nicht in absoluten Zahlen miteinander verglichen werden sollten, weil das groß irreführend ist).

    Ich denke schon, dass es wichtig ist darauf zu schauen, warum etwas nicht läuft. Denn wäre kein Filter vorhanden, wäre das etwas völlig anderes und tatsächlich hochgradig kritikwürdig. Liegt es aber lediglich daran, dass eine Genehmigung für ein neu entwickeltes System noch fehlt, weil es eben ein neues, fortschrittliches System ist, das eine Behörde ganz genau anschaut und nicht wie ein Standardprodukt durchwinkt, hat das für mich einen ganz andere Qualität.

    Dass wir alle zusammen Versprechungen von Reedereien gerade in Hinblick auf Umweltschutz skeptisch und kritisch sein sollten, da bin ich völlig bei Ihnen. Wo wir grundlegend anderer Ansicht sind ist die Frage, ob nicht vielleicht gute Absichten und Ziele ebenfalls zählen, wenn wie in diesem Fall ja Filter (neben dem enormen Fortschritts der LNG-Versorgung im Hafen, die ja auch in allen Häfen tatsächlich funktioniert und praktiziert wird) vorhanden sind, die – zumindest hoffentlich bald, nämlich wenn sie legal/genehmigt sind, mutmaßlich bald zum Einsatz kommen.

    Wir beide haben eine ähnliche Diskussion ja schon einmal geführt und festgestellt, dass wir da einfach sehr unterschiedlicher Meinung sind. Und daran wird sich wohl auch diesmal nichts ändern. Ist ja auch okay, man muss nicht immer einer Meinung sein, selbst wenn die Ziele die gleichen sind.

  14. Eike on Mai 11, 2016 at 8:24 am

    Ich schließe mich da Franz’ Meinung an – etwas mehr Fingerspitzengefühl wäre da sicher von Vorteil gewesen. Allerdings hätte AIDA auch kommunizieren können “das Schiff hat die neuste Filtertechnologie, die wir aber leider aufgrund von noch nicht erteilten Genehmigungen noch nicht einsetzen dürfen”. Unabhängig davon habe ich beim Nabu das Gefühl, daß irgendeiner der “hohen Tiere” mal auf einer Kreuzfahrt Probleme hatte, und sich deshalb auf ads Thema eingeschossen hat. Größere Schläge in Rictung Frachtschiffahrt, die einen deutlich größeren Prozentsatz des weltweiten Schiffsverkehrs mit teilweise wesentlich weniger Umweltschutztechnik ausmacht, habe ich da noch nicht gelesen.

    Ich denke, wir sind uns einig, daß die (Kreuz-)Schiffahrt früher nicht unbedingt eine saubere Sache war, und sich in den vergangenen Jahren kontinuierliche Verbesserungen ergeben haben. Das darf natürlich nicht bedeuten, daß man sich auf den Lorbeeren ausruht – man darf stolz auf das sein, was man erreicht hat, aber man darf nicht den Blick darauf verlieren, wie man die ganze Sache noch sauberer machen kann.

    Der weiter oben bezweifelte Druck zur Nachrüstung älterer Schiffe ist aber anscheinend doch vorhanden, die AIDAmar hat auch einen nachgerüsteten Filter bekommen, wie wir letztes Jahr feststellen konnten. Wir haben zu keiner Zeit mehr sichtbaren Rußausstoß gesehen (was natürlich nichts über Feinstaub, Schwefel und Co. aussagt) – und trotz Heckkabine hatten wir nie den im Internet oft beschriebenen Dreck auf dem Balkon. Auch hier ist mir klar, daß ein reiner Rußfilter aus dem Abgas noch lange keine frische Bergluft macht, aber es ist ein weiterer Schritt in die richtige Richtung. Und nur weil dem ersten Schritt noch 99 weitere bis zum Ziel folgen, sollte man sich nicht weigern, ihn zu gehen, oder?

    Ich denke, die Branche ist auf einem guten Weg, nur darf man eben aufgrund der hohen Investitionen und der Langlebigkeit der Schiffe nicht erwarten, daß sich das Problem von heute auf morgen löst. Aber so, wie (bis auf Museumsbetrieb) die kohlegefeuerten Dampfschiffe von den Meeren verschwunden sind, wird auch hier nach und nach umweltfreundlichere Technik Einzug halten.

  15. Hannes Mauer on Mai 11, 2016 at 10:15 am

    Klar, der Nabu nervt teilweise, aber eins muss man ihm lassen: Das Thema saubere Luft bei Schiffen ist erst so richtig bekannt geworden, seitdem die sich drum kümmern. Etliche Schiffe werden jetzt mit Abgastechnik ausgestattet. Vielleicht sind sie auch ein stückweit von Aida enttäuscht. Denn sie sind ja mit deren Kreuzfahrt-Rangliste in Vorleistung gegangen und haben die Aida-Schiffe weit vorne gelistet. Und jetzt stellt sich wieder raus, dass Aida nicht liefert. Es ist ja nicht nur die Aida prima, sondern auch alle anderen Schiffe sind nicht mit Abgastechnik ausgestattet worden, obwohl Aida mit Frau Griefahn vorneweg das schon vor Jahren mit Tamtam angekündigt hat. Was soll man diesem Unternehmen da noch glauben?

  16. stefan on Mai 11, 2016 at 12:19 pm

    Genau so ist es, Hannes! Eine differenzierte Betrachtung ist durch den NABU erst ermöglicht worden – und natürlich muss der auch mal schreien, um gehört zu werden. Ohne NABU wäre immer noch nicht bekannt, das Filter nicht eingesetzt sind, die Entwicklung würde weiter verzögert. Gut, dass es auch anderweitig Informationen gibt, weil AIDA diese vorenthält.

    Im übrig sollte bei der Kritik am NABU nicht vergessen werden, dass dieser über keine Millionen oder etliche Mitarbeiter in der PR Abteilung verfügt. Da ist es natürlich einfach, sich über dessen Professionalität und Pressemitteilung zu echauffieren.

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