Mit dem Schiff auf Kreuzfahrt – mit was denn sonst?

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"Mit dem Schiff auf Kreuzfahrt"
Unterhaltsamer Kreuzfahrt-Führer von 1973

Bei eBay ist mit ein Kreuzfahrt-Führer von 1973 aufgefallen, denn ich natürlich kaufen musste. Schon der Titel „Mit dem Schiff auf Kreuzfahrt“ lässt Witziges und Unterhaltsames erwarten – mit was sonst sollte man schließlich auf Kreuzfahrt gehen als mit einem Schiff? 1973 scheint das aber noch nicht so selbstverständlich gewesen zu sein.

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Eine Sache scheint sich allerdings auch in den letzten knapp 40 Jahren nicht geändert zu haben. Der Autor stellt nämlich gleich in der Einleitung fest: „Eine Schiffsreise erfordert eine gewisse Seefestigkeit. Damit ist weniger die Seekrankheit gemeint, […] als die Informations- und Ahnungslosigkeit, mit der manche Touristen in eine solche Reise stolpern“. Wie wahr, kann man da nur sagen. Diesen Zustand zu ändern ist ein wesentlicher Grund, warum es cruisetricks.de gibt ;-)

Vierbett-Kabine mit Geschlechtertrennung

Allerdings sind die daraus Schwierigkeiten heute subtilerer Art als damals. Das Buch beschreibt als Beispiel für die vorherrschende Kreuzfahrt-Ahnungslosigkeit eine Situation, in der Passagiere ein Schiff mit wunderschönen Kabinen, Bar und Sportplatz zum Tontaubenschießen (!) gebucht haben und erst an Bord erfahren, dass die gebuchte Touristenklasse keine solchen Annehmlichkeiten bietet – stattdessen schlafen Eheleute getrennt voneinander in Vierbett-Kabinen, die tolle Bar ist ein kleiner Tresen an der Rückseite des Speisesaals und auch das Tontaubenschießen ist den gutbetuchten Passagieren der Ersten Klasse vorbehalten.

Aus heutiger Sicht hochinteressant sind die Preisbeispiele, die der Autor Klaus D. Hartel in dem Buch von 1973 nennt: Zwölf Tage östliches Mittelmeer auf dem 1957 gebauten 529-Passagiere-Schiff Ausonia der Adriatic Lines kostete damals zwischen 670 und 2.695 D-Mark, also 340 bis 1.380 Euro. In Relation zu den damaligen Durchschnittseinkommen sind Kreuzfahrten heute vergleichsweise billig.

Doppel- oder Zweibett-Kabine?

Dringend empfiehlt der Autor, sich im Reisebüro den Deckplan des Schiff zeigen zu lassen, bevor man eine Kabine bucht – eine Regel, die man auch heut noch befolgen sollte. Andererseits kann man heute auch in den günstigsten Kabinenkategorien ordentliche Betten erwarten. 1973 musste man genauer hinsehen: In der Doppelkabine bekam man es nämlich mit Stockbetten zu tun. Wer als Paar nebeneinander schlafen wollte, musste eine Zweibett-Kabine buchen.

Kinder und ältere Menschen an Bord

Mit Kindern auf Kreuzfahrt? Kinder unter 5 Jahren haben auf Kreuzfahrtschiffen nichts zu suchen. […] Der ersehnte Urlaub wird zur Tortur für die ganze Familie.“ Für Familien mit älteren Kindern empfiehlt das Buch italienische und russische Reedereien – letztere gab es damals noch. Die seien am kinderfreundlichsten. Lobend erwähnt der Autor Chandris Cruises, die Vorgänger-Kreuzfahrtgesellschaft von Celebrity Cruises: Hier weise die Reederei klipp und klar darauf hin, dass auf den meisten ihrer Schiffe Kinder bis 5 Jahren nicht mitgenommen werden. Andere würden dagegen schonmal wider besseren Wissens und des Umsatzes wegen Kreuzfahrten auch an Familien mit kleineren Kindern verkaufen. Heute sind Familien mit (auch kleinen) Kindern eine begehrte Zielgruppe nahezu aller Reedereien.

„Schiffsreisen – auch für ältere Menschen?“ – Diese Frage überrascht noch mehr. War es früher nicht so, dass fast nur ältere Menschen auf Kreuzfahrtschiffen fuhren? 1973 offenbar nicht. Denn der Autor erklärt ausführlich, worauf ältere Passagiere achten sollten, wenn sie eine Kreuzfahrt buchen wollen.

Dauerbrenner „Nebenkosten“

Wer sich heute über (im Reisevertrag klar ausgewiesene) Service-Pauschalen aufregt, sollte sich zu Gemüte führen, wie es 1973 zuging. Der Autor kritisiert beispielsweise die Ein- und Ausschiffungsgebühren beziehungsweise Hafengebühren, die je nach Kreuzfahrtdauer zwischen 10 und 80 D-Mark betragen konnten – bei einem Reisepreis von 670 D-Mark wie in unserem Beispiel von oben durchaus erheblich.

Günstig scheinen dagegen Getränke an Bord gewesen zu sein, jedenfalls betont der Autor das extra. Eine Flasche Bier kostete beispielsweise 80 Pfennig – damals kam Bier noch in Halbliter-Flaschen. Die Reederei Italia Crociere Internazionali erwähnt der Autor speziell: Hier war ein halber Liter Wein (!) zu jeder Mahlzeit schon im Reisepreis eingeschlossen.

Kleidungsvorschriften

„Die meisten Kreuzfahrer lassen sich von den ausgezogenen Bikini-Mädchen auf den Urlaubsprospekten täuschen“ – offenbar hat der Autor die Erfahrung gemacht, dass Kreuzfahrt-Urlauber häufig Windjacke und wärmere Kleidung zu Hause gelassen hatten.

Selbst auf russischen und italienischen Schiffen, auf denen die Etikette nicht überbewertet werde, sei eine Krawatte zum Dinner unerlässlich. Zum Mittagessen reiche für den Herren dagegen ein leichtes Sakko. Bei Hapag-Lloyd und Chandris sie „ausgesprochene Abendkleidung nicht erforderlich“, im Gegensatz zur augenscheinlich äußerst eleganten Deutschen Atlantik Linie, wo’s schonmal ein Cocktailkleid und ein schwarzer Anzug oder Smoking sein musste.

Witziger Kleider-Tipp am Rande: „Auf jeder Kreuzfahrt findet ein Kostümfest statt. Packen Sie also zu Hause irgendein Faschingskostüm vom letzten Jahr mit ein, Ein gesellschaftlicher Erfolg wird jeder Dame sicher sein, die nicht im Strandanzug oder Badeanzug auftritt“.

Trinkgeld und Sachgeschenke

„Mancher russischer Steward soll zu Hause schon einen Laden mit Gasfeuerzeugen aufgemacht haben“, schreibt der Buchautor. Weil auf russischen Schiffen Trinkgelder offenbar verpönt waren, rechneten Stewards fest damit, von den Passagieren den Gegenwert des Trinkgeldes in Form von Sachgeschenken zu bekommen. Gasfeuerzeugt scheinen hierbei ein beliebtes Zahlungsmittel gewesen zu sein.

Bereits damals wurden die Trinkgelder von Passagieren wohl schon als Problem empfunden. Der Autor schreibt jedoch, dass Reedereien mit dem Versuch gescheitert sind, die das Trinkgeld probeweise abgeschafft und den Reisepreis entsprechend um rund fünf Prozent erhöht hatten. Das Bordpersonal liest die Passagiere spüren, dass sie trotzdem ihren Obulus erwarteten.

Je nach Kreuzfahrtgesellschaft musste man damals übrigens mit Trinkgeld von insgesamt rund 3-7 Prozent des Kreuzfahrtpreises rechnen. Und schon damals gab es selbst ernannte Kreuzfahrt-Profis, die die Hälfte des Trinkgeldes ihren Kellnern und Kabinenstewards bereits vorab zusteckten, um sich damit eine Bevorzugung während der Reise zu erkaufen.

Kreuzfahrtschiffe anno 1973

Die Kreuzfahrtschiffe, die der Autor in dem Buch nennt, sind heutzutage natürlich allesamt Geschichte. Immerhin sind so illustre Namen wie SS France, Queen Elisabeth 2 und Achille Lauro dabei, Die Passagierkapazitäten bewegten sich zwischen rund 250 bei den kleinsten und bis zu immerhin knapp unter 2.000 Passagieren bei den größten Kreuzfahrtschiffen.

Wer sich den Spaß gönnen will, dieses Buch zu lesen gönnen will, findet es übrigens gebraucht für weniger als einen Euro bei Amazon.de: Mit dem Schiff auf Kreuzfahrt.

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2 Kommentare zu Mit dem Schiff auf Kreuzfahrt – mit was denn sonst?

  1. Hans on April 28, 2011 at 9:42 am

    Ui, das ist ja witzig. Schon interessant zu sehen, wie man vor 40 Jahren noch über Kreuzfahrten gedacht hat. Ich wusste gar nicht, dass es noch mit Geschlechtertrennung so schlimm war. Das wäre ehrlich nichts für mich. Meine Frau sollte schon bei mir im Zimmer schlafen.

  2. Stefanie on Mai 17, 2011 at 1:00 pm

    Das ist wirklich interessant. Sehr schön zu hören, wie damals so eine Kreuzfahrt ablief und auch um mal zu vergleichen wie sich die Preise so entwickelt haben.
    Schöner Beitrag – danke dafür.

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