Cruisetricks.de Kreuzfahrt-Ratgeber

Die zehn größten Kreuzfahrt-Vorurteile und -Irrtümer

So altmodisch ist Kreuzfahrt schon lange nicht mehr ...

„Auf Kreuzfahrt gehen doch nur alte Leute, da muss ich ständig Anzug und Krawatte tragen und außerdem ist es auf so einem Schiff viel zu eng mit diesen Menschenmassen.“ Leute, die so über Kreuzfahrten denken, verpassen eine der schönsten Urlaubs-Formen, weil sie sich von Vorurteilen und verbreiteten Irrtümern blenden lassen. Hauptursachen für diese Missverständnisse: Kreuzfahrer, die sich vor der Buchung nicht vernünftig informieren, sondern einfach nehmen, was ihnen gerade bei Discountern oder in der TV-Werbung entgegen springt.

Und (manche) Reisebüros, die mangels Sachkenntnis ihre Kunden falsch beraten und für den jeweiligen Kunden unpassende Schiffe buchen. Diese Kunden kommen unglücklich von der Kreuzfahrt zurück und erzählen allen Freunden, wie schrecklich alles war – dabei waren sie einfach nur am falschen Schiff, auf der falschen Route, mit der falschen Kreuzfahrtgesellschaft. Tipp am Rande: Zum Buchen einer Kreuzfahrt ein spezialisiertes Reisebüro suchen, wo die Berater selbst bereits durch eigene Seereisen Erfahrung mit mehreren verschiedenen Reedereien gesammelt haben.

Wir räumen mit den häufigsten Kreuzfahrt-Missverständnissen und -Irrtümern auf und zeigen, wie es wirklich ist. (veröffentlicht im Juli 2011, aktualisiert im April 2018)

„Auf Kreuzfahrten trifft man vor allem Rentner“

Sieht das nach Rentern-Schiff aus? (Norwegian Epic, Juni 2011)

Es gibt tatsächlich noch Schiffe, auf die das zutrifft. Doch je moderner und größer das Schiff, desto jünger ist gewöhnlich aber das Publikum. Der Altersdurchschnitt beispielsweise bei Norwegian Cruise Line, Royal Caribbean, MSC und Costa liegt deutlich unter 50. Außerhalb von Schulferienzeiten sowie auf längeren Fahrtrouten ist der Altersdurchschnitt gewöhnlich höher, weil Berufstätige und Familien außerhalb der Ferienzeiten keinen Urlaub machen können beziehungsweise keine Zeit für eine 14- oder gar 21-tägige Kreuzfahrt haben.

Positiv betrachtet: Eine Kreuzfahrt mit eher älterem Publikum ist durchaus sehr entspannend und muss auch für jüngere Kreuzfahrer keineswegs nervig sein – vorausgesetzt man sucht im Urlaub nach Ruhe. Wir haben die spannendsten Tischgespräche eigentlich auf Schiffen mit Altersdurchschnitt 65 und darübergeführt. Und Lärm auf den Kabinengängen nach 10 Uhr abends ist hier auch eher selten.

„Auf Kreuzfahrtschiffen geht es sehr steif zu“

Von „steif“ keine Spur: Buffet-Restaurant auf der Carnival Horizon

Richtig ist, dass es auf manchen Schiffen eher förmlich zugeht und zum Abendessen Abendkleid und Anzug erwartet werden. Das ist aber eher die Ausnahme. Die meisten Kreuzfahrtschiffe haben heutzutage eine eher legere Atmosphäre, wo bestenfalls ein oder zweimal ein Galadinner mit zumindest etwas feiner Kleidung stattfindet, dem man aber ausweichen kann, indem man an diesen Abenden im Buffet-Restaurant statt im Hauptrestaurant isst (Beispiele: Celebrity Cruises, Royal Caribbean). Auf anderen Schiffen geht es noch legerer und komplett ohne Galadinner, etwas Norwegian Cruise Line. Bei AIDA gibt es – mit Ausnahme der Spezialitätenrestaurants – gar kein Restaurant mit Bedienung mehr, sondern nur noch legere Buffets.

„Kreuzfahrt ist Massenabfertigung und je größer das Schiff, desto größer das Gedränge“

Von wegen Gedränge: entspannte Atmosphäre selbst an Seetagen auf der Oasis of the Seas

Eine Kreuzfahrt ist nichts für freiheitsliebende Rucksacktouristen. Aber wer sich beispielsweise auf einer Städtereise wohlfühlt, wird auch Kreuzfahren mögen. Besonders die neuen Megaschiffe wie die Oasis of the Seas oder Norwegian Epic bieten eine enorme Vielfalt an Unterhaltung und Erholung, die Passagiere konzentrieren sich nie auf einen Fleck am Schiff, sodass man mit seltenen Ausnahmesituationen nie das Gefühl hat, als sei das Schiff voll oder gar überfüllt. Interessanterweise wirken kleinere Schiffe oft voller als große, weil sie ein weniger differenziertes Programm anbieten und sich die Passagiere daher auf wenige Angebote konzentrieren. Beispiel: die abendliche Show im Theater.

„Auf den großen Schiffen merkt man doch nicht einmal mehr, dass man auf See ist“

Wer sich bei einem solchen Anblick nicht wie auf einer Seereise fühlt … (MSC Seaside)

Die Größe des Schiffs hat relativ wenig damit zu tun, ob man an Bord ein „Seefahrer“-Erlebnis hat oder nicht. Vielmehr ist die Schiffsarchitektur entscheidend, wie viel Bezug man während der Kreuzfahrt zum Meer behält. Es gibt große Schiffe, auf denen man das Meer fast ständig im Blick hat – etwa die Vision- und Radiance-Class-Schiffe von Royal Caribbean – und es gibt Schiffe, die bewusst eher nach innen gewandt konstruiert sind, wie etwa die Norwegian Epic. Und der Trend auf neuen Mega-Schiffen geht sogar dahin, den Bezug zum Meer wieder deutlich herauszuheben, etwa durch breite Promenaden-Decks wie bei der Costa Diadema oder den Breakaway-Class-Schiffen von Norwegian Cruise Line.

Weder ein starker Meer-Bezug noch die Fokussierung auf die Innenbereiche auf einem Kreuzfahrtschiff ist per se „gut“ oder „schlecht“. Es gibt eben unterschiedliche Schiffstypen, sodass jeder Passagier das auswählen kann, was ihm am besten behagt.

„Je größer das Schiff, desto weniger wird man seekrank“

Die Schiffsgröße ist nur einer von vielen Faktoren, wenn es um Seekrankheit geht. (Sturm vor der Küste Neuenglands)

Richtig ist, dass größere Schiffe meistens weniger stark auf Seegang (und Windböen) reagieren als kleinere. Dafür sind die Bewegungen aber länger und Windböen führen auf Schiffen mit größerer Angriffsfläche zu stärkeren abrupten Bewegungen des Schiffs. Die genaue Ursache für Seekrankheit ist nach wie vor nicht ganz klar, langgezogene Schiffsbewegungen scheinen aber tendenziell eher Seekrankheit auszulösen als kürzere.

Auf Schiffen mit mehr als 2.000 Passagieren dürfte daher kein nennenswerter Unterschied bestehen. Entscheidend ist wohl vor allem persönliche Veranlagung und die aktuelle Tagesverfassung des Körpers. Wer empfindlich ist, meidet Fahrgebiete mit bekanntermaßen unruhiger See (Nordsee, Atlantik) und weicht auf Mittelmeer (im Sommer) und Karibik (im Winter) aus. Ein Geheimtipp gegen Seekrankheit sind übrigens Akupressur-Armbänder.

„Auf einer Kreuzfahrt finde ich als Single einen Partner“

Feature mit Seltenheitswert: Single-Kabinen-Lounge der Norwegian Epic

Auch wenn’s in der ZDF-Serie „Das Traumschiff“ so aussieht: Auf einer Kreuzfahrt findet man gewöhnlich nicht den Partner fürs Leben. Es gibt allerdings Kreuzfahrten, bei denen die Chancen höher stehen als bei anderen. Vermeiden sollte man Fahrten über Feiertage und zu Schulferienzeiten. Auf diesen Kreuzfahrten sind besonders viele Familien an Bord, die Preise sind relativ hoch und damit für Singles mit Einzelzimmerzuschlag noch teurer. Interessanter sind dagegen Kreuzfahrten, bei denen besonders günstige Single-Tarife angeboten werden.

Zwar zögerlich aber immer häufiger gibt es inzwischen auf neuen Kreuzfahrtschiffen auch Einzelkabinen. Am stärksten ausgeprägt ist das bei Norwegian Cruise Line auf der Norwegian Epic und der Breakaway Class, wo es eine Vielzahl von Studio-Einzelkabinen zu besonders günstigen Preisen gibt. Zu den Studios gehört hier auch ein gemeinsamer, exklusiver Bar- und Lounge-Bereich, wo man dementsprechend ausschließlich auf Alleinreisende trifft. Explizite Einzelkabinen gibt es auch auf einigen Schiffen von Costa und Carnival Cruise Lines, den Schiffen der Quantum Class von Royal Caribbean und demnächst auf der neuen Britannia von P&O Cruises. Bei einigen Reedereien gibt es an Bord zumindest organisierte Single-Treffs, bei denen sich ALleinreisende zwanglos kennenlernen können.

„Eine Kreuzfahrt ist nur etwas für Reiche“

Wenn’s nicht unbedingt ein echter Jakob Weidemann an der Wand im Restaurant sein muss (Seven Seas Explorer) – Kreuzfahrt geht auch günstig

Natürlich gibt es Kreuzfahrten, für die man pro Person und Person gleich mal 6.000 Euro hinlegt – meist sind sie das sogar wert. Doch die großen Massenmarkt-Schiffe bewegen sich auf einem Preisniveau, das einen Vergleich mit einem halbwegs ordentlichen Urlaub an Land nicht scheuen braucht. Erwischt man ein besonders günstiges Sonderangebot, fährt man auch mal für nur 400 Euro eine Woche im Mittelmeer, plus Nebenkosten, die man bei einem Landurlaub auch hätte. Mit genauer Recherche und guter Beratung im Reisebüro findet sich auch für eine eher kleine Urlaubskasse eine passende Kreuzfahrt. Berücksichtigen sollte man bei Preisvergleichen auch, dass bei Kreuzfahrten Vollverpflegung und ein meist sehr gutes Unterhaltungsprogramm bereits im Preis inklusive ist. Mit Extrem-Angeboten von 300 Euro Türkei „all inklusive“ mit Flug können Kreuzfahrten allerdings nicht konkurrieren.

„Auf Kreuzfahrt wird man doch nur mit den Nebenkosten abgezockt“

Zusatzleistungen kosten meist extra – das ist am Schiff nicht anders als an Land.

Aus schwer erklärlichen Gründen erwarten manche Kreuzfahrer, dass auf einem Kreuzfahrtschiff absolut alles inklusive ist. Dabei fallen auch bei einem Urlaub an Land ganz normale Nebenkosten an, über die man sich dort keineswegs beschwert: Ausflüge, Trinkgelder, Getränke, Souvenirs etc.

Allerdings sollte man sich vor der Buchung genau informieren, welche Nebenkosten zum Reisepreis potenziell noch hinzukommen. Trinkgelder sind beispielsweise auf den meisten Schiffen Pflicht oder dringend empfohlen. Getränke sind manchmal komplett inklusive, manchmal zu den Mahlzeiten, gelegentlich aber auch immer separat zu bezahlen. Viele weitere Nebenkosten kann man dagegen vermeiden, wenn man sparsam ist, beispielsweise Spa-Behandlungen, Internet-Zugang, Souvenirs.

„Auf Kreuzfahrtschiffen bricht doch ständig der Noro-Virus aus“

Deutlich seltener als an Land – aber wenn Noro zuschlägt, hilft halt alles nichts …

Fakt ist: Es gibt wesentlich größere Gesundheitsrisiken im Urlaub (und eben auch auf Kreuzfahrten) als Noro und ähnliche Magen-Darm-Erkrankungen. Durch sehr hohe Hygienestandards sind Noro-Ausbrüche auf Kreuzfahrtschiffen statistisch sogar deutlich seltener als an Land. Da Noro-Ausbrüche in den USA jedoch gemeldet und veröffentlicht werden müssen, entsteht durch die Medienberichterstattung der falsche Eindruck, dass auf Schiffen eine besondere Noro-Gefahr bestünde.

Das deutlich größere Gesundheitsrisiko auf einer Kreuzfahrt ist jedenfalls der gemeine Sonnenbrand.

„Kreuzfahrt wurde in Miami erfunden“

Port of Miami: „Cruise Capital of the World“, aber nicht Geburtsstätte der Kreuzfahrt.

Das hört man gerne mal von den in Miami ansässigen Reedereien und dem Port of Miami: Die Kreuzfahrt sei in Miami erfunden worden. Richtig ist, das Miami der größte Kreuzfahrthafen der Welt ist, und das schon ziemlich lange. Die Stadt gilt als Welthauptstadt der Kreuzfahrt. Erfunden wurde die Kreuzfahrt, obwohl wir Deutsche davon so fest überzeugt sind, wohl auch nicht in Deutschland. Zwar schickte Albert Ballin, damals Vorstandsmitglied der HAPAG, 1891 erstmals ein deutsches Passagierschiff auf Luxus-Vergnügungsfahrt (der Begriff „Kreuzfahrt“ war damals noch nicht geläufig).

Aber die ersten Kreuzfahrten machten wohl Engländer und Norweger. Bereits 1882 begann der für Kreuzfahrten umgebaute Dampfer „Ceylon“ erfolgreiche Norwegen- und Mittelmeerfahrten für seinen britischen Eigner John Clark. Sie war damit das erste dauerhaft für Kreuzfahrten eingesetzte Schiff der Welt. 1885 machte die britische „Domino“ ihre ersten Nordlandfahrten, die bis 1890 jährlich wiederholt wurden. 1887 stellte eine schottischer Reederei einen eigens für Kreuzfahrten bestellten Neubau in Dienst, die „Sunniva“, die somit als der erste Kreuzfahrtschiff-Neubau gelten muss. Nachzulesen ist das bei Arnold Kludas´erstem Band „Vergnügungsreisen zur See“ (Danke an Uwe Schinzel für die Details dazu).

Trotzdem hat Miami große Bedeutung für die Kreuzfahrt, denn die Karibik mit Abfahrtshafen Miami war das erste wirklich wichtige Revier für Kreuzfahrten und für dieses Geschäft wurden auch erstmals in nennenswertem Umfang Schiffe ausschließlich und speziell für den Kreuzfahrt-Betrieb gebaut.

Welche Kreuzfahrt-Vorurteile nerven Euch am meisten? Und hattet Ihr selbst auch Vorurteile gegenüber Kreuzfahrten, bevor Euch der Kreuzfahrt-Virus befallen hat?