Royal Caribbean übernimmt 50 Prozent von Sandals Resorts International, einer großen Resort-Hotelgruppe in der Karibik. Die Financial hatte zunächst über entsprechende Gerüchte berichtet, inzwischen ist es offiziell. Royal Caribbean übernimmt damit gemeinsam mit Sandals Executive Chairman Adam Steward die operative Kontrolle von Sandals. Der Kaufpreis liegt bei drei Milliarden Dollar – knapp der Wert von zwei Mega-Kreuzfahrtschiffen.
Die Übernahme der Sandals Resorts & Beaches durch die Royal Caribbean Group, geplant für Anfang 2027, verschafft dem Kreuzfahrt-Unternehmen einen großen Vorsprung gegenüber der Konkurrenz wie Carnival, NCL und MSC im aktuellen Rennen um Reederei-eigene Privatinseln und Strandresorts im wichtigsten Fahrgebiet der Branche, der Karibik. Denn auch wenn Sandals ein landbasiertes Hotelunternehmen ist, so eröffnet es doch viele neue Möglichkeiten, diese Resorts auch für Kreuzfahrt-Passagiere zugänglich zu machen.
Sandals hat insgesamt 20 All-inclusive-Resorts in Antigua, Bahamas, Barbados, Curacao, Jamaika, Grenada, Saint Lucia und San Vincent sowie zwei Resorts unter der Marke Beaches Resorts in Jamaika und Turks & Caicos. Laut Financial Times ist Sandals der größte, einzelne Arbeitgeber in der Karibik.
Die Übernahme von zunächst 50 Prozent der Anteile an Sandals Resorts International kostet Royal Caribbean rund drei Milliarden Dollar – etwa so viel wie zwei große, neue Kreuzfahrtschiffe. Dabei soll die Royal Caribbean Group gemeinsam mit dem Executive Chairman Adam Stewart die Führung bei Sandals übernehmen. Laut Financial Times soll Royal Caribbean langfristig auch die restlichen Anteile an Sandals übernehmen.
Über die Sandals Resorts gab es laut Financial Times seit dem Tod des Gründers Gordon Stewart im Jahr 2021 immer wieder Gespräche mit potenziellen Käufern, die bislang ergebnislos verlaufen waren. Auch vor seinem Tod hatte Stewart versucht, das Unternehmen zu verkaufen, was letztlich am Beginn der Pandemie scheiterte.
Übernahme-Gespräche bestätigen großen Trend in der Kreuzfahrtbranche
Eine Akquisition in dieser Dimensionen zeigt eine Entwicklung in der Kreuzfahrtbranche, die immer mehr Fahrt aufnimmt: Die großen Kreuzfahrt-Unternehmen fokussieren nicht mehr nur auf ihre Schiffe, sondern versuchen zunehmend, auch Kontrolle über Häfen und Destinationen zu erlangen.
Was 1977 mit der ersten Privatinsel in den Bahamas begann, NCLs Great Stirrup Cay, ist heute zu einem wichtigen Bestandteil der Unternehmensstrategie geworden und wird von Experten als wesentlicher Baustein für weiteres Wachstum der Kreuzfahrt insbesondere mit sehr großen Schiffen gesehen.
Zuletzt hatte Royal Caribbean bereits im sogenannten Proxy-Statement (Mitteilung an die Aktionäre) für die Hauptversammlung 2026 das neue Selbstbild bereits deutlich formuliert: „Wir sind ein weltweit führendes Reiseunternehmen, dessen Angebot Kreuzfahrten, exklusive Reiseziele und Urlaubserlebnisse an Land umfasst.“
Von den Reedereien kontrollierte Destinationen wie Privatinseln und Strand-Resorts, aber in etwas anderer Ausprägung auch eigene Piers und Anleger an beliebten Orten vermeiden Overtourismus-Probleme, ermöglichen passende Angebote für die Zielgruppe der jeweiligen Reederei und schaffen vor allem Freiheiten bei der Routenplanung und ausreichende Infrastruktur an Land für die hohe Passagierzahl der Mega-Kreuzfahrtschiffe.
Der Beitrag ist ursprünglich am 23. September morgens erschienen, als die Übernahme lediglich ein Gerücht war, von dem die Financial Times berichtet hatte. Kurz darauf machten die beiden Unternehmen den Deal offiziell.



