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Mega-Kreuzfahrtschiff Oasis of the Seas

Große Kreuzfahrtschiffe sind schrecklich. Oder etwa doch nicht?

Es ist so vorhersehbar wie die Herzchen-Icons zum Foto eines schönen Sonnenuntergangs: Wenn ich einen Beitrag zu einem großen Kreuzfahrtschiff wie kürzlich zur Harmony of the Seas veröffentliche, kommt prompt ein Kommentar à la: „Schrecklich, diese Massenabfertigung  auf schwimmenden Bettenburgen“. Sind große Kreuzfahrtschiffe wirklich „schrecklich“? Und woher kommt eigentlich dieser Drang, große Schiffe reflexartig abzulehnen und schlecht zu reden? Ein ganz persönlicher Meinungsbeitrag …

Ich bekenne ganz offen: Ich finde große Schiffe faszinierend und besonders für die Oasis-Class-Schiffe von Royal Caribbean kann ich mich wirklich begeistern. Das heißt aber nicht, dass ich keine kleinen Schiffe mag. Ganz im Gegenteil: Mit einem Segelschiff in der Karibik zu kreuzen, auf einem Expeditionsschiff rund um Island – das ist wunderschön. Das eine schließt das andere nicht aus.

Woher kommt diese unausgesprochene Erwartungshaltung, dass man sich für eines von beiden entscheiden muss? Und anders als beim Fußball, Bayern gegen Dortmund oder St. Pauli gegen HSV, kann man doch das eine mögen, ohne das andere schlecht zu reden, oder? Woher kommt dieser Drang, Dinge pauschal ins Negative zu ziehen?

Im deutschen Sprachraum tritt dieses Phänomen in meiner Wahrnehmung besonders ausgeprägt auf. In den USA fallen die Reaktionen auf große Kreuzfahrtschiffe ganz anders aus: „hey cool“, „wow, sieht klasse aus“ oder „da würde ich jetzt auch gerne mitfahren“. Hierzulande fassen Menschen ihre radikale Ablehung gleich in pauschal abwertende Kommentare und stellen alle, die große Kreuzfahrtschiffe gut finden, in die Ecke derer die „nicht wissen, was gut ist“. Halten die Negativseher in den USA nur einfach öfter ihre Klappe? Oder ist die Gesellschaft dort – zumindest in dieser Hinsicht – toleranter?

Oder stecken da einfach nur ganz viel Unwissen und Vorurteile dahinter?

Was mir auch auffällt: Abwertende Kommentare kommen häufig von Menschen, die noch nie mit einem großen Kreuzfahrtschiff gefahren sind. Geht’s da einfach nur um Vorurteile? Um selbst Zusammengereimtes, das mit der Realität wenig zu tun hat? Unhinterfragt aus vorurteilsgeprägten Medien übernommene Sichtweisen?

Denn das habe ich schon mehrfach auf meinen Reisen erlebt: Menschen, auch Journalistenkollegen, die das erste Mal auf ein großes Kreuzfahrtschiff gehen; skeptisch, aber offen; jedoch am Ende der Reise begeistert – oder doch zumindest verstehend, warum man das mögen kann.

Ist es ein unbewusster Reflex, alles abzulehnen, was man nicht kennt? Sich selbst in ein besseres Licht zu stellen, indem man nur das gut heißt, was man selbst mag und alles andere abzuwerten? Nett wäre das wahrlich nicht, weil – ohne Not – es andere verletzt.

Sind große Schiffe eine Bedrohung für die kleinen?

Fühlen sich Fans klassischer, kleiner Kreuzfahrtschiffe durch die großen, modernen Schiffe bedroht? Fürchten Sie, dass es bald keine kleinen oder klassischen Kreuzfahrtschiffe mehr geben könnte? Oder geben sie womöglich den großen Schiffen die Schuld am eher schlechten Ruf der Kreuzfahrt in der breiten Öffentlichkeit?

„Contenance“, kann ich da nur sagen. Müssen die von Euch so verachteten Mega-Kreuzfahrtschiffe Euch wirklich kratzen? Lasst den Leuten doch ihren Spaß. Auf kleinen Schiffen seid Ihr idealerweise ohnehin in ganz anderen, nämlich kleineren Häfen und auf anderen Fahrtrouten unterwegs als die Mega-Kreuzfahrtschiff auf der Rennstrecke Barcelona – Marseille – Livorno – Civitavecchia – Neapel – Palma de Mallorca.

Da merkt man ja gar nicht mehr, dass man auf See ist …

Okay, aber was ist nun mit dem Argument, dass man „auf diesen Monsterschiffen“ gar nicht mehr merkt, dass man auf dem Meer ist? Nun, ohne jemandem zu nahe treten zu wollen, so wirklich stimmt das doch gar nicht.

Klar, wenn ich auf der Harmony of the Seas bei romantischer Abendlichtstimmung zwischen den (echten) Bäumen im Central Park sitze und einen Cocktail genieße, dann habe ich keinen Blick aufs Meer.

Aber wenn mir der Meerblick so wichtig ist, dann setze ich mich dort eben nicht hin. Sondern gehe zum Beispiel an die Wipeout Bar am Heck auf Deck 16 mit Barstühlen direkt an der Reling mit grandiosem Weitblick vom Kielwasser bis zu Horizont. Oder ins Solarium mit Blick nach vorne. Oder stelle mich irgendwo an die endlose lange Reling am Pooldeck oder unten auf dem Promenadendeck, wo man oft ganz allein für sich ist. So viel dann übrigens auch zum Thema „Menschenmassen“ …

„Ich könnte nicht ertragen, mit so vielen Menschen auf engem Raum zu sein.“

Es ist ja nicht so, dass diese vielen Menschen auf den engen Raum eines kleinen Schiffs gezwängt werden. Die großen Schiffe sind entsprechend groß, die Passagiere verteilen sich – im Idealfall wie auf den Oasis-Class-Schiffen so gut, dass ein deutlich großzügigeres Raumgefühl entsteht als auf so manchem kleinen Schiff.

Eine provokante Gegenfrage sei auch erlaubt: Der Städteurlaub in London ist okay? Weihnachtsmarkt-Besuch in München? Shopping in New York oder Dubai? Das soll im Vergleich zu den großen Kreuzfahrtschiffen ein toller Urlaub sein, obwohl dort viel mehr Menschen auf engem Raum unterwegs sind als auf einem Kreuzfahrtschiff?

Und auch im Hafen sind die „Menschenmassen“ doch meist nur ein theoretisches Problem. Denn niemand zwingt einen, an Reederei-Landausflügen im 50-Personen-Bus teilzunehmen. Niemand zwingt einen, sich mit den Massen zu bewegen. Mit dem Mietwagen oder auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln, Zügen, sogar zu Fuß kommt man schnell vom Hafen weg und sieht den Rest des Tages keinen einzigen der Mitreisenden. Den komplexen Aspekt „Overtourism“ klammere ich hier einmal aus, denn den habe ich in meinem Beitrag „Tourists go home: Wenn Städte vor Massentourismus und Overtourism kapitulieren“ schon ausführlich behandelt.

Spaß daran, seekrank zu werden?

„Auf den großen Schiffen spürt man keine Seebewegungen, das ist doch keine Seefahrt.“ Nun, für viele ist das sogar ein entscheidender Vorteil. Nicht jeder ist nämlich seefest und nicht jeder findet es klasse, auf kleinen Schiffen schon bei Drei-Meter-Wellen nicht mehr geradeaus laufen zu können und ständig mit Appetitlosigkeit und Kopfschmerzen zu kämpfen.

Wem das nicht ausmacht: Glückwunsch. Aber habt doch auch ein wenig Verständnis für Menschen, die „seekrank“ nicht als Idealzustand für ihren Urlaub betrachten. „Wer das nicht ab kann, soll halt nicht auf ein Schiff gehen.“ – Das wäre dann doch eine ziemlich arrogante Haltung, oder?

Und was ist mit Umweltschutz?

„Ja, aber diese Mega-Schiffe sind doch riesige Dreckschleudern.“ – Da werde jetzt ich einmal ein wenig arrogant und sage: Bitte die Fakten checken. Das Umweltthema hier auszuführen, würde natürlich mit Abstand zu umfangreich werden, denn es ist komplex und detailreich. Umfassende Fakten dazu gibt’s in meinen Umwelt-FAQ.  

Aber bei der Abwägung zwischen großen und kleinen Schiffen ist ohnehin etwas anderes entscheidend: Auf großen Schiffen sind viele Menschen, auf kleinen Schiffen wenige. Nimmt man genug kleine Schiffe, um auf die Zahl der Passagiere auf einem großen Schiff zu kommen, tun sich die beiden nicht viel in Sachen Klima und Umwelt. Das Argument geht zumindest in diesem Zusammenhang ziemlich ins Leere. Denn wir verurteilen auch nicht große Städte im Vergleich zu kleinen, weil deren Emissionen mit vielen Einwohnern logischerweise höher sind als in kleinen Städten mit weniger Einwohnern.

Einen echten Nachteil gibt’s aber dann doch …

So, genug Argumente abgewehrt. Zum Schluss kommt jetzt ein Punkt, den ich als einzigen signifikanten Nachteil großer Kreuzfahrtschiffe wirklich gelten lasse: die möglichen Fahrtrouten und Häfen. Denn das ist offensichtlich: Die Mega-Kreuzfahrtschiffe können, bedingt durch ihre schiere Größe, nur relativ große Häfen anlaufen.

Hübsche, kleine Orte oder auch Ziele, die nur durch eine schmale Fahrrinne erreichbar sind, Häfen mit wenig touristischer Infrastruktur – also touristisch sehr reizvolle Ziele – können die Mega-Kreuzfahrtschiffe nicht anlaufen. Der Weg dorthin führt dann eben nur über kleine Schiffe.

Das Argument, die großen Kreuzfahrtschiffe seien ja schon Destinationen für sich selbst und würden schon an Bord so viel bieten, dass man Häfen eigentlich gar nicht mehr braucht, spare ich mir jetzt einmal.

Fazit: Wo ist das Problem?

Wo ist also das Problem mit großen Kreuzfahrtschiffen? Warum muss man sich gegenüber Menschen, die diese Schiffe lieben, abfällig äußern? Diese Schiffe pauschal verdammen?

Heikel, aber ich spreche es dennoch einmal aus und hoffe, dass mir dafür niemand persönlich beleidigt ist: Ist es nicht ziemlich arrogant, wenn man (zumeist teure) exklusive Nischen-Produkte als das einzig Wahre propagiert und diesen „ekelhaften Massentourismus“ am liebsten verbieten würde?

  • arrogant, weil der größte Teil der Menschen sich diesen exklusiven Individual-Urlaub nicht leisten können;
  • unrealistisch, weil die einsame Almhütte natürlich nicht einsam bleiben würde, wenn alle dorthin pilgern – das haben wir während der Pandemie ja erlebt;
  • unvernünftig, weil Tourismus ohne Massentourismus überhaupt nicht funktionieren würde angesichts der enormen und stetig steigenden Zahl an Menschen auf der ganzen Welt, die sich immer mehr Wohlstand erarbeiten und in Urlaub fahren möchten.

Kritiker der großen Schiffe sollten es vielleicht eher so sehen: Gut, dass es die großen Schiffe gibt, denn das hält das Massenpublikum von den kleinen Schiffen fern. Dafür sollten die Kritiker doch eigentlich sehr dankbar sein.

Nicht falsch verstehen: Ich fordere nicht, dass niemand mehr seine Meinung zu großen Kreuzfahrtschiffen äußert. Warum auch? Und schon gar nicht in einem Beitrag, in dem ich selbst ja auch meine Meinung dazu äußere.

Ich halte vielmehr ein Plädoyer für mehr Offenheit. Für Akzeptanz, dass andere Menschen auch mal andere Dinge gut finden. Für einen Umgangston, der Menschen mit anderen Vorlieben und andere Meinung nicht herabwürdigt, sondern deren Sichtweise als gleichwertig respektiert:

„Für mich persönlich sind große Schiffe nichts, weil …“ – perfekt, das ist offener und fairer Meinungsaustausch.

„Diese großen Pötte sind doch fürchterlich“ – nicht so wirklich nett gegenüber Menschen, die diese Schiffe mögen, oder? Und ohnehin nicht zielführend in einer sachlichen Diskussion …

9 Kommentare

9 Gedanken zu „Große Kreuzfahrtschiffe sind schrecklich. Oder etwa doch nicht?“

  1. Gefällt mir , was Franz Neumeier kommentiert .
    Keiner wird gezwungen Kreuzfahrten zu machen .
    Auch gehen viele zu Massentreffs auf den Wochen- od. auch Weihnachtsmarkt , in Fussballstadien, zu Konzerten , zur Fastnachtseröffnung etc.
    ( Z. Zt. , wenn sie / er geimpft oder genesen sind ).
    meint Alfred

  2. Sehr objektiv geschrieben. Keiner wird gezwungen mit einem großen Schiff zu vereisen. Man möge aber bitte auch berücksichtigen, welchen Prozentsatz die Kreuzfahrten einnehmen. Also nicht über die Kreuzfahrtschiffe meckern, sondern auch schauen welchen Anteil die Frachtschiffe haben. PS. Im Moment ist es auf den Schiffen total entspannt, weil weniger Passagiere auf den Schiffen sind. Wir haben jedenfalls den Urlaub im Oktober 2021 genossen.

  3. Toller Bericht. Ich war schon auf mehreren „kleinen Schiffen“, aber auch auf der Harmony. So tolle Shows, wie ich auf diesem großen Schiff gesehen habe, habe ich sonst noch nirgendwo erlebt.
    Ich finde, dass jeder selbst wissen muss, auf was er bei einer Kreuzfahrt besonders Wert legt.

  4. Hallo Herr Neumeier, Sie sprechen mir aus der Seele! Auch ich bin Fan von kleinen und großen Schiffen und habe meinen Urlaub im Oktober auf der Harmony wieder sehr genossen! Soll jeder erst mal ausprobieren bevor er meckert! ;-)

  5. Hallo Herr Neumeier,
    vielen Dank für den sachlich und gut geschriebenen Artikel. Ich schließe mich Elke O. an, Sie sprechen mir aus der Seele. Auf Schiffen jeglicher Größe kann man wunderschöne Kreuzfahren erleben. Ich mag die Größe der „Mein Schiff“-Flotte (1-6), finde aber auch die AIDAnova aufgrund der geringen Schiffsbewegung bei Seegang und der vielfältigen Angebote klasse. Eine Kreuzfahrt mit der Oasis-Klasse von Royal Carribean stelle ich mir auch sehr spannend vor, zumindest, um einmal auszuprobieren, ob es mir in dieser Größenordnung gefällt. :-)

  6. Als ehem Crewmitglieder der QE2 und anderen kleineren Schiffen, bin ich zu 100% für die kleinen. Da ich der Meinung bin auf einem der Riesen habe ich das Gefühl von Rummelplatz und nicht auf einem Kreuzfahrer zu sein. Privat bin ich mit Msc, Azamara und anderen gefahren, wo Azamara Journey das beste war.

  7. Ich selbst unternehme gern Kreuzfahrten. Bisher allerdings nur mit Tui oder Aida. Von der Technik,Ausstattung, Einrichtung her liebe ich diese Riesenpötte. Schon genial was da machbar ist. Nur ich persönlich fühle mich da nicht wohl. Du schreibst man kann auch an Land dem Massentourismus entgehen indem man allein was unternimmt. So haben wir das fast immer gemacht. Doch schon der Weg vom Anleger……..hunderte von Touristen vorbei an den Bettlern und Armen im Hafen von Colon, Roseau oder Cartagena. Ich mit meiner mehrerer tausend Euro teuren Reise, Dollar und Kreditkarte in der Tasche vorbei an den Ärmsten der Armen. Ich kann nicht anders ich komme mir dabei völlig mies vor. Das ist eigentlich das was ich von den Kreuzfahrten wirklich mitgenommen habe…..keine schönen Strände von Costa Rica sondern die Einwohner von Puerto Limon. Und je größer die Schiffe und je mehr Menschen das Schiff verlassen umso mieser fühle ich mich. Komme mir dabei irgendwie großkotzig vor, und mag das selbst nicht.

  8. Lieber Franz,
    eine schöne sachliche Auflistung, doch leider – sachlich – unvollständig. Es fehlt die „Beherrschbarkeit bei widrigen Umständen“:

    Liegeplätze für derart große Schiffe können nur bei Wind von vorne oder achtern angelaufen oder verlassen werden. Bei „stärkerem“ Wind querab schafft es entweder das Schiff autark wegzukommen oder niemand kann helfen. Vor Ort befindliche Schlepper sind nicht in der Lage eine derartige „100-fach“ größere Segelfläche als die Gorch-Fock gegen den Wind vom Kai weg zu schleppen.

    Auch am Liegeplatz selbst, sind so große Segelflächen nur schwer zu halten. Bläst der Wind vom Liegeplatz weg, gibt es häufig nicht genug Poller, um mit einer Vielzahl von Leinen diese riesigen Segelflächen am Kai zu halten. Man kann das im Vergleich auch leicht beobachten: Je größer das Schiff, desto „chaotischer“ die Leinen-Vielfalt mit denen das Schiff am Kai festgemacht wird. NIcht nur die Kai-Länder, der davor liegende Wendeplatz, der Tiefgang, auch die Anzahl und Belastbarkeit von Pollern muss für diese Größt-Schiffe und ihre Windlasten geeignet sein. Hier sind Grenzen im Bau von Kaianlagen vorhanden.

    Auch auf See sind diese Grenzen beobachtbar: Kommt eines der „Riesenschiffe“ durch Ausfall z.B. eines Azipods in Bedrängnis, gibt es nirgendwo auf der Welt Schlepper, die über eine so große Schleppkraft verfügen, um diesen Riesenschiffen helfen zu können.

    Und im schlimmsten Fall aller Fälle ist man sowohl auf See wie auch an Land nahezu überall überfordert, wenn man 10.000 Personen „quasi gleichzeitig“ aufnehmen soll. Man denke an die deutlich kleinere „Costa Concordia“ die mit den an Land treibenden Menschen die Insel Giglio schnell überforderte.

    Wenn mit einem der aktuellen Riesenschiffe einmal „etwas wesentliches ausfällt“ (Wasserversorgung, Stromversorgung, Steuerfähigkeit etc.) was ein schnelles Abbergen erfordert, dann möchte ich lieber nicht an Bord sein. Und wir wissen ja mittlerweile: Auch bei maximal geschützte Kernkraftwerke kann der GAU (größter anzunehmender Unfall) passieren, bei Kreuzfahrtschiffen ist dies nicht anders.

  9. @Ronald: In Teilen würde ich da zustimmen, allerdings sollte man berücksichtigen, dass das beim Schiffsbetrieb teils natürlich berücksichtigt wird. Sprich: Wenn der Wind zu stark wird (oder entsprechend vorhergesagt ist), wird ein solches Schiff einen Hafen eben gar nicht mehr anlaufen, bei dem sich Probleme durch die große Segelfläche ergeben. Das trifft ansonsten natürlich auch z.B. auf enge, längere Fahrrinnen zu, wie etwa beim Anlauf auf St. Petersburg.

    Bzgl. Ausfall von Azipods, Schiffsmaschinen o.ä. ist zu erwähnen, dass vor allem die ganz großen Schiffe mit mehrfacher Redundanz der wichtigsten Systeme ausgelegt sind, sodass zumindest äußerst unwahrscheinlich ist, dass alles gleichzeitig ausfällt. Natürlich ist es nicht völlig ausgeschlossen, aber das trifft auch auf sehr viele andere Risiken in unserer Welt zu. Insofern macht’s da aus meiner Sicht mehr Sinn, auf eine relative Sicherheit zu schauen. Denn sonst müsste man glaube ich z.B. auch Individual-Autoverkehr sofort komplett verbieten ;-)

    Und beim Ausfall von Wasserversorgung, Licht, Abwasseranlagen spielt es aus meiner Sicht keine große Rolle, ob ich auf einem kleinen oder einem großen Schiff im Dunklen sitze, die Toilette nicht mehr funktioniert und kein Wasser aus der Leitung kommt. Der relative Vorzug großer Schiffe in diese Hinsicht ist, dass es tendenziell mehr Redundanzen gibt als auf kleinen, sodass der Ausfall unwahrscheinlicher ist.

    Bzgl. Überforderung an Land bei notwendiger Bergung dagegen glaube ich, dass hier in der Tat mehr Vorsicht und mehr Planung notwendig wäre – insbesondere in abgelegeneren Regionen bzw. dort, wo es wenig Infrastruktur gibt. Rettungsdienste in Nord-Norwegen warnen schon lange davor, dass sie bei größeren Schiffen nicht die Kapazität für Evakuierung größerer Schiffe hätten. Die Frage, ob man Schiffe mit 2.500 Passagieren (das sind ja noch nicht einmal wirklich große Schiffe) in der Antarktis kreuzen oder nach Spitzbergen oder Grönland schicken sollte, müsste in der Kreuzfahrtbranche unter diesem Aspekt konsequenter diskutiert werden …

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