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Unfall der MSC Opera und River Countess am 9. Juni 2019 in Venedig (Bild: Carsten Fister)

MSC-Opera-Kapitän nach Venedig-Unfall im Juni 2019 verurteilt

Nach dem Unfall der MSC Opera im Juni 2019 in Venedig hat der Kapitän nun eine Haftstrafe von fünf Monaten erhalten, die jedoch in eine Geldstrafe umgewandelt wurde. Bestraft werden auch der Chefingenieur, der Chefelektriker und zwei weitere Besatzungsmitglieder. Bei dem Unfall am 2. Juni 2019 war das Kreuzfahrtschiff in Venedig im Giudecca-Kanal beim Kreuzfahrt-Terminal San Basilio in ein Flusskreuzfahrtschiff sowie in den Pier gefahren und hatte erheblichen Schaden verursacht.

Ein für den Prozess erstelltes Gutachten zu dem Unfall hat laut der italienischen Tageszeitung Il Gazzettino ergeben, dass eine Reihe von Fehlern der Schiffsbesatzung zu dem Unfall geführt hat. MSC Cruises hatte die Schuld dagegen bei der Bauwerft des Schiffs, der französischen Chantiers de l’Atlantique, verortet.

Laut Medienberichten haben sich Staatsanwaltschaft und Verteidigung nun auf ein Strafmaß geeinigt. Seereisen Portal berichtet von fünf Monaten Haft für Kapitän Carmine Siviero, jeweils zwei Monate für den Chefingenieur und den Chefelektriker sowie jeweils zehn Tage für zwei weitere Besatzungsmitglieder. Alle Strafen wurden in Geldstrafen umgewandelt.

Update 12. Februar: Inzwischen hat MSC Cruises auf Anfrage von cruisetricks.de zu dem Urteil Stellung genommen: „MSC Cruises möchte klarstellen, dass die ausgesprochenen Urteile darauf hinweisen, dass das vorgeworfene Vergehen nach dem italienischen Gesetzbuch als geringfügig eingestuft wurde. Als solches konnten alle Angeklagten ihre Strafen in Geldstrafen umwandeln. Niemand wird eine Haftstrafe antreten und niemand hat seine Schuld eingestanden. MSC Cruises hat damit die Möglichkeit, andere juristische Wege zu beschreiten, um die wahren Ursachen des Vorfalls aufzudecken, und die betroffenen Mitarbeiter können so ihr Berufsleben fortsetzen.“

Kapitän Carmine Siviero ist seit 1992 bei MSC Cruises und hat seine Karriere als Deck-Kadett auf der Achille Lauro begonnen. Zur Zeit des Baus der MSC Opera war er für MSC zur Überwachung und Begleitung von Neubauten in der Werft in Saint-Nazaire tätig. Er ist seit 2009 Staff Captain und seit 2018 Master.

Warnsignal eine Stunde lang ignoriert

In dem Gutachten zum Prozess steht, dass auf der MSC Opera bereits vor Einfahrt in die Lagune von Venedig auf den Überwachungsmonitoren ein Warnsignal erschienen sei, das auf den Ausfall eines elektrischen Moduls der Hauptschalttafel  hinwies. Das Modul sei unter anderem für die Energieversorgung der Brücke und der Steuerung für die Drehzahl der Propeller verantwortlich gewesen.

Der technische Offizier und der Chefingenieur hätten das Warnsignal jedoch ignoriert, obwohl das Problem laut Gutachten durch Umlegen von zwei Schaltern einfach hätte behoben werden können. Stattdessen fand die Energieversorgung für die verbundenen Steuerelemente ab diesen Zeitpunkt für etwa eine Stunde über einen Notstrom-Akku (USV) statt, dessen Energiereserve kurz vor dem Unfall im Giudecca-Kanal schließlich erschöpft war. Ausgelegt ist diese Notstromversorgung offenbar für 30 Minuten.

Durch den Ausfall der Notstromversorgung wurde das Schiff manövrierunfähig und auch die Regulierung der Fahrtgeschwindigkeit war nicht mehr möglich. In der Folge rammte die MSC Opera am Kreuzfahrt-Terminal San Basilio das Flusskreuzfahrtschiff River Countess von Uniworld und schrammte an der Pier entlang, bis sie zum Stehen kann. Bei dem Unfall wurden vier Menschen verletzt. Einige Passagiere des Flusskreuzfahrtschiffs konnten sich in letzter Sekunde über die Gangway an Land retten.

Zu hohe Geschwindigkeit

Das Gutachten stellt weiterhin fest, dass die MSC Opera an der Unfallstelle etwas zu schnell gefahren sei, nämlich mit 6 statt der erlaubten 5,8 Knoten. Schon auf einem Streckenabschnitt davor sei das Schiff 8 Knoten statt der dort erlaubten 6 Knoten gefahren.

Wie Corriere Marittimo berichtet, hatte MSC Cruise vor Gericht die Fehlfunktion eingeräumt, jedoch angegeben, der Alarm sei nicht auf den Überwachungsmonitoren angezeigt worden. Daher habe die Besatzung nach Bemerken des Problems nur noch sehr wenig Zeit zum Eingreifen gehabt. Dies sei ein technisches Versagen und damit ein Fehler, der von der Bauwerft des Schiffs zu verantworten sei. Das Gutachten sieht das jedoch anders.

Schlepper-Kapitäne entlastet

Die Kapitäne der beiden mit der MSC Opera verbundenen Schlepper „Ivonne C“ und „Angelina C“ wurden entlastet, sie treffe keine Schuld an dem Unfall. Laut Gutachten hatten sie alles getan, um das Schiff umzulenken und abzubremsen und hätten damit deutlich schwerwiegendere Folgen vermieden. Entlastet wurden in dem Prozess auch weitere zunächst verdächtigte Besatzungsmitglieder wie der Wachoffizier, der Co-Navigator und der Sicherheitsoffizier.

Schadensersatzklage von Uniworld gegen MSC Cruises: 11,5 Millionen Euro

In dem Prozess ging es um die strafrechtlichen Aspekte des Unfalls. Schadensersatzforderungen sind teils bereits zwischen den Unfallbeteiligten und den Versicherungen geregelt worden. Uniworld, Eigentümer des bei dem Unfall schwer beschädigten Flusskreuzfahrtschiffs River Countess, strengt hingegen nun eine Schadensersatzklage über 11,5 Millionen Euro gegen MSC Cruises an, wie Travel Weekly berichtet. Der Betrag soll insbesondere die Schäden am Flusskreuzfahrtschiff sowie den Umsatzverlust durch die für die Reparaturen nötige Absage von 14 Kreuzfahrten abdecken. Man sei eigentlich nicht auf einen Rechtsstreit aus, ließ Uniworld verlauten, intensive Gespräche mit MSC Cruises seien jedoch unproduktiv geblieben. MSC habe gemauert und die Verhandlungen immer weiter verzögert.

Zweifel an der Kreuzfahrt in der Lagune von Venedig bestärkt

Der Unfall der MSC Opera in Venedig hatte großes, internationales Medienecho ausgelöst und Zweifel an den ohnehin umstrittenen Kreuzfahrtaktivitäten in der Lagune von Venedig verstärkt. Der Unfall der MSC Opera bestätigten die Befürchtungen der Kreuzfahrtgegner in der Lagunenstadt, dass Unfälle von Schiffen auf der Fahrt vorbei am Markusplatz und entlang des Giudecca-Kanals zum Kreuzfahrt-Terminal Stazione Marittima katastrophale Folgen haben könnten.

Tatsächlich hat bei dem Unfall der MSC Opera im Juni 2019 wohl auch ein glücklicher Zufall schlimmeres verhindert: Die MSC Opera traf an einer Stelle auf den Pier und das Flusskreuzfahrtschiff, an der der Pier nahe dem Kreuzfahrt-Terminal San Basilio mit Beton verstärkt ist.

Mehr Details zu den vielfältigen Aspekten der Kreuzfahrt-Kritik in Venedig finden Sie in unserem Beitrag „Venedig und die Kreuzfahrtschiffe: Es ist kompliziert“.

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