Hygiene auf Kreuzfahrtschiffen: Über Sinn und Unsinn der amerikanischen Vorschriften

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Wer schon einmal eine Kreuzfahrt von den USA aus gemacht hat, kennt wahrscheinlich die Abkürzungen USPH und CDC. Sie stehen für strenge Hygiene-Vorschriften und bereiten den Verantwortlichen der Reedereien so manche Kopfschmerzen.

Im cruisetricks.de-Interview: Axel Sorger, General Manager der Mein Schiff 6
Im cruisetricks.de-Interview: Axel Sorger, General Manager der Mein Schiff 6

Wenn auf einem Kreuzfahrtschiff von USPH („United States Public Health“) die Rede ist, geht es um die Standards des US-Gesundheitsministeriums für die Hygiene an Bord. Als operative Einrichtungen des US-Gesundheitsministeriums führen die Centers for Disease Control and Prevention (CDC) im Rahmen des so genannten Vessel Sanitation Program (VSP) regelmäßig Inspektionen auf allen Schiffen durch, die amerikanische Häfen anlaufen.

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Kernziel der Hygiene-Vorschriften und der entsprechenden Inspektionen der Kreuzfahrtschiffe ist es, die Entstehung, Verbreitung und Ansteckung mit Magen-Darm-Infektionen an Bord zu verhindern.

Cruisetricks.de hat auf der Mein Schiff 6 während einer Kreuzfahrt von New York nach Neuengland und Kanada mit General Manager Axel Sorger gesprochen und ihn nach Hintergründen und Zusammenhängen gefragt.

Was bedeutet USPH und das Vessel Sanitation Programm für ein Kreuzfahrtschiff wie die Mein Schiff 6, wenn sie amerikanische Häfen anläuft?

Amerika und Kanada sind ehemalige Einwanderungsländer. Diese Historie will man aufrechterhalten und schauen, wer da ins Land kommt, gerade auch in punkto Sicherheit. Generell Sicherheit, aber eben auch Hygiene-Sicherheit. Man möchte gewährleisten, dass für Menschen, die das Land als Gast betreten, die auferlegten Spielregeln aufrechterhalten werden.

Die Amerikaner haben dazu ein Regelwerk aufgestellt, das Vessel Sanitation Program. Das ist ein Hygiene-Programm, eine Richtlinie, die das Center of Disease Control herausbringt und das sich speziell mit der Hygiene auf Kreuzfahrtschiffen beschäftigen. Zurzeit ist das Werk von 2011 auf dem Markt, aber man sagt, dass das neue Werk für 2017 eigentlich noch in diesem Jahr veröffentlicht werden soll. Es gibt eine ganz klare Idee davon, wie das Ganze zu handhaben ist.

„In punkto Hygiene führen mehrere Wege nach Rom. Aber das VSP ist eben für uns ein verbindliches Werk.”

Jetzt führen in punkto Hygiene mehrere Wege nach Rom, wie man so schön sagt. Aber es ist eben für uns ein verbindliches Werk. Darauf müssen wir uns einrichten, wenn wir das Land betreten. Die Kanadier akzeptieren das auch als Regelwerk und im Grunde genommen ist das alternativlos. Es wird ganz klar erwartet, dass diese Vorgaben eingehalten werden. Und das machen wir denn auch. Das heißt, wir gleichen unser Konzept an, das ja auch innerhalb der Mein-Schiff-Flotte wirklich schon komplex ist.

Da haben die Amerikaner ganz klare Vorgaben und es dreht sich vom Herzstück her immer darum, Cross-Kontaminierung zu vermeiden und das Mikroorganismenwachstum unter Kontrolle zu behalten, durch Zeit- und Temperaturkontrolle. Das sind neben den ganzen baulichen Dingen die Herzstücke des Regelwerks.

Vielleicht hat das der eine oder andere auf den Kreuzfahrtschiffen schonmal gesehen, dass man sich ganz schön strecken muss, wenn man vom Buffet etwas nehmen möchte. Das hängt mit diesen Glasscheiben zusammen, sage ich mal so unfachmännisch, die man da angebracht hat.

Sneeze Guards - Spuckschutz am Buffet
Sneeze Guards – Spuckschutz am Buffet

Das sind die so genannten Sneeze Guards, oder im Deutschen klingt das nicht ganz so schön: Spuckschutz. Die sind genau nach den Vorgaben des Vessel Sanitation Program gebaut. Damit vermeidet man, dass das irgendwo Flüssigkeiten ausgespuckt werden und Speisen kontaminieren.

Dann geht das immer weiter: wie man die Zangen am Buffet positioniert, auch hier wieder der Begriff der Cross-Kontaminierung, dass vermieden wird, dass irgendwo Hände, die nicht sauber sind, mit Lebensmittel über Zangen in Verbindung kommen.

Sehr aufwändig ist die ganze Dokumentation, um die Zeiten zu kontrollieren. Und die Temperaturen müssen wir permanent listen. Das machen wir generell auch, aber die Amerikaner haben nochmal spezielle Vorgaben seitens des Vessel Sanitation Program, die wir entsprechend erfüllen müssen.

Können Sie Beispiele nennen, wo an Bord auch der Passagier Unterschiede zu Europa erkennt?

Das sieht man beispielsweise daran, dass die Besteckständer weggekommen sind. Im Grunde komme ich immer mit den gleichen Worten: Da dreht es sich wieder um das Thema Cross-Kontaminierung. Bei einem Besteckständer könnte beispielsweise jemand das Besteck an den Kontaktflächen anfassen.

In den USA nicht erlaubt: Besteck-Ständer auf den Tischen im Buffet-Restaurant
In den USA nicht erlaubt: Besteck-Ständer auf den Tischen im Buffet-Restaurant

Wir praktizieren das ja gewöhnlich so, dass wir diese Besteckständer im normalen Betrieb immer wieder austauschen. Eigentlich liegt es ja in der Natur der Sache, dass man das Besteck oben anfasst. Aber die Amerikaner haben da eine ganz klare Vorstellung, dass sie das als Risikofaktor trotzdem ausschließen möchten.

Und dann geht es weiter … Wenn man draußen zum Beispiel in den Freibereichen Tische eindecken wollte, würde man eigentlich erwarten müssen, dass da eine Dachkonstruktion drüber wäre. Wenn diese Dachkonstruktion nicht da ist, dürfte man diese Tische dort so nicht eindecken. Das heißt, der Gast könnte zwar mit seinem Teller und seinem Besteck raus gehen. Aber das Besteck dürfte dort nicht schon eingedeckt auf den Tischen sein.

Einige werden es aus dem Atlantik-Restaurant kennen: Neben dem Buffet und dem servierten Frühstück haben wir auch das so genannte Trolley-Frühstück mit Mitarbeitern, die direkt mit einem fahrbaren Wagen zum Gast fahren und der Gast kann dort seine Speisen auswählen. Diese Wägen entsprechen nicht den USPH-Vorgaben. Das heißt, die mussten wir wegnehmen. Und das war dann auch alternativlos. Denn die Wägen müssten mit Spuckschutz, Kühleinrichtungen und so weiter versehen werden. Die Wägen wären dann aber so schwer, dass man die gar nicht mehr fortbewegen könnte.

Sind wir Deutschen so unhygienisch, oder übertreiben es die Amerikaner mit der Hygiene?

Prinzipiell ist das einfach eine andere Herangehensweise. Auch wir lassen kein Lebensmittel unkontrolliert, aber es gibt eben unterschiedliche Auslegungen dazu. Für Amerikaner ist es ganz klar, dass eine Speise, die vier Stunden auf dem Buffet war, entsorgt werden muss. Man kann diese Dinge einfach auch über Temperaturen regeln, aber hier sind eben diese Vorgaben alternativlos.

„Prinzipiell ist das einfach eine andere Herangehensweise.”

Viele Wege führen nach Rom, aber die Amerikaner erwarten schlicht und ergreifend, dass ihr Vessel Sanitation Program umgesetzt wird, wenn man ihr Land betreten möchte.

Wir haben ganz klar auch unsere Hygiene-Systeme am Platz. Die sind weder besser noch schlechter, aber hier in Amerika muss man sich einfach an die Vorgaben halten.

Wie umfangreich und komplex ist das Regelwerk?

Das ist im A-5-Format und umfasst so um die 250 Seiten. In jeder neuen Ausgabe sind die Neuerungen und Änderungen nach den neuesten Erkenntnissen gelb markiert. Für uns ist es im Senior Management so, dass man immer mehr dafür Experten braucht. Wir haben auf den Schiffen auch einen Sanitation Officer eingesetzt, der die Abteilungsleiter durch Training, Inspektionen und Anleitung unterstützt, weil die Dinge mittlerweile so komplex sind, und wir immer auf dem neuesten Stand der Dinge sein müssen.

Welche Rolle spielen die Desinfektionsmittel-Spender an den Eingängen zu den Restaurants?

Handsanitizer bei TUI Cruises
Handsanitizer bei TUI Cruises

Das ist eine gute Ergänzung und mittlerweile nicht mehr wegzudenken. Was allerdings in dem Zusammenhang sehr wichtig ist, dass der Handsanitizer, egal welches Produkt man einsetzt, mit welcher Einwirkzeit auch immer, niemals das Händewaschen ersetzt. Und hier gibt es bei uns so eine Regel: Selbst wenn man sich die 20 Sekunden nicht merken kann, bleibt bei den meisten doch hängen, dass man einmal den Song „Happy Birthday“ singen muss und so lange Hände waschen wäre eigentlich notwendig, bis hin zum Waschen der Unterarme, bis die Hände keimfrei wären.

Würde man das Ganze nur mit dem Handsanitizer machen und würde man die Hände dann unter UV-Licht halten, würde man trotz Handsanitizer sehen, wie stark doch noch Kontaminierung stattfindet. Deshalb findet man inzwischen auch – und da sind unsere Schiffe nach dem neuesten Stand der Dinge gebaut – überall Handwaschbecken. Was wir natürlich auch immer nahelegen und gerne sehen ist, wenn sich die Gäste dort die Hände waschen.

Handwaschbecken im Buffet-Restaurant der Mein Schiff 4
Handwaschbecken im Buffet-Restaurant der Mein Schiff 4

In dem Moment, wo es notwendig wäre, wenn wir also zum Beispiel merken, dass in Deutschland ein Magen-Darm-Virus umgeht, würden wir intern die Maßnahmen erhöhen: Man würde mit Durchsagen arbeiten, Mitarbeiter im Eingangsbereich positionieren, dass wirklich auch Händewaschen und Nutzen der Handsanitizer in Fleisch und Blut übergeht.

Man kann generell empfehlen: Hände waschen, Hände waschen, Hände waschen.

Konkret nachgefragt: Wie hygienisch sind denn die Besteck-Ständer tatsächlich?

Die sind unproblematisch, weil das Besteck im Laufe der Operation, wie wir dazu sagen, immer wieder gewechselt wird. Wir arbeiten seit Jahren mit den Besteck-Ständern und haben keine Probleme damit. Man sieht ja auch, wie die Quote so ist im Outbreak-Bereich ist und da haben wir überhaupt keine Auffälligkeiten. Deshalb dürfte man das auch nicht so an den Besteck-Ständern festmachen. Aber hier geht es aus Sicht der Amerikaner eben ganz klar um das Thema der Risiko-Minimierung.

Besteck-Ständer bei TUI Cruises
Besteck-Ständer bei TUI Cruises

Diese Lösung, wie wir sie jetzt hier im Rahmen des Vessel Sanitation Proggrams anbieten müssen, wäre bis zu einem gewissen Grad auch angreifbar. Denn jetzt gibt es so genannte Besteckmulden, in denen das Besteck mit den Kontaktflächen nach unten in der Mulde steht. Da ist es aufgrund des starken Geschäftes aber nicht damit getan, das man zwei Gabeln da drinnen hat, sondern da sind viele Besteckteile. In dem Moment, wo da jemand rein nießt, oder rumgrabbelt an den ganze Bestecken, weil er genau die Gabel aus der Mitte herausziehen möchte, ist man genau wieder bei dem gleichen Punkt.

Deshalb denke ich, dass man da auch ein bisschen die Kirche im Dorf lassen sollte und deshalb ist das mit den Besteckständern auch kein Thema. Das Wichtigste ist, dass die innerhalb des Geschäftes zurück genommen, die Bestecke abgenommen und gespült werden und neu bestückte Besteckständer kommen. Da ist also ein Zyklus, dass man die nicht über Tage hinweg belässt und immer wieder nur davor hängt. Da unterliegen wir dann auch ganz klar unseren eigenen Vorgaben, um diese Besteckständer zu rechtfertigen.

Was wären die Konsequenzen, wenn ein Schiff bei einer CDC-Inspektion durchfallen würde?

Glücklicherweise haben wir uns jetzt mit der Mein Schiff 6 ja schon zweimal bewiesen. Die Grundlage ist immer ein Score von 100. Beide Länder, Kanada und Amerika, vergeben einen Maximal-Score von 100. Wir haben in Kanada eine 95 erzielt und in Amerika, was aufgrund der Inspektionen noch als härter eingeschätzt wird, haben wir eine 99 bekommen. Das heißt, mit all den Anpassungen waren wir erfolgreich.

„Zuerst einmal müssten die gravierenden Mängel behoben werden, und dann würde das Schiff zu einer erneuten Inspektion herangezogen werden.”

Würde der theoretische Fall eintreten, dass man bei einer solchen Inspektion durchfällt – im unteren 80er-Bereich fällt man durch – dann würde das bedeuten, dass das Schiff zu einer Re-Inspektion herangezogen wird. Zuerst einmal müssten die gravierenden Mängel behoben werden, und dann würde das Schiff zu einer erneuten Inspektion herangezogen werden.

In den letzten Jahren hat sich auch durchgesetzt hat, dass die Amerikaner nicht nur wollen, dass man sich auf einen Tag X einstellt kann, sondern sie behalten sich auch das Recht vor, im Laufe Saison noch einmal zu kommen. Wir sind jetzt also in der Situation, gerade auch mit der nächsten Reise, die wir gen Süden fahren, dass die Amerikaner gegebenenfalls nochmal vorstellig werden, um uns noch einmal inspizieren, trotzdem wir sehr erfolgreich unsere Visitenkarte da gelassen haben. So möchte man gewährleisten, dass das nicht nur Eintagsfliegen sind, die man entsprechend vorbereitet, sondern sie wollen schon ganz klar, dass über diese Zeit, in der man sich in amerikanischen Hoheitsgewässern bewegt, nach dem Vessel Sanitation Program gearbeitet wird.

Noch eine Detailfrage zum Schluss: Die Handsanitizer stehen manchmal an vermeintlich sehr ungünstigen Stellen – etwa beim Einsteigen unmittelbar vor der Kontrolle der Kabinenkarte. Gibt’s auch dafür einen konkreten Grund?

Prinzipiell stellen wir die Handsanitizer so auf, dass es aufgrund des Prozesses Sinn macht. Letztlich geht es darum: Bevor man einen Bereich, das Schiff oder auch ein Restaurant betritt, dass man davor das Gerät benutzt und dann noch ein bisschen Einwirkzeit hat, weil die Substanzen ja nicht sofort ihre Wirkung entfalten.

General Manager Axel Sorger in seinem Büro auf der Mein Schiff 6
General Manager Axel Sorger in seinem Büro auf der Mein Schiff 6

Die besten Produkte liegen mittlerweile bei einer Einwirkzeit um die 60 Sekunden, manchmal sogar zwei Minuten. Das bräuchte man letztendlich. Und wenn dem so ist, dass da ein Prozess im konkreten Fall nicht stimmig ist, dann müssen wir da nochmal reingucken. Aber das ist der grundsätzliche Gedankengang, der da dahinter steckt.

Wir danken Axel Sorger für die Details und Einblicke im cruisetricks.de-Interview.

Einen ausführlichen Reisebericht zur Kreuzfahrt mit der Mein Schiff 6, auf der ich das Interview geführt habe, finden Sie im Beitrag „Nach Nordost-Amerika zum Indian Summer mit der Mein Schiff 6“.

Anmerkung*: Cruisetricks.de fuhr auf der Mein Schiff 6 auf Einladung von TUI Cruises. Das Interview entstand während dieser Reise.

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7 Kommentare zu Hygiene auf Kreuzfahrtschiffen: Über Sinn und Unsinn der amerikanischen Vorschriften

  1. Harald Ammermann on Oktober 16, 2017 at 11:04 pm

    Da ist Herr Sorger entweder schlecht informiert, oder sein Sanitation Officer gehört ausgetauscht: die aktuellen Händedesinfektionsmittel haben eine Einwirkzeit von 15 bis 30 Sekunden (Noro-Virus-wirksam), und selbstverständlich ist eine ordentliche Händedesinfektion einer Händewaschung überlegen, sowohl was die Reduzierung der Keimzahl als auch was die Hautverträglichkeit anbelangt. In der Regel macht häufiges Händewaschen die Haut kaputt, nicht häufiges desinfizieren. Und ja, bei der Desinfektion wird keine „Kontamination“ real von den Händen entfernt, aber – und das ist entscheidend! – es geht keine Infektionsgefahr mehr davon aus. Das Hauptproblem an Bord von Kreuzfahrtschiffen ist meiner Erfahrung nach eher, dass die aufgestellten Automaten viel zu wenig Mittel abgeben. Um eine wirksame Desinfektion nicht nur der Fingerspitzen zu erreichen, muss ich mindestens 3 Mal die Hände unter den Sensor halten. Außerdem nutzen zu viele Passagiere die Geräte nicht oder nicht konsequent genug. Hier müsste man ansetzen…

  2. Franz Neumeier on Oktober 17, 2017 at 7:44 am

    Sie erlauben mir bitte anzumerken, dass ich die Wortwahl „austauschen“ in Zusammenhang mit Menschen und ihrem Job für unangemessen halte und mir hier einen menschenfreundlicheren Umgangston wünschen würde.

    In der Sache selbst hake ich gerne bei TUI Cruises noch einmal nach, um eventuell missverständliche oder falsche Aussagen zu korrigieren.

    Dass Passagiere die Handsanitizer zu wenig nutzen, ist unbestritten und Axel Sorger spricht in dem Interview ja auch an, dass entsprechende Zusatzmaßnahmen ergriffen werden, wenn es ein erhöhtes Risiko gibt. Meiner Erfahrung nach geschieht das dann sehr konsequent, ggfs. auch mit schärferen, Noro-wirksamen Mitteln und mit Personal, das alle Passagiere zur Desinfektion „zwingt“.

    Ich denke, man sollte bei diesem Aspekt besonders berücksichtigen, dass wir auf einem Kreuzfahrtschiff nicht von einer hochsensiblen Klinik-Umgebung mit Hygiene oder gar Keimfreiheit als oberster Priorität sprechen, sondern von einer entspannten, angenehmen Urlaubs-Umgebung, für die die Passagiere viel Geld bezahlen und bei der man sehr genau abwägen muss zwischen Wohlfühlen der Passagiere und dem im Normalfall verhältnismäßig geringen Risiko.

  3. Eike on Oktober 23, 2017 at 9:29 am

    Die geringe Menge kann ich nur unterstreichen. Wenn ich, wie normal praktiziert, nur eine Hand unter den Spender halte, reicht die Menge nicht mal, um beide Hände zu benetzen. Es muß also erstmal jede Hand einzeln ihre Portion abholen, bevor man das Desinfektionsmittel überhaupt einreiben kann.

    Was allerdings absolut nicht beantwortet ist, ist die Frage, wieso die Desinfektionsspender beim Schiffseingang so dicht vor der Bordkartenkontrolle stehen. Man ist noch dabei, das Mittel zu verteilen, und muß gleichzeitig seine Karte raussuchen und präsentieren – da beißt sich eindeutig was. (Auf einer Kreuzfahrt habe ich es sogar schon geschafft, mit dem Desinfektionsmittel den Aufdruck der Bordkarte zu verwischen…)

  4. Franz on Oktober 23, 2017 at 9:41 am

    @Eike: Interessanterweise sind die Spender eigentlich bei allen Reedereien knapp vor der Kartenkontrolle aufgestellt – irgendeine Bewandtnis muss das wohl haben. Leider blieb in dem Interview keine Zeit, bei dem Thema nochmal nachzuhaken, weil meine Interview-Zeit ohnehin schon vorüber war und die diese Frage noch schnell nachgeschoben hatte. Ich bleibe bei der Frage aber dran – vielleicht finde ich doch noch eine plausible Erklärung dafür. Meine Vermutung: Der Einflussbereich der Reederei beginnt an dieser Stelle und sie wollen die Desinfektion auf jeden Fall vor der Kartenkontrolle machen. Ist aber nur eine spekulative Vermutung …

  5. Eike on Oktober 23, 2017 at 10:27 am

    @Franz: Ich vermute mal, man erhofft auf diesem Wege (die Aufstellung kurz vor der ersten Kartenkontrolle) mit einer Person beide Aufsichten bewältigen zu können.
    Ich habe auch schon (gemütlich vom Balkon aus) beobachtet, wie einem Mitpassagier, der sich standhaft weigerte, die Hände zu desinfizieren, der Zugang zum Schiff verweigert wurde. Das ganze eskalierte dann so weit daß ein hochrangiger Offizier (Sicherheitsoffizier oder Staff Captain, bin mir nicht mehr ganz sicher) an der Gangway erschien, und dem Passagier mit sehr deutlichen Worten erklärte, entweder er desinfiziert sich die Hände oder er wartet hier eine halbe Stunde, um seine Koffer in Empfang zu nehmen. Widerwillig wählte das Gast dann ersteres, nicht ohne mehrfach zu betonen, daß er ja „ganz oben in Rostock“ wichtige Leute kenne und dafür sorgen werde, daß Köpfe rollen.
    Ja, manchmal bietet der Kabinenbalkon ein besseres Unterhaltungsprogramm als das Theater.

  6. Franz on Oktober 23, 2017 at 10:28 am

    noch ein Punkt auf meiner lange Liste, warum ich gerne in Balkonkabinen reise ;-)

  7. Franz Neumeier on Oktober 29, 2017 at 10:36 am

    @Harald Ammermann: Ich habe inzwischen eine ausführliche Antwort von TUI Cruises zu den angesprochenen Punkten bekommen, die ich hier der Einfachheit halber direkt zitiere:

    · Die Automaten sind genormt und geben eine fest definierte Menge an Desinfektionsmittel ab. Die Statistik der letzten Jahre bestätigt, dass die an Bord verfügbaren Händedesinfektionsgeräte und die Menge welche ausgestoßen wird, ausreichend ist.

    · Eine Händedesinfektion ist einer Händewaschung überlegen, wenn es um Infektionen und Krankheiten geht. Darum sind wird dazu verpflichtet, ab einer bestimmten Anzahl von Virusinfektionen gezielt auf die Hand-Desinfektion hinzuweisen. Im Normalfall reicht aber normales Händewaschen aus. Die Benutzung von Desinfektionsmitteln ist nur empfohlen, aber nicht verpflichtend. Wenn es um die Handreinigung geht, sollte man sich vor allem die Hände waschen. Nur dann werden zum Beispiel Sporen abgespült. Bei einer Desinfektion werden die Keime abgetötet, aber lediglich durch das Hände waschen können diese abgespült werden. Deswegen empfiehlt Axel Sorger ja auch im Interview: „Man kann generell empfehlen: Hände waschen, Hände waschen, Hände waschen.“

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