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Ich packe meinen Koffer für eine Kreuzfahrt … und kriege erstmal schlechte Laune

„Du bist doch so viel auf Reisen, da hast Du bestimmt ein paar coole Tipps zum Kofferpacken“, werde ich immer wiedermal gefragt. Ja, habe ich tatsächlich – auch wenn einige der Antworten überraschen werden. Hier also meine ganz persönlichen Tricks und Packtipps für eine Kreuzfahrt.

Es ist erstaunlich, wie sehr sich meine Gewohnheiten beim Kofferpacken für Kreuzfahrten mit der Zeit geändert haben. Ich bin sehr viel unterwegs und habe das Packen immer weiter optimiert und nehme heute auch andere Dinge auf Reisen in den Koffer als früher.

Aber eines hat sich über all die Jahre nicht geändert: Kofferpacken macht mir keinen Spaß, vielmehr kriege ich regelmäßig schlechte Laune, wenn ich vor dem leeren Koffer stehe und nicht weiß, was ich einpacken soll. Brauche ich ein Sakko oder geht’s ohne? Regenjacke, oder bleibt’s trocken? Und wie gehe ich damit um, dass es in Deutschland gerade schneit, in der Karibik aber 30 Grad herrschen?

Wenn der Koffer dann fertig gepackt ist und die Kofferwaage gerade einmal 17 Kilogramm anzeigt, wird meine Laune noch schlechter. Da fehlt doch noch irgendetwas. Was habe ich vergessen einzupacken? Auch nach so vielen Jahren intensiven Reisens werde ich dieses ungute Gefühl einfach nicht los – was vielleicht daran liegt, dass es mir auch schon einmal gelungen ist, tatsächlich ohne meinen Geldbeutel zu verreisen. Oder meine Kamera zu Hause liegen zu lassen. Beides allerdings nur einmal und nie wieder …

Was kommt in den Koffer, was bleibt zu Hause?

Eine Packliste mit allen möglichen Tipps für nützliche Gegenstände und Kleidungsstücke, die man für eine Kreuzfahrt dabeihaben sollte oder kann, habe ich schon einmal ausführlich im Beitrag „Packtipps: Was gehört für eine Kreuzfahrt in den Koffer?“ zusammengestellt – von Sonnenhut bis medizinisches Tape-Band. Deshalb konzentriere ich mich hier vor allem auf das Packen des Koffers selbst.

Eine Frage, die ich mir immer häufiger stelle ist: „Brauchst Du das wirklich?“ Oft ist die Antwort: „Nein, geht auch ohne.“ Und dann bleibt dieses Kleidungsstück oder dieser Gegenstand einfach zu Hause. Nur bei essenziellen Dingen wie Sonnenschutz mache ich keine Kompromisse.

Koffergewicht reduzieren

Früher war mein Koffer immer an der Gewichtsgrenze, manchmal auch etwas über den 23 Kilogramm. Mit zwei Strategien haben ich das geändert und liege jetzt selten über 18 Kilogramm, auch auf längeren Reisen:

Ich verwende viel Kleidung aus Merinowolle. Merino ist leichter als Baumwolle oder Kunstfaser. Merino deckt aber auch einen größeren Temperaturbereich ab und funktioniert sowohl bei warmem, also auch kaltem Wetter sehr gut. Und Merino riecht auch nach mehrmaligem Tragen nicht. Notfalls kann man ein T-Shirt also auch mal drei Tage hintereinander anziehen, wenn man wirklich sparsam mit Kleidung sein muss. Oder abends im Waschbecken schnell waschen. Merino trocknet schnell.

Ich nehme weniger mit und wähle meine Garderobe so, dass sie vielfältig einsetzbar ist – sowohl zum Landausflug, als auch abends bei nicht allzu formeller Kleiderordnung. Schwarze Lederschuhe für formelle Abende lasse ich beispielsweise nahezu immer zu Hause und trage auch zum Anzug meine dunklen Giesswein-Schuhe aus Merinowolle. Das mag ein modischer Faux-Pas sein, spart aber eine Menge Platz und Gewicht im Koffer.

Frauen tun sich da noch leichter, weil sich beispielsweise ein luftiges, dunkles Kleid mit kleinen Accessoires schnell zur Abendgarderobe aufpeppen lässt. Ein dunkles T-Shirt als Anzug-Ersatz ist bei Männern einfach keine Option.

Etwas ganz Entscheidendes habe ich mit der Zeit gelernt: Nahezu niemand achtet darauf, was ich anziehe. Niemand bemerkt auch nur, wenn ich dieselbe Hose, dasselbe T-Shirt mehrfach anziehe (so lange es sauber und hygienisch ist, natürlich). Keinen stört’s wirklich, wenn die Schuhe nicht zur Hose passen oder ich statt Sakko eine elegante Strickjacke anhabe, die in ihrer Zweitfunktion auch als wärmende, zweite Schicht dient, wenn es man unerwartet kalt wird.

Also kann ich mir die Sorgen um solche Themen weitgehend sparen und beim Packen vor allem pragmatisch vorgehen – insbesondere: Kleidung und Schuhe einpacken, die sich gleichermaßen für ganz verschiedene Zwecke verwenden lassen und nicht womöglich wie ein dunkler Anzug nur für wenige Stunden an einem einzigen Abend während der Reise. Ist im Koffer noch Platz für den Anzug – wunderbar. Aber wenn nicht? Dann eben nicht.

Striktes Prinzip: zwei Gepäckstücke, mehr nicht

Bei allen Reisen folge ich einem strikten Prinzip: nie mehr als zwei Gepäckstücke – ein Rucksack und ein Koffer. Das reduziert das Risiko erheblich, den Überblick zu verlieren und in hektischen Situationen ein Gepäckstück zu vergessen.

zwei Gepäckstücke, mehr nicht …

Besonders riskante Momente: Sicherheitskontrolle, knapper Anschlussflug oder wenn man übermüdet aus einem Langstreckenflieger aussteigt. Vor allem, wenn man sonst nur zwei Gepäckstücke dabei hat und dann ausnahmsweise mal drei mitnimmt, vergisst man das Dritte schnell mal im Ablagefach des Flugzeugs oder womöglich schon in der S-Bahn zum Flughafen.

Welcher Koffer-Typ?

Zur Frage, welcher Koffertyp sich für eine Kreuzfahrt am besten eignet, habe ich bereits vor einiger Zeit einen ausführlichen Beitrag geschrieben: „Der richtige Koffer für die Kreuzfahrt“.

Welche Koffer man bevorzugt, ist Geschmackssache. Ich persönlich verwende leichtgewichtige Hartschalenkoffern-Modelle von Samsonite mit vier Rollen (zum Beispiel den Samsonite Lite-Shock). Die sind – bei den vielen Reisen, die ich mache – robust genug und zugleich preislich noch vertretbar. Die vier Rollen machen das Schieben oder Ziehen vor allem an Flughäfen und in Kreuzfahrt-Terminals leicht, auch wenn der Koffer mal etwas schwerer ist.

Packen nach dem Baukasten-Prinzip

Den Koffer effizient zu füllen und vor allem das Auspacken am Schiff geht viel leichter mit Packtaschen. Für ein paar Euro gibt es rechteckige Taschen mit Reißverschluss in verschiedenen Größen.

Pack- und Schuhtaschen für Ordnung im Koffer …

In eine kommen alle T-Shirts, in eine andere Socken und Unterwäsche, in eine dritte der ganze Rest wie Badehose, Schlafanzug, Sonnenhut et cetera. Schuhe kommen in Schuhbeutel. Anzug, Sakko und Hemden, sofern sie wirklich nötig sind, kommen in einen Kleidersack.

… und Packen nach Baukastenprinzip

So habe ich nahezu keine losen Gegenstände, sondern nur fertig gepackte „Bausteine“, die ich schnell im Koffer einsortieren und wenn es nicht passt, einfach umschichten kann. Am Schiff in der Kabine landen die Packtaschen samt Inhalt in den Regalfächern des Schranks. Auspacken dauert bei mir keine fünf Minuten.

Wäschereiservice und Guest Laundry

Einen Nachteil hat meine Strategie mit der Merinowoll-Kleidung freilich: Merinowolle ist relativ teuer und zugleich etwas empfindlich, sodass ich sie nicht der Bordwäscherei oder irgendeiner unbekannten Waschmaschine in der Guest Laundry des Schiffs anvertrauen will.

Aber für alles andere gilt: weniger mitnehmen und notfalls ein paar Stücke zwischendurch an Bord waschen. Gerade auf längeren Reisen muss man so deutlich weniger Kleider mitnehmen und kann unterwegs in der Guest Laundry waschen (soweit auf dem Schiff vorhanden) oder vom Reinigungsservice an Bord waschen lassen. Wenn man aufmerksam ist, wird man oft Sonderangebote vor allem zu Beginn oder kurz vor Ende einer Kreuzfahrt finden, mit denen der Wäscheservice noch günstiger wird. Bei Costa gibt’s beispielsweise den „Magic Bag“ für 19,99 Euro zum Waschen und Falten von 25 Kleidungsstücken, den man jederzeit während der Reise und auch mehrfach kaufen kann.

Wer sich das Wäschewaschen nach der Reise zumindest teilweise sparen will, lässt etwa Socken und Unterwäsche kurz vor Reiseende mit einem solchen Sonderangebot an Bord waschen und kommt mit sauberer Wäsche nach Hause.

Meinen dunklen Anzug lasse ich übrigens gerne mal an Bord reinigen. Das ist meist günstiger als an Land und ich spare mir den Weg zur Reinigung – der Kabinensteward holt ihn ab und bringt ihn spätestens zwei Tage später zurück. Als Nebeneffekt habe ich dann einen perfekt glatten, frisch gereinigten Anzug fürs Galadinner.

Air Tags: Damit ich frühzeitig weiß, wenn der Koffer weg ist

Ein Gegenstand ist im vergangenen Jahr neu in meine Koffer gekommen: In heutigen Zeiten, in denen Koffer gerne einmal stehen bleiben oder verloren gehen, finde ich Air Tags zunehmend unentbehrlich. Ich habe mir sogar extra ein altes i-Phone 6 bei Ebay gekauft, um die Air Tags unterwegs tracken zu können. Es gehört schon zur Routine, mich direkt nach der Landung damit ins Flughafen-Wlan einzuloggen und auch bei Umsteigeverbindungen am Zwischenstopp schonmal nachzusehen, ob der Koffer noch bei mir ist.

Am Zielort prüfe ich, ob sich das Warten am Kofferband überhaupt lohnt, oder ob ich gleich zur Gepäckverlust-Meldestelle gehen kann. Stehe ich in Miami und mein Koffer wurde vor drei Minuten noch in Frankfurt geortet, dann ist klar, dass Warten sinnlos ist.

Noch ein Tipp übrigens zum Thema Gepäckverlust: Ich fotografiere meinen Koffer, bevor ich ihn am Flughafen aufgebe. Das macht es im Falle eines Verlusts deutlich leichter, das Gepäckstück bei der Verlustmeldung genau zu beschreiben.

Flugreisen nur mit Handgepäck?

Was ich bis heute nicht schaffe und bei anderen bewundere, die das hinbekommen: Flugreisen nur mit Handgepäck, ohne aufgegebenen Koffer. Laptop, Kamera und ein wenig Technik-Zubehör, das wegen der Akkus nicht in den aufgegebenen Koffer darf – damit bin ich schon fast am Gewichts- und Volumen-Limit. Wo sollte da noch zumindest eine essenzielle Bad- und Kosmetik-Ausstattung hin? Ein zweites Paar Schuhe? Ganz zu schweigen von ein, zwei Hemden, halbwegs knitterfrei?

Deshalb habe ich weitgehend aufgegeben, „nur Handgepäck“ auch nur zu probieren, außer bei Kurzreisen für nur ein oder zwei Nächte. Einen Koffer aufzugeben, verschafft mir daher auch ein wenig Seelenfrieden. Denn ich spare mir den Stress des minimalistischen Packens und habe außerdem noch etwas Luft im Koffer für Mitbringsel auf der Rückreise, etwa eine Flasche meines Lieblings-Rums von den Bahamas oder einer Großpackung feinem Tee aus Asien.

Danke: Ein Dank geht an Daniel Dorfer von Fernwehblog.net für die Anregung zu diesem Beitrag. Hätte ich auch mal selbst draufkommen können, bin ich aber nicht. Manchmal braucht es einfach einen Anstoß von außen. Danke dafür, Daniel.

5 Kommentare

Über den Autor: FRANZ NEUMEIER

Franz Neumeier
Über Kreuzfahrt-Themen schreibt Franz Neumeier als freier Reisejournalist schon seit 2009 für cruisetricks.de und einige namhafte Zeitungen und Zeitschriften. Sein Motto: Seriös recherchierte Fakten und Hintergründe statt schneller Schlagzeilen und Vorurteile, damit sich jeder seine eigene Meinung bilden kann. TV-Reportagen zitieren ihn als Kreuzfahrt-Experten und für seine journalistische Arbeit wurde er mehrfach ausgezeichnet. Er wird regelmäßig in die Top 10 der „Reisejournalisten des Jahres“ gewählt und gewann mit cruisetricks.de mehrfach den „Reiseblog des Jahres“-Award.

5 Gedanken zu „Ich packe meinen Koffer für eine Kreuzfahrt … und kriege erstmal schlechte Laune“

  1. Sehr gute Tipps, leider sind Träger von großen Größen und großer Schuhe da etwas benachteiligt, sowas geht schnell ins Gewicht. Bisher aber (seit Kofferwechsel, war 2010) keine Probleme beim Koffergewicht gehabt.
    Auch der Tipp zum fotografieren des Koffers ist Gold wert, haben wir letztes Jahr erst kürzlich selbst erlebt, da hat sich die Lost&Found Stelle sehr auf die detaillierte Beschreibung und Fotos gefreut, …sowas macht kaum einer… war der Kommentar.
    Wir haben eine PDF erstellt mit Fotos, Beschreibung und Rechnung des Koffers, die ist auf dem Handy gespeichert.
    AirTags sind nur für Apple-User nutzbar, Alternativen gibt es, aber nicht so gut.
    Als neues Gadget probieren wir jetzt einen faltbaren Wäschekorb aus https://www.amazon.de/Delamiya-Netz-W%C3%A4schekorb-Zusammenklappbarer-Kinderzimmer-Studentenwohnheim/dp/B0BDFS924X/ref=rvi_sccl_8/258-0566239-3120008?pd_rd_w=OIAp9&content-id=amzn1.sym.22019d9a-e205-410a-b337-2be913e3a486&pf_rd_p=22019d9a-e205-410a-b337-2be913e3a486&pf_rd_r=89SCFWH01085BP9DJ089&pd_rd_wg=qpIQV&pd_rd_r=f4cef6bb-cc2b-42f3-af36-a82a6762cc6d&pd_rd_i=B0BDFS924X&psc=1
    Schaun wir mal, wie das klappt. In 18 Tagen gehts los.
    Schöne Grüße

  2. Klar, Airtag brauchen ein Apple-Gerät, um das Gepäck zu tracken. Deshalb habe ich mir ein altes, gebrauchtes iPhone 6 für ca. 50 Euro bei eBay gekauft; beim Preis von rund 25 Euro pro Airtag ist das dann auch schon egal ;-)
    Wofür genau nutzt Du den faltbaren Wäschekorb?

  3. Der soll die Schmutzwäsche luftig unterbringen im Schrank. Ist zusammengelegt sehr klein, aber dann riesengroß. Andere Farben als schwarz oder grau sind oft sogar günstiger.
    Kann natürlich auch alles andere aufnehmen, was nicht rum(f)liegen soll.

  4. Ich reise nach Möglichkeit mit Handgepäck. Wenn ich nicht auf Kreuzfahrt („Gala“-Klamotten) bin und die Reise max. 1 Woche dauert.
    Ich verwende dazu einen Rucksack von Cabin Max. Sogar ein zweites Paar orthopädische Schuhe (Halbstiefel, schwer) bekomme ich darin unter zzgl. zu mindestens 4 T-Shirts, 7 Unterhosen, 7 Strümpfe, 3 Hemden, einer extra Hose, Schirmmütze mit Nackenschutz etc.
    Allerdings verzichte ich auf einen Laptop, nicht jedoch auf mindestens eine Kamera, GorillaPod, zwei Netzteile, Powerbanks, Sonnenschutz etc. Als Kulturbeutel verwende ich den Waschsalon von Jack Wolfskin. Den kann ich zusammenrollen oder auf den Klamotten flach ausbreiten.
    Wegen der Klimaanlage im Flugzeug habe ich sowieso einen Zipper-Hoodie und eine Regenjacke an. Und die Wollmütze auf dem Kopf :-)

  5. @Andreas: Respekt … Ich denke, ich muss das Thema „nur Handgepäck“ doch nochmal neu angehen. Die lange Warterei auf den Koffer am Gepäckband (wenn er denn kommt) bin ich jedenfalls ziemlich leid ;-)

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