Erstattung für abgesagte Kreuzfahrt

Kreuzfahrt abgesagt – wie bekomme ich mein Geld zurück?

Die enorme Zahl der Kreuzfahrt-Absagen stellt die Reedereien vor gewaltige Herausforderungen: Etwa die Hälfte der Kunden wollen möglichst schnell ihr Geld zurück und Zehntausende von Buchungen müssen rückabgewickelt werden. Wie Sie an Ihr Geld kommen und welche Alternativen es zur Erstattung des Reisepreises gibt, haben wir in diesem Beitrag zusammengefasst.

Das deutsche Pauschalreiserecht ist zunächst einmal eindeutig: Storniert die Reederei als Reiseveranstalter eine Kreuzfahrt, müssen Anzahlung beziehungsweise Reisepreis innerhalb von 14 Tagen erstatten (§ 651 h Abs. 5 BGB). Eine allgemeine Mitteilung über die Kreuzfahrt-Absage auf der Website der Reederei ist aber noch keine formelle Kündigung des Reisevertrags, denn die muss individuell erfolgen.

Die 14-Tage-Frist gilt auch, wenn der Kunde selbst vom Reisevertrag zurücktritt, nicht aber bei Vertragskündigung nach § 651l BGB. Details dazu finden Sie in unserem Beitrag „Wann Corona-Risiken und Masken-Pflicht (k)ein Grund für einen Reiserücktritt sind“.

Unrealistische 14-Tage-Frist für Reisepreis-Erstattung

Aber auch wenn das Gesetz diese 14-Tage-Frist vorsieht: Eine Pandemie mit immensen Auswirkungen auf die Reise- und Kreuzfahrt-Industrie hatte der Gesetzgeber nicht im Sinn, als er diese Regelung zum Verbraucherschutz schuf.

Faktisch sind die Reedereien seit Beginn der Coronavirus-Pandemie sowohl personell als mutmaßlich auch finanziell außer Stande, diese Frist einzuhalten. In der gesamten Reiseindustrie dauert es derzeit wesentlich länger, bis die Kunden ihr Geld zurückbekommen.

Geduld, Umbuchung, Gutschein

Manche Passagiere warten schon seit Monaten auf ihre Rückerstattungen warten. Geduld ist dennoch oft der beste Weg, mit dem Thema umzugehen. Letztlich ist das aber eine Entscheidung jedes Einzelnen und von persönlichen Umständen abhängig.

Übrigens: In der Kreuzfahrt verlangt nur rund die Hälfte der Kunden ihr Geld zurück – je nach Reederei zwischen etwa 40 und 60 Prozent. Die übrigen akzeptieren die oft recht attraktiven Gutschein-Angebote der Reedereien oder buchen auf spätere Reisetermine um.

Mehr zu Gutscheinen, Umbuchungen und Insolvenzversicherung bei Pauschalreisen finden Sie in unserem Beitrag „Erstattung, Umbuchung, Reisegutschein“.

Geld zurück: Das sind die Optionen …

Es gibt erstaunlich viele Möglichkeiten, sein Geld erstattet zu bekommen – egal ob Anzahlung, Kosten für bereits gebuchte Ausflüge, Spa-Anwendungen, Internet- oder Getränkepakete oder den bereits komplett bezahlten Reisepreis. Auf die einzelnen Wege gehen wir weiter unten ausführlich ein. Im Überblick:

  • Immer der erste Schritt: Mit der Reederei sprechen und die Informationen aus der individuellen Kreuzfahrt-Absage genau lesen, um festzustellen, ob man für eine Erstattung selbst aktiv werden muss.
  • Chargeback-Verfahren bei Mastercard-, Visa- und American-Express-Kreditkarten
  • Lastschrift zurückgeben
  • Inkassobüro beauftragen
  • gerichtliches Mahnverfahren
  • Klage vor Gericht

Keine sinnvolle Option ist übrigens, auf den Paypal-Käuferschutz zu setzen. Warum das so ist, erläutern wir weiter unten ausführlicher.

Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen bietet auf ihrer Website übrigens für viele Situationen Musterbriefe (siehe Abschnitt „Pauschalreise“).

Chargeback bei Kreditkarten

Wer seine Reise mit einer American-Express-, Visa- und Mastercard-Kreditkarte gezahlt hat, kann sein Geld auf diesem Weg auch wieder zurückholen. Denn Kreditkartengesellschaften sehen ein Verfahren zur Rückbuchung von Zahlungen vor, das sich „Chargeback“ nennt. Dieser Weg ist recht einfach, dauert aber nach Auskunft der Kreditkartengesellschaften sechs bis acht Wochen.

Zurückholen kann man Zahlungen auf diesem Weg gesetzlich bis maximal acht Wochen nach der Zahlung. Die Kreditkartengesellschaften gewähren aber oft eine längere Frist, typischerweise 120 Tage. Beachten Sie, dass Chargeback lediglich das Geld zurückholt. An den vertraglichen Verpflichtungen aus dem Reisevertrag änder sich nichts.

Für das Chargeback-Verfahren füllt der Kreditkarten-Inhaber typischerweise ein Formular der Bank aus, die die Kreditkarte ausgibt. Bei American Express ist die Kreditkartengesellschaft selbst der Ansprechpartner. Die Kreditkartengesellschaft und die beteiligten Banken klären untereinander, ob die Rückbuchung berechtigt ist – was bei einer abgesagten Kreuzfahrt nach Verstreichen der 14-Tage-Frist typischerweise der Fall ist.

Viele Details zu Chargeback-Verfahren finden Sie bei Finanztip.de. Auch ein Blick in die Chargeback-Bedingungen der jeweiligen Kreditkartengesellschaft ist sinnvoll, denn wie immer gibt es einige Bedingungen und Einschränkungen.

Selbst bei Insolvenz des Reiseveranstalters bleibt beim Chargeback-Verfahren übrigens eine gute Chance auf Erstattung.

Lastschrift zurückgeben

Die Rückgabe einer Lastschrift-Zahlung funktioniert ähnlich wie das Chargeback-Verfahren. Allerdings prüft die Bank hier nicht, ob die Rückbuchung gerechtfertigt ist. Es findet also lediglich ein Geldtransfer statt. Eventuelle Verpflichtungen aus dem Reisevertrag bleiben unverändert bestehen und müssen direkt mit dem Reiseveranstalter geklärt werden.

Für die Rücklastschrift muss der Kunde weder einen Grund angeben noch nachweisen, dass es sich um eine fehlerhafte Buchung handelt. Die Website anwalt.de empfiehlt, der Bank für die Rückbelastung eine Frist von 14 Tagen zu setzen und den Eingang des Geldes zu prüfen.

Eine Lastschrift zurückgeben kann der Kunde innerhalb von acht Wochen nach Abbuchung. Diese Frist bezieht sich auf berechtigte Abbuchungen. Das trifft bei einer Kreuzfahrt-Absage typischerweise zu, denn grundsätzlich hatte der Kunde dem Reiseveranstalter die Abbuchung ja erlaubt. Bei der Rückgabe von ursprünglich berechtigten Abbuchungen darf die Bank eine Gebühr berechnen.

Der Deutsche Verbraucherschutzverein e.V. sieht die Rückbuchung ausdrücklich als Weg an, eigene Forderungen bequem durchzusetzen. Denn über die Rückbuchung dreht der Kunde den Spieß erst einmal um und erspart sich selbst den mühsamen Weg einer gerichtlichen Mahnung oder Klage.

Wollen Sie die Abbuchung beispielsweise von fälligen Restzahlungen von Ihrem Konto verhindern, sollten Sie rechtzeitig und schriftlich die Einzugsermächtigung widerrufen. Beachten Sie aber, dass lediglich der Widerruf der Einzugsermächtigung nicht den eigentlichen Reisevertrag kündigt. Dementsprechend besteht die Zahlungspflicht aus dem Reisevertrag erst einmal weiter und der Reiseveranstalter kann das Geld einfordern.

Keine Rückbuchung bei Paypal

Gelegentlich liest man im Internet den Tipp, die Reise per Paypal zu bezahlen, um sich das Geld bei Absage über den Paypal-Käuferschutz zurückzuholen. Die Chancen stehen dabei aber denkbar schlecht, denn der Käuferschutz erstreckt sich nicht auf Reisebuchungen, sondern ist nur für Online-Bestellungen im Versandhandel gedacht. Anzahlungen sind vom Käuferschutz ohnehin ausgeschlossen.

Inkassobüro beauftragen

Bei „Inkassobüro“ denken viele spontan an Russenmafia und Schlägertrupps. Die Art von Inkassobüro ist hier aber nicht gemeint. Vielmehr geht es um seriöse Unternehmen, die das Eintreiben von Forderungen professionell und gesetzeskonform als Dienstleistung anbieten. Voraussetzung ist, dass die Forderung berechtigt ist und man dem Inkassobüro entsprechende Nachweise dazu liefern kann. Bei einer abgesagten Kreuzfahrt ist das nicht schwierig.

Die eleganteste Variante ist ein Inkasso, bei dem der Dienstleister auch seine Gebühren und Kosten beim Schuldner eintreibt, sodass man 100 Prozent der Forderungen ausgezahlt bekommt. Allerdings kommt die Auszahlung auch erst dann, wenn die Erstattung erfolgreich eingetrieben wurde.

Bei anderen Modellen tritt man beispielsweise die Forderung an das Inkassobüro ab, das den Betrag abzüglich einer Gebühr oder eines Prozentsatzes sofort auszahlt und sich anschließend um alles Weitere kümmert. Diese Variante ist eigentlich nur zu empfehlen, wenn man wirklich sofort und dringend Geld braucht.

Nicht alle Inkasso-Unternehmen übernehmen Aufträge von Privatpersonen. Vorauszahlungen für Gebühren sollte man generell nicht leisten. Inkassobüros kümmern sich gegebenenfalls auch um eine gerichtliche Mahnung oder das Einklagen der Erstattung bei Gericht. Gute, weiterführende Informationen gibt es beispielsweise hier (Link zu einem Inkasso-Unternehmen, da es dort gute Informationen zum Thema gibt; der Link stellt keine Empfehlung für das Unternehmen dar).

Gerichtliches Mahnverfahren

Ein gerichtliches Mahnverfahren hat im Gegensatz zur direkten Klage den Vorteil, dass es kostengünstig ist und dafür kein Anwalt nötig ist.

Erstattet der Reiseveranstalter die Zahlungen einer abgesagten Kreuzfahrt nicht innerhalb der gesetzlichen 14-Tage-Frist, muss man ihn zunächst aktiv in Zahlungsverzug setzt. Dazu schickt man – um es beweisbar zu machen per Einschreiben mit Rückschein – eine formlose Mahnung mit Zahlungsaufforderung an den Reiseveranstalter und setzt eine „angemessene“ Zahlungsfrist. Zwei Wochen sollten in diesem Fall als Frist ausreichen.

Zahlt der Veranstalter innerhalb dieser Frist nicht, legt man beim Amtsgericht den Nachweis über den Zahlungsverzug vor und beantragt ein gerichtliches Mahnverfahren. Der Reiseveranstalter bekommt dann vom Gericht eine Zahlungsaufforderung. Reagiert er darauf nicht fristgerecht (zwei Wochen), bekommt man direkt einen Vollstreckungstitel zur Zwangsvollstreckung.

Widerspricht der Reiseveranstalter der Forderung aus dem Mahnbescheid oder später dem Vollstreckungsbescheid, geht das Verfahren vor Gericht. Eine Anwaltspflicht besteht hier nicht. Da der Ausgang des Verfahrens in diesem Fall ziemlich eindeutig sein dürfte, trägt aber auch gegebenenfalls anfallende Anwaltskosten letztlich der Veranstalter.

Im Internet wird berichtet, dass manche Fluggesellschaften zweifelsfrei berechtigten, gerichtlichen Mahnbescheiden widersprechen und damit eine Niederlage vor Gericht einkalkulieren, nur um die Zahlung weiter hinauszögern zu können. Aus der Kreuzfahrt ist uns bislang kein derartiger Fall bekannt.

Anwalt nehmen und vor Gericht klagen

Die ultimative Maßnahme, um sein Geld zurückzubekommen, ist, mithilfe eines Anwalts direkt Klage gegen den Reiseveranstalter zu erheben. Wer keine Rechtsschutzversicherung hat, streckt die Anwaltskosten hier gegebenenfalls vor. Bei dem – bei eindeutiger Rechtslage – sehr wahrscheinlichen Erfolg vor Gericht, trägt aber der Klagegegner, also der Reiseveranstalter, letztlich die Anwalts- und Gerichtskosten.

Wer diesen Weg beschreiten will, sollte sich bei einem Rechtsanwalt beraten lassen und mit ihm das Vorgehen klären. Daher wollen wir hierzu an dieser Stelle nicht weiter auf diesen Weg eingehen.

Geduld oder rechtliche Schritte?

Ob man sich in Geduld übt, Zahlungen zurückbuchen lässt, ein Inkassobüro beauftragt oder rechtliche Schritte einleitet, muss letztlich jeder in der eigenen Situation selbst entscheiden. Geduld belastet die Ressourcen der Reedereien am wenigsten, während andere Maßnahmen zusätzliche Arbeit und Kosten verursachen, sodass es für alle anderen, die ebenfalls auf ihr Geld warten, noch länger dauert.

Allerdings hat auch nicht jeder so viel Erspartes, um auf das Geld monatelang verzichten zu können – insbesondere wenn man damit gerne einen alternativen Urlaub buchen und bezahlen möchte. Viele haben auch nicht die Möglichkeit, auf eine spätere Kreuzfahrt umzubuchen, weil ihr Chef keine langfristige Urlaubsplanung für 2021 zulässt oder weil eine Reise im kommenden Jahr aus anderen Gründen nicht infrage kommt.

5 Kommentare

5 Kommentare zu “Kreuzfahrt abgesagt – wie bekomme ich mein Geld zurück?

  1. Wir haben mit den Fristen von Chargeback andere Erfahrungen gemacht. American Express hat uns unsere Anzahlung wieder gutgeschrieben, obwohl wir die vor knapp einem Jahr schon getätigt hatten.

  2. Bei mir hat auch AIDA dem Mahnbescheid widersprochen, um Zeit zu gewinnen. Dann aber nach ein paar Wochen doch bezahlt.
    Nochwas: Vorsichtig sein mit Gerichts- und Anwaltskosten! Bei einer Pleite des Schuldners bleibt man darauf sitzen.
    Der Sicherungsschein deckt nur die reinen Reisekosten ab.

  3. @Krämer: Danke für die Ergänzung. Ja, im Falle eine Insolvenz würde die Sache natürlich insgesamt schwierig. Wie viel Geld man letztlich auch mit vorhandenem Sicherungsschein erhält, hängt auch davon ab, wie noch die Schadenssumme bei dem Versicherungsunternehmen hinter dem Sicherungsschein insgesamt im jeweiligen Jahr ist, weil nach deutschem Recht deren Gesamthaftung leider auf 110 Millionen Euro gedeckelt ist, was bei Thomas Cook ja nicht genug war. Leider hat die Bundesregierung da bis heute keine bessere Lösung gefunden und schiebt die Entscheidung gerade weiter vor sich her …

  4. Guten Abend lieber Herr Neubauer,
    wir zwei hatten schon mal das Vergnügen auf Ihrer Unterseite “Finanzen und Status der vier größten Reedereien” und ich hatte versprochen mich noch einmal zu melden, wenn alles erledigt ist.
    Ja, ich habe meine Anzahlung, nach etwas mehr als sechzig Tagen Wartezeit, unerfreulichem Mailverkehr und massiven Drohungen von mir hinsichtlich einer Klage, zurück. Ich halte die Begründungen für die lange Wartezeit bis zur Erstattung sehr für an den “Haaren herbeigezogen”! Und ich glaube, als früherer Unternehmer, welcher auch sehr stark mit IT zu tun hatte, weiß ich wovon ich rede. Es geht meiner Meinung nach lediglich darum, Liquidität zu erhalten! Mir tun lediglich die äußerst loyalen Mitarbeiter leid. Also spätestens nach vier Wochen einfach nur massiv Druck machen, um kein Geld zu verlieren.

    Vielleicht noch ein Hinweis in anderer Sache: Wer eine Kreuzfahrt mit Mundschutz machen möchte, oder so mehrere Stunden im Flieger, Bus oder Zug sitzen, soll es doch bitte tun. In spätestens einem Jahr wissen wir, wie viele es sind. Ich bin definitiv nicht dabei.

  5. So lange ich im Flugzeug eine Maske tragen muss und kein Abstand gehalten wird,
    werde ich sicher nicht fliegen – und daher wird es auch kaum eine KF für mich geben
    was mir echt leid tut – ich hatte schon 32 KF und nur einmal ein Schiff doppelt.
    Mal sehen was sich die Reederei einfallen lassen !

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