Gregor Gerlach, Riverside Collection

Interview: „Was wir mit der Riverside Mozart anbieten, gibt es bisher so noch nicht“

Die Riverside Mozart soll im April 2023 als erstes Ultraluxus-Flusskreuzfahrtschiff der neuen Riverside Collection auf der Donau starten. Gregor Gerlach, CEO und Mitinhaber der Seaside Hotel Collection, erklärt im Cruisetricks.de-Interview, was er mit der Riverside Mozart besser machen will als andere Flusskreuzfahrt-Reedereien und wo die Stärken der Riverside Mozart liegen.

Allein durch ihre enorme Breite von knapp 23 Metern war die Mozart schon immer ein außergewöhnliches Flusskreuzfahrtschiff. Crystal Cruises übernahm das Schiff 2015 und baute es für einen mittleren, zweistelligen Millionenbetrag um. Diese im Flusskreuzfahrtmarkt enorm hohe Investition machte die Mozart zum wahrscheinlich luxuriösesten Flusskreuzfahrtschiff in Europa.

Riverside Mozart (Bild: Werney Beyer)
Riverside Mozart (Bild: Werney Beyer)

Dann kam Anfang 2022 die Insolvenz von Crystal Cruises als Folge der Insolvenz der Muttergesellschaft Genting Hong Kong. Einen neuen Betreiber fand das Schiff aber recht schnell: Im September 2022 steigt das Hamburger Unternehmen Seaside Hotel Collection ins Flusskreuzfahrtgeschäft ein und will die „Riverside Mozart“ – so der neue Name des Schiffs – im April 2023 in Dienst stellen.

Die vier übrigen Flussschiffe von Crystal Cruises – Crystal Bach, Crystal Debussy, Crystal Mahler und Crystal Ravel – sind nach wie vor stillgelegt, stehen unter Kontrolle der finanzierenden Banken und werden von River Advice betreut. Neuer Eigentümer der früheren Crystal Mozart ist dagegen die Hamburger Reederei Laeisz, die sie an Riverside Collection verchartert, späterer Kauf möglich.

Im persönlichen Interview mit Cruisetricks.de gibt Gregor Gerlach, CEO und Mitinhaber der Seaside Hotel Collection, Einblicke in die Pläne für die neue Ultraluxus-Flusskreuzfahrtmarke „Riverside Collection“.

Die Tagesraten für die Riverside Mozart sind nicht gerade Schnäppchen. Was bietet Mozart so viel mehr als andere Flussschiffe, dass diese Preise gerechtfertigt sind?

Gregor Gerlach: Zunächst einmal ist das ja im Hotelbereich auch nicht anders. Sie können im Motel One oder im Ibis übernachten oder Sie können im Luxushotel übernachten. Bei Schiffen geht es dabei eigentlich um die gleichen Themen: Die Kabinen sind deutlich größer und sie sind höherwertiger eingerichtet, gerade bei der Mozart. Wir haben uns auch in die Mozart verliebt, weil so tolle Materialien verwendet und ein so tolles Design umgesetzt wurde, wie ich es selbst an Land selten gesehen habe. Insofern die Hardware ist schon ganz besonders. Und dann werden wir mehr Personal, mehr Crew an Bord haben als jedes andere Schiff in Europa.

Das bedeutet in konkreten Zahlen?

Gregor Gerlach: Wir werden ungefähr 85 Crew haben an Bord und ungefähr 80 Kabinen. Das heißt, wir haben mehr Mitarbeiter als Kabinen. Das ist einzigartig in Europa. Und das setzt sich bei anderen Aspekten fort: Wir werden pro Gast auch für das Essen sehr viel mehr ausgeben als alle anderen. Wir haben sehr hohe Budgets festgelegt, um sicherzustellen, dass wir nur allerbeste Qualität und wirklich frische Ware haben. Wir haben mehr Köche als alle anderen, können alles frisch kochen, müssen nichts aufwärmen. Jede Kabine hat Butler-Service und solche Dinge. Also, es ist einfach … mehr.

Mehr Personal heißt nicht nur mehr Personalkosten, sondern heißt auch weniger Kabinen für Gäste. Das heißt also, das hohe Verhältnis an Mitarbeitern zu Gästen kostet doppelt: mehr Gehälter und weniger Gäste. Auch die größeren Kabinen bedeuten insgesamt weniger Kabinen für Gäste. Die Mozart hatte früher 120 Kabinen, jetzt haben wir noch 80, und so kommt dann eins zum anderen.

Riverside Mozart (Bild: Brechenmacher-Baumann)
Riverside Mozart (Bild: Brechenmacher-Baumann)

Auch bei den Ausflügen versuchen wir auch möglichst Angebote zu haben, die die anderen nicht haben und mit kleineren Gruppen als die anderen. Also nicht mit 40 oder 50 Leute pro Guide, sondern maximal 20. Nicht irgendwo in einer Schlange zu stehen, sondern direkt durch den privaten Eingang ins Museum zu kommen und solche Dinge.

Wo würden Sie sich im Mitbewerb einordnen, wo sind Konkurrenten? Oder ordnen Sie sich sogar oberhalb des aktuell existierenden Markes ein?

Gregor Gerlach: Wie schon gesagt, was wir machen, kostet natürlich auch mehr als bei allen anderen. Insofern sind wir schon noch einmal einen halben oder ganzen Stern, oder wie man das nennen will, höher als die anderen Wettbewerber, wenn ich jetzt an Uniworld denke oder an Ama Waterways. Aber wir sind eben auch teurer. Wir können nicht hexen und wir können nicht für gleiches Geld ein besseres Produkt machen. Es wäre vermessen, das zu behaupten. Wir nehmen mehr Geld und damit machen wir ein besseres Produkt.

Wo sehen Sie Ihre Zielgruppe? Wer wird auf der Riverside Mozart buchen?

Gregor Gerlach: Menschen, denen Qualität wirklich wichtig ist. Wir kommen aus dem Hotel-Bereich und da gibt es eben auch die 2-, 3-, 4-, 5-Sterne- und die Superluxus-Hotels. Jede Kategorie hat da ihre Berechtigung. Und es ist ja eine Frage des Budgets der Gäste: Was sind sie bereit, auszugeben? Wie viel können die ausgeben und was erwarten die?

Riverside Mozart (Bild: ADFECTO LLP 2016, T/A AD ASSOCIATES)
Riverside Mozart (Bild: ADFECTO LLP 2016, T/A AD ASSOCIATES)

Wir wollen Gäste ansprechen, die bisher nicht auf dem Fluss waren, weil es nicht das passende Produkt gab. Oder Gäste, die vielleicht auf dem Fluss waren, aber die einen höheren Anspruch haben als das, was sie bisher bekommen haben. Wir wollen nicht jedermanns Darling sein. Aber wir glauben, dass es eben immer mehr Menschen gibt, die bereit sind, für entsprechende Qualität und Service auch zu zahlen.

Sie vermarkten die Riverside Mozart international. Wie wichtig ist der deutsche Markt im Gästemix?

Gregor Gerlach: Wir sind ein deutsches Unternehmen und haben Hotels bisher hauptsächlich an den verschiedensten Orten in Deutschland, aber auch auf den Kanaren und den Malediven. In der Regel sind die Deutschen immer Nummer eins oder zwei von der Nationalität her. Ich denke und hoffe, dass das auch am Schiff so sein wird. Aber gleichzeitig sind wir auch ein internationales Unternehmen.

Riverside Mozart (Bild: Brechenmacher-Baumann)
Riverside Mozart (Bild: Brechenmacher-Baumann)

Wir glauben, dass im Luxussegment durchaus auch Internationalität nicht nur möglich ist, sondern auch geschätzt wird. Auf dem Schiff hat man ja doch viel Kontakt mit anderen und da ist das ganz spannend, mal jemand von woanders kennenzulernen. Einer unsere Gäste sagte einmal: „Deutsche habe ich in Deutschland.“

Es gibt ein paar Nationalitäten, die vielleicht schwierig zu kombinieren sind, weshalb wir nicht auf dem asiatischen Markt vermarkten werden. Aber wir glauben, dass ein guter europäischer Mix und auch mit Amerikanern durchaus hilft, eine internationale, spannende Atmosphäre zu erzeugen.

Sie wünschen sich weitere Schiffe. Wollen Sie vorhandene Schiffe wie die ehemaligen von Crystal kaufen oder denken Sie eher über Neubauten nach?

Gregor Gerlach: Das, was wir anbieten wollen, gibt es eigentlich so noch nicht. Das heißt, auch die Schiffe gibt es jetzt so noch nicht, mit Ausnahme der Crystal-Schiffe, weil Crystal in der Tat zum gleichen Zeitpunkt 2018/2019 die gleiche Idee hatten wie wir damals schon, dann aber erstmal wieder in die Schublade gelegt haben – nämlich den Super-Luxus, Ultra-Luxus, wie man das auch nennen will, den Sechs-Sterne-Bereich auf den Fluss zu bringen. Und Crystal hat die Schiffe dafür extra gebaut. Sprich: Entweder es sind diese Schiffe oder man baut eben neue. Ich glaube, alles andere, was es heute gibt, erfüllt nicht die Ansprüche, die wir haben.

Wo liegen Ihre Präferenzen? Neubau oder vorhandene Schiffe übernehmen?

Gregor Gerlach: Das ist eine Preisfrage. Also klar, die Crystal-Schiffe sind nicht ganz neu, aber sie sind auch schon da. Die Mozart ist besonders schön. Die Mozart würde ich genauso wieder bauen. Die anderen würde ich vielleicht eher mehr wie die Mozart bauen. Ich glaube, Crystal hatte gemerkt, dass die Mozart zu teuer war und hat danach ein bisschen gespart.

Riverside Mozart (Bild: ADFECTO LLP 2016, T/A AD ASSOCIATES)
Riverside Mozart (Bild: ADFECTO LLP 2016, T/A AD ASSOCIATES)

Wenn ich also für die Crystal-Schiffe so viel zahlen müsste, wie ich für Neubauten zahlen müsste, würde ich lieber neu bauen. Auf der anderen Seite, das sind schon sehr, sehr schöne Schiffe. Wenn man sie zu einem vernünftigen, fairen Preis kriegt, dann macht das schon Sinn.

Haben Sie schon eine Zeitplanung für das Wachstum? Kommen die nächsten Schiffe schon in zwei Jahren? Oder erst in fünf?

Gregor Gerlach: Na ja, das hängt ja so ein bisschen davon ab. Wenn es die Crystal-Schiffe wären, dann wäre es wahrscheinlich eher bald. Wenn man neu baut, dann dauert es länger. Aber so oder so: Wir konzentrieren uns erst erstmal auf die Mozart. Wir sind überzeugt, dass das wirklich im Moment das schönste Schiff in Europa ist. Es das macht eine ganze Menge Arbeit, das hinzukriegen.

Und wir müssen die vielen und guten Mitarbeiter auch erst mal finden. Zum Glück wollen ganz viele ehemalige Crystal-Leute wieder zu uns kommen, weil die mehr Spaß, haben im Luxus-Bereich zu arbeiten als anderswo. Aber es ist schon im Moment sehr viel Arbeit, so ein Produkt sauber auf die Beine zu stellen. Insofern sind wir mit der Mozart eigentlich im Moment ganz gut ausgelastet.

Gregor Gerlach, CEO und Mitinhaber der Seaside Hotel Collection

2 Kommentare

2 Gedanken zu „Interview: „Was wir mit der Riverside Mozart anbieten, gibt es bisher so noch nicht““

  1. na dann mal Daumen feste gedrückt. Die Mozart war ja schon bei der Indienststellung 1987 bei der geschichtsträchtigen DDSG sowohl bauartbedingt als auch von der Ausstattung her ein einziger „USP“. Als ehemaliger Deilmannianer selbst mehrfach erlebt habe ich die weitere wechselvolle Geschichte immer mit Interesse verfolgt und freue mich vor allem, dass der Semikatamaran noch nicht dem Schweißbrenner zum Opfer gefallen ist. Herausforderung wird sein, dass der internationale Markt laufen muss, für den europäischen oder gar nur deutschen Markt spielen Kabinengröße und auch der Ultraluxus nicht die entscheidende Rolle. Überseegäste wählen diese Kategorie in erster Linie weil sie in der Regel längere Flussreisen machen, im Gegensatz zu den bevorzugten Wochentörns des „heimischen Marktes“. Bestes Beispiel Premicon Queen , welche leider trotz Suites only, Butlerservice etc. ohne den Fernreisemarkt nicht so richtig in Schwung kam. Aber bangemachen gilt nicht – und nochmals viel Erfolg der Grande Dame

  2. Mozart war schon zu DEilmanns Zeiten ein schönes luxurioeses Schiff, wir machten unsere erste Reise auf der
    Donau – Dann mit DER-Mozart an die Mündung und dann probierten wir die Mozart als CRYSTAL MOZART -war
    Ein ERlebnis – wir kannten schon die Anderen Crystal – Schiffe.
    Viel Glück mit dem neuen RIVERSIDE Flusskreuzfahrtschiff.
    Familie Baack

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