See-Urne (Bild: gk)

Kreuzfahrt für die Ewigkeit

Wenn Sie, lieber Passagier, ein allerletztes Mal über die Gangway laufen, sind Sie erfüllt von Mutlosigkeit, die sich selbst mit Erinnerungen an all die guten Zeiten nicht mildern lässt. Warum, warum nur, muss die Reise hier zu Ende sein, wehklagen Sie. Aber Moment, die Kreuzfahrt des Lebens muss hier gar nicht zu Ende sein! Denn jetzt können Sie eine Seereise buchen, die sicherlich die letzte sein wird, die Sie je planen werden. Für Sie, den Passagier, wird diese Kreuzfahrt nie enden. Sie ist wahrhaftig für die Ewigkeit. Cool, oder? Naja, nicht wirklich, denn Sie werden tot sein …

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Der Spezialanbieter „My Final Cruise“ kümmert sich nämlich um Seebestattungen von Kreuzfahrtschiffen aus, quasi um den letzten, kleinen Schritt vom Schiff ins Meer. Und die Website von „My Final Cruise“ liest sich wirklich spannend.

Natürlich werden Sie nicht nach altem Seemannsbrauch in ein altes Segeltuch eingenäht – mit dem letzten Nadelstich durch die Nase um sicherzugehen dass Sie tatsächlich tot sind – und über Bord geworfen, wo Ihr Körper dann langsam den langen, langen Weg zum schlammigen Grund des Ozeans sinkt und dort von großen, weißen Krabben und anderen Aasfressern am Meeresgrund verspeist werden. Nein, da nicht. Denn sind Sie ja schließlich auch kein Pirat.

Selbstverständlich werden Sie zuvor an Land eingeäschert werden. My Final Cruise bietet eine Auswahl an biologisch abbaubaren Urnen an, so wie es von der International Maritime Organization (IMO) für Seebestattungen vorgeschrieben ist. Nachdem Ihre Asche über Bord geworfen wurde – was nur außerhalb der 12-Meilen-Zone geschehen darf – garantieren diese Urnen, dass sich Ihre Asche auf umweltfreundliche Weise verteilt und die Asche nicht womöglich irgendwo ans Ufer gespült wird. Schließlich wollen wir ja keine Badegäste traumatisieren.

Brian David Bruns
cruisetricks.de-Gastautor Brian David Bruns ist der Autor der US-Bestseller-Reihe „Cruise Confidential“ und sorgt mit seinem ungeschminkten Blick hinter die Kulissen von Kreuzfahrtschiffen für Aufsehen.

Die Urnen kosten bei My Final Cruise zwischen 149 und 324 Dollar, je nachdem, welche Ausführung Sie bevorzugen. Natürlich müssen Sie (für Ihre Angehörigen) auch tatsächlich eine Kreuzfahrt buchen, was die Kosten nicht unerheblich in die Höhe treibt. Auf der anderen Seite sparen Sie viel Geld für Blumenschmuck, es sei denn, Sie kaufen Blumen an Bord. Die meisten Reedereien erlauben solche Urnen-Seebestattungen, aber Sie sollten auf jeden Fall vorher nachfragen und die Bestattung bei der Reederei anmelden. Denn natürlich ist das kein Thema, mit dem man den Kapitän beim Champagner-Empfang überraschen sollte.

[Anmerkung der Redaktion: In Deutschland sind Seebestattungen streng reglementiert und offiziell ist eine Bestattung von einem Kreuzfahrtschiff aus nicht möglich. Über Umwege allerdings schon: Wenn Sie nämlich eine Bestattung in den USA arrangieren, wird die Urne zu einem Bestattungsunternehmen dorthin überführt – und von dort aus könnten Sie dann die beschriebenen Seebestattungen arrangieren lassen.]

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My Final Cruise bucht übrigens auf Wunsch über ein Reisebüro auch die komplette Kreuzfahrt, sodass Sie sich darum nicht kümmern müssen. Und auf Wunsch auch Rahmenprogramm wie beispielsweise einen Leichenschmaus im Anschluss an die Bestattung. Das Einzige, um das Sie (beziehungsweise Ihre Angehörigen) sich noch kümmern müssen: einen schwarzen Anzug beziehungsweise ein schwarzes Kleid einpacken.

Wann die Zeremonie stattfindet, hängt vom Fahrgebiet des Kreuzfahrtschiffe – internationale Gewässer müssen erreicht sein  – und von den Wetterbedingungen ab. Bei idealen Bedingungen, so das Beerdigungsinstitut, daure es ungefähr sieben Minuten, bis die Urne im Meer versinkt.

Der exakte Ort, wo Ihre Asche im Meer landet, wird aufgezeichnet und in der Datenbank des Beerdigungsinstituts gespeichert. Via Google Earth kann dann jeder die „Grabstätte“ wiederfinden. Natürlich hat man die Wahl, ob man einen öffentlichen Nachruf posten oder einfach nur die Stelle mit einem simplen „x“ markieren will. Bislang sind auf der Website lediglich zwei Beispiel-Beerdigungsstätten verzeichnet, keine „echten“. Natürlich hofft das Unternehmen auf viele tote Kunden auf ihrer Weltkarte in naher Zukunft. Nicht alle dürften diese Hoffnung teilen …

Wegen der heiklen Natur ihres Geschäfts hat sich My Final Cruise aber auch ein paar Gedanken zu “worst case scenarios” gemacht – was könnte eigentlich noch schlimmer sein als der Tod? Also zu Auswüchsen, die aus dieser Art von Bestattung entstehen könnten, schließlich muss man ja auf den guten Ruf achten. „Wir wollen nicht, dass der Tod womöglich wie ein Junggesellenabschied oder Ähnliches gefeiert wird“, erklärt Abbie Sturdley von My Final Cruise.

Das Unternehmen verlangt von ihren Kunden eine Sterbeurkunde. Strudle sagt, man habe auch erfolglos versucht, Partnerschaften mit Kreuzfahrtgesellschaften einzugehen: „Weil es sich um einen so traurigen Anlass handelt, wollen die Reedereien damit wohl nicht in Verbindung gebracht werden.“ Trotzdem hofft sie, dass bei immer strenger werdenden Umweltschutzgesetzen die Reedereien künftig potenzielle Seebestattung-Kunden an My Final Cruise weiterempfehlen werden. Die Hoffnung stirbt wohl zuletzt!

Anmerkung: „Cruise Confidential“-Bestsellerautor Brian David Bruns schreibt regelmäßig Gastbeiträge für cruisetricks.de, in deutscher Übersetzung exklusiv.

(Bildquelle: gk / Wikipedia, Lizenz CC BY SA 3.0)

4 Kommentare zu “Kreuzfahrt für die Ewigkeit

  1. Wenn sich jemand für eine solche Seebestattung interessiert – ich habe eben mal bei einem Beerdigungsinstitut hier in Deutschland nachgefragt: Die Überführung einer Urne per Post in die USA an ein dortiges Beerdigungsinstitut kostet lediglich rund 110 Euro.

  2. Man darf (was mich sehr sehr erstaunte) eine Urne übrigens im Handgepäck von Fluggesellschaften transportieren – das Behältnis muß allerdings „durchleuchtbar“ sein.

    Urnen
    Fluggäste können eine Urne als Teil ihres Handgepäcks bzw. ihres aufgegebenen Gepäcks transportieren, der Behälter muss jedoch die Röntgengeräte ungestört durchlaufen können. Falls das Gefäß aus einem für Röntgenstrahlen undurchlässigem Material besteht, und es der TSA (Transportation Security Administration) somit nicht möglich ist, den Inhalt klar zu erkennen, kann das Gefäß nicht mit an Bord genommen werden. Fluggästen wird empfohlen, zum Transport des Inhalts ein provisorisches Gefäß zu kaufen.

    (das ist die Info der Webseite US Airways)

  3. Ich glaube, die Fluggesellschaft ist da auch nicht so das Problem. Meines Wissens darf nach dem (in Deutschland sehr strengen) Bestattungsgesetz die Urne vom Bestattungsunternehmer gar nicht an die Angehörigen ausgehändigt werden, da in Deutschland Friedhofszwang herrscht.

  4. Das ist korrekt, wir hatten diesen Fall gerade bei einem Todesfall in der Familie. Die Urne darf zwar per Post (als ganz gewöhnliches Paket!) von Bestatter zu Bestatter geschickt werden, aber den Angehörigen darf sie nicht ausgehändigt werden.

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