Die Meyer-Werft und MSC haben eine strategische Partnerschaft mit einem Auftragsvolumen von zehn Milliarden Euro vereinbart. Feste Aufträge gibt es demnach für vier Kreuzfahrtschiffe einer neuen Schiffsklasse mit dem Projektnamen „New Frontier“, mit schrittweiser Auslieferung der Schiffe von 2030 bis 2033. Außerdem wurden Optionen für zwei weitere Schiffe bis 2035 vereinbart. Über zwei weitere Optionen werde noch verhandelt. Der Auftrag sichert laut Wirtschaftsministerin Katharina Reiche die Auslastung der Meyer-Werft, Arbeitsplätze in der Werft und bei Zulieferern für die nächsten zehn Jahre.
Es ist das erste Mal, dass MSC Cruises Kreuzfahrtschiffe in der Meyer-Werft bauen lässt. Nur wenige Details nennt MSC Crusies bislang zu den geplanten Kreuzfahrtschiffen der neuen Schiffsklasse mit dem Plattform-Namen „New Frontier“: 5.400 Passagiere und eine Tonnage von BRZ 180.000. Die neuen Schiffe werden also deutlich kleiner als die aktuelle World-Class-Baureihe mit einer Tonnage von BRZ 215.000 und über 6.000 Passagieren und liegen ungefähr im Größenbereich wie die Seaview- und Meraviglia-Class-Schiffe.
Die Partnerschaft der Werft mit MSC und Planung der neuen Schiffsklasse mit vier bis sechs neuen Kreuzfahrtschiffen wurde bei einer Pressekonferenz des Bundeswirtschaftsministeriums in Berlin mit Katherina Reiche, Bundesministerin für Wirtschaft und Energie, Olaf Lies, Ministerpräsident des Landes Niedersachsen, Pierfrancesco Vago, Executive Chairman von MSC Cruises, Ralf Schmitz, Chief Restructuring Officer (CRO) der Meyer-Werft, bekanntgegeben.

Unterschrieben wurde jetzt, wie in solchen Fällen üblich, eine Absichtserklärung („Letter of Intent“). Der endgültige Vertrag mit allen Details zu den beauftragten Kreuzfahrtschiffen soll laut Werft-Sanierer Ralf Schmitz innerhalb der kommenden ein bis zwei Quartale unterschrieben werden. In einem NTV-Interview spricht Ralf Schmitz außerdem von zwei weiteren Optionen, ie im Gespräch seien.
Wirtschaftsministerin Reiche definiert als klares Ziel die Reprivatisierung der Meyer-Werft auf nachhaltige Weise. Einen konkreten Zeitpunkt für die Reprivatisierung sollte Reiche aber noch nicht nennen. Ministerpräsident Lies sagte, man sei ausdrücklich dankbar für das Lebenswerk von Bernard Meyer. Er dankte dem Sanierer Ralf Schmitz für seine Arbeit, aber auch dem Betriebsratsvorsitzenden Andreas Hensen und der IG Metall.
Von Ministerpräsident Lies kam auch ein bemerkenswertes Statement zum Thema „Kreuzfahrt“ insgesamt: Kreuzfahrt sei nachhaltiger Tourismus und eine extrem nachhaltige Weise, Urlaub zu machen. Man sei stolz, mit der Meyer-Werft ein Unternehmen in Deutschland zu haben, das in dieser Branche erfolgreich sei.
Auftragslage der Meyer-Werft
Die Auftragslage der Meyer-Werft in Papenburg hatte sich zuletzt zumindest mittelfristig entspannt, die neuen Aufträge für vier beziehungsweise sechs MSC-Kreuzfahrtschiffe lasten die Werft nun für die kommenden rund zehn Jahre aus.
2027 und 2028 sollen zwei 2.500-Passagiere-Schiffe der Wish-Class für Disney Cruise Line beziehungsweise deren japanischen Konzessionär Oriental Land ausgeliefert werden. Und für 2029 bis 2031 gibt es von Disney bereits den Bauauftrag für drei Schiffe einer neuen Schiffsklasse für je rund 3.000 Passagiere.
Carnival Cruise Line hat außerdem mit der Carnival Festivale und Carnival Topicale für 2027 und 2028 zwei große Schiffe der Excel-Class (bis zu 6.400 Passagiere) bei Meyer in Papenburg bestellt.
Zuletzt hatte Meyer im Oktober 2025 die Disney Destiny ausgeliefert und arbeitet in den letzten Zügen am Umbau der ehemaligen Global Dream der insolventen MV Werften in Wismar zur neuen Disney Adventure. Bereits im April 2025 stellte die Werft die Asuka III für die japanische NYK Cruises fertig.
Im Raum stand zuletzt auch die Planung von Royal Caribbean für die neue Discovery-Class als mittelfristiger Ersatz für die jeweils vier Schiffe der Vision- und Radiance-Class mit Baujahren 1996 bis 1998 beziehungsweise 2001 bis 2004. Meyer Papenburg wurde dabei als präferierte Werft der Reederei für diese Schiffsklasse gehandelt. Mit der nun vereinbarten Partnerschaft mit MSC wird sich Royal Caribbean für ihre Neubauten nun wohl eine andere Werft suchen müssen.
Neubau-Planungen der MSC Group für MSC Cruises und Explora Journeys
Die erst seit Kurzem aktive Luxustochter der MSC Group, Explora Journeys, hat derzeit zwei 962-Passagiere-Schiffe in Dienst, die Explora I und II. Vier weitere baugleiche oder sehr ähnliche Luxusschiffe sollen bis 2028 folgen. Diese Schiffe werden bei Fincantieri in Italien gebaut.
MSC Cruises hat zuletzt mit der MSC World Europa und MSC World America zwei Schiffe der neuen World-Class in Dienst gestellt, gebaut bei Chantiers de l’Atlantique in Frankreich. Das dritte Schiff der Baureihe, die MSC World Asia, folgt 2026. Fünf weitere dieser 6.800-Passagiere-Megaschiff sind bis 2031 bestellt.
Um die seit Jahresbeginn 2025 anhaltenden Gerüchte, MSC Cruises plane eine neue, noch größere Schiffsklasse, die sogar Royal Caribbeans Icon Class übertrumpfen würde, ist es dagegen zuletzt still geworden. Unter dem Projektnamen „Constellation“ sollten angeblich vier Megaschiffe mit 365 Metern Länge bei Meyer Turku in Finnland in Planung sein.
Zwischenzeitlich hat aber die Royal Caribbean Group mit Bestellung beziehungsweise Optionierung für drei weitere Icon-Class-Schiffe sowie einen offenbar echt umfassenden Rahmenvertrag für den Bau auch einer komplett neuen Schiffsklasse mit Meyer Turku geschlossen, sodass es für MSC in Finnland möglicherweise gar keine Bau-Slots mehr gibt, um das Mega-Projekt dort zeitnah umzusetzen.
Übernahme der Meyer- und Neptun-Werft durch Bund und Land im Dezember 2024
Seit der finanziellen Rettung der Meyer-Werft im Dezember 2024 durch die Bundesrepublik Deutschland und das Land Niedersachsen knirschte es immer wieder auch auf politischer Ebene zwischen der aus dem Unternehmen gedrängten Familie Meyer, der Bundes- und Landesregierung sowie dem aktuellen Geschäftsführer der Meyer-Werft, Dr. Bernd Eikens und dem Sanierer Ralf Schmitz, formell als Chief Restructuring Officer (CRO) bezeichnet.
Zuletzt hatte Bernard Meyer kurz vor Bekanntwerden des neuen Großauftrags schwere Vorwürfe gegenüber der aktuellen Geschäftsführung erhoben.
Bund und Land haben jeweils 200 Millionen Euro und entsprechend jeweils 40 Prozent Anteilen an der Werft erworben und das Unternehmen zusätzlich Kredite mit einer Bürgschaft über 2,6 Milliarden Euro abgesichert. Das bezieht sich auf die Werft in Papenburg sowie die Neptun-Werft in Rostock-Warnemünde. Die Familie Meyer hält die verbleibenden 20 Prozent der Anteile.
Eikens übergibt die Leitung des Unternehmens laut einer Pressemitteilung der Werft vom 12. Dezember 2025 „planmäßig und auf eigenen Wunsch“ zum 1. Juli 2026 an seinen Nachfolger Dr. André Walter, bislang Vorsitzender der Geschäftsführung der Airbus Aerostructures GmbH und Airbus GmbH in Hamburg. Walter ist seit 2006 in unterschiedlichen Führungspositionen bei Airbus tätig, hat in Hannover Maschinenbau studiert und 2002 in Bremen promoviert.





Warum sollte Carnival nicht weiter bei Meyer bestellen, ab Ablieferungstermin `32 ist in jedem Fall Kapazität da, zudem kann Meyer mit etwas Hochfahren der Gewerke auch drei Schiffe pro Jahr liefern.
Wenn man jetzt schon wieder Angst vor der eigenen Courage haben sollte, dann gute Nacht Schiffbau in Deutschland …
@Wilfried Knipping: Wer sagt den, dass Carnival nicht weitere Schiffe bei Meyer bestellen könnte/sollte/würde? Sie meinten vielleicht den Absatz zu Royal Caribbean? Klar, denkbar (und hoffens-/wünschenswert) wäre durchaus auch der Discovery-Class-Auftrag für Meyer, denn ich denke, Meyer wär die ideale Werft für diese Schiffe. Aber das hängt halt davon ab, wie schnell Royal diese Schiffe haben will oder braucht. Wenn alle acht Schiffe der Vision- und Radiance-Class ersetzt werden sollen, die ja aktuell schon 21 bis knapp 30 Jahre alt sind, dann reicht die verbleibende Kapazität bei Meyer halt einfach nicht. Letztlich trifft diese Entscheidung aber eh nicht Meyer, sondern die Reederei und der ist ziemlich egal, ob eine Werft Courage hat oder nicht, da zählen Preis, technische Möglichkeiten und Liefertermine.
Natürlich meinte ich Royal C. – sorry ! Aber sicher zählt auch die Courage vor allem der neuen Haupteigentümer, um Meyer so zu ertüchtigen, dass Faktoren wie Preis, Termine und Technik stimmen, um mehr Arbeit nach Papenburg zu holen. Man kann aber auch einfach zugucken, wie Fincantieri, Chantiers und die Chinesen ihre Kapazitäten weiter ausbauen !