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"sponsored by Oceania Cruises" - was bedeutet das für cruisetricks.de?

No risk, no fun: Mehr Mut im Urlaub

Wir träumen vom „absoluten Traumurlaub“ und schwelgen in Nostalgie, wenn wir uns durch die vermeintlich perfekten Social-Media-Bilder von Travel-Influencern wischen. Und dann steigen wir doch wieder nur morgens um 5:30 Uhr in den Charterflieger nach Mallorca oder Kreta und liegen zwei Wochen am Strand. Ist halt doch das einfachste. Aber das geht besser! Ein Plädoyer für mehr Mut im Urlaub.

Mit „geht besser“ meine ich nicht, statt Mallorca den neuesten Influencer-Hotspot als Ziel zu wählen. Nichts gegen Mallorca übrigens, diese wunderschöne Insel. Aber sind wir mal ehrlich: Dort, wo es (vermeintlich) am schönsten ist, sind auch alle anderen, etwa an einem warmen Sommerabend am Strand auf Mykonos – nur eben nicht allein, sondern dicht gedrängt zwischen Betrunkenen („man wird doch wohl noch feiern dürfen“) und Selfie-Posern („meine Follower lieben das“).

„Das schöne Erlebnis ist oft eh mehr eingeredet als Wirklichkeit.“

Ich bin es zunehmend leid, und die Einheimischen aus anderen Gründen wohl ebenfalls, Touristen-Hotspots zu besuchen, nur um dort ein schönes Foto zu schießen und sagen zu können „ich war dort“. Das schöne Erlebnis ist oft eh mehr eingeredet als Wirklichkeit.

Bitte nicht falsch verstehen: ich will keinesfalls abwerten, wenn jemandem genau das gefällt. In gewisser Weise bin ich sogar etwas neidisch. Das zu machen, was viele andere auch toll finden (oder in ihren Instagram-Posts vorgeben, es toll zu finden), ist so viel einfacher, als das Außergewöhnliche und weniger Bekannte zu suchen und zu organisieren.

Es ist auch weniger riskant, zu tun, was vielfach dokumentiert ist; wo man weiß, was einen erwartet; wo man (vermeintlich) keine bösen Überraschungen erleben kann; wo man sich sicherer sein kann, beim wichtigsten Ereignis des Jahres, dem Urlaub, keine falsche Entscheidung zu treffen.

„Am eindrücklichsten und faszinierendsten waren oft die Reisen, von denen ich es nicht erwartet hätte.“

Die Erfahrung aus über 15 Jahren als Reisejournalist hat mir allerdings immer wieder gezeigt: Am eindrücklichsten und faszinierendsten waren oft die Reisen, von denen ich es nicht erwartet hätte.

Mehr zu bekommen, als man erwartet hat, ist so viel erfüllender als die schönste Spitzbergen-Expedition mit den vielen Eisbären im Katalog, von denen man dann in zehn Tagen nur mal einen in zwei Kilometer Entfernung durchs Fernglas sieht.

Es lohnt sich, ein Risiko einzugehen, Neues auszuprobieren, sich auf Experimente einzulassen, offen zu sein für Ungewohntes, Vorurteile auszublenden. Lässt man Unsicherheit und Überraschung zu, stehen die Chancen bestens, kein „sehr nett“-Mittelfeld-Erlebnis zu haben, sondern ein fantastisches.

„Es kann auch mal schiefgehen. Das muss man dann aushalten.“

Aber: „no risk, no fun“. Es kann auch mal schiefgehen. Das muss man dann aushalten, abschütteln und einen neuen Versuch unternehmen.

Kürzlich schrieb mich ein Tour-Anbieter aus einem süditalienischen Ort namens Matera an. Nie gehört, ehrlicherweise. Machbar als Tagesausflug vom Kreuzfahrthafen Bari aus, etwa eine Stunde entfernt. Klingt nach einem reizvollen Ort, in dem man Unerwartetes entdecken kann, immerhin war der Ort mal Kulturhauptstadt Europas 2019 und hat Unesco-Welterbe-Höhlensiedlungen.

Wenn’s dort aber trotzdem langweilig ist? Nun, in Bari gibt es zwei vom „Gambero Rosso“ ausgezeichnete Eisdielen: eine traditionelle, 1880 gegründete, und eine mit argentinischen Wurzeln, dem neuesten Schrei in der Gelato-Szene. Die würden den Tag auf jeden Fall retten. Warum sich also nicht von Matera in Apulien überraschen lassen?

„Mehr Mut im Urlaub, in verträglichem Ausmaß und mit kalkuliertem Risiko.“

Mein Plädoyer: mehr Mut im Urlaub. In verträglichem Ausmaß und mit kalkuliertem Risiko, wohlgemerkt – siehe mein Gelato-Backup-Plan. Gedanken sollte man sich vor einer mutigen Entscheidung natürlich schon machen, und gut recherchieren. „Sich einfach mal blind überraschen zu lassen“, führt zu oft in eine Enttäuschung. Dafür ist die Urlaubszeit dann doch zu wertvoll.

Wenn man extreme Höhenangst hat, steigt man eben nicht auf den Eiffelturm, so schön es da oben (für andere) auch sein mag. Aber wenn man spanische Tapas mag: Was spricht dagegen, sich nicht auf den Ramblas ins nächstbeste Touri-Lokal mit deutschsprachiger Speisekarte zu setzen; sondern mit dem Linienbus in ein nicht-touristisches Viertel zu fahren und sich blind auf die Empfehlungen des Kellners in einer Bodega zu verlassen, in der sonst keine Touristen einkehren?

Der Charterflieger nach Mallorca bleibt natürlich immer eine Option. Aber irgendwo in Apulien wartet vielleicht eine Eisdiele, die den ganzen Tag rettet. Und die Entdeckung eines hübschen Ortes, dessen Namen man vorher nie gehört hat.

Und wen der Mut besonders packt, der geht in Alaska zum Schnorcheln, wie ich es 2015 in Ketchikan gemacht habe, siehe Titelbild …

2 Kommentare

Über den Autor: FRANZ NEUMEIER

Franz Neumeier
Über Kreuzfahrt-Themen schreibt Franz Neumeier als freier Reisejournalist schon seit 2009 für cruisetricks.de und einige namhafte Zeitungen und Zeitschriften. Sein Motto: Seriös recherchierte Fakten und Hintergründe statt schneller Schlagzeilen und Vorurteile, damit sich jeder seine eigene Meinung bilden kann. TV-Reportagen zitieren ihn als Kreuzfahrt-Experten und für seine journalistische Arbeit wurde er mehrfach ausgezeichnet. Er wird regelmäßig in die Top 10 der „Reisejournalisten des Jahres“ gewählt und gewann mit cruisetricks.de mehrfach den „Reiseblog des Jahres“-Award.

2 Kommentare zu „No risk, no fun: Mehr Mut im Urlaub“

  1. Ich kann nur von mir sagen – ich habe (und empfinde es aus Privileg) – den Vorteil des Alters und die Vererbung des Reisegens – sprich – meine Eltern waren schon reiselustig zu einer Zeit, als das noch keine Völkerwanderungen waren. Und als ich eigenständig verreisen konnte, habe ich da jeden Pfennig hineininvestiert und somit das Glück, viele vom Overtourismus geplagten Orte schon vor vielen Jahren gesehen zu haben, als sie wirklich noch einsam waren oder kleine Fischerdörfchen.
    Viele Jahre habe ich zudem in der Reisebranche gearbeitet – da hat einen der Weg natürlich auch an viele schöne Orte der Welt geführt. Aber schon damals habe ich gelernt „Mut zur Lücke“ – ich war sehr häufig als Reisebegleitung in Paris und habe mir im Vorfeld der Reisen jeweils eine Sehenswürdigkeit ausgesucht, abseits der üblichen Routen, die ich mir dann angeguckt habe. Das mag zwar dazu geführt haben, daß ich bis heute – nach vielleicht 50 oder 60 Parisreisen – das Pantheon nur von außen gesehen haben – aber daß ich viele Dinge gesehen habe, die in Reiseführern nur sehr selten oder gar nicht erwähnt werden.

    Selbst die scheinbar proppevollen Touristenmagneten haben soviel mehr zu bieten, als die „TOP 10, die jeder Tourist gesehen haben muß“ und schon minimale Recherche kann einen auch in Venedig oder Dubrovnik zur Hauptreisezeit in stille Gassen führen, in denen nur ein paar Einheimische im Cafe ihr Cornetto essen und den ersten Espresso trinken.

    Zweimal am Trevibrunnen zu Fuß willkürlich abgebogen und man fast allein unterwegs.
    Rom statt am Ostersonntag vormittag am Ostermontag nachmittag und man kommt ohne jede Wartezeit in den Petersdom (auf dem Platz stehen noch die Stühle vom Ostergottesdienst).

    Turin ist zwar nicht unbekannt – aber touristisch völlig unterbewertet und bietet mit Sicherheit für eine volle Woche genug Sehenswürdigkeiten – an einem langen Wochenende kann man auf jeden Fall nicht alles sehen….

    Ich denke, die Liste ließe sich unendlich fortsetzen – etwas Vorbereitung und Recherche vor dem Urlaub und schon gibt es Weltkulturerbe auch in unbekannteren Orten zu sehen, ob es Kunst ist, Technik oder einfach Naturschönheiten abseits der ausgetretenen Pfade.

    Das gilt natürlich auch für Deutschland – wie wir letztens in Neumarkt in der Oberpfalz erleben konnten – 20 Minuten aus Nürnberg mit dem Zug und so viel zu sehen.

  2. Mal wieder ein exzellenter Artikel mit Lebensweisheiten, die vielen Menschen guttun und zu mehr Realismus verhelfen würden. Darum schätze ich cruisetricks sehr. Vielen Dank!

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