Die Stadt Portland im US-Bundesstaat Maine warnt seine Bewohner künftig offiziell per App-Benachrichtigung, wenn im Hafen ein Kreuzfahrtschiff anlegt, das bei den Gesundheitsbehörden meldepflichtige Infektionserkrankungen angezeigt hat. Kurz: Ist Noro an Bord eines Schiffs, gibt’s für die Bewohner der Stadt einen Warnhinweis auf ihr Smartphone. Portland dürfte damit der bislang einzige Kreuzfahrthafen sein, in dem es so etwas gibt.
Anlass für diese ungewöhnliche Warnmeldung war offenbar ein umstrittener Anlauf der Insignia von Oceania Cruises im Oktober 2025. 13,8 Prozent der Passagiere und 2,1 Prozent der Crew-Mitglieder, insgesamt 96 der 1.028 Menschen an Bord der Insignia, waren laut CDC bei einem Noro-Ausbruchs während dieser Kreuzfahrt infiziert.
Auch wenn der Ausbruch beim Anlauf von Portland wohl bereits am Abklingen war, schlug die Situation in der lokalen Presse hohe Wellen, weil sich die Bewohner um ihre Gesundheit sorgten und ein Anlegeverbot für das Schiff forderten. Besonders die Inhaber lokaler Geschäfte und Restaurants seien durch potenziell infektiöse Passagiere gefährdet und sollten künftig besser informiert werden, um sich schützen zu können, argumentierten die Aktivisten von Portland Cruise Control – mit Erfolg.
Dem ohnehin vorhandenen Warnsystem per Smartphone-App der Stadt Portland wurde nun neben beispielsweise Push-Benachrichtigungen bei neuen Parkverbotszonen, Öffnungszeiten des Rathauses oder allgemeinen News der Stadt sowie Warnungen etwa vor Sturmfluten nun auch ein „Cruise Ship Outbreak Alert“ hinzugefügt, den die Bürger optional bestellen können.
Aber die Aktivisten sind noch nicht zufrieden. Denn die Meldung kann nur erfolgen, wenn die US-Gesundheitsbehörde über eine solche Infektionslage auf einem Kreuzfahrtschiff berichtet. An die CDC wiederum müssen Kreuzfahrt-Reedereien Infektionen erst melden, wenn mindestens drei Prozent der Passagiere oder Crew betroffen sind.
Das Ziel: Die Stadt Portland soll Kreuzfahrt-Reedereien verpflichten, Infektionsmeldungen bereits bei niedrigeren Infektionszahlen zu melden, und vor allem direkt an die Stadt statt mit dem Umweg über die Bundesbehörde CDC.
133 Kreuzfahrtschiff-Anläufe mit insgesamt 200.801 Passagieren-Tagen verzeichnete der Hafen von Portland im Jahr 2025, darunter auch derjenige der Insignia. Portland ist der größte Kreuzfahrthafen in Maine. Einige Monate zuvor hatte der Ausbruch des Hantavirus auf der Hondius im Südatlantik weltweit für Schlagzeilen gesorgt, was offenbar zur Sensibilisierung für dieses Thema in Portland beitrug.
Vor allem wegen eines neuen Noro-Virentyps sind die Infektionszahlen (nicht nur auf Kreuzfahrtschiffen) nach jahrelang rückläufigen Werten seit 2023 angestiegen. In der CDC-Statistik tauchen seitdem wieder mehr Meldungen von betroffenen Kreuzfahrtschiffen auf: Im Jahr 2025 waren es 23, davon 18-mal gesichert Noro. Im laufenden Jahr 2026 gibt es bislang neun Fälle von Infektionsmeldungen, darunter fünf gesicherte Noro-Ausbrüche. An die CDC müssen allerdings nur Infektionsereignisse auf Schiffen gemeldet werden, deren Route US-amerikanische Gewässer berührt. Infektionen in anderen Fahrtgbieten werden nicht erfasst oder sind zumindest nicht öffentlich bekannt.



