Es wirkt, als würde die Kreuzfahrt keine Grenzen nach oben kennen – nicht bei den jährlich wiederkehrenden Passagierzahlen-Rekorden und nicht bei der Größe von neuen Schiffen. Aber werden Kreuzfahrtschiffe im Durchschnitt wirklich immer größer? Die Statistik der vergangenen zehn Jahre gibt darauf eine überraschend klare Antwort.
Noch vor zwei Jahrzehnten war die Queen Mary 2 das größte Kreuzfahrtschiff der Welt mit einer Tonnage von BRZ 148.528 und 2.629 Passagieren (vergleiche „Die größten Passagier- und Kreuzfahrtschiffe der vergangenen 85 Jahre“). Schon fünf Jahre später kam die Oasis of the Seas: 52 Prozent höhere Tonnage, und mehr als doppelt so vielen Passagieren.

Noch einmal 15 Jahre später ging die Icon of the Seas in Dienst, mit einer Tonnage von knapp BRZ 250.000 und 5.610 Passagieren. MSC Cruises bereitet gerade, Gerüchten zufolge, eine noch größere Schiffsklasse vor.
Die Queen Mary 2 ist, gemessen an ihrer Tonnage, in der Rangliste der weltgrößten Kreuzfahrtschiffe heute übrigens nur noch auf Platz 45.
Durchschnittliche Größe von Kreuzfahrtschiffen deutlich gestiegen
Aber wie steht es nun mit der durchschnittlichen Größe der gesamten Kreuzfahrtschiff-Flotte aus? Die durchschnittliche Größe aller Kreuzfahrtschiffe (mit 50 und mehr Passagieren*) ist in den vergangenen zehn Jahren um 19,3 Prozent gestiegen, gemessen an der Tonnage. Bei deutschsprachigen Reedereien waren es sogar satte 70,2 Prozent (AIDA Cruises, TUI Cruises, Phoenix Reisen, Hapag-Lloyd Cruises, Plantours, Transocean, Hansa Touristik, Nicko Cruises).
Gab es 2015 noch 61 Schiffe mit einer Bruttoraumzahl (BRZ) über 100.000, waren es 2025 schon 129. Der Anteil solcher Schiffe am Gesamtmarkt stieg von 18,4 auf 29,3 Prozent. Fast ein Drittel aller Kreuzfahrtschiffe hat 2025 also eine Tonnage von über 100.000 BRZ.
Bei deutschsprachigen Reedereien gab es 2015 noch gar kein Schiff mit mehr als 100.000 BRZ, 2025 dann aber schon 8 (von insgesamt 30), also 26,7 Prozent der deutschen Flotte, in internationalen Vergleich also etwas weniger.
Auch die durchschnittliche Passagierzahl ist gestiegen: von 39 Schiffen mit mehr als 3.000 Passagieren auf 92. Das ist eine prozentuale Steigerung von 15 Prozent. Hatten 2015 noch 11,8 Prozent aller Kreuzfahrtschiffe eine Kapazität von 3.000 Passagieren und mehr, sind es 2025 schon 20,9 Prozent.
Bei deutschsprachigen Kreuzfahrtschiffen gab es 2015 noch kein Schiff mit mehr als 3.000 Passagieren. 2025 waren es schon fünf, also einem Anteil von 16,7 Prozent – deutlich weniger als international.
Verfälschen einige sehr große Neubauten die Statistik?
Tatsächlich gibt es 2025 auch mehr ganz kleine Kreuzfahrtschiffe unter 200 Passagieren. Ihr Anteil am Gesamtmarkt ist von 18,4 auf 21,8 Prozent gestiegen. Auch der Anteil der Schiffe mit weniger als 1.000 Passagieren stieg seit 2015 von 43,5 auf 48,1 Prozent an. Hier tragen vor allem Viking Ocean Cruises und Explora Journeys zum Wachstum bei.
Fast die Hälfte aller Kreuzfahrtschiffe sind kleine und kleinere Schiffe mit weniger als 1.000 Passagieren. Bei deutschsprachigen Reedereien sind es 30 Prozent, was vor allem daran liegt, dass der Anteil der kleinen Expeditionsschiffe international deutlich höher ist. Die Gattung der kleineren und kleinen Schiffe stirbt also nicht aus, ganz im Gegenteil.
Aber ein Segment verliert international deutlich, während ihr Anteil bei deutschsprachigen Reedereien fast stabil bleibt: die mittelgroßen Schiffe für 1.000 bis 3.000 Passagiere. Gab es von ihnen 2015 weltweit noch 148, sind es 2025 nur noch 137. Ihr Anteil sank deutlich von 44,7 auf nur noch 31,1 Prozent. In diesem Segment wurden wenige Schiffe neu gebaut, während der Pandemie aber viele ausgemustert und nicht mehr in Betrieb genommen. Bei deutschsprachigen Reedereien liegt ihr Anteil bei 53,3 Prozent, nach 55,6 Prozent im Jahr 2015.
Doch dieser negative Trend bei mittelgroßen Schiffen dürfte sich wahrscheinlich nicht weiter verstärken. Denn bei den großen Reederei-Unternehmen stehen Ersatzinvestitionen für alternde Flottenteile in dieser Schiffsgröße an. Royal Caribbean beispielsweise plant bereits die Discovery-Class als Ersatz mutmaßlich für die Vision- und Radiance-Class. NCL hat diese Flottenerneuerung bereits gestartet. Und bei MSC kommen die Schiffe der Lirica- und Musica-Class langsam in die Jahre. Carnival Corp. einschließlich AIDA setzt bei seinen Marken dagegen größeren Teils auf die umfassende Renovierung und Modernisierung der Schiffe in dieser Größenklasse.
* Hinweis: Für unsere Statistiken greifen wir auf eine eigene Datenbank zurück, die alle Kreuzfahrtschiffe mit 50 und mehr Passagieren erfasst. Mehr dazu erfahren Sie im Beitrag „Wie viele Kreuzfahrtschiffe gibt es weltweit?“.





Da sollte für jeden was dabei sein…
Wir selbst fahren oft mit MSC (kennen die Schwächen und können uns damit arrangieren…) – aber alles größer als die „Fantasia-Klasse“ ist nicht unser Ding.
Das haben wir nach einer Reise mit der „Virtuosa“ festgestellt.
Wir brauchen keine Shopping Meile und auch keinen Spaßpark – da fühle ich mich nicht mehr wie auf einem Schiff. Und dann muss man auch immer schauen, in welcher Bar das Getränkepaket gilt und wo nicht.
Gigantomanie ist „in“ bei den Reedereien – geliefert wird, was das (US-) Publikum begeistert. Wenn ich das obere Deck von Royal Caribbeans „Icon“ sehe, vollgepackt mit schrecklich bunten „Attraktionen“, frage ich mich, was eine Woche auf diesem plumpen Koloss noch mit „Kreuzfahrt“ zu tun hat, wie ich sie mag. Schöne Aussicht aufs Meer, ein paar reizvolle Häfen, gute Gespräche am Dinner-Tisch, Shows am Abend, Bingo und „Trivia“ am Nachmittag – das reicht heute vielen Passagieren einfach nicht mehr. Da muss mehr „Adrenalin-Action“ her! Für einen „Oldie“ wie mich bleiben immerhin noch die vier netten kleinen „alten Schwestern“ von MSC und die nostalgischen „Schätzchen“ von Royal Caribbeans Radiance- und Vision-Klasse, die hoffentlich noch so lange in Betrieb sind, wie ich auf den Meeren unterwegs bin. Ich liebe einfach das entspannte „slow cruising“ auf Schiffen, die noch wie Schiffe aussehen…