Komplizierte Tarife: mobil telefonieren am Kreuzfahrtschiff
Auf Kreuzfahrt mit dem Handy telefonieren kann teurer werden – soweit ist das fast jedem klar. Stimmt aber nicht automatisch! Überraschenderweise sind die Roaming-Tarife in den Satelliten-basierten Mobilfunknetzen an Bord manchmal sogar relativ günstig. Meist ist es allerdings schwierig herauszufinden, wie viel die Telefongesellschaften pro Minute tatsächlich berechnen. Cruisetricks.de hat sich bei Reedereien und Mobilfunk-Anbietern die Tarife besorgt und eine kleine Übersicht zusammengestellt (siehe auch Tabelle am Ende des Beitrags).
Vorweg: Am billigsten telefoniert es sich mit dem Handy auf Kreuzfahrt, wenn man nicht das GSM-Netz des Kreuzfahrtschiffs nutzt. Denn das Roaming über landbasierte, ausländische Mobilfunknetze ist eigentlich immer günstiger. Innerhalb Europas sind die Roaming-Tarife ohnehin gesetzlich gedeckelt, aber auch in den meisten anderen Ländern sind die Gebühren inzwischen relativ akzeptabel. Zudem bieten viele Mobilfunkprovider relativ günstige Auslandstarife an, die man teils als Option, teils als Minutenpaket buchen kann.
Ist das Schiff erst einmal auf hoher See, ist das Handy schnell außerhalb der Reichweite der Mobilfunkmasten an der Küste. Und dann gibt’s nur noch die Alternative zwischen Handy ausschalten oder ins Mobilfunknetz des Kreuzfahrtschiffs einloggen – und das vermittelt die Gespräche über teure Satelliten-Verbindungen. Als Alternative bleibt allerdings noch Skype über die WLAN-Internet-Verbindung an Bord: Die Minutenpreise für Internet sind mit 19 bis 59 Cent pro Minute deutlich günstiger als die Telefon-Roaming-Tarife. Die Bandbreite reicht aber nicht immer für eine störungsfreie Skype-Verbindung aus.
Daten-Roaming
Einige der Satelliten-gestützten GSM-Netze unterstützen inzwischen auch Daten-Roaming via GPRS. Wer also mit einem Smartphone unterwegs ist, sollte sicherstellen, dass Daten-Roaming deaktiviert ist, um nicht von einer hohen Rechnung überrascht zu werden, die beispielsweise durch das Synchronisieren von Kalender und E-Mail zustande kommt. Aber auch hier gibt es inzwischen bezahlbare Tarif-Optionen der Mobilfunk-Provider, beispielsweise das Reise-Paket Data Welt von Vodafone. Aber Daten-Roaming soll das Thema eines anderen Beitrags werden. Wir konzentrieren und hier erst einmal auf das die ohnehin schon kompliziert Sprachtelefonie.
Welche Handy-Tarife gelten am Kreuzfahrtschiff?
Um herauszufinden, welche Handy-Tarife im Satelliten-Netz eines Kreuzfahrtschiffs gelten, muss man drei Faktoren berücksichtigen:
- Auf welchem Schiff will man mit dem Handy telefonieren?
- Welcher Betreiber unterhält das Satelliten-Netz auf dem jeweiligen Kreuzfahrtschiff?
- Und: Welches Roaming-Abkommen hat der eigene Mobilfunk-Anbieter mit diesem Satellitennetz-Betreiber?
Im Wesentlichen gibt es fünf Betreiber von Satelliten-gestützten GSM-Netzen, die auf Kreuzfahrtschiffen zum Einsatz kommen:
CellAtSea / MCP
- Unternehmen: Maritine Communications Partner (MCP), eine Tochter der norwegischen Telenor
- Reederei-Verträge: AIDA
(AIDAsol
, AIDAblu), Cunard, P&O Cruises, Fred Olsen, Princess Cruises, Color Line, Phoenix Reisen, Hurtigruten - Im Display des Handys wird meist „MCP”, „90112” oder „MCP Maritime Com“ als Mobilfunkprovider angezeigt.
cellular@SEA / WMS
- Unternehmen: Wireless Maritime Services (WMS), ein Joint Venture von AT&T und MTN Satellite Comunications; erscheint in den Tarifübersichten gelegentlich auch unter den Namen “Cingular Maritime” oder “AT&T Maritime“
- Reederei-Verträge: Carnival Cruise Line, Celebrity Cruises (ausser Solstice Class), Disney Cruise Line, Norwegian Cruise Line
, Regent Seven Seas, Royal Caribbean International, Seabourn, AIDA (ausser AIDAsol, AIDAblu), TUI Cruises, Crystal Cruises, Silversea Cruises, Windstar Cruises, Paul Gauguin Cruises, The World - Im Display des Handys wird meist „Cellular@SEA“, „Telecom” oder „90118“ als Mobilfunkprovider angezeigt.
On Waves / Siminn
- Unternehmen: Siminn, ein isländisches Telekom-Unternehmen
- Reederei-Verträge: Pullmantur, Louis Cruise Lines, MSC, Celebrity Cruises (Solstice Class), Compagnie du Ponant, Quail/Happy Cruises, Star Clipper
- Im Display des Handys wird meist „SIMINN” oder „OnWaves“ als Mobilfunkprovider angezeigt.
TIM Maritime
- Unternehmen: Telecom Italia
- Reederei-Verträge: Costa Crociere
- Im Display des Handys wird meist „TIM Maritime“ als Mobilfunkprovider angezeigt.
OnAir
- Unternehmen: On Air, eine Kooperation von SITA und Airbus, die hauptsächlich Flugzeuge mit GSM-Technik ausstatten
- Reederei-Verträge: Hapag-Lloyd Kreuzfahrten
- Im Display des Handys wird meist „OnAir“ als Mobilfunkprovider angezeigt.
Netzbetreiber identifizieren
Der erste Blick beim Einloggen in ein Bordnetz sollte dem Handy-Display gelten: In welchem Netz befindet man sich tatsächlich? in der Auflistung haben wir angegeben, unter welchen Bezeichnungen sich die Netze üblicherweise melden. Allerdings sind das nur Anhaltspunkte, in der Realität kann das Netz trotzdem anders heißen.
Manchmal schließen deutsche Mobilfunk-Provider nämlich auch Roaming-Abkommen mit anderen Providern, die selbst kein Satelliten-Netz betreiben. So wickelt Vodafone Telefonate im WMS-Netz beispielsweise über AT&T Wireless Services ab, O2 nutzt Siminn über den Anbieter OceanCell. Oft ist es also ohne intensive Recherche nahezu unmöglich, die tatsächlichen Gebühren zuverlässig zu ermitteln.
Hinzu kommt, dass nicht automatisch alle Schiffe einer Reederei mit der Technik desselben der genannten Anbieter ausgerüstet sind. Deshalb kann es auch unterschiedliche Telefongebühren auf Schiffen derselben Reederei geben – je nach Netzbetreiber. AIDA arbeitet beispielsweise auf der AIDAsol und AIDAblu mit CellAtSea, auf den anderen Schiffen mit cellular@SEA. Celebrity Cruises setzt auf den Solstice-Class-Schiffen auf On Waves, während die übrigen Schiffe mit einem Netz von cellular@SEA fahren.
TIPP 1: Sicherheitshalber sollte man sich von seinem eigenen Mobilfunkanbieter vor einer Kreuzfahrt eine komplette Liste der Roaming-Tarife für Kreuzfahrtschiffsnetze besorgen und vor Ort am Schiff prüfen, in welches Netz sich das Handy tatsächlich einwählt.
TIPP 2: Mailbox ausschalten oder eine absolute Rufumleitung einrichten. Durch die hohen Gebühren für eingehende Gespräche lauert hier sonst eine unangenehme Gebührenfalle.
Übersicht: Handy-Tarife am Kreuzfahrtschiff
Die folgende Tabelle soll Anhaltspunkte geben, ist aber nur eine Momentaufnahme der aktuellen Roaming-Tarife, die sich häufig ändern. Die Preise beziehen sich auf Kreuzfahrtschiffe, für Fähren gelten teils andere Tarife.
| Minuten-Preis nach Deutschland | Minute-Preis eingehende Gespräche | SMS-Versand ** | |
| Siminn | |||
| Dt. Telekom | 6,55 | 7,03 | 1,25 |
| Dt. Telekom Xtra | 5,49 | 5,49 | 0,89 |
| Vodafone | 5,12 | 1,53 (plus Netz-abhängige Gebühren ***) |
0,46 * |
| O2 (via OceanCell) | 6,55 | 6,55 | 1,04 |
| E-Plus | 6,38 | 6,38 | 1,02 |
| CellAtSea / MCP | |||
| Dt. Telekom | 3,13 (+ 0,18 pro Verbindung) |
1,79 | 1,1 |
| Dt. Telekom Xtra | 1,99 | 1,99 | 0,89 |
| Vodafone | 5,12 | 1,53 (plus Netz-abhängige Gebühren ***) |
0,46 * |
| O2 | 1,81 | 2,37 | 0,89 |
| E-Plus | 3,05 (+ 0,17 pro Verbindung) |
2,99 | 0,87 |
| cellular@SEA / WMS | |||
| Dt. Telekom | 3,65 | 3,85 | 0,97 |
| Dt. Telekom Xtra | 3,49 | 3,49 | 0,89 |
| Vodafone | 5,12 | 1,53 | 0,46 * |
| O2 | - (kein Roaming-Vertrag) | ||
| E-Plus | 3,76 | 2,61 | 0,78 |
| TIM Maritime | |||
| Dt. Telekom | 4,47 (+ 0,75 pro Verbindung) |
5,36 (+ 0,75 pro Verbindung) |
0,58 |
| Dt. Telekom Xtra | 5,49 | 5,49 | 0,89 |
| Vodafone | 5,12 | 1,53 (plus Netz-abhängige Gebühren ***) |
0,46 * |
| O2 | 4,46 (+ 0,74 pro Verbindung) |
4,46 (+ 0,74 pro Verbindung) |
0,37 |
| E-Plus | 4,35 (+ 0,73 pro Verbindung) |
4,35 (+ 0,73 pro Verbindung) |
0,87 |
| On Air | |||
| Dt. Telekom | 2,68 | 2,12 | 0,95 |
| Dt. Telekom Xtra | 3,49 | 3,49 | 0,89 |
| Vodafone | 5,12 | 1,53 (plus Netz-abhängige Gebühren ***) |
0,46 * |
| O2 | 2,68 | 1,79 | 0,74 |
| E-Plus | 2,61 | 1,74 | 0,73 |
* CallYa: 0,71 Euro pro SMS
** Empfang von SMS ist unseres Wisssens nach immer kostenfrei
*** es fallen zusätzlich Gebühren an, die abhängig vom jeweiligen Netz zwischen 1,39 und 4,71 Euro betragen
Bitte beachten: Wir übernehmen keinerlei Haftung für die Richtigkeit der Angaben bei der Zuordnung der Roaming-Partner zu den jeweiligen Reedereien/Schiffen oder der Tarife.
Roaming am Kreuzfahrtschiff: die Technik im Hintergrund
Technisch gesehen handelt es sich beim Telefonieren über das Schiffsnetz übrigens um ganz normale Mobilfunk-Telefonie wie an Land auch. Auf dem Kreuzfahrtschiff ist ein GSM-Mobilfunknetz installiert, das die Gespräche vermittelt. In der Regel werden diese Schiffs-GSM-Netze von denselben Unternehmen installiert, gewartet und betrieben, die auch die Satelliten-Verbindungen bereitstellen. Im Hintergrund laufen die Gespräche dann über diese relativ teure Satelliten-Verbindung. Abrechnungstechnisch muss also ein Roaming-Vertrag zwischen dem eigenen Mobilfunkprovider wie Vodafon, T-Mobile, O2 oder E-Plus mit dem Betreiber des Bord-GSM-Netzes bestehen und von diesem Roaming-Vertrag hängt die Höhe der Telefongebühren ab.
Roaming via Satellit nur auf See
Die Satelliten-basierten Netze der Kreuzfahrtschiffe schalten sich GPS-gesteuert automatisch ab, sobald das Kreuzfahrtschiff in Landnähe kommt. Ab welcher Distanz zur Küste das geschieht, hängt von der Gesetzgebung des jeweiligen Landes ab. In der EU dürfen die Satelliten-Netze nicht näher als zwei Seemeilen von der Küstenlinie betrieben werden, für den Bereich bis zwölf Meilen gelten technische Beschränkungen, die Störungen für landbasierte Handy-Netze verhindern sollen (2010/266/EU). Faktisch schalten die Satelliten-Systeme an Bord heutzutage meist bei Einfahren in die 12-Meilen-Zone ab. Trotzdem sollte man gerade in Küstennähe sicherheitshalber immer prüfen, in welches Netz sich das Handy gerade tatsächlich eingeloggt hat.






Da habe ich auch noch einen guten Spartipp:
Man kann im Urlaub auch einfach mal “abschalten”: Das gilt nicht nur für den Passagier selbst, sondern auch für lästige technische Geräte wie Mobiltelefone, Netbooks & Co. :-)
@ Konstantin: I like. :)
Ich habe aber auch noch was Konstruktives beizusteuern. :-)
Soweit ich weiß, bieten US-amerikanische Mobilfunkbetreiber (AT&T, Verizon ?) Daten-Tarifoptionen an, die sich ohne Aufpreis auch auf Schiffen nutzen lassen. Das hatte eine Mitreisende auf einer unserer Reisen mal erwähnt.
Vielleicht lässt sich so ein Datenpaket auch auf Prepaid-Karten laden? So könnte man sich eine solche Karte zum Beispiel in den USA vor einer Karibik-Kreuzfahrt kaufen.
Das Thema “Daten” recherchiere ich gerade – ist nicht ganz unkompliziert, schon weil sich da ständig was ändert. Spannend sind jedenfalls die deutlichen Preisunterschiede auf den Schiffen: Die Preisspanne pro Minute geht da von 19 bis 69 Cent, je nach Reederei!
Irgendwie geht in der Tabelle alles drunter und drüber. Welche Einheit ist denn eigentlich gemeint? Euro oder Cent pro Minute? Und in der Fußnote zur Tabelle: Ist da wirklich 0,71 Cent pro SMS gemeint? Oder Euro? Das Ganze ist völlig unverständlich.
Hallo,
Sorry, bei den “0,71″ in der Fußnote muss es Euro heißen und nicht Cent. In der Tabelle sind alle Angaben in Euro.
Gruß
Carmen
Hallo!
Erst mal danke für die super Übersicht!
Möchte nur anmerken, dass die 1,53 bei eingehenden Vodafone-Gesprächen nicht korrekt sind, hier kommen jeweils noch netzspezifische Gebühren hinzu (zwischen 1,39 und 4,71).
Gruß,
Sascha
@Sascha: Vielen Dank für die Ergänzung. Das Kleingedruckte dazu habe ich tatsächlich übersehen und relativiert die vermeintlich günstigen Gebühren für eingehende Gespräche bei Vodafone deutlich. Ich hab’s gleich auch in der Tabelle selbst ergänzt :-)