Hintergrund: Piraten-Angriffe auf Kreuzfahrtschiffe

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Piraten-Angriff auf die Seabourn Spirit 2005 (Bild: Youtube)
Piraten-Angriff auf die Seabourn Spirit 2005 (Bild: Youtube)

Piraten-Angriffe auf Kreuzfahrtschiffe sind eher selten und waren bislang mit einer Ausnahme auch erfolglos. Besonders häufig sind Piraten-Angriffe auf Schiffe ganz allgemein in den Gewässern rund um Somalia, aber auch in asiatischen Gewässern wie der Straße von Malakka sowie im Südchinesischen Meer. Die Piraten attackieren gewöhnlich Container- und Frachtschiffe, die wegen ihrer niedrigeren Bordwand und der vergleichsweise langsamen Geschwindigkeit ein leichteres Ziel für die Piraten darstellen als die schnellen und wendigen Kreuzfahrtschiffe.

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Trotzdem gibt es immer wieder auch Piraten-Angriffe auf Kreuzfahrtschiffe, die auf einer Weltreise oder einer Repositionierungs-Route durch den Golf von Oman, den Golf von Aden oder zwischen Somalia und den Seychellen unterwegs sind. Zuletzt war am 23. November 2012 die Azamara Journey von einem potenziellen Angriff betroffen, konnte die mutmaßlichen Piraten aber mit Leuchtraketen abwehren.

Effiziente Piraten-Abwehr

Der beste Schutz vor Piraten ist für Kreuzfahrtschiffe ihre große Geschwindigkeit und die hohe Bordwand. In den meisten bisherigen Fällen gelang es den Kapitänen der betroffenen Schiffe, den Piraten mit Höchstgeschwindigkeit davonzufahren. Aber auch das Erklettern der hohen Bordwand von Kreuzfahrtschiffen macht Piraten das Entern schwer. Zur Verteidigung haben einige Schiffe inzwischen Schall-Kanonen (LRAD) an Bord, die sich als höchst effizient erwiesen haben. Auch Hochdruck-Wasserkanonen beziehungsweise der Wasserstrahl aus Feuerwehr-Schläuchen hindern die Piraten daran, an Bord zu klettern.

Zusätzliche Wachen auf Kreuzfahrtschiffen inklusive Nachtsichtgeräten sollen dabei helfen, Piraten frühzeitig zu entdecken. Rechtzeitige Entdeckung der Piraten gilt als wirkungsvollstes Mittel gegen die Angriffe.

Aber auch für den Fall eines direkten Piratenangriffs wird die Crew der Schiffe geschult. Manöver zum Erzeugen größerer Bugwellen können ebenfalls helfen, das Erklettern der Bordwand von den kleinen Piratenbooten aus zu erschweren oder unmöglich zu machen. Darüber hinaus geben Reedereien aus verständlichen Gründen ungern genauere Auskunft über die Tricks, die sie zur Piratenabwehr auf Lager haben.

Schusswaffen sind dagegen in der Regel nicht an Bord von Kreuzfahrtschiffen zu finden. Dafür patroullieren insbesondere rund um das Horn von Afrika Marine-Schiffe europäischer Nationen im Rahmen der „Operation Atalanta“ der „EU NAVFOR Somalia“ zum Schutz der Schifffahrt in der Region und können in vielen Fällen zur Hilfe kommen. Eine direkte Begleitung von Kreuzfahrtschiff rund um Somalia findet in der Regel aber nicht statt.

Chronik der Piraten-Angriffe auf Kreuzfahrtschiffe

Am 23. November 2012 war die die Azamara Journey von einem Angriff betroffen. Die mutmaßlichen Piraten konnten aber mit Hilfe von Leuchtraketen abgewehrt werden.

Am 12. Januar 2011 ist die damalige Spirit of Adventure (heute: FTI Berlin) einen Piratenangriff knapp entkommen.

Im April 2009 wehrte die MSC Melody einige hundert Meilen südlich der Seychellen einen Piratenangriff ab – unter anderem mit Hilfe von Tischen und Liegestühlen, die Passagiere auf die Piraten warfen.

Im November 2008 hatten zwei Schnellboote im Golf von Oman auf die Astor (Transocean) zugehalten, waren aber von der Fregatte Mecklenburg-Vorpommern mit Maschinengewehrfeuer vertrieben worden.

Nur zwei Tage später wurde die Nautica (Oceania Cruises) im Golf von Aden von Piraten beschossen, konnte aber entkommen.

Erneut ein paar Tage später griff Anfang Dezember 2008 eine regelrechte Armada von bis zu 29 Piraten-Booten die Athena (Classic International Cruises) ebenfalls im Golf von Aden an, wurden aber mit Wasserkanonen erfolgreich abgewehrt.

Die Seabourn Spirit wurde im November 2005 von Piraten beschossen, konnte aber ebenfalls entkommen. Von dem Angriff gibt es sogar ein Video auf Youtube:

Video Thumbnail

April 2008: Piraten kapern die „Le Ponant“

Der einzige bislang – aus Sicht der Piraten – erfolgreiche Angriff auf ein Kreuzfahrtschiff fand im April 2008 im Golf von Aden statt. Piraten kaperten dort die französische Luxus-Segelyacht „Le Ponant“ der französischen Reederei Compagnie de Ponant und brachten die 30 Crew-Mitglieder in ihre Gewalt.

Kapitän Patrick Marchesseau (2011 auf der L'Austral)
Kapitän Patrick Marchesseau (2011 auf der L’Austral)

Da sich die Le Ponant zu diesem Zeitpunkt auf einer Überführungsfahrt von den Seychellen ins Mittelmeer befand, waren keine Passagiere an Bord. Kapitän Patrick Marchesseau gelang es, durch sein Verhandlungsgeschick und mit Unterstützung der französischen Marine, alle Crewmitglieder frei zu bekommen. In Frankreich wurde er dafür bei seiner Rückkehr nach Paris als Nationalheld gefeiert. Patrick Marchesseau fährt auch heute noch als Kapitän auf den Schiffen der Compagnie du Ponant.

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3 Kommentare zu Hintergrund: Piraten-Angriffe auf Kreuzfahrtschiffe

  1. Heinz on November 30, 2012 at 7:06 pm

    Da kommt ja sofort ein Fluch der Karibik-Feeling auf ;) Obwohl Piraterie natürlich nicht lustig ist. Ich kann mir auch schwer vorstellen wie Piraten ein Kreuzfahrtschiff einnehmen sollen. Nicht lang her war ich auf der FTI Berlin, die ist zwar kleiner als die meisten anderen (im Übrigen ist genau die familiäre Atmosphäre das Reizvolle daran), aber immer noch so groß, dass Piraten daneben klein aussehen würden. Und wenns passieren würde, dann flögen auch bei mir Tische und Liegestühle ;) Sowas würde mich jedenfalls nicht von einer Kreuzfahrt abhalten, dafür war die Reise viel zu schön und muss unbedingt wiederholt werden.

  2. Franz Neumeier on November 30, 2012 at 7:15 pm

    Die bisherigen Versuche haben ja auch gezeigt, dass die Chancen für die Piraten eher schlecht stehen – zumindest, wenn sie nur über kleine Boote verfügen und nicht mit wirklich schweren Waffen drohen können …

    Ich persönlich würde solche Fahrtrouten lieber meiden. Es gibt so viele schöne Gegenden, da muss man nicht unbedingt mit dem Schiff an Somalia vorbei fahren. Aber das ist natürlich Geschmackssache.

  3. Christian Monke on Juli 18, 2014 at 3:37 pm

    Wir sind in den letzten Jahren mehrfach auf der Strecke Indischer Ozean-Rotes Meer-Mittelmeer unterwegs gewesen. Ausschließlich mit Seabourn. Die Sicherheitsmaßnahmen sahen sehr unterschiedlich aus. Einmal fuhren wir full speed mit einem nachts abgedunkelten Schiff und Schallkanonen in Bereitschaft, ein ander Mal hat sich das Schiff einem von französischen Militärschiffen begleiteten Konvoi angeschlossen. Dabei campierten ca. 10 franz. Soldaten in einer der Lounges und verließen später das Schiff, als wir in sichereren Gewässern waren.
    Beim letzten Mal (03/2014) kamen Söldner in Mumbai oder im Oman an Bord, verließen das Schiff dann wieder mitten auf dem Roten Meer vor der Küste Eritreas. Dort lag ein kleineres Passagierschiff, offenbar die nördliche Basis dieser Sicherheitsleute. Von dort aus wurden die südwärts fahrenden Schiffe „bemannt“.
    Das Fahrgebiet an sich verspricht viele Seetage bei schönstem Wetter, anders als Transatlantikfahrten.
    Meine favorisierte Cruise!

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