Helix-Konzeptstudie der Meyer-Wert für ein Brennstoffzellen-Kreuzfahrtschiff

Auf dem Weg zum klimaneutralen Antrieb: Brennstoffzellen-Technik wird in der Kreuzfahrt bald Realität

Die ersten Kreuzfahrtschiffe mit Brennstoffzellen-Technik werden bald Realität. Der Hersteller Freudenberg e-Power Systems hat die Klassenzulassung für ein Brennstoffzellen-System mit Methanol als Energieträger erhalten. Und auch für ein erstes komplett klimaneutral operierendes Kreuzfahrtschiff gibt es nun einen konkreten Bauauftrag.

Noch redet man davon, wie kompliziert es ist, emissionsfreie Kreuzfahrtschiffe zu bauen, welche Technik dazu noch fehlt, wie langfristig man dabei denken muss und dass sowohl die behördlichen Regularien dazu fehlen als auch offen ist, welche Treibstoffe und Antriebsarten sich letztlich durchsetzen werden.

Doch zugleich kommen bereits ab 2023 die ersten, kleinere Kreuzfahrtschiffe mit innovativen Konzepten auf den Markt oder sind für die nahe Zukunft geplant, die zumindest teilweise klimaneutral sein werden und kaum noch Schadstoffe emittieren.

Silver Nova: 2023 mit Brennstoffzellen emissionsfrei im Hafen

Aktuell entsteht auf der Meyer-Werft in Papenburg die Silver Nova für Silversea Cruises, die zu ihrer geplanten Indienststellung 2023 mit dem weltweit größten Brennstoffzellensystem auf einem Kreuzfahrtschiff ausgestattet sein wird. Auf der Silver Nova wird LNG als Energieträger genutzt, der wiederum für die Brennstoffzellen in Wasserstoff umgewandelt wird. Das Schiff kann zumindest schon während der Hafenliegezeiten vollständig ohne Hilfe von Verbrennungsmotoren und damit emissionsfrei betrieben werden.

Silver Nova (Bild: Silversea Cruises)
Silver Nova (Bild: Silversea Cruises)

Mit Platz für 600 Passagiere wird die Silver Nova bereits ein relativ großes Kreuzfahrtschiff sein, da in so großem Umfang von Brennstoffzellentechnik profitiert. Zudem wird die Silver Nova Akkus an Bord haben, die mit der sogenannten Peak-Shaving-Technik im Fahrtbetrieb deutlich Treibstoff einspart.

Freudenberg: Erstes Brennstoffzellen-System mit Klassenzulassung

Freudenberg e-Power Systems meldet Anfang September 2022 die Klassenzulassung ihrer Brennstoffzellen, die Methanol aus Energieträger nutzen. Damit sind diese Brennstoffzellen von der italienischen Klassifikationsgesellschaft Rina für die Nutzung auf Kreuzfahrtschiffen zugelassen. Die Systemeinheiten mit einer Nennleistung von 500 Kilowatt lassen sich laut Hersteller modular zu Systemen mit zweistelliger Megawatt-Leistung kombinieren.

Integrationsschema für die Methanol-Brennstoffzellen von Freudenberg (Bild: Freudenberg e-Power Systems)
Integrationsschema für die Methanol-Brennstoffzellen von Freudenberg (Bild: Freudenberg e-Power Systems)

Ein solches Methanol-basiertes System ist für Kreuzfahrtschiffe besonders geeignet, weil die Energie in Form von Methanol gespeichert ist, das etwa dir dreifache Energiedichte von verflüssigtem Wasserstoff hat. Damit ist es im Vergleich platzsparend und kommt vor allem ohne den für flüssigen Wasserstoff nötigen, enormen Kühlaufwand (minus 253 Grad Celsius) aus. Mit einem der Brennstoffzelle vorgeschalteten Reformer wird das Methanol in Wasserstoff umgewandelt.

Festoxid-Brennstoffzelle auf der MSC World Europa, Ende 2022

Zumindest eine kleine Versuchsanlage mit Brennstoffzellen wird die MSC World Europa haben, die im November 2022 in Doha getauft wird und im Dezember in den Kreuzfahrtbetrieb geht. Es handelt sich dabei um eine Festoxid-Brennstoffzelle mit einer Leistung von 150 Kilowatt.

MSC World Europa (Bild: MSC Cruises)
MSC World Europa (Bild: MSC Cruises)

AIDAnova: 2022 Nachrüstung mit Brennstoffzellen

Im Rahmen des Forschungsprojekts Pa-X-ell 2 rüstet die Meyer-Werft voraussichtlich noch 2022 die AIDAnova mit einem kleineren Brennstoffzellensystem für Versuchszwecke aus, das ebenfalls von Freudenberg e-Power Systems stammt und mit Methanol als Energieträger arbeitet.

AIDAnova
AIDAnova (Archivbild)

Die Meyer-Tochter Meyer Neptun Engineering entwickelt nach eigenen Angaben an vollständigen Systemen, mit denen bestehende Schiffe mit Brennstoffzellen nachgerüstet werden können.

Brennstoffzellen-Technik auch bei Viking und Explora Journeys in Planung

Viking hat Anfang September 2022 einen Vorvertrag mit dem italienischen Werftunternehmen Fincantieri in einen festen Bauaustrag umgewandelt, der den Bau von zwei Kreuzfahrtschiffen für knapp 1.00 Passagiere, die teilweise mit Brennstoffzellen angetrieben werden sollen. Genauere Details zu diesen Planungen sind noch nicht bekannt. Indienststellung der Schiffe soll schon 2024 und 2025 sein.

Explora V (Bild: Explora Journeys)
Explora V (Bild: Explora Journeys)

Die MSC-Luxustochter Explora Journeys plant für das fünfte und sechste Schiff ihrer ersten Kreuzfahrtschiffbaureihe, Explora V und VI, jeweils Brennstoffzellen mit einer Leistung von sechs Megawatt. Das ist ausreichend für den kompletten Hotelbetrieb und damit für emissionsfreien Betrieb der Schiffe während der Hafenliegezeiten. Die beiden Schiffe, für die es mit Fincantieri einen Vorvertrag gibt, sollen 2027 und 2028 in Dienst gehen. Die Explora-Schiffe bieten Platz für knapp 1.000 Passagiere.

Northern Xplorer: klimaneutrales Expeditionsschiff für 2025/26 beauftragt

Das norwegische Kreuzfahrt-Start-up Northern Xplorer hat Anfang September 2022 mit der portugiesischen Werft West Sea einen Vertrag über den Bau eines Expeditionsschiff-Neubaus geschlossen, der 2025/26 in Dienst gehen und CO2-neutral betrieben werden soll. Das soll mit einem Antriebssystem von ABB erreicht werden, das Akkus und Brennstoffzellen kombiniert. Das Schiffsdesign stammt vom norwegischen Unternehmen Multi Marine.

Northern Xplorer (Bild: Multi Maritime)
Northern Xplorer (Bild: Multi Maritime)

Gebaut werden soll das Schiff in der Werft in Viana do Costello nahe Porto, wo aktuell auch die Schiffe für Mystic Cruises gebaut werden. Es soll Platz für 250 Passagiere bieten und 130 Meter lang werden. Insgesamt plant Northern Explorer eine Baureihe mit 14 identischen Schiffen dieser Art.

Hinter Northern Xplorer steckt unter anderem deren CEO Rolf Andre Sandvik, der viel Erfahrung aus der Kreuzfahrt und mit umweltfreundlichen Schiffen mitbringt. Er war unter anderem für NCL und Crystal Cruises tätig und hatte zuletzt das Unternehmen The Fjords im norwegischen Flam gegründet, das 2016 und 2018 die beiden Elektro-Hybrid-Katamarane Vision of the Fjords und Future of the Fjords in Betrieb nahm und damit schadstofffrei bis zu 400 Ausflugs-Passagiere in den Unesco-Welterbefjord Nærøyfjord fährt.

1 Kommentar

1 Gedanke zu „Auf dem Weg zum klimaneutralen Antrieb: Brennstoffzellen-Technik wird in der Kreuzfahrt bald Realität“

  1. LNG und Methanol sind zwar umweltfreundlicher als Schweröl, tragen aber nicht zur Klimaneutralität der Schifffahrt bei
    Das fossile Flüssigerdgas (LNG) führt über den gesamten Lebenszyklus gesehen nicht zu einer Verbesserung der Klimawirkung durch die Schifffahrt. Dies gilt auch für Methanol, das bei Normaltemperatur flüssig und daher im Gegensatz zu LNG oder Wasserstoff wesentlich einfacher handzuhaben ist. LNG besteht überwiegend aus dem äußerst klimapotenten Treibhausgas Methan (CH4) und ist daher, wenn überhaupt, allenfalls als vorübergehender Brücken-Kraftstoff zu sehen, bis grüner Wasserstoff in genügender Menge und zu wettbewerbsfähigen Preisen für Wasserstoff-Brennstoffzellen und Wasserstoff-Verbrennungsmotoren zur Verfügung steht bzw. bis Ammoniak-Verbrennungsmotoren einsatzreif geworden sind . Warum in Deutschland jetzt teure Flüssigerdgas-Terminals mit Abschreibungen von 30 Jahren und mehr gebaut werden, wenn Deutschland bis spätestens 2045 klimaneutral sein will, ist schwer zu verstehen. Zum Methanol-Kraftstoff: er ist nur dann klimafreundlich, wenn es sich um grünes Methanol handelt, das aus Kohlenstoff aus Biomasse und Wasserstoff aus der Elektrolyse von Wasser hergestellt wird. Mit Wasserstoff arbeitende Brennstoffzellen tragen nur dann zur Dekarbonisierung der Schifffahrt bei, wenn der Wasserstoff mit Strom aus regenerativen Quellen produziert wird. Gleiches gilt auch für die (noch ?) sehr teure Landstromversorgung in den Häfen. Doch diese seit rund zwei Jahrzehnten bekannte Technologie müsste von deutlich mehr Schiffen genutzt werden.
    Horst Köhler, Friedberg – http://www.klimawandel-report.com

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