Penrose Atrium der Norwegian Prima

Erste Bilder und Videos von der Norwegian Prima

Die Norwegian Prima ist seit 29. Juli 2022 offiziell Teil der NCL-Flotte. Wir waren bei der Übergabe in der Fincantieri-Werft in Marghera dabei und haben erste Fotos und Videos vom (fast) fertigen, neuen Flaggschiff von Norwegian Cruise Line mitgebracht.

Für NCL ist die Auslieferung der Norwegian Prima ein wichtiger Meilenstein: Mit ihr geht Ende August nach fast zehn Jahren wieder ein Schiff einer neuen Schiffsklasse in Dienst. Die Leonardo Class ist die erste Schiffsklasse, die komplett unter der Führung von NCLH-Präsident Frank Del Rio entwickelt und gebaut wurde und damit deutlich seine Handschrift trägt.

Metropolitan Bar
Metropolitan Bar

Design und Ambiente erinnern in vielen Bereichen an die Schiffe der Premium- beziehungsweise Luxus-Schwestern Oceania Cruises und Regent Seven Seas Cruises. Und tatsächlich will NCL mit der Norwegian Prima die neue Ausrichtung der Reederei hinein in den Premium-Markt noch deutlicher machen als beispielsweise mit den Renovierungen älterer Schiffe wie etwa der Norwegian Jade.

Erste Eindrücke zwischen Baulärm und emsigen Werftarbeitern

An Bord der Norwegian Prima in der Werft in Marghera hört man am 29. Juli, dem Tag der Übergabe, überall noch Baulärm. Flex kreischen, Hämmer klopfen, mehr als Tausend Arbeiter legen in allen Winkeln des Schiffs letzte oder vorletzte Hand an. Bei meinem ersten Werftbesuch im März 2022 waren lediglich blanke Stahlwände und offene Kabelschächte zu sehen. Jetzt ist die Norwegian Prima so gut wie fertig und es ist klar erkennbar, wie sich die Norwegian Prima präsentieren wird, wenn Katy Perry sie am 27. August in Reykjavik tauft und anschließend mit ihr auf Jungfernfahrt geht.

Die Eine-Milliarde-Dollar-Unterschrift: luigi Matarazzo (Fincantieri) und Harry Sommer (Präsiden & CEO NCL) unterzeichnen den Vertrag zur Übergabe der Norwegian Prima.
Die Eine-Milliarde-Dollar-Unterschrift: Luigi Matarazzo (Fincantieri) und Harry Sommer (Präsident & CEO NCL) unterzeichnen den Vertrag zur Übergabe der Norwegian Prima.

Bei einem Werftbesuch Anfang März 2022 haben wir bereits einen Eindruck von der Norwegian Prima bekommen und in unseren Beiträgen „Werft-Besuch in Marghera: Fotos, Neues und Details von der Norwegian Prima“ und „Erste Details zur Norwegian Prima“ viel zum Konzept und den Neuerungen auf NCLs künftigem Flaggschiff geschrieben. Unter anderen finden Sie dort Infos zu den Kabinen, zu besonderen Kunstwerken an Bord, der Kulinarik, dem ungewöhnlichen Konzept für das Theater und einigem mehr.

Video-Impressionen von der Norwegian Prima

Zur Auslieferung der Norwegian Prima versuchen wir etwas, das Sie von cruisetricks.de bislang nicht kennen: Wir zeigen Ihnen Einblicke ins Schiff, ein paar Bilder aus Venedig und die Übergabe-Zeremonie in einem kurzen Video:

Wir freuen uns über Kommentare, wie Ihnen dieses Video-Format gefällt. Noch mehr freuen wir uns, wenn Sie auch gleich unseren Youtube-Kanal abonnieren.

Penrose Atrium: sehr gelungene, asymmetrische Architektur

Besonders eindrucksvoll ist das Penrose Atrium der Norwegian Prima. Dort haben sich die Architekten und Designer des Studios Dado aus Florida an etwas gewagt, was man nur selten in solchen Räumen sieht: Asymmetrie. Umso spektakulärer ist die sehr gelungene Architektur dieses Atriums.

Penrose Atrium
Penrose Atrium

Das Atrium ist ein echtes Zentrum des Schiffs, auf den unteren drei öffentlichen Decks 6, 7 und 8 läuft alle sauf dieses Atrium zu, in das ein großer Starbucks, zwei Bars, Rezeption und Shops integriert sind.

Mein persönliches Highlight im Atrium ist die Gestaltung der Treppe, die mit ihren leicht geschwungenen Formen beinahe etwas an Antonio Gaudi erinnert, sich zugleich aber unaufdringlich in die Asymmetrien des übrigen Atriums einfügt.

Penrose Atrium
Treppe im Penrose Atrium

Ein Stil, der mit einigen Traditionen bricht

NCL bricht auf der Norwegian Prima mit vielen Traditionen, die sich auf Kreuzfahrtschiffen über Jahrzehnte gehalten haben, aber eigentlich längst überholt sind.

Optisch lässt sich dieser Traditionsbruch besonders anschaulich im Cagney’s Steakhouse erkennen. Kaum ein Restaurant-Typ ist auf Kreuzfahrtschiffen so traditionell, oft altbacken gestaltet wie das Steakhaus: dunkles Holz, Ledersessel. Auf der Norwegian Prima dagegen ist das Cagney’s modern und hell gestaltet – inspiriert vom „Prairie Style“ des legendären, amerikanischen Architekten Frank Lloyd Wright.

Cagney's Steakhouse
Cagney’s Steakhouse

Mutig ist auch die Gestaltung des französischen Fine-Dining-Restaurants Le Bistro. Es soll an das Flair von Paris erinnern, kommt aber gänzlich ohne den gewohnten Frankreich-Kitsch aus. Stattdessen fokussiert sich alles auf drei riesige, am Boden stehende Kristall-Lüster. Jeder ist rund 70.000 Euro wert und stammt aus den Werkstätten on Kalmar in Wien.

Le Bistro
Le Bistro

Aber auch abseits des Designs bricht NCL auf der Norwegian Prima mit Gewohntem. Da wäre beispielsweise das täglich wechselnde Menü der Hauptrestaurants: Das war früher einmal wichtig, weil es nur ein Restaurant an Bord gab. In Zeiten von zahlreichen kostenfreien plus Spezialitäten-Restaurants kippt NCL diesen Ansatz nun und wird in den beiden Hauptrestaurants Hudson’s und The Commodore Room nur noch eine dauerhafte, feste Speisekarte haben. Diese Karte allerdings ist so umfangreich und vielfältig, dass Passagiere hier dennoch täglich essen konnten, wenn sie das möchten. Aber es gibt die Freiheit, andere Restaurants auszuprobieren, ohne im Hauptrestaurant dann ausgerechnet an diesem Abend ein Lieblingsgericht zu verpassen.

Ebenso deutlich ist der Bruch mit Althergebrachten im Theater der Norwegian Prima zu erkennen. Aus einem klassischen Theater wird kompromisslos ein Multifunktionsraum, der nicht mehr nur abends für zwei Shows genutzt werden kann und die übrige Zeit leer steht. Stattdessen lässt sich die Zuschauertribüne auf der untersten Ebene teilweise oder komplett zurückfahren.

Aus dem Theater wird dann ein riesiger Nachtclub, der sich mit den Top-Clubs in Las Vegas messen kann. Über allem schwebt eine gewaltige Deckenleuchte, deren vier Ringe einzeln bewegt, auf- und abgesenkt werden können. Oder der Raum wird Schauplatz großer Gameshows aus dem US-Fernsehen, beispielsweise „Supermarket Sweep“, für die auf der Theater-Fläche ein kompletter Supermarkt aufgebaut werden kann.

Restaurant mit elegantem Markthallen-Charakter

Mutmaßlich kleiner wird auf der Norwegian Prima die Bedeutung des klassischen Buffet-Restaurants. Das gibt es zwar weiterhin, aber es bekommt mit der „Indulge Food Hall“ harte Konkurrenz. Viele unterschiedliche Marktstände und Food-Trucks – darunter ein echter, umgebauter Airstream – machen das Angebot vielfältig und abwechslungsreich und das Ambiente vor allem auch im Außenbereich am Heck wirkt sehr elegant und großzügig.

Nach unserem ersten Werftbesuch der Norwegian Prima haben wir schon einiges zur Idee und dem Konzept der Indulge Food Hall geschrieben.

Eleganz und großzügiges Ambiente

Insgesamt fällt beim Besuch auf der Norwegian Prima in der Werft trotz Baulärms und geschäftigem Treiben der Arbeiter auf, dass NCL viel Wert auf ein elegantes Ambiente und großzügige Raumgestaltung gelegt hat.

Das Hauptrestaurant Hudson’s beispielsweise wirkt eher wie ein teures Fine-Dining-Restaurant: goldfarbene Schmetterlings-Leuchten an der Decke, elegantes Design und vor allem die riesige, halbrunden Fensterfront zum Heck hin. Es wirkt, als gäbe es in diesem Restaurant keine wirklich schlechten Plätze, der Blick nach draußen scheint von überall her sicher zu sein.

Sowohl beim Sushi-Restaurant Nama als auch beim Teppanyaki-Restaurant Hasuka verzichtet NCL wohltuenderweise aus das typische Klischee-Design für solche Restaurants

Zum eleganten Erscheinungsbild des Schiffs gehörten Bodenbeläge, bei denen sich Stein und Marmor, Holzoptik und dezentes Teppich-Design zu einer harmonischen Einheit ergänzt. Ein paar Schnappschüsse geben schon einen ganz guten Eindruck von diesem Stil:

Eher ungewöhnlich für ein großes Kreuzfahrtschiff: In vielen Räumen sind die Decken mit Struktur gestaltet, die oft eine Atmosphäre schaffen, wie man sie sonst durch die glatten, unstrukturierten Decken auf Kreuzfahrtschiffen nicht gewohnt ist.

Großzügigkeit auch am Promenadendeck: „The Concourse“ mit den Skulpturen von Alexander Krivosheiw geht verschwenderisch mit Platz um, lädt zu einem kleinen Spaziergang vor dem Dinner ein – oder auch nach dem Abendessen bei Dunkelheit und LED-Beleuchtung der Skulpturen.

Die beiden Infinity-Pools an der Promenade sind nicht etwa eng umstellt mit Liegestühlen dicht an dicht. Sie wirken eher wie der Lounge-bereich eines Spa mit breiten Sonnenbetten und viel Raum darum herum. Wie mag das erst wirken, wenn die Bauarbeiter weg sind und der Infinity-Pool mit Wasser gefüllt ist?

Ein wenig verwirrend ist dagegen der Verlauf der (trockenen) Rutschen-Röhren, die von Deck 16 bis hinunter zum Promenadendeck 8 verlaufen und dabei direkt an oder sogar durch Balkone von Kabinen führen. Da muss sich im Echtbetrieb des Schiffs zeigen, wie die Bewohner der benachbarten Balkonkabinen mit dem begeisterten Kreischen der Rutschenbenutzer zurechtkommen werden.

Crew-Außenbereich und Bar in bester Lage

Neue Großzügigkeit bei NCL gibt es auch für die Crew: In bester Lage, auf Deck 18 vorne gönnt die Reederei ihren Mitarbeitern ein eigenes Außendeckdeck inklusive Crew-Bar „The High Dive“ mit freiem Blick aufs Meer.

The Haven

Am wenigsten weit im Baufortschritt ist bei der Übergabe der Norwegian Prima am 29. Juli noch der neue Suiten-Bereich „The Haven“. Hier war beim Werftbesuch nur in Ansätzen erkennbar, wie sich der Haven präsentieren wird: erstmals mit großem Außendeck am Heck mit Blick aufs Meer mit Infinity-Whirlpool …

… und Haven-Lounge ebenfalls mit Meerblick durch bodentiefe Panoramafenster.

Kapitän ist von den Fahr-Eigenschaften des Schiffs begeistert

Norwegian Prima bei Fincantieri in Marghera
Norwegian Prima bei Fincantieri in Marghera

Auf der technischen Seite gibt sich Kapitän Roger Gustavsen begeistert von den Fahr-Eigenschaften der Norwegian Prima. In einer kurzen Rede zur Flaggenzeremonie bei der Schiffsübergabe schwärmt er von einigen Kennzahlen von Probefahrten und merkt schmunzelnd an, dass das Schiff eben im Ferrari-Land Italien gebaut worden sei:

  • Höchstgeschwindigkeit: 21,9 Knoten (vertraglich vereinbart sind 20,5 Knoten)
  • Richtungswechsel bei voller Fahrt: 72 Grad pro Minute
  • Wendekreis dabei: 360 Meter
  • Krängung beim Wendemanöver: 10 Grad

Und obwohl das für eine solche Extremsituation beeindruckend wenig ist, kommentiert Kapitän Gustavson scherzhaft: „Ich verspreche, dass ich das nie machen werde, wenn Passagiere an Bord sind.“

Impressionen von der Übergabe-Zeremonie

Die formelle Übergabe eines Kreuzfahrtschiffs von der Werft an die Reederei ist meist recht unspektakulär, hat aber große Bedeutung. Allen voran: Die Restzahlung wird fällig, meist mehrere Hundert Millionen Dollar. Die Zeremonie besteht aus dem Leisten der Unterschriften, ein paar kurzen Reden (Ausschnitte daraus in unserem Video) und dann das Aufziehen der Flaggen der Reederei und des Flaggenstaates – im Falle der Norwegian Prima ist das die Flagge der Bahamas.

Erstes Fazit: innovativ und beinahe schon luxuriös

Die Norwegian Prima ist – mit allem Vorbehalt nach einem kurzen Werftbesuch auf einem fast fertigen Schiff – für NCL ein großer Schritt hin zu einem neuen, viel eleganteren, großzügigeren Konzept, einschließlich eines besseren Crew-pro-Passagier-Verhältnis, das deutlich besseren Service erwarten lässt. Die Reederei bewegt sich damit immer weiter ins Premium-Segment und macht womöglich der Schwesterreederei Oceania Cruises ernsthaft Konkurrenz.

Anders als bei der spektakulär innovativen Edge-Class von Celebrity Cruises liegen die Veränderungen mit der Norwegian Prima nicht so sehr in übermäßig auffälligen Features, als vielmehr in vielen Details und einem Wandel, der sehr konsequent, aber eher unterschwellig geschieht, ohne deshalb weniger innovativ zu sein.

Penrose Atrium
Penrose Atrium

Wie deutlich sich das auswirkt, und wie nahe NCL mit der Norwegian Prima womöglich sogar an die Edge-Class von Celebrity Cruises herankommt (auch wenn die Konzepte der beiden Schiffsklassen nur bedingt vergleichbar sind), muss sich zeigen, wenn das Schiff erst einmal im Echtbetrieb unterwegs ist und man die Atmosphäre mit einem voll belegten Schiff spürt. Ende August 2022 sticht die Norwegian Prima von Reykjavik zum ersten Mal mit Passagieren in See.

Norwegian Viva im Bau bei bei Fincantieri in Marghera
Blick aufs Schwesterschiff Norwegian Viva im Baudock bei Fincantieri – sie soll 2023 in Dienst gehen.

Ein Fun-Fact zum Schluss: Die bestbezahlte Person an Bord der Norwegian Prima ist nicht – wie man erwarten würde – der Kapitän. Es ist der Küchenchef. Denn auch bei der Kulinarik will NCL weiter deutlich zulegen und damit wohl näher an die hausinterne Konkurrenz bei Regent Seven Seas Cruises und Oceania Cruises heranrücken.

Anmerkung*: Cruisetricks.de reiste zur Übergabe und Besichtigung der Norwegian Prima nach Venedig/Marghera auf Einladung von Norwegian Cruise Line.
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Cruisetricks.de reiste zur Übergabe und Besichtigung der Norwegian Prima nach Venedig/Marghera auf Einladung von Norwegian Cruise Line.

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1 Kommentar

1 Gedanke zu „Erste Bilder und Videos von der Norwegian Prima“

  1. Sehr geehrter Herr Neumeier
    Ihr ausführlicher Bericht macht Lust auf mehr!
    Die neue Schiffsklasse von NCL scheint super zu sein und mir gefallen die Neuerungen ausgesprochen gut. Ich fand schon die Bliss ein wunderbares, innovatives und gelungenes Schiff für den Massenmarkt. Kann es kaum erwarten selber auf der Prima, der Viva oder an einem noch folgenden Schiff der gleichen schiffsklasse Urlaub zu machen!
    Vielen Dank für die immer sehenswerten Fotos.
    Freundliche Grüsse aus Zürich
    Christian Brunner

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