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"sponsored by Oceania Cruises" - was bedeutet das für cruisetricks.de?

Explora Journeys im Praxistest: So fühlt sich Luxus auf der Explora I an

Explora Journeys erstes Kreuzfahrtschiff, die Explora I, ist seit zwei Jahren in Dienst – höchste Zeit für einen Praxis-Check. Was macht die Luxus-Tochter von MSC anders oder besser als die alteingesessene Konkurrenz? Und funktioniert alles wie versprochen? Wir waren eine Woche mit der Explora I unterwegs, um das herauszufinden.

Wen man auch fragt: Über Explora Journeys hört man nur Gutes. Das deckt sich mit meiner eigenen Erfahrung der wenigen Tage an Bord bei den Tauf-Events für die Explora I und Explora II. Aber gerade bei einer ganz neuen Reederei sagt das wenig über den Alltagsbetrieb aus. Zumal die bislang zwei Explora-Journeys-Schiffe in den ersten beiden Jahren teils nur gering ausgelastet waren – normal bei Einführung einer neuen Marke.

Explora I
Explora I

Doch inzwischen ist Explora Journeys gut gebucht. Und so haben wir uns auf einer ganz normalen Kreuzfahrt der Explora I genau umgesehen, mit etwas über 800 Passagieren, darunter 77 Kinder. Und 641 Crew-Mitgliedern, die Explora Journeys übrigens „Hosts“ nennt – „Gastgeber“.

Wie so oft finden Sie einen ausführlichen Reisebericht und eine Detaillierte Beschreibung der Explora I bei Carmens Cruisediary.de, sowie hier bei cruisetricks.de das ausführliche Schiffsportrait der Explora I, ein Youtube-Video und eine umfassende Bildergalerie der Explora I.

Was also macht Explora Journeys aus?

Explora Journeys sieht sich selbst im Ultraluxus-Segment und bei vielen Aspekten trifft das auch zu. Ich persönlich finde: Bei einer Kapazität von über 900 Passagieren ist Ultraluxus nicht in allen Belangen darstellbar. Persönlich mit Namen anspreche kann die Crew so viele Passagieren beispielsweise nicht, ebenso wenig jederzeit die individuellen Vorlieben jedes einzelnen kennen.

Lobby Bar
Lobby Bar

Was Explora Journeys aber zweifellos bietet, ist eine Luxus-Kreuzfahrt auf einem sehr hohen Niveau und in einer spannenden, recht europäisch geprägten Variante. Hier unterscheidet sich Explora sowohl von dem explizit deutsch geprägten Konzept bei Hapag-Lloyd Cruises als auch den Ausrichtungen der mehr oder weniger stark amerikanisch geprägten, internationalen Konkurrenten.

Selfie im Asternl-Infinitypool
Selfie im Astern-Infinitypool

Wie sich das auswirkt, habe ich schon in meinem Schiffsportrait zur Explora I geschildert. „Luxus“ bedeutet bei Explora Journeys sehr viel individuellen Freiraum, der sich beispielsweise auch im sehr legeren Dress Code zeigt. Wohlgemerkt: leger, nicht schlampig. Dazu noch mehr in meinem Fazit.

Der Luxus bei Explora protzt nicht, kommt mit viel Understatement daher und ist vor allem pragmatisch. Keine Luxus-Features oder teure Materialien, einfach nur, um „Luxus“ zu demonstrieren. Dafür aber hochklassig dort, wo es etwas nützt, etwa beim Fön in den Suiten, einem edlen Dyson.

Aspekte, bei denen ich skeptisch war …

Bei zwei Aspekten war ich besonders neugierig, und skeptisch, weil sie teils deutlich von anderen Luxus-Reedereien abweichen: die Zahl der Sitzplätze in den Restaurants und das Konzept mit einer Vielzahl kleinerer Pools.

Mehrere kleine Pools: Gibt’s genug freie Sonnenliegen?

Meine Befürchtung bei den insgesamt fünf überwiegend kleineren Pools: Bei 800 oder 900 Passagieren könnten die Sonnenliegen knapp werden. Und wer will auf einem Luxus-Kreuzfahrtschiff schon von Pool zu Pool pilgern, in der Hoffnung, irgendwo vielleicht noch eine freie Liege zu finden.

Unserer Erfahrung dazu: Es funktioniert überraschend gut, auch wenn man tatsächlich zu Stoßzeiten vielleicht mal ein paar Minuten investieren muss, um einen Platz an einem der Pools zu finden. Das ist eines der wenigen Details, die für den letzten Schritt von „Luxus“ zu „Ultraluxus“ fehlen.

Sehr positiv ist jedenfalls die enorme Kapazität der Whirlpools, die nie auch nur annähernd voll ausgelastet waren.

Relativ wenig Sitzplätze in den Restaurants: Geht das gut?

In meinem Schiffsportrait der Explora I hatte ich vorgerechnet, wie das Schiff beim Platzangebot (Tonnage) und der Restaurant-Sitzplätze pro Passagier abschneidet. Das hat mich ebenfalls skeptisch und neugierig gemacht.

Denn andere Luxus-Kreuzfahrtschiffen weisen hier deutlich höhere Werte auf als die Explora-Journeys-Schiffe. Wie wirkt sich das aus? Oder wirkt es sich überhaupt aus?

Fil Rouge
Fil Rouge

Die Antwort ist einigermaßen überraschend: Die Zahlen sagen sehr wenig über das tatsächlich empfundene Platzangebot an Bord der Explora I aus. Denn Explora Journeys macht einiges anders – man könnte sagen: moderner und innovativer – als die Konkurrenz und erreicht damit beeindruckende Effekte. Das hängt meiner Beobachtung nach vor allem mit dem Restaurant-Konzept zusammen.

In Kurzfassung: Weniger Plätze im Restaurant erlauben mehr Fläche für öffentliche Bereiche und damit mehr Freiraum pro Passagier. Ein neues Buffet-Konzept macht dieses Restaurant selbst fürs Abendessen deutlich attraktiver, sodass die geringere Zahl der Plätze in den Bedien-Restaurants kaum ins Gewicht fällt.

Med Yacht Club
Med Yacht Club

Bei anderen Reedereien werden teils enorme Kapazitäten in den Restaurants bereitgehalten, um den Passgieren jederzeit auch spontan einen Tisch in jedem beliebigen Restaurant anbieten zu können. Das ist sehr bequem und flexibel, kostet aber auch viel Platz am Schiff durch ungenutzte Fläche. Explora Journeys nutzt diesen Platz eher für öffentliche Bereiche außerhalb der Restaurants und schafft damit auch bei Vollauslastung eine großzügige Atmosphäre mit sehr viel Raum pro Passagier. Nicht selten haben wir uns während unserer Reise verwundert gefragt: Wo sind eigentlich all die 800 Menschen, die hier mit uns an Bord sind?

Empfehlung: Spezialitätenrestaurants rechtzeitig reservieren

Einen Haken hat diese Herangehensweise aber: Will man zu bestimmten Zeiten in ein bestimmtes Restaurant, sollte man sich rechtzeitig um eine Reservierung kümmern, insbesondere für den Asiaten „Sakura“ und das Steakhaus „Marble“. Das geht bequem über die Smartphone-App oder persönlich beim Reservierungs-Concierge in der Lobby, der durchgehend von 8 bis 18 Uhr verfügbar ist.

Eher mühsam ist dagegen die Reservierung vor der Reise auf der Explora-Website, denn dort wird die tatsächliche Verfügbarkeit erst ganz am Ende des Prozesses geprüft – oft mit dem Ergebnis, der gewünschte Termin sei nicht verfügbar. Allerdings wird über die Vorab-Buchung auch nur ein Teil des Kontingents vergeben, sodass an Bord dennoch freie Tische verfügbar sind.

Sakura
Sakura

Unsere Erfahrung: Wenn auch nicht immer exakt zum präferierten Termin, bekommt man eigentlich immer einen Tisch in Wunschrestaurant. Wenn man gerne im Freien sitzt, ist das eine gute Option, denn dort gibt es fast immer freie Plätze. Zum Mittagessen ist das Sakura ein kleiner Geheimtipp, während das Steakhaus nur abends geöffnet hat.

Marble & Co Steakhaus
Marble & Co Steakhaus

Geht das als „Ultraluxus“ durch? Nicht der traditionellen Definition nach. Aber es passt zu dem lockeren, pragmatischen Konzept von Explora Journeys. Und wenn man im Steakhaus erst etwas später einen Tisch bekommt, dann schaut man vorher eben auf einen luxuriösen Apéro im „Emporium Marketplace“ für ein paar Königskrabben-Beine und ein Glas Champagner vorbei.

„Emporium Marketplace“ –Buffet mit den Vorzügen einer À-la-minute-Küche

Tatsächlich ist der „Emporium Marketplace“ auf der Explora I eine echte Alternative zu den Bedien-Restaurants. Ich zögere, es „Buffet-Restaurant“ zu nennen, denn Explora Journeys hat hier ein neues Konzept entwickelt, das selbst für Fans der Bedienung am Platz sehr attraktiv ist. Das hat mehrere Gründe:

  • Der Service ist äußerst aufmerksam und schnell. Auf Nachschenken bei Wein oder Wasser mussten wir kein einziges Mal warten. Crew trägt einem den Teller vom Buffet zum Tisch, wenn nicht ausnahmsweise wirklich viel Betrieb herrscht.
  • Keine Selbstbedienung – das Essen wird à-la-minute perfekt auf den Punkt gegart. Und ja, da muss man auch mal ein paar Minuten warten, weil die Gerichte frisch gekocht werden. Aber man kann sich die Bestellung an den Tisch bringen lassen oder während der Wartezeit andere Buffet-Stationen besuchen. An der Burger-Station werden Pager ausgegeben, die blinken und piepen, wenn der Burger fertig ist – optional kann man sich den dann vom Kellner an den Tisch bringen lassen.
  • Die Auswahl ist enorm, die Qualität der Speisen exquisit.
  • Es gibt viele Tische im Freien. Ein Dinner zum Sonnenuntergang im Freien ist einfach großartig.

Auch wenn ich eigentlich ein Verfechter des klassischen Dinners im Restaurant bin, mit Bedienung am Tisch, eleganter Atmosphäre und mehrgängiger Menüfolge: Der „Emporium Marketplace“ der Explora I hat uns ehrlich begeistert, auch zum Dinner.

Beeindruckend: durchgängig exquisites Essen

Einer der Aspekte, die uns rückblickend auf unserer Reise sehr beeindruckt haben: Das Essen war in allen Restaurants inklusive des Buffets durchgehend großartig. Zumindest bei unserer persönlichen Auswahl gab es kein einziges Gericht, das ein Ausreißer nach unten gewesen wäre. Das ist eine enorme Leistung und gelingt selbst in der Luxus-verwöhnten Kreuzfahrt-Branche nur wenigen.

Classic Cesar Salad, am Tisch angerichtet
Classic Cesar Salad, im Steakhaus am Tisch angerichtet

Zum europäisch geprägten Stil Explora Journeys‘ gehört auch eine eher europäisch geprägte Küche, die sich wohltuend von den oft amerikanisch adaptierten Gerichten bei den meisten internationalen Reedereien abhebt. Dazu gehören auch Gerichte aus frisch lokal eingekauften Zutaten, auf unserer Reise beispielsweise Muscheln oder Seebrasse als „catch of the day“.

Zu den einzelnen Restaurants und auch der etwas anders als bei der Konkurrenz konzipierten Kochschule an Bord hatte ich bereits in meinem Schiffportrait ausführlich berichtet. Dem gibt es wenig hinzuzufügen, der sehr positive Eindruck von damals hat sich bestätigt. Dennoch hier Fotos unseres Essens während der Reise mit der Explora I, aus dem Restaurant Med Yacht Club …

… Fil Rouge …

… Sakura …

… und Marble & Co.

Bei drei Gerichten will ich nur zusätzlich anmerken: Sie sind die besten ihrer Art, die ich bislang auf einem Kreuzfahrtschiff gegessen habe. Ein so fluffiges und zugleich geschmacksintensives Soufflé ist ein Traum.

Soufflé
Soufflé im Restaurant Fil Rouge

Die Schweinerippchen im Sakura – als Tagesspecial, nicht auf der regulären Karte – sind so zart und haben eine so schöne, aromatische Tiefe mit genau dem richtigen Grad an sanfter Schärfe, dass man es kaum besser machen kann.

Baby Back Ribs
Baby Back Ribs im Restaurant Sakura

Und die Pancakes im Emporium Marketplace, oder vom Room-Service, sind genau so fluffig wie groß. Da lohnt sich die sieben bis zehn Minuten Wartezeit, wenn sie frisch auf Bestellung gebacken werden allemal.

Pancake und Obst zum Frühstück
Pancake und Obst zum Frühstück

Service für Allergien und Sonderwünsche beim Essen

Im Luxus-Segment recht üblich, aber dennoch erwähnenswert: Auf Sonderwünsche beim Essen, insbesondere aber Unverträglichkeiten und Allergien geht Explora Journeys proaktiv ein. Weil ich – aus anderen Gründen – bei einer früheren Reise angegeben hatte, Pescetarier zu sein, bekam ich automatisch Kopien der Speisekarten in die Kabine geliefert, mit dem Hinweis, dass ich eine Vorauswahl treffen und Sonderwünsche am Dining Reservation Desk absprechen könne. Auch schon die standardmäßig angebotenen, vegetarischen und veganen Angebote können sich sehen lassen.

Bars, Getränke & Cocktails

Zu den Bars und Lounge möchte ich zu meinem Schiffsportrait den Aspekt alkoholfrei und alkoholarm ergänzen. Der Trend ist in der ganzen Branche zu beobachten und Explora Journeys nimmt das auf eine elegante Weise auf.

Auf den Barkarten stehen einige, wenige nicht-alkoholische Cocktails (mein Favorit: Cuban Twist). Vor allem aber sind die Bartender sehr flexibel und offen für individuelle Varianten nach Wunsch. Wir haben beispielsweise gerne einen Negroni mit Tanqueray 0.0 bestellt – ein für uns schöner Kompromiss dieses wunderbaren Drinks mit fast identischem Geschmack aber deutlich weniger Alkohol.

alkoholfreier Cocktail "Cuban Twist", nachmittags am Pool
alkoholfreier Cocktail „Cuban Twist“, nachmittags am Pool

Ein wenig zurückgefahren hat Explora Journeys lediglich bei der Champagner-Marke: Statt Moet & Chandon ist jetzt der günstigere Mercier im All-inclusive-Angebot enthalten, teurere Marken gibt es gegen Aufpreis.

Champagne an der Lobby Bar
Champagne an der Lobby Bar

Recht umfangreich und von guter Qualität ist die Auswahl an Inklusive-Weinen: drei Rosés, zehn Weißweine, 13 Rotweine sowie Prosecco (Elem und Rosé Millesimato) und Champagner (Mercier und Mercier Rosé).

Ocean Grand Terrace Suite

Wie schon bei meinem ersten Aufenthalt hatten wir auf der Explora I eine Ocean Terrace Suite, diesmal in der „Grand Terrace“-Variante (Nr. 6061) – also identisch, nur mit einem tieferen Balkon.

Auch zu zweit und eine ganze Woche lang bestätigt sich der überwiegend positive Eindruck von der Suite, mit ein paar Dingen, die man optimieren könnte, etwa dem für zwei Personen gleichzeitig zu schmalen Waschbecken und die fehlende Spiegelheizung im Badezimmer (dafür aber eine Fußbodenheizung). Auch eine breitere, oder eine zweite der sehr bequemen Liegen am Balkon wäre schön.

Zu den Highlights gehört eines der bequemsten Betten, in denen ich bislang auf einem Kreuzfahrtschiff geschlafen habe. Und der edle Dyson-Fön, für den ich trotz meiner kurzen Haare gerne nach einem Grund suche, um ihn öftermal zu benutzen.

Frühstück am Suiten-Balkon: Die Speisenauswahl ist umfangreicherer als sonst üblich.
Frühstück am Suiten-Balkon: Die Speisenauswahl ist umfangreicherer als sonst üblich.

Wer unterwegs auf Internet angewiesen ist, bekommt kostenloses und meist sehr schnelles Starlink-Internet für drei Geräte. Wichtig für Business-Anwendungen: VPN-Verbindungen sind möglich, und damit im Grunde sämtliche Internet-Anwendungen inklusive Streaming. Bei Problemen gibt’s kompetenten, technischen Support an der Rezeption.

Luxus-Kreuzfahrt für Familien

Besonders neugierig war ich darauf, zu erleben, wie „Luxus-Kreuzfahrt“ und „Familien mit Kindern“ zusammenpassen. Denn Explora Journey legt ausdrücklich Wert auf Familienfreundlichkeit und hat auch einen kleinen Kids-Club an Bord – im Luxus-Segment ungewöhnlich, sonst eigentlich nur bei Hapag-Lloyd Cruises zu finden und dort zumindest zahlenmäßig in deutlich geringerem Umfang.

Nautilus (Kids) Club
Nautilus (Kids) Club
Explora I in Fusina bei Venedig
Explora I in Fusina bei Venedig

Von rund 820 Passagieren waren auf unserer Reise 77 Kinder, also fast zehn Prozent der Passagiere. Das Überraschende dabei: Sie haben sich gut integriert, fielen kaum auf, schon gar nicht negativ. Nur am Spätnachmittag, wenn der Hauptpool ohnehin kaum noch besucht war, sah man mal einige Kinder dort plantschen.

Helios-Pool: explizit "adults only"
Helios-Pool: explizit „adults only“

Explora Journeys gelingt es offenbar, trotz aller Vorbehalte ein Luxus-Ambiente für Familien zu schaffen, ohne dabei das Bedürfnis nach Ruhe und Ungestörtheit der erwachsenen Passagiere zu beeinträchtigen. Das mag eine Momentaufnahme auf unserer Reise gewesen sein, ist aber bei immerhin 77 Kindern an Bord schon sehr bemerkenswert.

Entertainment – klassischer als ursprünglich geplant

Das Entertainment ist ein weiterer Aspekt, bei dem Explora Journeys neue Wege gehen will – dann aber wohl die eigenen Ambitionen doch ein wenig zu hoch angesetzt hatte. Die ursprüngliche Idee: Das Entertainment soll sich den Passagieren anpassen, nicht andersherum. Also vor allem: keine festen Show-Zeiten im Theater, eher ein durchlaufendes Entertainment in der Journeys Lounge, bei dem die Passagiere in einer Bar- und Lounge-Atmosphäre kommen und gehen, wie es ihnen gerade angenehm ist.

Journeys Lounge
Journeys Lounge

Das hat sich offenbar nicht bewährt. Denn auf der Explora I gibt es wieder richtige Shows, 45 Minuten lang, zu festen Zeiten. Anders als auf anderen Kreuzfahrtschiffen sind die Shows allerdings Musik-Entertainment, keine aufwendig produzieren Tanz- und Akrobatik-Shows.

Show in der Journeys Lounge
Show in der Journeys Lounge

Jeden zweiten Abend gibt es Musik-Shows mit zwei Spielzeiten, auf unserer Reise beispielsweise mit einem sehr guten Pianisten (Martin Kaye), der eine Jerry-Lee-Lewis-Rock’n’Roll-Show und eine Elton-John-Show im Repertoire hat. An den jeweils anderen Abenden gibt es eine einzelne Show um 22:15 Uhr mit dem Explora-Ensemble: beispielsweise Motown- oder Broadway-Hits mit drei Sängerinnen und drei Sängern sowie einer fünfköpfigen Band, einem professionellen Tanzpaar, dem Cruise Director.

Musik ist auch in den Bars immer live, mit einzelnen Mitgliedern des Ensembles und dazu auch zwei Pianisten und eine Cellistin. Vor allem in der Explora Lounge wechseln sich die Ensemble-Mitglieder stündlich ab, sodass es dort abends durchgehend Livemusik gibt – was am dem ursprünglichen Entertainment-Konzept dann doch relativ nahekommt.

Steinway-Flügel in der Explorer Lounge
Steinway-Flügel in der Explorer Lounge

Eine reizvolle Variante sind zwei selbstspielende Steinway-Flügel in der Explora Lounge und in der Lobby. Wenn also mal kein Entertainer selbst spielt, bekommt man dennoch oft echte Piano-Begleitung statt Musik vom Band, sodass man erst nachsehen muss, ob da wirklich kein Pianist am Flügel sitzt.

Cellistin in der Explora Lounge
Cellistin in der Explora Lounge

Das, was geboten wird, hat hohe Qualität, ist aber ist keine klassische Theatershow, sondern Musik-Programm: Live-Musiker, Sänger. Keine Choreografie, kein Tanz (außer einem erstklassigen, klassischen Tanzpaar mit eigener Show). Für große Production-Shows ist die Bühne auch nicht ausgelegt.

Ein besonderes Service-Erlebnis

Im Vergleich zu den Anfangstagen von Explora Journeys fällt eine deutliche Steigerung beim Service auf, der inzwischen sehr weit oben angekommen ist. Die hohe Zahl von auf unserer Reise 641 Crew-Mitgliedern (bei Explora allesamt „Hosts“ genannt) spürt man deutlich. Überall ist Crew im Überfluss vorhanden und sehr aufmerksam, ohne aber unangenehm präsent oder gar aufdringlich zu wirken.

Hors d'oeuvre-Service
Hors d’oeuvre-Service

Besonders aber fällt eines auf: Die Crew ist durchgehend in bester Stimmung, lacht, hat für die Passagiere immer ein fröhliches, geradezu ansteckendes Lächeln im Gesicht, ist herzlich, entspannt und bietet dennoch besten Service.

Service zum Afternoon Tea
Service zum Afternoon Tea

Diese positive Stimmung und auch der freundschaftlich wirkende Umgang der Crew untereinander ist beeindruckend. Ein wesentlicher Grund ist sicherlich, dass die Vertragslaufzeiten für die Crew laut Explora Journeys gerade einmal fünf Monat sind. Das ist etwa die Hälfte der Vertragslaufzeiten bei Premium- und Massenmarkt-Reedereien, wo die normale Crew meist auf neun bis elf Monate kommt.

Captain's Welcome Reception
Captain’s Welcome Reception

Ein Beispiel, wie gut der Service funktioniert: Als wir einmal (und das kam tatsächlich nur ein einziges Mal vor) unsere Cocktails in der Explora Lounge nicht innerhalb von fünf Minuten am Tisch hatten, bemerkte dies ein anderer Kellner von sich aus und kümmerte sich aktiv darum, dass wir unsere Drinks umgehend bekamen.

Crew-Farewell-Empfang
Crew-Farewell-Empfang

Gläser wurden in den Restaurants, auch im Buffet, immer im genau richtigen Moment nachgefüllt. Wir mussten während der Reise kein einziges Mal selbst nach dem Kellner rufen, weil ein Glas leer war. Ähnlich schnell wurden beispielsweise auch im Buffet die leeren Teller abgeräumt. Sind die Kellner der jeweiligen Sektion gerade anderweitig beschäftig und nicht sofort zur Stelle, springen Vorgesetzten ein und helfen aus.

Was mir persönlich nicht so gut gefällt …

Der Absatz über die Dinge auf der Explora I, die mit weniger gut gefallen, ist recht kurz.  

Das eigentlich sehr angenehme, schlicht-elegante Design der Explora I hat eine Schattenseite: Die hellen, einfarbigen Teppich und Möbelpolster sind recht fleckenanfällig. Da ist vor allem in den Suiten permanente Kontrolle und Reinigung notwendig, mit der die Kabinenstewards offenbar nicht nachkommen. Eine Kleinigkeit, die im Luxussegment aber eben auffällt.

Atoll Pool: hohe Glaswand statt Reling
Beispiel Atoll Pool: hohe Glaswand statt Reling

Schade finde ich, dass die Außendecks mit ganz wenigen Ausnahmestellen am Heck rundum mit übermannshohen Scheiben verglast sind. Das bietet Windschutz, verhindert aber den wirklich freien Blick aufs Meer. Zumindest an manchen Stellen wäre es schön, wenn man sich zum Sonnenuntergang auch mal mit einem Glas Champagner in der Hand an eine normale Reling lehnen und mit ein wenig Wind um die Nase den Blick frei übers Meer schweifen lassen könnte.

abends am Astern-Pool
abends am Astern-Pool

Zwei solchen Orte gibt es aber immerhin: am Astern-Pool und an der Sky Bar, jeweils nach hinten.

Was mir besonders positiv auffällt …

Umso länger könnte der Absatz über die Aspekte sein, die mit positiv aufgefallen sind – hätte ich diese Aspekte nicht bereits ausführlich beschrieben, wie Crew, Service, Essen.

Aber es gibt weitere, erwähnenswerte Details, die viel zum Luxus-Ambiente auf der Explora I beitragen. Allein voran sind das die sehr langen Liegezeiten in den Häfen. Und der exzellenter Tender-Service dort, wo das Schiff vor Anker liegt und nicht an einen Pier geht. Denn die Tenderboote fahren kontinuierlich, bei längerer Tenderstrecke mit entsprechend mehr Tenderbooten. Wir mussten nie länger auf ein Boot oder die Abfahrt warten – was selbst im Luxus-Segment ungewöhnlich ist.

Tenderboot
Tenderboot

Was uns sehr gut gefallen hat, war auch der reibungslose und schnelle Ablauf des Tenderprozesses und der Ausflugsorganisation. Wer sich in dieser Hinsicht wegen Erfahrungen bei der Schwesterrederei MSC Cruises Sorgen macht: unbegründet. Einen so perfekten Ablauf beim Tendern und bei der Abwicklung der Landausflüge habe ich sonst noch bei keiner Reederei erlebt.

Tenderboot
Tenderboot

Eine Kleinigkeit, und doch so wichtig: Die Aufzüge sind zum einen sehr großräumig, zum anderen sehr schnell. Es gibt also nie Gedränge und die Wartezeit auf einen Aufzug hält sich selbst zu Stoßzeiten sehr in Grenzen.

Aufzüge
Aufzüge

Beeindruckt hat mich der hohe Fahrtkomfort auf der Explora I: Während der gesamten Reise haben wir an keiner Stelle am Bord Vibrationen gespürt. Selbst der Einsatz der Seitenstrahlruder bei An- und Ablegemanövern war kaum zu spüren. Die Erklärung dafür bekamen wir in der Fragestunde mit Kapitän und Chief Engineer: Die Explora I ist für mehr Komfort – dafür geringere Geschwindigkeit – mit sechsflügligen statt der sonst üblichen vierflügligen Propeller ausgestattet.

Explora I
Explora I

Die Seitenstrahlruder verursachen weniger Vibrationen, weil sie in Relation zur Schiffsgröße sehr leistungsstark ausgelegt sind und daher kaum einmal mit Volllast betrieben werden müssen. Zum Vergleich: Die MSC Seaside eine 2,4-fache Tonnage, die Seitenstrahlruder haben aber nur die 1,6-fache Leistung wie auf der Explora I.

Fazit: eine europäische und entspannte Variante von Luxus

Eines darf man bei Explora Journeys nicht vergessen: Die Marke ist erst seit zwei Jahren im Passagierbetrieb. Auch wenn viel MSC-Erfahrung dahintersteht, ist das Unternehmen im reinen Luxus-Segment doch neu.

Dafür macht Explora beeindruckend viel richtig, bei manchen Aspekten erfrischend anders und je nach Sichtweise besser als die Konkurrenz. Explora Journeys gelingt eine bislang nicht dagewesene Variante von Luxus-Kreuzfahrten. Kritikpunkte muss man schon fast gezielt suchen, um welche zu finden.

Rettungring der Explora I
Rettungring der Explora I

Im Luxusbereich wird häufig propagiert, dass sich die Passagiere sehr individuell und nach eigenen Vorlieben ausleben können. Tatsächlich gibt es aber immer Leitlinien, die einen gewissen Grundstil vorgeben – ob eher protzig-selbstdarstellerisch mit viel Symbol-Luxus oder mit dezent zur Schau gestelltem Understatement, ob eher amerikanischer Country-Club-Stil oder mondänem Cote-de-Azur-Chic.

Cocktail an der Sky Bar
Cocktail an der Sky Bar

Das Ambiente an Bord der Explora I ist dagegen sehr offen und tolerant allem gegenüber – in gewissen Grenzen natürlich. Der Stil ist sehr leger, es herrscht in vieler Hinsicht europäische Lockerheit. Man bewegt sich dennoch im Luxus-Segment, aber mit weniger unausgesprochenen Zwängen.

Explora I in Fusina bei Venedig
Explora I in Fusina bei Venedig

Und so ist es eben auch okay, mit (adretten) kurzen Hosen und Poloshirt zum Abendessen zu gehen. Selbst eine (edle) Baseball-Kappe führt nicht dazu, dass man am Restaurant-Eingang abgewiesen, oder von Mitreisenden schief angeschaut würde. Sakko oder gar Anzug und Abendkleid können, müssen aber nicht zu Hause bleiben, eine Krawatte ist für Herren definitiv überflüssig.

Astern Pool
Astern Pool

Das Ergebnis ist ein spannendes, bunt gemischtes – wenngleich natürlich wohlhabendes – Publikum mit breiter Altersstruktur: vom Mehr-Generationen-Familienurlaub über junge Paare und Familien mit kleineren Kindern oder Teenagern, bis hin zum eher typischen, etwas älteren Kreuzfahrt-Publikum. Und das aus aller Welt, von Australien und Südamerika über USA (ein größerer Anteil) bis natürlich Europa, aber auch Asien und sogar einige russischsprachige Passagiere.

Carmen Winkler, Franz Neumeier, sommerliche Stimmung, Champagner
Unterwegs mit der Explora I im östlichen Mittelmeer: Carmen Winkler, Franz Neumeier

Was mir auf der Explora I besonders aufgefallen ist, und deshalb wiederhole ich es zum Abschluss noch einmal, ist die Konstanz und Konsistenz der wichtigsten Leistung auf einem Kreuzfahrtschiff. Weder bei der Qualität beim Essen, noch beim Service haben wir Ausreißer nach unten erlebt. Das kommt so konsequent selten vor und zeugt von exzellenten Führungskräften an Bord, die es schaffen, alle ihre Mitarbeiter zu motivieren und für die Arbeit zu begeistern. Bei einer so jungen Kreuzfahrt-Marke ist das besonders beeindruckend.

Anmerkung*: Cruisetricks.de reiste auf der Explora I auf Einladung von Explora Journeys. Landausflüge haben wir selbst bezahlt.

Weitere Teile der Serie "Mit der Explora I durchs östliche Mittelmeer":

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Cruisetricks.de reiste auf der Explora I auf Einladung von Explora Journeys. Landausflüge haben wir selbst bezahlt.

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2 Kommentare

Über den Autor: FRANZ NEUMEIER

Franz Neumeier
Über Kreuzfahrt-Themen schreibt Franz Neumeier als freier Reisejournalist schon seit 2009 für cruisetricks.de und einige namhafte Zeitungen und Zeitschriften. Sein Motto: Seriös recherchierte Fakten und Hintergründe statt schneller Schlagzeilen und Vorurteile, damit sich jeder seine eigene Meinung bilden kann. TV-Reportagen zitieren ihn als Kreuzfahrt-Experten und für seine journalistische Arbeit wurde er mehrfach ausgezeichnet. Er wird regelmäßig in die Top 10 der „Reisejournalisten des Jahres“ gewählt und gewann mit cruisetricks.de mehrfach den „Reiseblog des Jahres“-Award.

2 Gedanken zu „Explora Journeys im Praxistest: So fühlt sich Luxus auf der Explora I an“

  1. Hallo Herr Neumeier,
    danke für den ausführlichen und aussagkräftigen Bericht.
    Ja, auch für meine Frau und mich, ist Explora Journeys das aktuell interessanteste Produkt am Markt. Den durchgehend aufmerksamen und freundlichen Service, sowie die konstante hohe Qualität beim Essen schätzen wir auch sehr. Jetzt gilt es zu hoffen, dass Explora es schafft, diesen Standard, auch auf allen zukünftigen Schiffen, zu etablieren und zu halten.
    Wir haben noch Kontakt zu mehreren Crewmitgliedern. Crewevents auch in öffentlichen Bereichen oder persönlichen Wertschätzungen guter Leistungen sind aktuell an der Tagesordnung. Ebenso die kurzen Vertragslaufzeiten führen anscheinend zu hoher Crew Zufriedenheit, was die Gäste positiv zu spüren bekommmen.
    Wir hatten noch keine Vollauslastung bei unseren Reisen. Daher alles easy bezüglich Restaurantbuchungen. Allerdings liest man im entsprechenden Forum (vereinzelt), dass man im Fil Rouge oder Med abgewiesen wurde, da an diesem Abend keine freie Kappazität vorhanden war.
    Das ist beim Niveau des Buffets zwar nicht tragisch, aber trotzdem im Luxussegment ärgerlich.
    Keine Aussage von Ihnen im Bericht, bezüglich ihrer Liebliegsspeise: Eis?
    Wir als Fans von Fruchtsorbet fanden des Geschmack noch besser als bei „Venchi“. Beziehen uns aber nur auf den Geschmack.
    Gruß Steffen Müller

  2. Hallo Herr Müller, Sie haben recht, das Thema „Eis“ habe ich tatsächlich übersehen zu erwähnen. Das Sorbet oben am Pool ist in der Tat sehr gut, die Eiscreme fand ich okay, aber nichts Besonderes. Sehr gut fand ich dagegen das Eis zum Dessert in den Restaurants, ganz besonders im Sakura (z.B. Schwarzer Sesam).

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